Der Reliant Kitten (intern: Reliant FW10) ist ein Kleinstwagen des britischen Automobilherstellers Reliant, der von 1975 bis 1982 als zweitürige Kombilimousine, als Kombi und als Van gebaut wurde. Der Kitten ist der Nachfolger des Reliant Rebel. Er ist die vierrädrige Version des in seinem Heimatland populären DreiradsReliant Robin, mit dem er sich die Technik und einige Karosseriekomponenten teilt. Nach dem Produktionsende in Großbritannien übernahm Sipani Automobiles in Indien die Produktionsrechte; dort wurde das Auto als Sipani Dolphin verkauft. Der Kitten bildet außerdem die technische Basis für das Freizeitfahrzeug Reliant Fox.
Der 1935 gegründete Hersteller Reliant bediente vor allem eine Marktnische, die auf eine Besonderheit im britischen Steuer- und Zulassungsrecht zurückzuführen ist. Mit dem Motor Taxation Act von 1921 wurde im Steuerrecht des Vereinigten Königreichs eine Sonderstellung für motorisierte Dreiradfahrzeuge geschaffen.[Anm. 1] Diese leichten Dreiradfahrzeuge durften in Großbritannien außerdem mit dem Motorradführerschein gefahren werden.[1] Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte Reliant das Produktkonzept mit dem Regent fort, der wie schon seine Vorgänger primär als Lieferwagen konzipiert war. Mit dem 1952 eingeführten Reliant Regal nahm das Unternehmen erstmals ein dreirädriges Auto ins Programm, das auf die Beförderung von Personen zugeschnitten war.
Nachdem Reliant bereits 1960 für den israelischen Hersteller Autocars eine vierrädrige Version des Regal konstruiert hatte,[Anm. 2] entschied sich das Unternehmen zu einer Expansion auch auf dem heimischen Markt. Hintergrund war die Motivation, Kunden von Reliants Dreirädern für den Fall an die Marke zu binden, dass sie auf vierrädriges Auto umsteigen wollten. Daraus wurde der Reliant Rebel, der 1964 vorgestellt wurde.
Dreirädriges Schwestermodell: Reliant Robin
Als Reliant 1973 den dreirädrigen Regal durch den Robin ersetzte, endete auch die Produktion des vierrädrigen Rebel. An seine Stelle trat der Kitten, der bis 1982 im Programm blieb. Der Kitten trägt werksintern die Bezeichnung Reliant FW10 (zehntes Four-Wheel-Modell).
Die Fertigung des Kitten wurde 1982 eingestellt, da er wegen seiner aufwändigen GFK-Karosserie preislich nicht mit dem Mini und ähnlichen Autos konkurrieren konnte. Die Korrosionsprobleme selbsttragender Stahlblechkonstruktionen, die in den 1970er-Jahren bei seinen Konkurrenten groß und auch ein starkes Verkaufsargument für den Kitten gewesen waren, wurden mit dem Fortschritt des Rostschutzes zunehmend unter Kontrolle gebracht. Auch kam der Hinterradantrieb, wie ihn der Kitten hatte, in der Kleinwagenklasse zunehmend zugunsten des Frontantriebes außer Mode. Weil der Kitten vier Räder hatte, kam er nicht in den Genuss der niedrigen Steuer für Dreiradfahrzeuge in Großbritannien, wie dies auf das Schwestermodell Robin zutraf.
Der Reliant Kitten baut auf einem Kastenrahmen aus Stahl auf. Der hintere Teil des Fahrgestells entspricht im Wesentlichen dem des dreirädrigen Robin, ab der Mitte nach vorne aber unterscheidet es sich von dem des Schwestermodells. Der Motor ist weiter vorn positioniert, dort, wo beim Robin sich das Vorderrad befindet. Dadurch ergibt sich mehr Platz im vorderen Fußraum.
Die Vorderradaufhängung mit doppelten Querlenkern entspricht im Grundsatz der des Triumph Herald; die Aufhängungsteile wurden aber, weil die Produktion des Herald bereits 1971 eingestellt worden war, von Reliant selbst hergestellt.[2] Hinten ist eine Starrachse mit halbelliptischen Blattfedern eingebaut.
