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Qlīpōt

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(Weitergeleitet von Qlippoth)

Qliphoth (hebr. sg. קליפה qliphah ‚Schale‘, ‚Hülle‘, pl. קליפות qliphoth), auch Qelippot[1] oder Klippot, sind metaphorische verhüllende Schalen um „Funken göttlicher Lichtemanation“. Sie sind synonym mit unreinen geistigen Kräften, Quellen von spiritueller, religiöser Unreinheit, indem Gott eine dualistische Wesenheit und Sitra Achra (hebräisch סטרא אחרא andere Seite), die zur göttlichen Heiligkeit im Gegensatz stehende andere Seite, zugeschrieben wird. Qliphoth sind synonym mit Götzendienst (Idolatrie) und unreinen geistigen Kräften, Quellen von spiritueller, religiöser Unreinheit, indem Gott falsche dualistische, trinitarische oder mehrfache Wesenheit zugeschrieben wird. Nach jüdischer Lehre ist der christliche Glaube an einen dreieinigen Gott Götzendienst (Avoda sara).[2][3]

Jüdische Kabbala und lurianische Kabbala

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Eine mystische Richtung innerhalb der spanischen Kabbala, die auch im pseudepigraphischen Sohar ihren Niederschlag fand, entwickelte Vorstellungen von einer unreinen Gegenwelt, die der Sphäre der Heiligkeit gegenübersteht. Diese mit der „anderen Seite“ (hebräisch סטרא אחרא 'sitra achra) verbundene Gegenwelt wird in der kabbalistischen Tradition mit unreinen Kräften und den Qlīpōt (Schalen) in Verbindung gebracht.[4]

Nach einer Auslegung der Schöpfungsgeschichte im Sohar erschuf Gott vor der gegenwärtigen Welt andere Welten, die wegen ihrer Unvollkommenheit keinen dauerhaften Bestand hatten. Mit diesem Motiv sind die Könige von Edom verbunden, die in der kabbalistischen Deutung für eine noch nicht ausgeglichene Ordnung der göttlichen Kräfte stehen.[5] Das Bild der Schalen beziehungsweise Hüllen gehört bereits zum kabbalistischen Vorstellungshorizont des Sohar. In der späteren lurianischen Kabbala wurde es systematisch weiterentwickelt und mit der Lehre von den unreinen Kräften verbunden.

Die lurianische Kabbala deutet die Qlīpōt insbesondere im Zusammenhang mit dem Bruch der Gefäße (Schwirat ha-Kelim). Die Gefäße, die das unendliche göttliche Licht von En Sof aufnehmen sollten, zerbrachen, sodass Scherben und Lichtfunken in die Bereiche der Qlīpōt gelangten. Die Schalen blieben in der Schöpfung erhalten und verhüllen die göttliche Heiligkeit, während die in ihnen eingeschlossenen Funken zugleich eine Voraussetzung für die Wiederherstellung der kosmischen Ordnung (Tikkun) bilden. Die Qlīpōt stehen damit in der lurianischen Kabbala nicht nur für spirituelle Hindernisse und Unreinheit, sondern auch für die Folgen einer kosmischen Krise, deren Überwindung Teil des Erlösungsprozesses ist.

Strömungen des Okkultismus und des Pfades zur linken Hand haben eigene Konzepte der Qliphoth (alternativ: Qlippoth[6], Kelippot[7], Kliffot[8][9]) entwickelt[5]. Die Qliphoth werden entweder als teuflischen Dämonen[10][11] oder diese beheimatende Regionen[12] identifiziert. Aleister Crowley spricht von ihnen als drei Verkörperungen der Formen des Bösen (vor Samael): Qemetial, Belial und Othiel (siehe Liber 777). Israel Regardie stellt sogar einen eigenen Baum von zehn Qlīpōt auf, die den Sephiroth gegenüberstehen:

obere Qlīpōt:

1. Thaumiel, Thamiel (hebr. təɁōmiʕēl): Gottes Zwilling
zugeordnete Dämonen: Satan, Moloch
2. Ghagiel, Chaigidel: Verwirrung von Gottes Macht
zugeordnete Dämonen: Beelzebub, Adam Belial
3. Sathariel: Verbergung Gottes
zugeordneter Dämon: Lucifuge Rofocale

mittlere Qlīpōt:

1. Gha'agsheblah, Gamchicoth: die Oger
zugeordnete Dämonen: Astaroth, Ištar, Isis
2. Golachab: brennende Körper
zugeordneter Dämon: Asmodäus
3. Thagirion: die, die Kummer und Tränen verbreiten
zugeordneter Dämon: Belphegor

untere Qlīpōt:

1. A'arab Zaraq, Harab Serapel: die Raben der Gottesverbrennung
zugeordnete Dämonen: Baal, Tubal-Kain
2. Samael: Gottes Trostlosigkeit, die linke Hand
zugeordneter Dämon: Adramelech
3. Gamaliel: Gottes Verunreinigung
zugeordnete Dämonin: Lilith

unterste Qlīpā:

zugeordnete Dämonin: Naama(h), Nehema

Die ursprüngliche Kabbala kennt nur vier Qliphoth (Bill Heidrick und Éliphas Lévi: La clef des grands mystères).

