Zum Inhalt springen

Rail Band

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Rail Band
Allgemeine Informationen
Herkunft Mali
Genre(s) Weltmusik, Fusion von traditioneller Musik Westafrikas und zeitgenössischer Musik (z. B. aus Kuba)
Aktive Jahre ab 1970
Auflösung
Website
Gründungsmitglieder
Tidiani Koné
Ehemalige Mitglieder
Cheick Tidiane Seck, Mory Kanté, Salif Keïta, Sekou Kouyate, Cheik Traoré, Dielly Moussa Kouyaté, Djelimady Sissoko, Maitre Lédy Youla, Djelimady Tounkara, Lanfia Diabate, Magan Ganessy, Maguett Diop

Die Rail Band ist eine malische Musikformation, die 1970 unter dem Namen Orchestre du Buffet de la Gare de Bamako gegründet wurde; sie änderte ihren Namen mehrfach, zunächst in Rail Band de Buffet Hotel de la Gare de Bamako, kurz Rail Band. Ab 1980 nannte sie sich meist Super Rail Band.[1]

Die Rail Band war eine der ersten westafrikanischen Musikgruppen, die den afro-lateinamerikanischen Sound mit traditioneller westafrikanischer Musik und Instrumentierung verband. Ihr unverwechselbarer Sound entstand durch die Kombination von E-Gitarre und Jazz-Bläsern mit Mandinka- und Bambara-Gesangspassagen, afrikanischen und westlichen Trommeln sowie lokalen Instrumenten wie der Kora und dem Balafon. Sie begann als Latin-Jazz-Band im Stil des kongolesischen Soukous, integrierte jedoch bald lokale mandingische Musikstile und Traditionen mit Gesang in Bambara. Von Anfang an setzte die Band neben mandingischer Musik mit Kora, Balafon, Ngoni, Talking Drums, islamischen Elementen, mandingischen Jagdgesängen und Griot-Lobgesängen auch E-Gitarre, E-Orgel, Saxophon, Blasinstrumente und ein westliches Schlagzeug ein.[2]

Die malische Regierung förderte seit den 1960er Jahren kulturelle Veranstaltungen und Gruppen, um nationale Traditionen zu pflegen. Der Autokrat Moussa Traoré setzte dem 1968 ein jähes Ende. Die Eisenbahnverwaltung versuchte dem etwas entgegenzusetzen und stellte der Rail Band einen Auftrittsort und Instrumente zur Verfügung.[2]

Die erste Besetzung der Rail Band wurde 1970 von Tiadani Koné organisiert. Es gelang ihm zwei charismatische Sänger zu engagieren, die die Band berühmt machten: Salif Keïta und Mory Kanté.[2] Die Band trat als Hausband im Buffet Hotel de la Gare neben dem Bahnhof von Bamako auf. Das Hotel war Durchgangsstation für Westafrikareisende und sozialer Treffpunkt für Bewohner. 1972 wurde der Gitarrist Djelimady Tounkara für die Rail Band engagiert, worauf Keïta die Band verließ und am anderen Ende der Stadt eine Band namens Les Ambassadeurs du Motel de Bamako übernahm, die von Stund an die großen Rivalen der Rail Band waren. Daraufhin wurde der guineische Sänger Mory Kanté für die Rail Band engagiert.[3]

Auf dem Höhepunkt ihres Ruhmes Ende der 1970er Jahre spielte die Rail Band vor ausverkauften Häusern und sogar in Stadien in ganz Westafrika.[2]

1995 wurde die malische Eisenbahn privatisiert. Die Rail Band musste den Auftrittsort wechseln und wählte den Club Djembé in Bamako. Tounkara machte mit seinem Soloalbum Sigui international auf sich aufmerksam und spielte schließlich mit dem US-amerikanischen Jazz-Gitarristen Bill Frisell zusammen.[3]

