Pseudaraeococcus
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Pseudaraeococcus | ||||||||||||
| (Mez) R.A.Pontes & Versieux |
Die Pseudaraeococcus sind eine Pflanzengattung in der Unterfamilie Bromelioideae innerhalb der Familie der Bromeliengewächse (Bromeliaceae).[1] Die etwa sieben Arten sind nur in Brasilien verbreitet.
Beschreibung
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Vegetative Merkmale
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Pseudaraeococcus-Arten wachsen als ausdauernde krautige Pflanzen. Sie gedeihen epiphytisch, seltener lithophytisch oder terrestrisch.[1] Es sind mittelgroße bis relativ kleine Arten mit geringen Trichterdurchmessern. Sie bilden durch dünne, meist lange Ausläufer kleine Bestände.[1] Die vegetative Vermehrung erfolgt durch Kindel am Ende der Ausläufer.
Die drei bis zehn in einer grundständigen Rosette angeordneten Laubblätter bilden einen schlanken, höher als breiten, flaschen- oder trichterförmigen Habitus, in ihnen kann sich Wasser sammeln und sie sind in Blattscheide und -spreite gegliedert.[1] Die etwas ledrigen Blattscheiden sind elliptisch bis eiförmig und bräunlich bis grün-rotweinfarben.[1] Die einfachen, derben, ledrigen, grünen bis rotweinfarbenen Blattspreiten sind ein- oder zweifarbig, lanzettlich, ist bei einzelnen Arten im oberen Bereich breiter als an der Basis[1] und es ist ein zentrale Längskanal entlang der Spreite vorhanden.[1] Die Blattränder sind glatt oder selten unauffällig gesägt, stachelig bewehrt.[1] Auf den Spreitenflächen sind Saugschuppen vorhanden.
Generative Merkmale
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die bis zu 1 Meter langen, aufrechten Blütenstandsschäften sind kürzer als die Laubblätter. Die etwas ledrigen, lanzettlichen Hochblätter an den Blütenstandsschäften sind während der Anthese hell-grün bis hell-rosafarben, werden danach strohartig und es sind Saugschuppen vorhanden.[1] In den locker verzweigten, meist rispigen Blütenständen (Infloreszenzen) sind höchstens so hoch wie die Laubblätter und es sind viele sitzende oder gestielte Blüten meist locker aufrecht angeordnet.[1] In den Blütenständen befinden sich an der Basis der Blütenstiele oder des Fruchtknotens relativ unauffällige, hell-grüne Tragblätter (Brakteen), die eiförmig bis linealisch-lanzettich, breit-lanzettich oder breit-oval sind.[1]
Die relativ unscheinbaren, zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und dreizählig mit doppelter Blütenhülle (Perianth) und selten duftend.[1] Die drei freien, mehr oder weniger asymmetrischen, häutigen Kelchblätter sind lang-oval, unauffällig kantig und nicht gekielt mit zugespitztem oberen Ende.[1] Die drei freien, meist weißen oder selten blauen Kronblätter sind spatelförmig, gerade oder zurückgekrümmt. Es sind an den Kronblättern keine Schüppchen (Ligulae) und keine seitlichen Falten an den Innenflächen vorhanden.[1] Es sind zwei Kreise mit je drei freien Staubblättern vorhanden, sie überragen die Blütenkrone während der Anthese. Die weißen Staubfäden sind zylindrisch. Die gelben Staubbeutel sind nahe der Basis dorsifix mit bespitzten Enden.[1] Die Staubbeutel sind kürzer als die Stempel.[1] Drei Fruchtblätter sind zu einem grünen, hellgrünen, bläulichen oder dunkel-purpurfarbenen, unterständigen Fruchtknoten verwachsen, der eiförmig oder elliptisch mit glatter oder gerippter Basis ist. Je Fruchtfach sind zwei bis sechs Samenanlagen vorhanden.[1] Die weiße oder gelbliche Narbe ist gefaltet-spiralig.[1]
Die Blütenformel lautet:
Die bei Reife bläuliche oder schwärzliche, saftarme Beere ist kugelig. Die rötlich-braunen Samen sind bei einer Länge von 1,1 bis 1,6 Millimetern ellipsoid, weitgehend gerade oder gekrümmt.[1]

Systematik und Verbreitung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Name Pseudaraeococcus wurde 1934 als Untergattung Araeococcus subg. Pseudaraeococcus durch Carl Christian Mez in Bromeliaceae (Teil 1) in Adolf Engler (Hrsg.): Das Pflanzenreich, Band 32, S. 75 aufgestellt.[2] Typusart ist Pseudaraeococcus parviflorus (Mart. ex. Schult. f.) R.A.Pontes & Versieux.[2] Der Rang einer Gattung Pseudaraeococcus wurde durch Ricardo Ambrósio Soares Ponte, Alice Calvente und Leonardo de Melo Versieux in Morphology and distribution support Pseudaraeococcus (Bromeliaceae, Bromelioideae) as a new genus from the Atlantic forest of Northeastern Brazil. In: PlantNow, Volume 1, Issue 2, August 2020, S. 43–51 veröffentlicht.[1] Der Gattungsname Pseudaraeococcus setzt sich zusammen aus Pseud für „falsch“ und der Gattung Araeococcus, das sich vom altgriechischen Wort araios für „dünn“ und dem lateinischen Wort coccum für „Beere“ ableitet.
