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Reststickstoff

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Der Reststickstoff (abgekürzt Rest-N oder RN; historisch auch nicht proteingebundener Stickstoff) bezeichnet die Summe der stickstoffhaltigen, nicht an Proteine gebundenen Verbindungen im Blut (oder allgemein „in Körperflüssigkeiten[1]). Der Begriff entspricht weitgehend dem englischen non-protein nitrogen (NPN) und hatte vor allem in der älteren Labordiagnostik und in der frühen Nephrologie Bedeutung.

In jeder Körperflüssigkeit gibt es eine bestimmte Anzahl von Stickstoffatomen. Elementar tritt Stickstoff in der Regel nur in Form zweiatomiger Moleküle auf (molekularer Stickstoff, auch Distickstoff, Summenformel N2) und ist mit 78 % der Hauptbestandteil der Luft. Als Bestandteil von Proteinen und vielen anderen Naturstoffen ist Stickstoff essentiell für Lebewesen.

Jetzt kann man die Anzahl der Atome (oder Moleküle) durch das untersuchte Volumen teilen. Einige dieser Brüche haben bestimmte Bezeichnungen. Statt eines Quotienten kann man auch Prozentzahlen verwenden.

Die drei Fachbegriffe

dürfen nicht verwechselt werden.

Definition und Zusammensetzung

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„Reststickstoff, im Fachjargon auch Rest-N, [ist] der im Blutplasma oder Blutserum nach Entfernung der Proteine verbleibende Stickstoff (normal circa 20 bis 45 mg %; bei Nierenkrankheiten und Leberkrankheiten erhöht).“[2] Manchmal findet man auch die Bezeichnung Nichteiweißstickstoff.[3]

Zum Reststickstoff zählen insbesondere:

Der Reststickstoff stellt somit einen Summenparameter für verschiedene niedermolekulare Stickstoffverbindungen dar. „Bei Leberschädigungen wie Nierenaffektionen kommen Erhöhungen des Rest-N, des Polypeptid-N und des formoltitrierbaren Aminosäuren-N vor. Der Quotient aus Harnstoff-N und Rest-N beziehungsweise der Quotient aus Harnstoff-N und Residual-N (residual nitrogen) ist aber bei Leberaffektionen mehr oder weniger stark herabgesetzt.“[4]

Historische Bedeutung

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Vor Einführung spezifischer Einzelparameter diente der Reststickstoff als globaler Marker der filtrativen Nierenfunktion. Ein erhöhter Wert galt als Hinweis auf eine verminderte renale Ausscheidung und wurde insbesondere zur Diagnostik der Urämie verwendet.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war der Reststickstoff ein wichtiger Laborparameter zur Beurteilung des Nierenversagens und seiner Komplikationen, etwa des Coma uraemicum. „Van Slyke stellte nach Untersuchung einer großen Zahl von Nierenkranken folgende quantitative Beziehung zwischen dem Reststickstoff und dem Harnstoff-N auf: Rest-N = 10 + 1,07 Harnstoff-N.“[5][6]

Klinische Bedeutung

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Mit der Entwicklung spezifischerer Messmethoden wurde der Reststickstoff als Summenparameter weitgehend verlassen. Heute werden zur Beurteilung der Nierenfunktion bevorzugt bestimmt:

Der Reststickstoff gilt daher als veraltet und wird in der modernen klinischen Praxis kaum noch verwendet. „Erhöhte Rest-N-Werte genügen nicht, um eine Niereninsuffizienz anzunehmen.“[7] „Erhöht unter anderem bei proteinreicher Kost, gesteigertem Gewebszerfall, Addison-Krankheit, akutem Darmverschluß, Schock, Hypochlorämie, vor allem aber bei Nierenerkrankungen mit Einschränkung des Glomerulusfiltrats um mehr als 50 Prozent (zum Beispiel Glomerulonephritis, Nierenversagen, Urämie).“[8] „Die Reststickstoffwerte nach Magenoperationen können 100 mg und mehr betragen“,[9] denn „unter Auftreten von Magentetanie kommt es zu einem Anstieg des Rest-N im Serum.“[10]

„Unter den semiquantitativen Nierenfunktionsproben verstehen wir die Plasmakonzentration von Reststickstoff (RN) beziehungsweise Harnstoff und ‚wahrem‘ endogenem Kreatinin, den Phenolrotrest und im weiteren Sinne auch die Bestimmung des im Durstversuch maximal erreichten spezifischen Harngewichtes.“[11]

Die Bestimmung des Reststickstoffs erfolgte im Laboratorium durch chemische Gesamtstickstoffmessungen nach Entfernung der Proteine aus dem Blut. Aufgrund methodischer Unsicherheiten und fehlender Spezifität wurde das Verfahren durch differenzierte Einzelanalysen ersetzt. Früher verwendete man zum Beispiel die „Schnellmethode zur Feststellung einer Rest-N-erhöhung (nach Weltmann-Barrenscheen).“[12]

Früher bildete man den Quotienten aus dem Residual-N und dem Rest-N mit Normalwerten zwischen 0,4 und 0,6.[13]

