Ramdohrit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt meist langprismatische, lanzettförmige Kristalle sowie lamellare Zwillinge von grauschwarzer Farbe und Strichfarbe. Das Mineral ist in jeder Form undurchsichtig und zeigt auf den Oberflächen einen metallischen Glanz. Frisch polierte Flächen erscheinen dagegen weiß.
Mit einer Mohshärte von 2 gehört Ramdohrit zu den weichen Mineralen, dass sich ähnlich wie das gleich harte Referenzmineral Gips mit dem Fingernagel ritzen lässt.
Erstmals entdeckt wurde Ramdohrit im Silber-Zinn-Erzgang „Colorada“ der Grube „Chocaya la vieja“ (englisch Chocaya mine) nahe dem gleichnamigen Ort in der zum bolivianischen Departamento Potosí gehörenden Provinz Sur Chichas. Die Erstbeschreibung erfolgte 1930 durch Friedrich Ahlfeld, der das Mineral zu Ehren von Paul Ramdohr (1890–1985) und dessen Verdiensten um die Erforschung der opaken Minerale, insbesondere der Erze, benannte.
Ahlfeld gab in seiner Erstbeschreibung fälschlicherweise an, dass Chocaya in der Provinz Nor Chichas liege. Der Irrtum ist nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass der zugehörige Kanton Chocaya an der Grenze zur Provinz Nor Chichas liegt.
Das Typmaterial des Minerals wird im Mineralmuseum der Harvard University in Cambridge (Massachusetts) unter der Katalog-Nr. 98835, der Mineralogischen Sammlung des National Museum of Natural History (NMNH) in Washington, D.C. unter der Katalog-Nr. R6595 in den USA und in der Mineralogischen Sammlung des Natural History Museum in London im Vereinigten Königreich unter der Katalog-Nr. BM 1931,535 aufbewahrt.[9][10]
Da der Ramdohrit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Ramdohrit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[2] Die ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Ramdohrit lautet „Rdh“.[1]
Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Ramdohrit zur Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort zur Abteilung der „Komplexen Sulfide (Sulfosalze)“, wo er zusammen mit Quatrandorit (ehemals Andorit IV), Senandorit (ehemals Andorit VI) und dem inzwischen als kupferhaltige Varietät von Senandorit diskreditierten Nakaseit die unbenannte Gruppe II/D.05b bildete.
Im Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich im Aufbau noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. II/E.23-030. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies der Abteilung „Sulfosalze (S:As,Sb,Bi=x)“, wobei in den Gruppen II/E.22 bis II/E.23 die komplexen Blei-Sulfosalze (Pb-Fe/Mn, Pb-Ag) mit Sb (x=2,3–2,0) eingeordnet sind. Ramdohrit bildet hier zusammen mit Arsenquatrandorit, Fizélyit, Menchettiit, Quatrandorit, Roshchinit, Senandorit und Uchucchacuait die unbenannte Gruppe II/E.23 bildet (Stand 2018).[3]
Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte[11]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Ramdohrit ebenfalls in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“, dort allerdings in die feiner gegliederte Abteilung der „Sulfosalze mit PbS als Vorbild“ ein. Diese ist zudem weiter unterteilt nach dem entsprechenden Vorbild und dessen Abwandlung (Derivat), so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung der „Galenit-Derivate mit Blei (Pb)“ zu finden ist, wo es zusammen mit Fizélyit, Gustavit, Lillianit, Quatrandorit, Roshchinit, Senandorit, Treasurit, Uchucchacuait, Vikingit und Xilingolith die „Lillianitgruppe“ mit der System-Nr. 2.JB.40a bildet.
Als seltene Mineralbildung konnte Ramdohrit nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 40 Fundorte dokumentiert sind (Stand 2023).[12] Neben seiner Typlokalität „Chocaya Mine“ trat das Mineral in Bolivien noch in den benachbarten Gruben „Animas Mine“ und „Siete Suyos Mine“, bei Portugalete und Tatasi in der Provinz Sur Chichas sowie in der „Tornohuaico Mine“ bei Porco in der Provinz Antonio Quijarro im Departamento Potosí auf. Außerdem konnte Ramdohrit in der „San José Mine“ bei Oruro und der Umgebung von Poopó im Departamento Oruro gefunden werden.
Der bisher einzige bekannte Fundort für Ramdohrit in Deutschland ist die ehemalige Grube Ludwig mit Quarzgängen in Gneis und As-Sb-Pb-Ag-Au-Vererzung im Adlersbachtal nahe Hausach im Ortenaukreis von Baden-Württemberg.[13]
Friedrich Ahlfeld:Ramdohrit, ein neues Mineral aus Bolivien. In: Centralblatt für Mineralogie, Geologie und Paläontologie. Band8, 1930, S.365–367 (rruff.info[PDF; 216kB; abgerufen am 9.April 2021]).
W. F. Foshag:New mineral names. In: American Mineralogist. Band16, 1931, S.132–132 (englisch, rruff.info[PDF; 50kB; abgerufen am 9.April 2021]).
Emil Makovicky, William G. Mumme, Robert William Gable:The crystal structure of ramdohrite, Pb5.9Fe0.1Mn0.1In0.1Cd0.2Ag2.8Sb10.8S24: A new refinement. In: American Mineralogist. Band98, 2013, S.773–779, doi:10.2138/am.2013.4146 (englisch).
Ramdohrite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 9.April 2021(englisch).
123Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.142 (englisch).
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Ramdohrite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 54kB; abgerufen am 9.April 2021]).
12Hans Jürgen Rösler:Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S.351.
↑Synonyms of Andorite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 9.April 2021(englisch).