Das neotropische Verbreitungsgebiet der Gattung Pseudaraeococcus ist Brasilien.[2]
Durch Pontes et al. 2020 wurden Arten in die neue Gattung Pseudaraeococcus (Mez) R.A.Pontes & Versieux ausgegliedert[1] und eine Art wurde 2022[3] erstbeschrieben:[2]
- Pseudaraeococcus chlorocarpus (Wawra) R.A.Pontes & Versieux (Syn.: Lamprococcus chlorocarpus Wawra, Araeococcus chlorocarpus (Wawra) Leme & J.A.Siqueira): Die Erstbeschreibung erfolgte 1862 und die Neukombination 2020. Sie kommt in den brasilianischen Bundesstaaten Pernambuco, Bahia sowie Alagoas vor.[2]
- Pseudaraeococcus lageniformis (R.A.Pontes & Versieux) R.A.Pontes & Versieux (Syn.: Araeococcus lageniformis R.A.Pontes & Versieux): Die Erstbeschreibung erfolgte 2019 und die Neukombination 2020. Sie gedeiht epiphytisch oder manchmal terrestrisch im Mata Atlântica in Höhenlagen von 700 bis 720 Metern nur im brasilianischen Bundesstaat Bahia.[2]
- Pseudaraeococcus montanus (Leme) R.A.Pontes & Versieux (Syn.: Araeococcus montanus Leme): Die Erstbeschreibung erfolgte 1999 und die Neukombination 2020. Sie gedeiht epiphytisch nur im brasilianischen Bundesstaat Bahia.[2]
- Pseudaraeococcus nigropurpureus (Leme & J.A.Siqueira) R.A.Pontes & Versieux (Syn.: Araeococcus nigropurpureus Leme & J.A.Siqueira): Die Erstbeschreibung erfolgte 2006 und die Neukombination 2020. Sie gedeiht epiphytisch in Höhenlagen von etwa 130 Metern im brasilianischen Bundesstaat Bahia.[2]
- Pseudaraeococcus parviflorus (Mart. ex. Schult. f.) R.A.Pontes & Versieux (Syn.: Billbergia parviflora Mart. ex Schult. & Schult. f., Aechmea parviflora (Mart. ex Schultes f.) Baker, Araeococcus parviflorus (Mart. ex Schultes & Schultes f.) Lindman): Die Neukombination erfolgte 2020. Sie gedeiht terrestrisch oder epiphytisch in Wäldern in Höhenlagen von 30 bis 100 Metern nur im brasilianischen Bundesstaat Bahia.[2]
- Pseudaraeococcus serranensis R.A.Pontes, E.H.Souza & Versieux: Die Erstbeschreibung erfolgte 2022. Sie gedeiht epiphytisch im halbimmergrünen, submontanen Wald im brasilianischen Bundesstaat Bahia.[3][2]
- Pseudaraeococcus sessiliflorus (Leme & J.A.Siqueira) R.A.Pontes & Versieux (Syn.: Araeococcus sessiliflorus Leme & J.A.Siqueira): Die Erstbeschreibung erfolgte 2006 und die Neukombination 2020. Sie gedeiht epiphytisch im feuchten Mata Atlântica in Höhenlagen von 50 bis 650 Metern im brasilianischen Bundesstaat Bahia.[2]
Quellen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Eric J. Gouda, Derek Butcher, Kees Gouda: Encyclopaedia of Bromeliads, Version 5, 2023. In „Species Index“ auf Pseudaraeococcus klicken. zuletzt eingesehen am 23. Januar 2026
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ricardo Ambrósio Soares Ponte, Alice Calvente, Leonardo de Melo Versieux: Morphology and distribution support Pseudaraeococcus (Bromeliaceae, Bromelioideae) as a new genus from the Atlantic forest of Northeastern Brazil. In: PlantNow, Volume 1, Issue 2, August 2020, S. 43–51. doi:10.6084/m9.figshare.12895139
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u Ricardo Ambrósio Soares Ponte, Alice Calvente, Leonardo de Melo Versieux: Morphology and distribution support Pseudaraeococcus (Bromeliaceae, Bromelioideae) as a new genus from the Atlantic forest of Northeastern Brazil. In: PlantNow, Volume 1, Issue 2, August 2020, S. 43–51. doi:10.6084/m9.figshare.12895139
- ↑ a b c d e f g h i j k Eric J. Gouda, Derek Butcher, Kees Gouda: Encyclopaedia of Bromeliads, Version 5, 2023. In „Species Index“ auf Pseudaraeococcus klicken. zuletzt eingesehen am 23. Januar 2026
- ↑ a b Ricardo Pontes, Everton Hilo Souza, Leonardo de Melo Versieux: Pseudaraeococcus serranensis (Bromeliaceae: Bromelioideae) a new species from Bahia, Brazil. In: J. Bromeliad Soc., Volume 71, Issue 4, Mai 2022. PDF.