Die „Normalwerte in 100 ccm Serumplasma oder Vollblut [betragen für] Rest-Stickstoff 20 bis 40 mg“[14] beziehungsweise 25 bis 40 mg %.[15]Hermann Strauss fand beim Gesunden einen ‚Reststickstoff‘ von etwa 20 bis 40 mg auf 100 Kubikzentimeter Serum.“[16]

Normalwerte für Reststickstoff für Erwachsene 18,6 bis 35,4 mmol/l oder 260 bis 495 mg/l.[17]

Der „Reststickstoff der Kolloidfraktion [von 21 untersuchten Menschen schwankte zwischen] 1,38 und 44,98 mg/Stunde“ und der Reststickstoff von fünf Elefanten schwankte zwischen 4,31 und 30,74.[18]

Der Reststickstoff ist ein Beispiel für einen historischen Summenparameter, der durch spezifischere Laborwerte abgelöst wurde. Seine Bedeutung liegt heute vor allem in der Medizingeschichte und in der historischen Nephrologie.

So beschrieb Fritz Munk 1918 eine Erhöhung des Reststickstoffgehaltes auf 140 mg bei einem Mann mit einer Endokarditis, der an schwerer Urämie verstarb.[19]

Einzelnachweise

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  1. Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch, 266. Auflage, Verlag Walter de Gruyter, Berlin / Boston 2014, ISBN 978-3-11-033997-0, S. 1837.
  2. Medizin-Duden: Wörterbuch medizinischer Fachbegriffe. 10. Auflage, Dudenverlag, Berlin 2021, ISBN 978-3-411-04837-3, S. 704. Das Stichwort fehlt in den Folgeauflagen.
  3. B. Kluthe, H. Müller: Chemische Untersuchung des Blutes. In: Hans Joachim Sarre: Nierenkrankheiten. 4. Auflage. Thieme, Stuttgart 1976, ISBN 3-13-392804-X, S. 89.
  4. Walter Frey, Friedrich Suter (Hrsg.): Handbuch der inneren Medizin, Springer-Verlag, 4. Auflage, 8. Band, Berlin / Göttingen / Heidelberg 1951, S. 654 f.
  5. François Reubi: Nierenkrankheiten. Verlag Hans Huber, 2. Auflage, Bern / Stuttgart / Wien 1970, S. 68. In der Folgeauflage fehlt dieser Hinweis.
  6. J. P. Peters, Donald Dexter van Slyke: Quantitative Clincal Chemistry. 2. Auflage, Williams & Wilkins, Baltimore 1946.
  7. Walter Frey, Friedrich Suter (Hrsg.): Handbuch der inneren Medizin, Springer-Verlag, 4. Auflage, 8. Band, Berlin / Göttingen / Heidelberg 1951, S. 422.
  8. Günter Thiele (Hrsg.): Handlexikon der Medizin. 2. Band (L–Z), Urban & Schwarzenberg, München / Wien / Baltimore 1980, ISBN 3-541-09121-5, ISBN 3-541-09521-0, S. 2077.
  9. Max Bürger: Einführung in die innere Medizin. Reihe "Der Kliniker", Verlag Walter de Gruyter, Berlin 1952, S. 407.
  10. Hans Freiherr von Kress: Müller-Seifert: Taschenbuch der Medizinisch-Klinischen Diagnostik, 67. Auflage, Verlag von J. F. Bergmann, München 1959, S. 117.
  11. Hans Joachim Sarre: Nierenkrankheiten. 4. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1976, ISBN 3-13-392804-X, S. 101.
  12. Hans Freiherr von Kress: Müller-Seifert: Taschenbuch der Medizinisch-Klinischen Diagnostik, 67. Auflage, Verlag von J. F. Bergmann, München 1959, S. 334.
  13. Walter Frey, Friedrich Suter (Hrsg.): Handbuch der inneren Medizin, Springer-Verlag, 4. Auflage, 8. Band, Berlin / Göttingen / Heidelberg 1951, S. 654 f.
  14. Lothar Hallmann: Klinische Chemie und Mikroskopie. 6. Auflage, Georg Thieme Verlag, Leipzig 1952, S. 441.
  15. Ernst Deutsch, Günther Geyer: Laboratoriumsdiagnostik. Verlag August Steinkopf, 1. Auflage, Berlin 1969, S. 169–172.
  16. Fritz Munk: Nephrosen, Nephritiden und Schrumpfnieren. Urban & Schwarzenberg, Berlin / Wien 1918, S. 95.
  17. Wissenschaftliche Tabellen Geigy. (Physikalische Chemie, Blut, Humangenetik, Stoffwechsel von Xenobiotika), Ciba-Geigy, 8. Auflage, Basel 1979, S. 89.
  18. August Pütter: Die Sekretionsmechanismen der Niere. Walter de Gruyter, Berlin / Leipzig 1929, S. 47 und 232.
  19. Fritz Munk: Nephrosen, Nephritiden und Schrumpfnieren. Urban & Schwarzenberg, Berlin / Wien 1918, S. 245.