Salli Hirsch
Salli Hirsch (hebräisch סאלי הירש; geb. 27. Juni 1885 in Heinrichswalde in Ostpreußen; gest. 21. November 1950 in Jerusalem) war ein jüdischer Jurist und zionistischer Verbandsfunktionär.
Hirsch wurde als Sohn des Kaufmanns Nathan Hirsch (1832–1895) und dessen Ehefrau Bertha, geb. Blumenthal (1847–1918), geboren. Seine Geschwister waren der Kaufmann Louis Hirsch (1872, erm. im Ghetto Theresienstadt), der Weinhändler Max Hirsch (1878–1946), Klara Hirsch, verh. Freundlich, sowie Gertrude Hirsch (1890–1935). Hirsch war mit der Ärztin Edith Hirsch, geb. Henschel (1892–1955), verheiratet. Sie engagierte sich im zionistischen Wanderbund Blau-Weiß, der Zionistischen Vereinigung für Deutschland (ZVfD) und der Women’s International Zionist Organization (WIZO). Nach ihrer Emigration nach Palästina 1935 arbeitete sie halbtags für die Krankenkasse Kuppat Cholim in Jerusalem. Aus der Ehe ging der Jurist und Ministerialbeamte Jakob Hirsch (1924–2018) hervor.
Salli Hirsch studierte Rechtswissenschaften an der Universität Berlin und wurde dort promoviert. Anschließend ließ er sich als Rechtsanwalt und Notar in Halberstadt nieder. Später übersiedelte er nach Berlin, wo er gemeinsam mit dem Juristen und zionistischen Funktionär Siegfried Moses (1887–1974) eine Kanzlei betrieb. Am Weltkrieg nahm Hirsch als Offizierstellvertreter teil und wurde mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet.
1914 wurde er in das Präsidium des Kartells Jüdischer Verbindungen (KJV) gewählt, dessen Vorsitz er später übernahm. Zudem gehörte er dem Landesvorstand der Zionistischen Vereinigung für Deutschland sowie dem Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin an. Darüber hinaus war er Mitglied des Aktionskomitees der World Zionist Organization. Von den 1920er Jahren bis 1937 nahm er als Delegierter an den Zionistenkongressen teil und unternahm wiederholt Reisen nach Palästina. Er gehörte dem Vorstand der Haʿavara an, die den Transfer von Devisen aus dem Deutschen Reich nach Palästina organisierte, sowie der in Berlin ansässigen Palästina-Treuhandstelle zur Beratung deutscher Juden GmbH, einem Bankenkonsortium zur Durchführung des Kapitaltransfers jüdischer Auswanderer nach Palästina im Rahmen der Haʿavara. Publizistisch trat er vor seiner Emigration mit Beiträgen in der Jüdischen Rundschau und den Blau-Weiß-Blättern hervor.
Im November 1935 emigrierte Hirsch mit einem Visum der Mandatsregierung Palästinas für Einwanderer mit einem Transfervermögen von mindestens 1000 Palästina-Pfund (sog. Kapitalisten-Zertifikat) nach Palästina. Bis 1949 arbeitete er in einer Anwaltskanzlei in Jerusalem. Daneben engagierte er sich bei Ihud, die sich für die Errichtung eines binationalen Staates in Palästina einsetzte. Er war Mitglied ihres Vorstands und Herausgeber der Zeitschrift Baayot haYom. Innerhalb der World Zionist Organization fungierte er als Vizepräsident des Ehrengerichts und gehörte dem Hauptvorstand an.
Nach der Gründung des Staates Israel war Hirsch von 1948 bis 1949 Mitglied der Jerusalemer Stadtverordnetenversammlung. Von 1949 bis 1950 arbeitete er im israelischen Finanzministerium als Treuhänder für feindliches Vermögen. Zudem war er Generalbevollmächtigter der Darlehenskasse für Einwanderer (Kuppat Milveh haOleh) sowie Mitglied des Hauptvorstands von Alijah Chadascha und der Progressive Party. Hirsch veröffentlichte zahlreiche Beiträge in israelischen Zeitungen, darunter Haaretz dem Mitteilungsblatt der Irgun Olej Merkas Europa und weiteren zionistischen Publikationen.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Werner Röder/Herbert A. Strauss (Hrsg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. Bd. 1: Politik, Wirtschaft, Öffentliches Leben, München 1980, S. 300f.
- Ernst G. Lowenthal: Hirsch, Salli. In: Altpreusische Biographie, Bd. 4, Marburg 1984, S. 1228.
- Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Deutsche Biographische Enzyklopädie, 2. Aufl., Bd. 4, München 2006, S. 897.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hirsch, Salli |
| ALTERNATIVNAMEN | סאלי הירש (hebräisch) |
| KURZBESCHREIBUNG | jüdischer Jurist und zionistischer Verbandsfunktionär |
| GEBURTSDATUM | 27. Juni 1885 |
| GEBURTSORT | Heinrichswalde, Ostpreußen |
| STERBEDATUM | 21. November 1950 |
| STERBEORT | Jerusalem |