RT Documentary

RT Documentary, meist RT Doc, ist ein 2011 gestarteter russischer Sender des RT-Netzwerks, der Filme der russischen Staatspropaganda ausstrahlt, die den Anschein von Dokumentarfilmen erwecken sollen.[1] Zu Beginn sendete der Kanal rund um die Uhr auf Englisch und setzte vor allem auf von RT produzierte Filme über Russland.[1] Im Zuge des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine bezeichnete der Rat der Europäischen Union RT 2022 als direkt oder indirekt von den russischen Behörden kontrolliert und als wesentliches Instrument zur Unterstützung der militärischen Aggression gegen die Ukraine und zur Destabilisierung von Nachbarstaaten.[2]
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bei der Einführung im Jahr 2011 war RT Doc als frei empfangbarer Kanal über Eutelsat Hot Bird angekündigt; er war in Deutschland, Irland, Portugal und Bulgarien sowie über Roku in Nordamerika verbreitet.[1] Am 30. Juni 2020 untersagte die lettische Medienaufsicht die Verbreitung von sieben RT-Programmen, darunter RT Documentary und RT Documentary HD.[3] RT verbreitet Inhalte im Einklang mit offiziellen Kreml-Positionen; die Maßnahme wurde mit den EU-Sanktionen gegen den russischen Propagandisten Dmitri Kisseljow begründet.[3] Am 8. Juli 2020 folgte Litauen mit einem Verbot von RT, RT HD, RT Spanish, RT Documentary und RT Documentary HD.[4]
Programm und redaktionelle Ausrichtung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zum ursprünglichen Programmschema gehörten Reihen über russische Städte, Bräuche und Traditionen, Wissenschaft und Technik, Umwelt, Geschichte sowie Kultur und Mode.[1] Nach dem 24. Februar 2022 veröffentlichte die Dokumentarplattform von RT bis Februar 2023 fünfzig Propagandafilme über den Krieg gegen die Ukraine.[5] Diese Filme waren Träger wiederkehrender Falschbehauptungen, darunter die Darstellung des Euromaidan als vom Westen gesteuerten Putsch, die Behauptung eines „Genozids“ an Russischsprachigen im Donbas und die Falschbehauptung eines allgegenwärtigen „Nazismus“ in der ukrainischen Politik und Gesellschaft.[5] Trotz der globalen Sperre staatlich finanzierter russischer Medien auf YouTube fand NewsGuard mehr als 250 Uploads von RT-Dokumentationen auf über 100 Kanälen mit zusammen mehr als einer halben Million Aufrufen; rund 200 Videos trugen noch das RTD-Logo, bei etwa 50 war die Verbindung zu RT entfernt worden.[5] Im Jahr 2025 beschrieb Reporter ohne Grenzen die redaktionelle Perspektive beworbener RT-Doc-Filme als mit der Erzählung der russischen Regierung übereinstimmend.[6]
Regulierung und Umgehungsversuche
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 2. März 2022 setzte die Europäische Union die Rundfunktätigkeiten von RT und Sputnik in der EU aufgrund systematischer Desinformation und Informationsmanipulation durch den Kreml aus.[2][7] Wenige Tage später kündigte YouTube an, Kanäle russischer staatsfinanzierter Medien weltweit zu blockieren, nachdem RT und Sputnik in Europa bereits gesperrt worden waren; Meta sperrte staatliche russische Medien überdies auf Instagram und Facebook.[8] Im Juli 2022 bestätigte das Gericht der Europäischen Union das Sendeverbot gegen RT France; Le Monde berichtete unter Berufung auf AFP, das Gericht halte die Sanktionen im außergewöhnlichen Kontext des Krieges für geeignet und erforderlich.[9] Trotz dieser Beschränkungen registrierte Reporter ohne Grenzen 2025 eine groß angelegte Werbekampagne mit 22 RT-Doc-Plakaten um Rom, Bologna und Mailand, die zu Vorführungen von RT-„Dokumentarfilmen“ in italienischen Städten aufriefen.[6]
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 Russia Today launches RTDoc. In: Broadband TV News. 23. Juni 2011, abgerufen am 18. April 2026 (englisch).
- 1 2 EU verhängt Sanktionen gegen die Sendetätigkeiten der staatseigenen Medien RT/Russia Today und Sputnik in der EU. In: Consilium. 2. März 2022, abgerufen am 18. April 2026.
- 1 2 Kremlin propaganda channel “RT” banned in Latvia. In: LSM English. 30. Juni 2020, abgerufen am 18. April 2026 (englisch).
- ↑ Lithuania bans Kremlin’s RT. In: LRT. 8. Juli 2020, abgerufen am 18. April 2026 (englisch).
- 1 2 3 One Year, 50 Films: Russian Propaganda Documentaries Spread on YouTube, Despite Ban. In: NewsGuard. 22. Februar 2023, abgerufen am 18. April 2026 (englisch).
- 1 2 Slow down, propaganda ahead: RT’s documentary channel takes over Italian billboards. In: RSF. 28. August 2025, abgerufen am 18. April 2026 (englisch).
- ↑ EU: Verbreitung von RT und Sputnik verboten. In: DIE ZEIT. 2. März 2022, abgerufen am 18. April 2026.
- ↑ Russia widens social media crackdown by blocking Instagram. In: AP News. 11. März 2022, abgerufen am 18. April 2026 (englisch).
- ↑ European court upholds ban on Russian news network RT France. In: Le Monde. 27. Juli 2022, abgerufen am 18. April 2026 (englisch).