Roser Bru

Roser Llop Bru (* 15. Februar 1923 in Barcelona, Spanien; † 26. Mai 2021 in Santiago de Chile, Chile) war eine spanische Malerin, Grafikerin und Hochschullehrerin. Sie war Professorin für Malerei und Zeichnung an der Kunsthochschule der Katholischen Universität von Santiago de Chile und gilt als eine der wichtigsten bildenden Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts in Lateinamerika. Unter anderem erhielt sie 2015 den chilenischen Nationalpreis für Bildende Kunst und 2018 die spanische Goldmedaille für Verdienste um die Schönen Künste.[1][2]
Leben und Werk
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Roser Llop Bru war die Tochter von Lluis Bru. 1923 erlebte sie aufgrund der Diktatur von Miguel Primo de Rivera ihr erstes Exil in Paris. Grund dafür waren die politischen Aktivitäten ihres Vaters, eines Politikers, der später Mitglied des katalanischen Parlaments wurde. 1929 kehrte sie mit ihrer Familie nach Barcelona zurück, wo ihr Vater aktiv an der Gründung der Spanischen Republik mitwirkte. Sie studierte am Institut-Escola. 1939 gelang der Familie Bru, nach der Niederlage der Republikaner im Spanischen Bürgerkrieg unter Franco, die Flucht zunächst nach Frankreich und dann nach Chile. Dank der Bemühungen von Pablo Neruda, dem damaligen Konsul in Paris, fuhr sie mit ihrer Familie zusammen mit 2200 anderen spanischen Exilanten Chile auf dem Schiff Winnipeg nach Chile.[3]
Von 1939 bis 1942 war sie an der Kunsthochschule der Universität von Chile, wo sie Malerei, Aquarell und Zeichnen studierte und Schülerin der Künstler Pablo Burchard und Israel Roa war. 1942 heiratete sie den katalanischen Exilanten Cristián Aguadé, mit dem sie 1943 und 1949 zwei Töchter bekam.
1948 schloss sie sich der Grupo de Estudiantes Plásticos an, zu der unter anderem José Balmes, Gracia Barrios, Guillermo Núñez und Gustavo Poblete gehörten. 1956 trat sie der von Nemesio Antúnez, einem Schüler des englischen Kupferstechers William Hayter, gegründeten Taller 99 für Kupferstecher bei und spezialisierte sich weiterhin auf Drucktechniken. Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit unterrichtete sie von 1964 bis 1968 Zeichnen und Malerei an der Kunsthochschule der Päpstlichen Katholischen Universität von Chile und war Ende der 1980er Jahre dort Gastdozentin.
Ihr Werk umfasste Techniken wie Malerei, Zeichnung und Druckgrafik. Eine Konstante in ihrem künstlerischen Schaffen waren Bilder, die Elemente ihrer persönlichen Biografie mit gesellschaftspolitischer Geschichte und Kunstgeschichte verbanden. Die Kunsthistorikerin Adriana Valdés unterteilt Brus Werk in zwei Phasen. Von 1960 bis 1973 war ihre Kunst vom Informel des katalanischen Künstlers Antoni Tàpies beeinflusst und tendierte zu Monumentalität und einfacher Strichführung. Danach bis 1988 wirkten ihre Figuren weniger plastisch und waren mit transparenten Linien gemalt. Bewegt von den politischen Ereignissen in Chile und dem Verschwinden derer, die sich dem diktatorischen Regime von Augusto Pinochet widersetzten, begann Bru, Namen, Nummern und Identifikationsfotos in ihre Werke zu integrieren.[4][5]
Von 1970 bis 1973 schuf sie unter anderem ein großes, vierteiliges Wandbild in Patchwork-Technik, das für den Neubau der UNCTAD III (der dritten Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung, die 1972 in Chile stattfand) in Auftrag gegeben wurde. Das Gebäude wurde während des zivil-militärischen Putsches von 1973 geplündert; ihr verschollenes Kunstwerk konnte bis auf einen Teil Jahre später teilweise wiedergefunden werden.
Zu Lebzeiten nahm sie an zahlreichen Ausstellungen in Chile und im Ausland teil. 2015 wurde ihr der Nationale Preis für Bildende Kunst verliehen. Anlässlich ihres 100. Geburtstags und des Internationalen Frauentags trug ab dem 8. März 2024 eine der Galerien im Südflügel des ersten Stocks des Nationalen Kunstmuseums ihren Namen.[6]
Roser Bru starb 2021 im Alter von 98 Jahren in Santiago.
