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Rudolf Perner

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Rudolf Perner (* 17. Juli 1899 in Budweis, Königreich Böhmen; † 15. Oktober 1982 in Passau) war ein deutscher Glockengießer.

Perner entstammt der Budweiser Linie der Glockengießerfamilie Perner. Er übernahm 1928 den Betrieb von seinem Vater und kam 1947 nach Vertreibung nach Passau in der damaligen Trizone. Dort baute er in der im Krieg zerstörten Ziegelei im Ortsteil Hacklberg das Unternehmen neu auf. Die Glockengießerei Rudolf Perner existiert bis heute und wird von seinem Enkel gleichen Vornamens geführt.

Rudolf Perner II. ist am 17. Juli 1899 in seiner Vaterstadt Budweis geboren. Seit 1760 ist das Geschlecht der Perner als Glockengießer in Budweis tätig gewesen. Das Geschlecht der Perner nahm nachweislich von der Bischofsstadt Brixen in Südtirol seinen Weg in die Nähe des böhmischen Erzgebirges, nach Pilsen und von da nach Budweis. Perners Eltern waren Rudolf I., geboren 1858, und Emma, geborene Bitterlich, aus Deutsch-Gabel.

Die Pernersche Glockengießerei in Budweis lag zuerst unmittelbar am Dom in der Priestergasse, wo den Hauseingang ein auffallend lebensgroßes Christuskreuz schmückte. Hier verbrachte Rudolf II. Perner seine Jugendzeit mit seinen drei Schwestern. Er besuchte die deutsche Volksschule, vier Klassen der Realschule in Budweis; dann machte er ein Lehrjahr im Glockengießereibetrieb seines Vaters. Die Gießereipraxis von 1919 bis 1921 absolvierte er in Betrieben in Villingen und in Brünn. Zwischendurch – 1920/21 – diente er 18 Monate beim tschechischen Militär. Nach der Lehre besuchte er die vierjährige Höhere Staatsgewerbeschule in Pilsen, die er nach Absolvierung seiner Militärdienstzeit als Ingenieur verließ. Seit 1922 war er im väterlichen Betrieb tätig und sein bedeutender Glockenguss in dieser Zeit waren die großen Glocken im Gewicht von rund 6000 und 3300 kg für die Pfarrei der Stadt Brüx in Nordböhmen.

Die Glockengießerei wurde nach dem Ersten Weltkrieg unter seinem Väter in der Nähe der bekannten Dienzenhofer-Kirche von Gutwasser bei Budweis neu erbaut. Im Jahre 1928 übernahm Rudolf Perner II. 30-jährig dieses väterliche Unternehmen. Im gleichen Jahr vermählte er sich mit Klara Feichtinger. Aus dieser Ehe entstammten fünf Kinder: Rudolf III. (geb. 1929, gest. 1973), Adelheid (geb. 1932), Klara (geb. 1936), Brigitte (geb. 1939) und Maximilian (geb. 1951). Noch im Kriegsjahr 1944 wurde Perner zur deutschen Wehrmacht eingezogen und an die slowakische Front geschickt. Nach der Rückkehr wurde er von tschechischen Milizen abgeholt und ins Gefängnis gebracht zu werden. Nach sechs Wochen schweren Arbeitslagers wurde er mit seiner Frau ausgewiesen. Seine Kinder waren bereits mit seiner Schwiegermutter im Januar 1946 nach Bayern evakuiert worden.

Aus der Offizin der Perner stammen in Böhmen eine große Anzahl von Glocken; erwähnt sollen, abgesehen von den genannten Brüxer Glocken, noch die vielen Glocken in den Böhmerwaldgemeinden, die Glocke in der Schlosskapelle zu Lünz (1700), die in Schlackenwerth, die Glocke in Pilsen und auch die 1900 kg schwere Glocke in der Stiftskirche zu Waldsassen, dann das größte Glockenspiel Böhmens mit 8 Glocken, das auf dem Hl. Berg in Přibram zu hören ist, sein. Es wiegt 8800 kg und wurde als künstlerisch bedeutsam anerkannt und deshalb vor der Einschmelzung bewahrt. In Budweis allein hingen in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg 30 Glocken, darunter die Pummerin aus dem Jahre 1723, die Sylvius Kreutz aus Linz gegossen hat, verteilt auf den Schwarzen Turm und die einzelnen Kirchen.

Seit Jahrhunderten waren die Glockengießer darauf erpicht, ihre Glocken nicht nur in Moll ertönen zu lassen, sondern ihr sehnlichster Wunsch war es gewesen, ihren Glocken den strahlenden Dur-Klang zu verleihen. Abgesehen von wenigen unreinen Dur-Glocken des Barock glückte Perner schon 1948, in eine Glocke die große Terz einzugießen, worin der Glockengießer Jahrhunderte alter Traum in Erfüllung ging. So erklingen vom Regensburger Dom neben den klassischen Moll-Glocken zwei Dur-Glocken von Meister Perner. Das Geheimnis der großen Terz ist sein Familiengeheimnis, das er trotz finanzieller Verlockungen nicht preisgibt.

1952 goss er in Erinnerung an die Pummerin seiner Vaterstadt Budweis eine solche für den Passauer Dom im Gewicht von 8000 kg im Ton F 1/2. 1968 übergab unser Jubilar seinen modernen Betrieb an seinen Sohn Rudolf III. Eine Tragik für den Vater und für die junge Familie seines Sohnes war es, als Rudolf III. 1973 plötzlich einem Herzinfarkt erlag. Ihm folgte im gleichen Jahr nach schwerer Krankheit seine Ehefrau Ida in den Tod. Altmeister Perner musste nun sein Unternehmen wieder übernehmen und dazu die Obsorge für die verwaisten fünf Enkelkinder. Sein jüngster Enkel Maximilian, geboren 1951, musste sein Chemiestudium in der Schweiz abbrechen, um sich der Glockengießerei zu widmen. Rudolf Perner II. verstarb am 15. Oktober 1982 in Passau.[1]

  • Franz Mader: Tausend Passauer – Biographisches Lexikon zu Passaus Stadtgeschichte. 1. Auflage. Neue-Presse-Verlags-GmbH, Passau 1995, ISBN 3-924484-98-8 (Mitherausgeber: Stadtarchiv Passau).

Einzelnachweise

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  1. ↑ Sedlmeyer, Karl Adalbert: Budweis - Budweiser und Stritschitzer Sprachinsel, Verlag Miesbach, Bergemann + Mayr, 1979, S. 552ff.