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Retraction Watch

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Retraction Watch (deutsch etwa „Beobachtung von Zurückziehungen“) ist ein Weblog, das Retractions von wissenschaftlichen Artikeln dokumentiert und über Themen im Zusammenhang mit Wissenschaftlichem Fehlverhalten berichtet. Das Watchblog wurde 2010 von den US-amerikanischen Medizinern und Wissenschaftsjournalisten Ivan Oransky und Adam Marcus gegründet. Ziel ist eine transparentere Darstellung der Retraction-Fälle und Sammlung von Informationen rund um die Umstände, die zu den Retractions geführt haben.[1][2] Trägerorganisation ist seit 2014 das gemeinnützige Center for Scientific Integrity (CSI). Retraction Watch wird finanziell von verschiedenen Förderern unterstützt, zum Beispiel von einigen US-amerikanischen Stiftungen. Das Projekt veröffentlichte 2018 eine Datenbank mit Retractions und betreibt seit 2020 auch eine Datenbank für Hijacked journals. Retraction Watch hat sich zu einer häufig zitierten[3] und wichtigen Ressource entwickelt sowie Forschung zum Thema Retractions angestoßen und ermöglicht.

Retraction Watch wurde am 3. August 2010 gestartet. In ihrem ersten Posting erklärten die Autoren, warum sie ein Weblog über Retractions aufziehen und nannten einige Gründe:[4] Retractions geben einen Einblick in den wissenschaftlichen Prozess. Sie sind Teil der Selbstkorrektur der Wissenschaft. Die Zeiträume, die es braucht, bis Paper zurückgezogen werden, können jedoch sehr groß sein. Retractions werden oftmals nur wenig wahrgenommen, sie bleiben als Randnotizen verborgen in den Zitationsdatenbanken. Sie sind allerdings Hinweise auf Täuschung oder andere Verfehlungen, die nachzuvollziehen für andere Forschenden, aber auch Journalisten und Fördergeber von Interesse sein können. Die Begründungen, warum ein Artikel zurückgezogen wird („Retraction notices“), bleiben häufig nebulös oder sind sogar falsch.[5.1]

Marcus und Oransky erhielten nach der Berichterstattung über verschiedene Fälle von wissenschaftlichem Fehlverhalten des Öfteren Klageandrohungen von betroffenen Wissenschaftlern.[6]

Im Dezember 2014 wurde das Center for Scientific Integrity als Trägerorganisation gegründet.[7]

Dank der Arbeit von Retraction Watch wurde gezeigt, dass Retractions häufiger vorkommen als bisher angenommen. Bei der Einführung fragte sich Marcus noch, ob sie genug Material haben würden, sie gingen von jährlich etwa 80 zurückgezogenen Artikeln aus.[8] Bereits im ersten Jahr des Bestehens berichtete das Blog dann jedoch von über 200 Retractions.[8] Um die Fähigkeit der Wissenschaft zu bekräftigen, ihre eigenen Fehler zu korrigieren, müssen Forscher und Fachzeitschriften laut den Gründern von Retraction Watch offener mit Fehlern umgehen.[6]

Retraction-Watch-Datenbank (RWDB)

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Die Retraction-Watch-Datenbank wurde im Oktober 2018 veröffentlicht und wird als die umfangreichste ihrer Art angesehen.[9] In einer Tabelle werden zurückgezogene wissenschaftliche Publikationen und Verdachtsfälle (corrections/expressions of concern) verzeichnet. Eine Recherche ist möglich nach Land, Autor, DOI, Grund für den Rückzug und Zeitschriftentitel.[10]

Retraction Watch Hijacked Journals Checker

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2022 wurde in Kooperation mit Anna Abalkina eine Liste mit gehijackten Journals ergänzt. Abalkina hatte eine Identifkationsmethode für solche Zeitschriften entwickelt, die auf der Annahme basiert, dass solche Zeitschriften identische Artikel dafür nutzen, um ein fiktives Archiv für die gehijackte Zeitschrift zu erstellen.[11]