Kaschmirischer Shivaismus und Vergleich mit dem kabbalistischen System

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Auch im kaschmirischen Shivaismus, dessen philosophische Tradition sich insbesondere seit dem 9. Jahrhundert n. Chr. entwickelte, findet sich ein kosmologisches Modell, das sich vergleichend der kabbalistischen Vorstellung von der Entfaltung des göttlichen Lichts gegenüberstellen lässt. Das höchste Bewusstsein Śivas wird als Prakāśa (Licht des Bewusstseins; vergleichbar mit dem göttlichen Licht, Or Ein Sof, in der Kabbala) verstanden, dessen dynamische Selbstwahrnehmung als Vimarśa bezeichnet wird. In der Entfaltung der 36 Tattvas manifestiert sich dieses Bewusstsein in den fünf reinen Prinzipien (śuddha-tattvas; vergleichbar mit der Sphäre der reinen göttlichen Emanation in der Kabbala), zu denen auch Īśvara und Śuddhavidyā gehören. Mit Māyā tritt das Prinzip der Differenzierung und Begrenzung hervor (vergleichbar mit der Entstehung einer differenzierten Wirklichkeit im kabbalistischen Schöpfungsmodell). Zusammen mit den fünf Kañcukas, den einschränkenden Kräften (metaphorisch vergleichbar mit verhüllenden Schalen, den Qlīpōt, jedoch nicht mit diesen gleichzusetzen), bildet Māyā den Bereich der reinen und unreinen Prinzipien (śuddhāśuddha-tattvas), in dem die unbegrenzten Kräfte des Bewusstseins eingeschränkt erscheinen und sich die Erfahrung des individuellen Subjekts (puruṣa) herausbildet. Die Kañcukas lassen sich insofern metaphorisch als Hüllen verstehen, die das unbegrenzte Bewusstsein in seiner individuellen Erscheinungsform begrenzen. Anders als die lurianischen Qlīpōt sind sie jedoch keine Folgen eines kosmischen Gefäßbruchs und schließen keine göttlichen Lichtfunken ein.[13]

Einzelnachweise

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  1. ↑ Johann Maier: Die Kabbalah. Einführung – Klassische Texte – Erläuterungen. Verlag C.H. Beck, München 1995, ISBN 3-406-39659-3, S. 300.
  2. ↑ Encyclopedia Judaica, Jerusalem, Israel: Keter Publishing House Jerusalem Ltd. 1972 (englisch).
  3. ↑ The Treasure of Scripture Knowledge: Five Hundred Thousand Scripture References and Parallel Passages, Introduction by Rev. A. Torrey (Oak Harbor: Logos Research Systems, Inc., 1995)(englisch).
  4. ↑ Karl R. H. Frick: Die Erleuchteten. Gnostisch-theosophische und alchemistisch-rosenkreuzerische Geheimgesellschaften bis zum Ende des 18. Jahrhunderts – ein Beitrag zur Geistesgeschichte der Neuzeit. Akademische Druck- und Verlagsanstalt, Graz 1973, ISBN 3-201-00834-6, S. 97.
  5. 1 2 John Michael Greer: The New Encyclopedia of the Occult. Zweite Auflage, St. Paul, MN: Llewellyn Publications 2004, S. 385.
  6. ↑ Michael W. Ford: Rite of the Qlippoth. Succubus Productions, 2007.
  7. ↑ Stewart Voegtlin: Interview: Ofermod. TheLeftHandPath.com, 14. November 2008, abgerufen am 6. September 2011 (englisch).
  8. ↑ Liber Azerate. Det Vredgade Kaosets Bok. Anti-Cosmic Productions, 2002, S. 42–46, 74 (schwedisch).
  9. ↑ MLO. Misanthropic Luciferian Order, archiviert vom Original am 15. März 2004; abgerufen am 10. September 2011 (englisch).
  10. ↑ John Bonner: Qabalah. A Magical Primer. Boston, MA: Red Wheel/Weiser, LLC 2002, S. 47.
  11. ↑ Dion Fortune: Applied Magic. York Beach, ME: Red Wheel/Weiser, LLC 2000, S. 39.
  12. ↑ Peter Easingwood: The Appeal of Failure. In: Peter Easingwood, Konrad Gross, Lynette Hunter: Difference and Community. Canadian and European Cultural Perspectives. Amsterdam/Atlanta, GA: Editions Rodopi 1996 (=Cross / Cultures 25), S. 232.
  13. ↑ Mark S. G. Dyczkowski: The Doctrine of Vibration. State University of New York Press (SUNY Press), Albany, New York 1987, ISBN 978-0-88706-432-6, Kapitel II „Light and Awareness: The Two Aspects of Consciousness“, S. 59–76