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Riesen-Rundblattnase

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Riesen-Rundblattnase

Zeichnung des Kopfes aus einem Werk von 1917

Systematik
Überordnung: Laurasiatheria
Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
Überfamilie: Hufeisennasenartige (Rhinolophoidea)
Familie: Rundblattnasen (Hipposideridae)
Gattung: Macronycteris
Art: Riesen-Rundblattnase
Wissenschaftlicher Name
Macronycteris gigas
Wagner, 1845
Verbreitung
Verbreitungsgebiet der Riesen-Rundblattnase

Die Riesen-Rundblattnase (Macronycteris gigas) ist ein mit drei disjunkten Populationen im zentralen und westlichen Afrika verbreitetes Fledertier in der Familie der Rundblattnasen. Das Taxon galt zeitweilig als Unterart oder Synonym der Commerson-Rundblattnase (Macronycteris commersonii). Abweichungen in der Morphologie und in den Lauten zur Echoortung führten zur Anerkennung als Art. Einzelne Funde aus Westafrika könnten zur Gestreiften Rundblattnase (Macronycteris vittatus) zählen. Das Typusexemplar stammt aus der Umgebung von Benguela in Angola. Bis vor wenigen Jahren wurden die Mitglieder der Gattung Macronycteris in die Gattung Altwelt-Rundblattnasen (Hipposideros) eingeordnet.[1] In älteren Werken kann es zu Verwechslungen zwischen den drei in diesem Abschnitt genannten Arten gekommen sein.[2]

Wie der Name andeutet, ist die Art mit einer Kopf-Rumpf-Länge von 98 bis 115 mm, einer Schwanzlänge von 25 bis 50 mm und einem Gewicht von 85 bis 135 g eine sehr große Rundblattnase und der größte Vertreter der Gattung Macronycteris. Sie hat 95 bis 125 mm lange Unterarme, Hinterfüße von 18 bis 28 mm Länge und 24 bis 36 mm lange Ohren. Typisch ist das Nasenblatt aus vier Kreisvierteln, dem drei oder vier kleinere Hautlappen vorgesetzt sind. Die Grundfarbe des kurzen und dichten Fells ist oberseits dunkelbraun und unterseits etwas heller. An den Körperseiten befinden sich weißliche Stellen und über die Schultern zieht sich ein dunkles Band. Auch an anderen Stellen sind Fleckenmuster möglich. An der Stirn haben beide Geschlechter sackartige Drüsen. In Westafrika gibt es eine orange Morphe, die bei oberflächlicher Betrachtung mit der Gestreiften Rundblattnase verwechselt werden kann. Diese Form ist jedoch dunkler und größer als die andere Art.[2]

Die größte Population ist von Senegal bis in die Demokratische Republik Kongo verbreitet. Sie erreicht nur die Grenzbereiche von Gabun und vielleicht Uganda. Eine weitere Population lebt im Westen Angolas und eine dritte im südöstlichen Kenia und nordöstlichen Tansania. Zusätzlich gibt es Funde von Bioko. Das Tier hält sich meist im Flachland auf und gelegentlich werden 1500 Meter Höhe erreicht. Die Riesen-Rundblattnase lebt überwiegend in tropischen Regenwäldern und besucht manchmal Savannen.[3][2]

Die nachtaktiven Tiere ruhen am Tage meist in Höhlen und Baumhöhlen oder selten im Blattwerk von Bäumen und Sträuchern. Je nach Verbreitung können Wanderungen auftreten. So zieht die Population in Kenia im Oktober landeinwärts und im Mai zurück zur besseren Anpassung an die Regenzeiten. Im Versteck bilden sich kleine Gruppen mit 10 bis 20 Mitgliedern oder größere Kolonien mit einigen hundert Tieren. Für wenige Tage kommen Kolonien mit ausschließlich Weibchen vor, zur Geburt der Nachkommen. Diese Fledermaus hat einen intensiven Ruf bei 54 bis 56 kHz zur Jagt auf Insekten. Dabei werden oft große Käfer und Termiten gewählt. Die Art legt in Vorbereitung auf trockene Zeiten Fettreserven an. In Gabun findet die Paarung meist im Juni statt und im Oktober wird ein Nachkomme geboren. In Kenia sind diese Werte um ein bis zwei Monate nach hinten verschoben. Jungtiere erreichen ihre Flugfähigkeit nach 30 bis 35 Tagen und nach zwei Monaten sind sie so groß, wie die Erwachsenen. Die Geschlechtsreife wird etwa nach zwei Jahren erreicht.[2]

Je nach Region wirken sich Waldrodungen, Störungen am Ruheplatz und die Jagt zur Fleischgewinnung negativ aus. Der Bestandsrückgang gilt als gering. Die IUCN listet die Art als nicht gefährdet (least concern).[3]

Einzelnachweise

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  1. Don E. Wilson, DeeAnn M. Reeder (Hrsg.): Mammal Species of the World. A taxonomic and geographic Reference. 3. Auflage. 2 Bände. Johns Hopkins University Press, Baltimore MD 2005, ISBN 0-8018-8221-4 (englisch, Hipposideros gigas).
  2. a b c d Wilson, Lacher Jr. & Mittermeier (Hrsg.): Handbook of the Mammals of the World. 9 - Bats. Lynx Edicions, 2019, ISBN 978-84-16728-19-0, S. 233 (englisch, Macronycteris gigas).
  3. a b Macronycteris gigas in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2017. Eingestellt von: Monadjem, A., Bergmans, W., Mickleburgh, S. & Hutson, A.M., 2016. Abgerufen am 14. Januar 2026.