Der Kitten hat eine Karosserie aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Ihre Form geht auf einen Entwurf des britischen Designstudios Ogle zurück; verantwortlicher Designer war Tom Karen. Die Türen und die Heckpartie sind mit dem Robin identisch; neu ist lediglich der Vorderwagen. Die Gestaltung der Frontpartie weicht (mit Ausnahme des Van) von der des Robin ab. Anstelle der runden Leuchten hat der Kitten rechteckige Scheinwerfer, die vom Hillman Avenger übernommen wurden.[3] Sie sind eingebettet in eine schwarz lackierte Blende, die über die gesamte Wagenbreite reicht und seitlich in die Flanken hineinragt. Die Stoßfänger des Kitten sind serienmäßig schwarz eingefärbt, während sie beim dreirädrigen Robin in Wagenfarbe lackiert sind.
Der Reliant Kitten war in drei Karosserieversionen erhältlich:
Während des gesamten Zeitraums gab es den Kitten als zweitürige viersitzige Kombilimousine (Saloon) mit einem aufklappbaren Heckfenster, das den Kofferraumzugang ermöglichte.
Außerdem war der Kitten als zweitüriger, viertüriger Steilheckkombi (Estate) mit verglasten hinteren Seitenteilen und einer rechts angeschlagenen Hecktür erhältlich. Der Heckaufbau entspricht dem des dreirädigen Robin Estate.
Ab Januar 1977 gab es den Kitten zusätzlich als zweitürigen Van, der günstiger zu versteuern war das der Estate. Sein Aufbau entspricht weitestggehend dem des Estate, hat abweichend davon aber mit Kunststoffpaneelen verkleidete Seitenteile. Außerdem hat der Van keine eckigen Leuchten, sondern runde Scheinwerfer, die auch beim Robin zum Einsatz kommen. Der Van war auf Wunsch entweder als Zweisitzer oder – um das Ladevolumen zu erhöhen – nur mit einem Fahrersitz erhältlich. Die Zuladung wurde mit 6cwt (ungefähr 305kg) angegeben, das Ladevolumen mit 43 bzw. 53Kubikfuß (ca. 1200 bzw. 1500Liter),[4] je nachdem, ob das Auto einen Beifahrersitz hatte oder nicht. Bei Reliant konnten als Zubehör Seitenscheiben aus Glas bestellt werden, mit denen sich die Kunststoffpaneele an den Fahrzeugseiten ersetzen ließen; damit konnte das Auto, nachdem es zu steuervergünstigten Konditionen als Lieferwagen zugelassen war, individuell an den Estate angeglichen werden.[5]
Als Antrieb dient ein von Reliant selbst konstruierter und hergestellter Reihenvierzylinder-Ottomotor mit 848 cm³ Hubraum, der 40,5 bhp (30 kW) Leistung abgibt. Der Motor treibt über ein handgeschaltetes Vierganggetriebe die Hinterräder an.
In acht Jahren produzierte Reliant, alle Karosserieversionen zusammengenommen, 4551 Kitten;[4] darin waren etwa 400 Kitten Vans enthalten.[5]
Die Kitten waren in erster Linie für den britischen Markt bestimmt. Einige Fahrzeuge wurden allerdings auch exportiert. Zu den Exportmärkten Reliants gehörten die Niederlande und Belgien.
Der indische Automobilhersteller Sipani produzierte baute den Kitten ab 1983 für den heimischen Markt. Dort hieß das Auto Sipani Dolphin. Die Teile wurden als CKD-Bausatz bei Reliant in Tamworth hergestellt und in Indien komplettiert.[4] Äußerlich war der Dolphin nicht vom Reliant Kitten zu unterscheiden; technisch war er in einzelnen Komponenten einfacher: Anders als der Kitten hatte der Dolphin weder Scheibenbremsen noch Bremskraftverstärker. Der Dolphin wurde nur in geringen Stückzahlen produziert.[6] Der Grund für den geringen Erfolg des Wagens wird vor allem in dem Umstand gesehen, dass er anfänglich nur als Zweitürer angeboten wurde, während der indische Markt viertürige Autos bevorzugte.[4] 1985 erschien kurzfristig eine fünftürige Version des Dolphin, die 1987 vom ebenfalls fünftürigen Sipani Montana abgelöst wurde, der eine eigenständige, ebenfalls bei Reliant entwickelte Karosserie hatte.