Zum Inhalt springen

U-Boot-gestützte ballistische Rakete

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von SLBM)
Trident II beim Start von einem getauchten U-Boot

Eine U-Boot-gestützte ballistische Rakete (kurz SLBM, für „Submarine-launched ballistic missile“) ist eine ballistische Rakete, die zum Abschuss von Atom-U-Booten (SSBN) aus vorgesehen ist. Moderne SLBMs entsprechen in der Reichweite etwa den landbasierten Interkontinentalraketen (ICBM) und sind gewöhnlich mit nuklearen Mehrfach-Kernsprengköpfen bestückt.

SLBMs haben eine strategische Bedeutung im, speziell seit dem Kalten Krieg. Bis heute dienen Atom-U-Boote als Teil einer nuklearen Aufstellung der nuklearen Abschreckung einzelner Länder, die diese Systeme entwickeln, herstellen und durch sogenannte Atomstreitkräfte betreiben. Der andere Anteil nuklearer Systeme bilden landbasierte oder luftbasierte Trägersysteme, zusammen auch bekannt als „Triade“ – welche nur von den USA und Russland betrieben wird.

Die Position dieser Kernwaffentragenden-Unterseeboote ist trotz modernster Ortungsgeräte, wie Unterwassermikrophonen (vgl. SOSUS), Magnetsonden und Satelliten, nur schwer auszumachen. Ihre Beweglichkeit gewährt, dass die Einheiten nicht einfach durch einen Gegner ausgeschaltet werden können, da ihre Lage bzw. Position sich verändert und teilweise unbekannt ist. Dieser Aspekt garantiert die Zweitschlagfähigkeit als Teil der nuklearen Abschreckung, da stationäre ICBMs in eine Zielplanung genauer einbezogen werden können und damit eine gewisse Restverwundbarkeit oder geringere Überlebenswahrscheinlichkeit bei einem nuklearen Totalangriff haben.

Eine strategische U-Boot-Flotte (im US-NATO Jargon auch genannt englisch fleet ballistic missiles (FBM) oder englisch fleet ballistic systems (FBS)) hat auch den Vorzug einer potenziell sehr geringen Vorwarnzeit durch nahezu beliebige Distanz zum Ziel, was theoretisch die Option eines atomaren Erstschlags darstellt, vor allem aber die eines relativ erfolgreichen Zweitschlags. Man spricht daher auch von offensiven Kräften. Somit tragen die SLBMs bzw. ihre Träger- und Waffensysteme, die Atom-U-Boote, zum Gleichgewicht des Schreckens bzw. nuklearen Stabilität bei.

Ab 1979 verfügten die USA über modernere Trident-SLBM, die aufgrund ihrer Treffergenauigkeit (CEP) den Einheiten die Möglichkeit gaben, statt Flächenzielen nun auch Punktziele anzugreifen. Die Anzahl der landgestützten Interkontinentalraketen (ICBM), damals in der Verwaltung der Strategic Air Command (SAC), konnte dadurch verringert werden. So hatten die USA um 1985 die Hälfte der strategischen atomaren Gefechtsköpfe auf SLBMs stationiert, die Sowjetunion 20 %. Nach dem Ende der Sowjetunion und des Kalten Kriegs hat man die Kernwaffenarsenale bis in die 2000er Jahre stark abgebaut. Es sind jedoch über 2/3 der verbleibenden nuklearen Kapazitäten der USA auf Atom-U-Boote verteilt. Dabei sind die SLBM die strategischen Waffensysteme. Andere Länder, speziell Russland und China, verteilen ihre ICBM-Kapazitäten auch auf mobilen Startkomplexen, z. B. Topol-M.

SLBM einzelner Staaten

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vereinigte Staaten

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vereinigtes Königreich

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Russland, früher UdSSR

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

russisch Баллистические ракеты подводных лодок (БРПЛ). Die Typenbezeichnungen überschneiden sich zum Teil.

missile mer-sol balistique stratégique (MSBS)

Volksrepublik China

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  • JL-1 (NATO-Codename: CSS-N-3)
  • JL-2 (CSS-N-14)
  • JL-3 (CSS-N-20)

Über SLBMs verfügen im Jahr 2019 die Atomstreitkräfte der Kernwaffenstaaten USA, Großbritanniens, Russlands, Frankreichs und Chinas. Auch das Land Indien, bzw. dessen Streitkräfte, welches im Besitz von Kernwaffen ist, verfügt über SLBMs an Bord seiner Atom-U-Boote.

Nordkorea führte im April 2016 bislang einen Raketentest durch.[1] Mehr zu diesem Thema, siehe auch das Kernwaffenprogramm Nordkoreas.

Commons: U-Boot-gestützte ballistische Raketen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. North Korea Says Submarine Ballistic Missile Test ‘Great Success’. Huffington Post, 24. April 2016, abgerufen am 24. April 2016 (englisch).