Laut der Initiative Timbuktu Renaissance ist Super Biton eine von „insbesondere zwei Bands, die die malische Musiklandschaft nachhaltig geprägt haben“; die andere ist die Rail Band. Beide gelten als „Pioniere der Verschmelzung traditioneller Klänge und Rhythmen aus Ségou mit modernen Musikrichtungen“.[4]

Noch 30 Jahre nach ihrer Gründung wurde die Super Rail Band 2001 anlässlich eines Auftritts in den Vereinigten Staaten als „Institution der modernen afrikanischen Musik“ gefeiert.[5] 2003 traten sie mit Bembeya Jazz in der Barbican Hall in London auf.[6] 2004 trat die Band wieder in den Vereinigten Staaten auf und ihr wurde „eine jazzige Raffinesse, deren eigenwilliges Timinggefühl an Abstraktion grenzt“ bescheinigt.[7] Die Band produzierte 2006 noch das Album Super Rail Band (aka New Dimensions In Rail Culture).[8] Doch dann wurde es endgültig ruhig um sie.

Eigene Alben
  • 1970: Orchestre Rail-Band De Bamako, Mali Music
  • 1970: Sunjata, Bärenreiter-Musicaphon
  • 1973: Buffet Hôtel de la Gare Bamako, RCAM
  • 1974: Tiramakan, RCAM
  • 1975: Sundiata, RCAM
  • 1975: Rail Band 1-4, RCAM
  • 1976: Melodias Rail Band du Mali, Kouma
  • 1976: Concert Rail Band du Mali, Kouma
  • 1977: Wale Numa Lombaliya, RCAM
  • 1979: Quedraogo Mamadou, Dioulou Koussoube, Super Rail Band, Sacodis
  • 1979: Affair Social, Sacodis
  • 1983: Super Rail Band Buffet Hôtel de la Gare de Bamako – Volume 1+2, RCAM
  • 1983: Seigneur Djali Madi Tounkara* et Le Rail Band Du Mali – Volume 1+2, Disco Stock und Kosmo
  • 1983: Rail Band Featuring Salif Keita & Mory Kante, Syllart
  • 1985: New Dimensions in Rail Culture, Globestyle
  • 1992: Super Rail Band Du Buffet Hotel De La Gare, Label Bleu
  • 2000: Rail Band, Mory Kanté, Salif Keïta, Sono Africa
  • 2001: Mansa, Indigo
  • 2003: Kongo Sigu, Indigo
  • 2006: Super Rail Band (aka New Dimensions In Rail Culture), GlobeStyle[8]
Mitwirkung
  • 1995: The Rough Guide to West African Music, World Music Network
  • 2012: The Rough Guide to Psychedelic Africa, World Music Network

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. Frank Bessem's Musiques d'Afrique / Mali : Super Rail Band. Abgerufen am 27. Mai 2026.
  2. 1 2 3 4 Banning Eyre: Super Rail Band. Afropop Worldwide, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 16. Januar 2003; abgerufen am 30. Mai 2026 (englisch).
  3. 1 2 Philip Sweeney: Super Rail Band: Hear my train a-comin'. The Independent on Sunday, 4. Juli 2003, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 6. Juni 2010; abgerufen am 30. Mai 2026 (englisch).
  4. Mali's Super Bands. Google Arts & Culture, abgerufen am 27. Mai 2026 (englisch).
  5. Fernando Gonzalez: The Unsinkable Mali Sound. In: The Washington Post. 11. Juli 2001, ISSN 0190-8286 (washingtonpost.com [abgerufen am 31. Mai 2026]).
  6. John L. Walters: Bembeya Jazz v Super Rail Band. In: The Guardian. 8. Juli 2003, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 31. Mai 2026]).
  7. Bob Tarte: Super Band Supreme. In: Miami New Times. 21. Januar 2004, abgerufen am 31. Mai 2026 (englisch).
  8. 1 2 Chris May: Super Rail Band (aka New Dimensions In Rail Culture) – Super Rail Band Of The Buffet Hotel De La Gare De Bamako Review. All About Jazz, 25. März 2006, abgerufen am 30. Mai 2026 (englisch).