Roland Posner
Roland Posner (* 30. Juni 1942 in Prag; † 26. Mai 2020 in Berlin[1]) war ein deutscher Semiotiker und Linguist, der ab 1974 eine Professur für germanistische und allgemeine Linguistik an der TU Berlin bekleidete, die dortige Arbeitsstelle für Semiotik leitete und 1975 den Lehrstuhl für Linguistik erhielt.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Roland Posner, Sohn von Elisabeth und Herbert Posner, studierte Philosophie, Vergleichende Literaturwissenschaft, Linguistik und Kommunikationstheorie an den Universitäten von Bonn, München und Berlin. 1972 wurde er summa cum laude in den Fächern Allgemeine Linguistik, Germanistik und Philosophie an der TU Berlin mit der Dissertation Theorie des Kommentierens. Eine Grundlagenstudie zur Semantik und Pragmatik zum Dr. phil. promoviert. Bereits 1973 habilitierte er sich für die Fachgebiete Linguistik, Literaturwissenschaft und Sprachphilosophie an der TU Berlin.
Ab 1974 war er außerordentlicher Professor, seit 1975 ordentlicher Professor für Germanistische und Allgemeine Linguistik an der TU Berlin. Von 1975 bis 1980 war er Direktor des Instituts für Linguistik an der TU Berlin. Ab 1980 war er Direktor der „Arbeitsstelle für Semiotik“ an der TU. Ab 1975 war er ebenfalls Leiter des „Semiotischen Arbeitskreises Berlin“ (SAB) und im selben Jahr Gründungsvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Semiotik (DGS), deren Organ Zeitschrift für Semiotik er zeitweilig mit herausgab. Er war zudem Herausgeber der Buchreihen Grundlage der Kommunikation (ab 1975) und Approaches to Semiotics (ab 1978) sowie ab 1979 der Zeitschrift für Semiotik. Von 1984 bis 1994 war er Vizepräsident und von 1994 bis 2004 Präsident der International Association for Semiotic Studies.
Posner nahm Gastprofessuren an der Universität Hamburg (1973) und an der Université de Montréal (1977) wahr. Weiterhin war er Dozent an Linguistischen und Semiotischen Sommerinstituten in Salzburg (1977), Tunis (1979), Toronto (1982), Lissabon (1983), Mysore (1984/85), São Paulo (1985) und Lund (1992). Posner war im akademischen Jahr 1986/1987 Mitglied des Netherlands Institute for Advanced Study in Wassenaar, wo er zum Associate Fellow auf Lebenszeit ernannt wurde.
2010 wurde Posner emeritiert. Danach war er unter anderem im externen wissenschaftlichen Beirat der Universität Siegen tätig.

Roland Posner war katholische und in erster Ehe von 1971 bis 2001 mit der Semiotikerin Marlene Posner-Landsch, geborene Landsch, verheiratet. Sie bekamen drei Kinder (Britta, Astrid und Ingmar). 2001 heiratete er die bulgarische Malerin und Kuratorin Vessela Lozanova (* 1962), welche nach ihrer Promotion im Fachgebiet Semiotik als Gastprofessorin an der TU Berlin lehrte und mit der er auch künstlerisch als Fotograf an mehreren Projekten zusammenarbeitete.[2] Aus dieser Ehe gingen zwei Kinder hervor.[3]
Seine letzte Ruhestätte fand Roland Posner auf dem Friedhof Heerstraße.
Forschungsgebiete
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Viele seiner Arbeiten lassen sich mehreren Forschungsgebieten zuordnen; die meisten Beiträge verbinden Ansätze aus Textlinguistik, Semiotik und Analytischer Philosophie.
Die frühen Arbeiten Posners beschäftigten sich zunächst mit sprachlichen Strukturen, Textlinguistik beschäftigt sich mit satzübergreifenden sprachlichen Strukturen. Der Aufsatz „Sprachliche Mittel literarischer Interpretation“[4] ist eine Kurzfassung der Magisterarbeit von 1967. Er beschreibt die Beziehungen zwischen Goethes Gedicht „An den Mond“ als Objekttext, der als Beispiel eines literarischen Texts verwendet wird, und den in 200 Jahren von Philologen verfassten Interpretationen des Gedichts, die als Metatexte aufgefasst werden. Die im Korpus festgestellten morphologischen, syntaktischen und lexikalischen Umformungen von Objekttext zu Metatext werden mit Hilfe von Transformationsregeln wie Generalisierung, Objektivierung und Entmetaphorisierung dargestellt.