Einige ihrer Werke befinden sich unter anderem im Museum of Modern Art in New York, im Brooklyn Museum, im Museum of Contemporary Art in Santiago, im Chiloé Museum of Modern Art, im National Museum of Fine Arts of Chile, im Museo de la Solidaridad Salvador Allende, im National Historical Museum, im Metropolitan Museum of Art, im Museu de Arte Moderna do Rio de Janeiro, in den Staatliche Museen zu Berlin, im Museo Reina Sofía in Madrid und im Museu Nacional d’Art de Catalunya.[7]
Die Dokumentensammlung der Roser Bru Foundation beherbergt das vollständige Archiv von Roser Bru, darunter Fotografien, Korrespondenz, Zeitungsausschnitte, Publikationen und biografische Dokumente.[8]
Auszeichnungen und Ehrungen (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1956: Lobende Erwähnung, Sektion Zeichnung und Gravur, Offizieller Salon, Santiago
- 1956: Erster Preis für Malerei, Offizieller Salon, Santiago
- 1958: Erster Preis für Gravur und Zeichnung, Offizieller Salon, Santiago
- 1959: Erster Preis für Kupferstich, Offizieller Salon, Santiago
- 1960: Lobende Erwähnung in der Kategorie Gravur, Interamerikanische Biennale von Mexiko
- 1960: Zweiter Preis für Malerei, Offizieller Salon, Santiago
- 1962: Erster Preis für Malerei, Offizieller Salon, Santiago
- 1963: Preis des Instituts für Erweiterung der Bildenden Künste, I. Amerikanische Biennale für Gravur, Museum für Zeitgenössische Kunst, Santiago
- 1965: Malereipreis, Offizieller Salon, Santiago
- 1965: Osvaldo-Goeldi-Preis, II. Amerikanische Gravurbiennale, Santiago
- 1968: Preis für Kupferstich, VIII. Kunstfestival, Cali, Kolumbien
- 1978: Ehrenpreis, Erste Nationale Grafikausstellung der Katholischen Universität von Chile, Nationalmuseum der Schönen Künste, Santiago
- 1980: Preis bei der 1. Internationalen Biennale für Kupferstich 8organisiert vom Buenos Aires Print Club, Buenos Aires
- 1984: Zweiter Preis, II. Wettbewerb Beschäftigung oder deren Mangel, Galerie Arte Actual, Santiago
- 1987: Erster Preis beim Plakatwettbewerb des Chilenisch-Französischen Kulturinstituts, Santiago de Chile.
- 1995: Ausgezeichnet von König Juan Carlos I. von Spanien mit dem Orden de Isabel la Católica
- 1999: Altazor-Preis für Bildende Kunst, Santiago
- 2000: Altazor-Malereipreis, Santiago
- 2004: Pablo-Neruda-Medaille des Ordens für künstlerische und kulturelle Verdienste. Verliehen vom Nationalen Rat für Kultur und Kunst, Santiago
- 2015: Preisverleihung 2015 für 100 weibliche Führungskräfte. Auszeichnung verliehen von Mujer Empresaria und El Mercurio, Santiago
- 2015: Nationaler Kunstpreis Chile[9]
- 2018: Goldmedaille für Verdienste um die Schönen Künste, Madrid
- 2020: Kreuz des Heiligen Georg
Posthume Ausstellungen (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Comunidad universitaria despide a la artista Roser Bru - Universidad de Chile. 26. Mai 2021, abgerufen am 28. September 2026 (spanisch).
- ↑ Paula Campos: Roser Bru es elegida Premio Nacional de Artes Plásticas 2015. In: Diario y Radio Universidad Chile. 24. August 2015, abgerufen am 28. September 2026 (es-CL).
- ↑ Roser Bru . Superar la distancia. In: Museu d’Art de Girona. Abgerufen am 28. September 2026 (europäisches Spanisch).
- ↑ Roser Bru | Hammer Museum. Abgerufen am 28. September 2026 (englisch).
- ↑ Pablo Retamal N: Fallece la destacada pintora Roser Bru a los 98 años. 26. Mai 2021, abgerufen am 28. September 2026 (spanisch).
- ↑ Roser Bru - Artistas Visuales Chilenos, AVCh, MNBA. Abgerufen am 28. September 2026.
- ↑ La pintora del 'Winnipeg'. Abgerufen am 28. September 2026 (katalanisch).
- ↑ Fondo Documental archivos. In: Roser Bru. Abgerufen am 28. September 2026 (spanisch).
- ↑ Roser Bru Llop - Universidad de Chile. Abgerufen am 28. September 2026 (spanisch).
- ↑ Vidas en Tránsito: Homenaje a Roser Bru. In: MEMORIA. 28. August 2024, abgerufen am 28. September 2026 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Roser Bru: cuerpo, exilio, humanismo. In: La Madraza. Abgerufen am 28. September 2026 (spanisch).
- ↑ Ministerio de Relaciones Exteriores de Chile: Homenaje a Roser Bru en Girona, España. Abgerufen am 28. September 2026 (spanisch).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Bru, Roser |
| ALTERNATIVNAMEN | Bru, Roser Llop |
| KURZBESCHREIBUNG | spanische Malerin, Grafikerin und Hochschullehrerin |
| GEBURTSDATUM | 15. Februar 1923 |
| GEBURTSORT | Barcelona, Spanien |
| STERBEDATUM | 26. Mai 2021 |
| STERBEORT | Santiago de Chile, Chile |