Ray Anthony

Fotografie von William P. Gottlieb

Ray Anthony (bürgerlicher Name Raymond Antonini; * 20. Januar 1922 in Bentleyville, Pennsylvania) ist ein US-amerikanischer Bandleader, Trompeter, Songschreiber und Schauspieler. In der Nachkriegszeit hatte er mit seinem Ray Anthony Orchestra internationale Erfolge.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Anfänge
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Als Kind zogen Ray Anthony und seine Familie nach Cleveland in Ohio um, wo er mit seinem Vater das Spielen der Trompete lernte. Ein Vorbild für ihn war Harry James.[1]
Anthony gelang mit gerade 18 Jahren der Einstieg in eine der damals populärsten Bands der Vereinigten Staaten: In Glenn Millers Orchester spielte er von 1940 bis 1941 die Trompete. Er war hierbei das jüngste Mitglied und musste sich nach eigener Auskunft oft Scherze von seinen Kollegen darüber anhören. Auch im Glenn-Miller-Film Adoptiertes Glück (1941) war Anthony im Hintergrund als Orchestermitglied zu sehen. Er kam jedoch nicht gut mit dem als streng bekannten Miller klar und wurde in seiner weniger als zweijährigen Zeit mit dessen Orchester zweimal gefeuert.[1]
Nach einem noch kürzeren Intermezzo in der Band von Jimmy Dorsey[2] diente Anthony im Zweiten Weltkrieg in der U.S. Navy im Pazifik, wo er auch erstmals ein Orchester leiten durfte.[3]
Erfolge in der Nachkriegszeit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach seiner Entlassung aus der Navy 1946 gründete er seine eigene Musikgruppe. Das Ray Anthony Orchestra wurde ab den späten 1940er Jahren mit Aufnahmen wie beispielsweise Anthonys klassischem Tanzlied The Bunny Hop bekannt, mit George Dale Williams als Arrangeur. Sie absolvierten zahlreiche Auftritte in Radio- und Fernsehshows. Anthony wurde in seinem Aussehen oft mit Cary Grant vergleichen, was zu beiderseitigen Scherzen führte.[1]
Im Jahr 1949 konnte Anthony mit seiner Version von Dreamer’s Holiday für Capitol Records seinen ersten Hit in den Charts platzieren, mit Dick Noel als Bandvokalist. Im Jahre 1950 gelangen ihm fünf Top-30-Hits: Sentimental Me, Count Every Star, Can Anyone Explain?, Harbor Lights und Nevertheless. Nachdem er 1952 mit At Last einen bescheidenen Hitparadenerfolg erzielen konnte, gelang ihm 1953 mit dem Titel Dragnet[4] sein erster Top-10-Erfolg.[5] Das Lied Dragnet diente auch als Intro der deutschen TV-Krimiserie Stahlnetz.
Von 1953 bis 1954 war Anthony Orchesterdirektor in der Fernsehserie TV’s Top Tunes. 1955 heiratete Anthony die Schauspielerin Mamie Van Doren und begann gleichzeitig, seine eigene Schauspielkarriere auszuweiten. Im selben Jahr spielte er sich selbst im Musical Daddy Langbein an der Seite von Fred Astaire und Leslie Caron. Weitere Filmauftritte übernahm er in der Filmbiografie Fünf Pennies (er spielte Jimmy Dorsey), in dem frühen Rock’n-Roll-Film The Girl Can’t Help It sowie in Van Dorens Filmen Mit Siebzehn am Abgrund und Blonde Locken – scharfe Krallen. Von 1956 bis 1957 hatte er die Hauptrolle in der recht kurzlebigen Unterhaltungssendung The Ray Anthony Show. Seinen ersten Auftritt in Deutschland hatte er am 10. September 1957 bei Caterina Valente in Bonsoir Kathrin!, der ersten Personality-Show des deutschen Fernsehens, mit dem Südfunk-Tanzorchester unter der Leitung von Erwin Lehn.