Integration in wissenschaftliche Infrastruktur

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2023 begann eine Zusammenarbeit von Retraction Watch mit Crossref, in deren Rahmen RW seine Datenbank zur Verfügung stellte und Crossref die Daten verarbeitet und analysiert.[12][9] Das Literaturverwaltungsprogramm Zotero kennzeichnet zurückgezogene Artikel auf Grundlage der Retraction-Watch-Datenbank.[9]

Retraction watch hat Fördergelder von verschiedenen Stiftungen erhalten, darunter von der John D. and Catherine T. MacArthur Foundation,[13] dem Helmsley Trust[14] und der Laura and John Arnold Foundation.[6] Die Gelder der MacArthur Foundation wurden dazu verwendet, die Retraction-Watch-Datenbank aufzubauen.[15]

Von der WoodNext Foundation erhielt das Center for Scientific Integrity 2022 Fördermittel in Höhe von 250.000 Dollar.[16]

Einzelnachweise

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  1. Craig Silverman: Retraction Action. Columbia Journalism Review vom 9. August 2010, abgerufen am 8. Februar 2026.
  2. Konstantin Schönfelder: Vorsicht, bissiger Leser! Retraction Watch kämpft gegen KI-gestützte Papiermühlen. ZEVEDI Blog vom 6. Februar 2026, abgerufen am 8. Februar 2026.
  3. Retraction Watch: Papers that cite Retraction Watch. Abgerufen am 14. Februar 2026.
  4. Ivan Oransky und Adam Marcus: Why write a blog about retractions? vom 3. August 2010, abgerufen am 8. Februar 2026.
  5. Ivan Oransky: Retraction Watch: What we’ve learned and how metrics play a role. In: Mario Biagioli und Alexandra Lippmann (Hrsg.): Gaming the metrics. Misconduct and manipulation in academic research. 2020, The MIT Press, Cambridge, Massachusetts, Vorschau bei Google Books
    1. S. 141
  6. a b c Steve Kolowich: Meet Retraction Watch, the Blog That Points Out the Human Stains on the Scientific Record. The Chronicle of Higher Education, 25. September 2015.
  7. Short Form Return of Organization Exempt From Income Tax.
  8. a b Kelly Oakes: Helping journalists track retractions: one year of Retraction Watch. Association of British Science Writers (ABSW), 20. August 2011.
  9. a b c Jeffrey Brainard: Scientific retractions may become easier to spot as Retraction Watch finds new partner. Science 12. September 2023, https://doi.org/10.1126/science.adk8174
  10. The Retraction Watch Database. Version: 1.0.8.0 ISSN 2692-465X
  11. Abalkina, A. (2024). Prevalence of plagiarism in hijacked journals: A text similarity analysis. Accountability in Research, 1–19. https://doi.org/10.1080/08989621.2024.2387210
  12. Crossref: Documentation:Retraction Watch. Abgerufen am 14. Februar 2026.
  13. Adam Marcus und Ivan Oransky: From ScienceWriters: Retraction Watch receives $400,000 grant. National Association of science writers, Blogbeitrag, ohne Datum (2014), abgerufen am 14. Februar 2026.
  14. Publishing Ethics: An Interview With the Founders of Retraction Watch. In: Jasna Markovac, Molly Kleinman, Michael Englesbe (Hrsg.): Medical and Scientific Publishing, Academic Press, 2018, ISBN 978-0-12-809969-8, S. 179–186, https://doi.org/10.1016/B978-0-12-809969-8.00019-X.
  15. Ivan Oransky, Retraction Watch announcements: Retraction Watch is growing, thanks to a $400,000 grant from the MacArthur Foundation Blogpost vom 15. Dezember 2014, abgerufen am 15. Februar 2026.
  16. Ivan Oransky: Watch grows again, thanks to a $250,000 grant from the WoodNext Foundation Retraction Watch vom 22. Dezember 2022, abgerufen am 8. Februar 2026.