Akademische Ämter
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ab 1985: Mitglied des Committee on Literary Theory der International Comparative Literature Association (ICLA)
- ab 1985: Mitglied im Preisrichtergremium zur Verleihung des Tiburtius-Preises für außergewöhnliche Dissertationen (Berlin)
- 1989: Vizepräsident des International Semiotics Institute (ISI)
- 1984–94: Vizepräsident der Internationalen Gesellschaft für Semiotik (IASS)
- ab 1994: Präsident der Internationalen Gesellschaft für Semiotik (IASS)
- 1989–94: Mitglied des Auswahlausschusses für Lektoren für Deutsch als Fremdsprache im Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD)
- ab 1995: Gutachter für semiotische Forschungsprojekte: deutsche, österreichische, dänische, holländische and schweizerische nationale Forschungsräte
- ab 1996: Mitglied der International Society for Research in Emotion (ISRE)
Ehrungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1989: Ehrenmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Semiotische Studien
- seit 1988: Mitglied der Academio Internacia de la Sciencoj AIS, Sektion Philosophie, Fachbereich Semiotik, San Marino
Forschungsschwerpunkte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Wissenschaftstheorie
- linguistische Pragmatik
- Kultursemiotik
- Poetik und Ästhetik
- Gebärdenforschung
Publikationen (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Theorie des Kommentierens. Eine Grundlagenstudie zur Semantik und Pragmatik. Athenäum, Frankfurt am Main 1972; 2., verbesserte Auflage ebenda 1980.
- Rational Discourse and Poetic Communication. Methods of Linguistic, Literary, and Philosophical Analysis. De Gruyter, Berlin / New York 1982.
- als Hrsg. mit Hans-Peter Reinecke: Zeichenprozesse. Semiotische Forschung in den Einzelwissenschaften. Athnaion, Wiesbaden 1977.
- als Hrsg. mit M. Krampen und anderen: Die Welt als Zeichen – Klassiker der modernen Semiotik. Severin and Siedler, Berlin 1981.
- als Hrsg.: Warnungen an die ferne Zukunft: Atommüll als Kommunikationsproblem. Raben Verlag, München 1990.
- als Hrsg. mit Ernest W. B. Hess-Lüttich: Code-Wechsel: Texte im Medienvergleich. Westdeutscher Verlag, Opladen 1990.
- als Hrsg. mit René J. Jorna und Barend van Heusden: Signs, Search and Communication: Semiotic Aspects of Artificial Intelligence. De Gruyter, Berlin / New York 1992; Neudruck 2011.
- als Hrsg. mit K. Robering und Th. A. Sebeok: Semiotik. Ein Handbuch zu den zeichentheoretischen Grundlagen von Natur und Kultur (= Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft. Band 13). 3 Teilbände. De Gruyter, Berlin / New York 1996, 1998 und 2003.
- Sémiotické studie (Semiotische Studien, tschechische Übersetzung von Veronika Opletalová, Lukáš Motyčka und Lenka Petrová), Olomouc 2018.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ellen Fricke, Maarten Voss (Hrsg.): 68 Zeichen für Roland Posner. Ein semiotisches Mosaik / 68 Signs for Roland Posner. A Semiotic Mosaic. Stauffenburg, Tübingen 2012.
- Posner, Roland. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s Who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 960.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ https://www.semiotik.tu-berlin.de/menue/mitarbeiter/prof_dr_roland_posner/
- ↑ Architektur, die das Leben umschreibt. Eine Ausstellung von Vessela Lozanova und TU-Professor Roland Posner. In: archiv.pressestelle.tu-berlin.de. Abgerufen am 23. Januar 2023.
- ↑ Nachruf auf Roland Posner. In: uni-siegen.de. Abgerufen am 23. Januar 2023.
- ↑ Roland Posner (1984): Sprachliche Mittel literarischer Interpretation. Zweihundert Jahre Goethe-Philologie, in: Hans-Werner Eroms und Hartmut Laufhütte (eds.), Vielfalt der Perspektiven: Wissenschaft und Kunst in der Auseinandersetzung mit Goethes Werk. Passau: Passavia Universitäts-Verlag, 179–206.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Posner, Roland |
| KURZBESCHREIBUNG | tschechisch-deutscher Linguist und Semiotiker |
| GEBURTSDATUM | 30. Juni 1942 |
| GEBURTSORT | Prag |
| STERBEDATUM | 26. Mai 2020 |
| STERBEORT | Berlin |