Zum Inhalt springen

Ruth Orkin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Ruth Orkin (* 3. September 1921 in Boston; † 16. Januar 1985 in New York City) war eine US-amerikanische Fotografin und Filmemacherin. Sie war Mitglied der Photo League in New York.

Ausbildung und Tätigkeiten

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Tochter der Stummfilmschauspielerin Mary Ruby wuchs in den 1920er und 1930er Jahren in Hollywood auf. Bereits mit zehn Jahren bekam sie ihre erste Kamera geschenkt, eine Univex. Sie begann, damit Schulfreunde und Lehrer zu fotografieren.[1] 1939 studierte sie Foto-Journalismus am Los Angeles City College. Noch im selben Jahr, mit 17 Jahren, unternahm sie eine Fahrradtour quer durch die USA nach New York City, um dort die Weltausstellung zu besuchen. Anschließend arbeitete sie als Botin bei Metro-Goldwyn-Mayer. Sie war die erste Frau, die in dieser Funktion für ein Filmstudio tätig war.[2]

Da sie bei Metro-Goldwyn-Mayer damals als Frau keine Chance hatte, ins Regiefach zu wechseln,[3] verdingte sie sich anschließend beim Women’s Auxiliary Army Corps. Sie hatte gehört, dort sei eine Ausbildung als Filmemacherin möglich. Als sich dies als Trugschluss entpuppte,[2] kehrte sie 1943 nach New York City zurück. Dort verdiente sie ihren Lebensunterhalt zunächst mit Babyfotografien und als Fotografin in einem Nachtclub. Ab den späten 1940er- bis in die 1960er-Jahre hinein arbeitete sie regelmäßig als freiberufliche Bildjournalistin für Zeitschriften wie Life, Look, Ladies’ Home Journal und Collier's.[3] Bei den musikalischen Sommerkursen in Tanglewood fotografierte Orkin Berühmtheiten wie Leonard Bernstein, Isaac Stern, Aaron Copland, Jascha Heifetz und Serge Koussevitzky. Im Jahr 1947 trat sie der Photo League bei und nahm an deren Ausstellung This Is the Photo League (1948–1949) teil.

Im Auftrag des Life Magazin reiste Orkin zu Konzerten des Israel Philharmonic Orchestra nach Israel. Von dort ging sie nach Italien, wo ihr berühmtes Foto American Girl in Italy als Teil der Reihe Don’t Be Afraid to Travel Alone entstand. 1952 kehrte sie nach New York zurück und drehte gemeinsam mit Raymond Abrashkin und Morris Engel den Film Der kleine Ausreißer (Little Fugitive). Im selben Jahr heiratete sie de Engel, mit dem sie noch weitere Filme drehte. Für den Film erhielt sie 1954 eine Oscarnominierung in der Kategorie Beste Originalgeschichte.

In den späten 1950er-Jahren erkrankte sie an Krebs. Von da an fotografierte sie hauptsächlich von ihrer Wohnung am New Yorker Central Park aus. Aus dem Wohnungsfenster im fünfzehnten Stockwerk heraus[3] hielt sie Paraden, Demonstrationen, Marathonläufe und Konzerte in Bildern fest. Diese Fotos veröffentlichte sie in den Bildbänden A World Through My Window und More Pictures From My Window.

Von 1976 bis 1978 unterrichtete Ruth Orkin Fotografie an der School of Visual Arts in New York, 1979 am International Center of Photography.

1985, mit 63 Jahren, erlag sie ihrer Krebserkrankung.[4]

Anlässlich ihres hundertsten Geburtstags erschien Anfang September 2021 bei Hatje Cantz ein 240-seitiger Bildband Ruth Orkin. A Photo Spirit mit Texten von Kristen Gresh, Mary Engel und Orkin selbst. Herausgegeben wurde der Band von Nadine Barth und Mary Engel. Zeitgleich eröffnete eine Ausstellung ihrer Werke im F3 – Freiraum für Fotografie, Berlin.[5] Ende 2023 erschien der Bildband Ruth Orkin: Women, in dem Frauen im Alltag, mit Twinset und Perlen im Büro oder zwischen Windeln und Rice Krispies gezeigt wurden. Synchron zur Buchveröffentlichung wurden ihre Fotos in Berlin ausgestellt.[6]

  • 1951: LIFE Magazine's Young Photographer's Contest
  • 1959: Top Ten Women Photographers in the U.S., Professional Photographers of America
  • 1980: 1st Annual Manhattan Cultural Award, Photography

Ausstellungskataloge

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  • Patricia Bosworth: Ruth Orkin - above and beyond. Hrsg.: Howard Greenberg Gallery. Howard Greenberg Gallery, New York 1999, ISBN 1-893920-00-3.
  • Nadine Barth, Mary Engel, (Hrsg.): Ruth Orkin - a Photo Spirit. 2. Auflage. Hatje Cantz, Berlin 2021, ISBN 978-3-7757-5095-0.
  • Clément Chéroux (Hrsg.): Ruth Orkin - Bike Trip, USA, 1939. Silvana Editoriale, Cinisello Balsamo / Milano 2013, ISBN 978-88-366-5606-6.
  • Nadine Barth, Katharina Mouratidi (Hrsg.): Ruth Orkin - Women. Hatje Cantz, Berlin 2023, ISBN 978-3-7757-5685-3.

Weitere Literatur

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  • Mason Klein, Catherine Evans: The Radical Camera: New York’s Photo League, 1936–1951. The Jewish Museum und Yale University Press, 2011.
  • Anne Morin: Ruth Orkin. Actes Sud, Arles 2013, ISBN 978-2-330-18208-3.

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. Bio | The Work of Photojournalist Ruth Orkin. In: Ruth Orkin Photo Archive. Abgerufen am 29. Mai 2026 (englisch).
  2. 1 2 Ruth Orkin. In: International Center of Photography. Archiviert vom Original; abgerufen am 29. Mai 2026 (englisch).
  3. 1 2 3 Andy Grundberg: Ruth Orkin, Photojournalist and film maker, dead at 63. In: The New York Times. 17. Januar 1985, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 3. Juni 2026]).
  4. „Ruth Orkin.“ Gale Literature: Contemporary Authors, Gale, 2002. Gale Literature Resource Center, link-1gale-1com-1cs8mh6h103cb.emedia1.bsb-muenchen.de/apps/doc/H1000074951/LitRC?u=bayern&sid=summon&xid=c9f71dec. Abgerufen am 29. Mai 2026.
  5. Lennart Laberenz: „Diese Grandezza“ Zu ihrem 100. Geburtstag erscheint ein neuer, grandioser Bildband, Rezension in Der Freitag, erschienen und abgerufen am 3. September 2021.
  6. Katharina Mouratidi: RUTH ORKIN: WOMEN. In: fhochdrei. 23. Oktober 2023, abgerufen am 2. März 2024 (deutsch).