Samarai
| Samarai
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|---|---|---|
| Gewässer | Salomonensee | |
| Inselgruppe | Louisiade-Archipel | |
| Geographische Lage | 10° 36′ 45″ S, 150° 39′ 53″ O | |
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| Länge | 800 m | |
| Breite | 400 m | |
| Fläche | 29 ha | |
| Hauptort | Samarai | |
Samarai ist eine Insel und ehemalige Verwaltungshauptstadt der Milne Bay Province in Papua-Neuguinea.
Die Insel war historisch bedeutsam als Standort eines Handelshafens und Zwischenstopps zwischen Australien und Ostasien. Die Stadt Samarai wurde auf der Insel gegründet und war zu ihrer Blütezeit nach Port Moresby die zweitgrößte Stadt im Territorium Papua.[1]
Während des Zweiten Weltkriegs ordneten die Briten die Zerstörung der Stadt Samarai an, da sie eine japanische Besetzung befürchteten. Obwohl sie nach dem Krieg wieder aufgebaut wurde und bis 1968 als Provinzhauptstadt fungierte, führten wirtschaftliche Veränderungen dazu, dass Samarai seine regionale Bedeutung nicht vollständig zurückerlangte und seither weitgehend verfiel. Die Insel wurde 2006 von der Regierung Papua-Neuguineas zum Nationalen Historischen Erbe erklärt.[2]
Geografie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Samarai liegt vor der südöstlichen Spitze Neuguineas in der sog. China Strait und hat eine Fläche von nur 285.000 Quadratmetern (70 Acres) bzw. 29 Hektar. Bei der Volkszählung 2014 lebten auf der Insel 460 Menschen, womit sie zu den am dichtesten besiedelten Inseln der Region zählt. Sie gehört zu den Samarai-Inseln im äußersten Westen des Louisiade-Archipels.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Besiedlung
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Die Insel wurde 1873 von Kapitän John Moresby entdeckt, der das Kommando über die HMS Basilisk innehatte. Moresby nannte die Insel ursprünglich Dinner Island, nachdem er dort gegessen hatte.[3] Fünf Jahre später, 1878, gründete Reverend S. MacFarlane von der London Missionary Society eine Missionsstation auf der Insel. Nach der Ausrufung des Protektorats über Britisch-Neuguinea wurde ein Regierungsbeamter dorthin entsandt.
1884 eröffneten ein Händler und sechzig Papua eine Station am Strand für vorbeifahrende Schiffe. In den Anfangsjahren verursachte ein großes, malariaverseuchtes Sumpfgebiet gesundheitliche Probleme auf Samarai, die sich jedoch nach 1898 durch die Trockenlegung des Gebiets besserten.[3] Nach der Annexion Britisch-Neuguineas im Jahr 1888 wurde Samarai zum Hauptsitz eines Verwaltungsbezirks. Anschließend wurde ein Gericht eingerichtet und ein Magistrat eingesetzt.[3]
Im 20. Jahrhundert war die Insel eine pulsierende, kosmopolitische Hafenstadt, ein Verwaltungszentrum und ein bedeutendes Handelszentrum.[4] Sie war bekannt für ihre Größe und ihr ansprechendes Erscheinungsbild. 1902 war der Wert der aus Samarai exportierten Waren dreimal so hoch wie der Wert der aus Port Moresby exportierten.[3] Bis 1907 gab es drei Pubs, den Sitz eines Bischofs, ein Pfarrhaus, eine Kirche, drei Läden, Regierungsgebäude, Krankenhäuser und Privathäuser. 1927 wurde die Insel an das Stromnetz angeschlossen und Straßenbeleuchtung installiert.[3]
Niedergang und Zweiter Weltkrieg
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In den 1920er Jahren verlor die Stadt an Bedeutung, und in den 1940er Jahren wurden bereits 70 Prozent der Waren über Port Moresby exportiert, obwohl Samarai im Koprahandel weiterhin eine wichtige Rolle spielte. 1940 reiste Sir Hubert Murray, der Vizegouverneur des Territoriums Papua, nach Samarai, nachdem er erkrankt war, und starb später auf der Insel.[5]
Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und dem Vormarsch der Japaner in den Pazifik ordnete die australische Regierung im Januar 1942 die Evakuierung von Samarai an. Später im selben Jahr wurde die Insel zerstört, um zu verhindern, dass die Kais und Gebäude in japanische Hände fielen.[3] Im Juli 1943 errichtete ein Detachement der Seabees des 84. Marinebaubataillons im Rahmen des Marinestützpunkts Milne Bay einen Wasserflugzeugstützpunkt auf der Insel. Trotz Materialmangels wurde der Stützpunkt, einschließlich einer 15 Meter langen Rampe und eines Hangars, innerhalb von 42 Tagen errichtet.[6] Die Patrouillenstaffel 101 (VP-101) mit ihren PBY Catalinas wurde dort stationiert. Auch die USS San Pablo (AVP-30) und das Flugzeugrettungsboot C-9485 operierten vom Wasserflugzeugstützpunkt Samarai aus.[7]
Obwohl Samarai nach dem Krieg wieder aufgebaut wurde, erreichte es nie wieder seine frühere Größe und Bedeutung. 1968 wurde die Provinzhauptstadt der Milne Bay Provinz nach Alotau verlegt. Heute ist die Insel weitgehend isoliert, und nur wenig erinnert an ihre Vergangenheit. 2006 erklärte der Premierminister von Papua-Neuguinea, Michael Somare, die Insel zu einer nationalen historischen Stätte (englisch: National Historical Heritage Island) und versprach, „die Grundversorgung wiederherzustellen und die Denkmäler und Gebäude als Touristenattraktion zu restaurieren“.[8]
Verwaltung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Insel ist in zwei Bezirke unterteilt: Samarai Süd und Samarai Nord. Beide gehören zum ländlichen Verwaltungsbezirk Bwanabwana im Distrikt Samarai-Murua der Provinz Milne Bay.[9]
Flora und Fauna
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Samarai ist bekannt für seine zwei endemischen Fledermausarten:
- Kleine Papua-Zwergfledermaus (Pipistrellus papuanus)
- Watts Zwergfledermaus (Pipistrellus wattsi)
In der Populärkultur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Ausdruck „Sorong to Samarai“ (manchmal auch „Sorong2Samarai“ oder „S2S“) ist in Papua-Neuguinea und Westneuguinea weit verbreitet, um Solidarität und Zusammengehörigkeit auszudrücken. Er bezieht sich sowohl auf Sorong, eine Stadt im Südwesten Papua-Neuguineas (Indonesien), als auch auf Samarai in Papua-Neuguinea. Papua-Neuguinea-Aktivisten verwenden ihn mitunter, um die Vereinigung Papua-Neuguineas zu fordern, im Gegensatz zum indonesischen Ausdruck „Sabang to Merauke“. Im Jahr 2016 veröffentlichte der für die ARIA Music Awards nominierte papua-neuguineisch-australische Musiker Airileke eine Single mit dem Titel „Sorong Samarai“.[10]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Samarai auf GeoNames
- Photographien von Samarai von 1906 – Papua New Guinea Association
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Adrian Lipscomb: Papua New Guinea. Lonely Planet, 1998, ISBN 0-86442-402-7 (englisch).
- ↑ Lonely Planet
- ↑ a b c d e f Peter Ryan (Hrsg.): The Encyclopaedia of Papua and New Guinea. Melbourne University Press. Melbourne. 1972. S. 1028–1029. ISBN 0-522-84025-6.
- ↑ Max Quanchi: Photographing Samarai; place, imagination and change. PDF
- ↑ H. N. Nelson: Sir John Hubert Plunkett Murray (1861–1940). Australian Dictionary of Biography. Band 10. National Centre of Biography, Australian National University. 1986.
- ↑ Samarai Island. auf der privaten Webpage Pacific Wracks. (in englischer Sprache, abgerufen am 18. Dezember 2025).
- ↑ Samarai Seaplane Base. auf der privaten Webpage Pacific Wrecks. (in englischer Sprache, abgerufen am 18. Dezember 2025).
- ↑ Address by the Prime Minister of PNG. In: Official Web Site of the Prime Minister. Government of Papua New Guinea, 16. Februar 2006, archiviert vom am 20. Oktober 2007 (englisch).
- ↑ Billy P. Selve, Sioni Bwadua, Michael Misa, Kanimo James, Jethro P. Usurup (und andere): Community empowerment in the control of lymphatic filariasis in Misima, Milne Bay Province using diethylcarbamazine in combination with albendazole. In: Papua New Guinea Medical Journal. Band 43, Nr. 3–4, Sep.-Dez. 2000. S. 183–185. Archivierter Link. Abgerufen am 18. Dezember 2025.
- ↑ Sorong Samarai - Expressing unity, calling for change. (englisch).