Nachdem Anthony 1955 mit Frank Sinatra als Sänger mit dem Titel Melody Of Love[6] ein eher bescheidener Erfolg beschieden war, dauerte es bis 1959, als er mit Henry Mancinis Peter Gunn seinen zweiten Top-10-Hit landen konnte.[7]
Bis 1962 war er vereinzelt mit seinen Singles noch im unteren Hitparadenviertel vertreten, aber größere Verkaufserfolge sollten ihm im Singlebereich nicht mehr gelingen. Im Albenbereich konnte er zwischen 1955 und 1958 vier Top-20-Platzierungen verbuchen: Golden Horn, Dream Dancing, Young Ideas und The Dream Girl. 1962 gelang es ihm noch einmal mit dem Album Worried Mind auf Platz 14 der Album-Charts vorzudringen.[8]
Späteres Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Anthony und Van Doren ließen sich 1961 scheiden. Etwa zur gleichen Zeit endete auch Anthonys kurze Filmkarriere. Er setzte jedoch seine Musikkarriere fort. Seine große Big Band löste er zugunsten von kleineren Jazzcombos auf, mit denen er bis ins neue Jahrtausend auftrat. Zudem hatte er ein eigenes Plattenlabel namens Aerospace, wo er Alben von sich und anderen Künstlern veröffentlichte.[9] An seinem 95. Geburtstag trat er noch mit seiner Trompete auf.[10]
Anthony wurde mit einem Stern auf dem Walk of Fame geehrt. Er lebt heute in Südkalifornien und konnte im Januar 2022 seinen 100. Geburtstag feiern.[11] Er ist nicht nur das letzte lebende Mitglied des Glenn Miller Orchestra (unter Millers Leitung),[12][13] sondern gilt laut einem Artikel des britischen Far Out Magazine auch als ältester lebender Recording Artist (also Musiker mit professionell aufgenommenem Album).[14]
Filmografie (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1941: Adoptiertes Glück (Sun Valley Serenade)
- 1955: Daddy Langbein (Daddy Long Legs)
- 1956: The Girl Can’t Help It
- 1956–1957: The Ray Anthony Show (1. Auflage der eigenen Fernsehshow)
- 1957: Kein Platz für feine Damen (This Could Be the Night)
- 1958: Mit Siebzehn am Abgrund (High School Confidential!)
- 1959: Erinnerung einer Nacht (Night of the Quarter Moon)
- 1959: Die Haltlosen (The Beat Generation)
- 1959: Fünf Pennies (Five Pennies)
- 1959: Der große Schwindler (The Big Operator)
- 1959: Blonde Locken – scharfe Krallen (Girl's Town)
- 1968: The Ray Anthony Show (2. Auflage der eigenen Fernsehshow)
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 Sean J. O’Connell: The secret to reaching 100? For Ray Anthony, his trusty trumpet and a fondness for bombshells. 25. Januar 2022, abgerufen am 16. Juni 2026 (amerikanisches Englisch).
- ↑ All About Jazz: Ray Anthony | Jazz Trumpet – Biography, Albums & More | All About Jazz. 1. Februar 1999, abgerufen am 16. Juni 2026 (englisch).
- ↑ All About Jazz: The Navy Show Broadcasts – Ray Anthony & His Orchestra Review. 1. Februar 1999, abgerufen am 16. Juni 2026 (englisch).
- ↑ US-Katalognummer: Capitol 2562
- ↑ Die Single erreichte Platz 3 der US-Charts. Whitburn, Joel: Top Pop Records 1940–1955. Menomonee Falls, Wisconsin: Record Research, 1973, S. 9
- ↑ US-Katalognummer: Capitol 3018; die Single erreichte Platz 19 der Disc-Jockey-Charts
- ↑ Whitburn, Joel: Top Pop Singles 1955–1993. Menomonee Falls, Wisconsin: Record Research Ltd., 1994, S. 18
- ↑ Whitburn, Joel: Top Pop Albums 1955–1996. Menomonee Falls, Wisconsin: Record Research Ltd., 1996, S. 38
- ↑ Ray Anthony. In: SpaceAgePop. Abgerufen am 16. Juni 2026.
- ↑ Goldie Heart: Ray Anthony on his 95th Birthday. 24. Januar 2017, abgerufen am 19. April 2019.
- ↑ Los Angeles Times: The secret to reaching 100? For Ray Anthony, his trusty trumpet and a fondness for bombshells. 25. Januar 2022, abgerufen am 3. Februar 2022 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Broschüre zu Ray Anthonys 97. Geburtstag aus dem Januar 2019
- ↑ Ray Anthony : Big band charts from the Ray Anthony Orchestra. Abgerufen am 19. April 2019 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Tom Phelan: Who is the oldest living recorded artist? 26. Februar 2025, abgerufen am 16. Juni 2026 (amerikanisches Englisch).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Anthony, Ray |
| ALTERNATIVNAMEN | Antonioni, Raymond (wirklicher Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Bandleader, Trompeter, Liedermacher und Schauspieler |
| GEBURTSDATUM | 20. Januar 1922 |
| GEBURTSORT | Bentleyville, Pennsylvania |