Provinz Chumbivilcas
| Provinz Chumbivilcas | |||
|---|---|---|---|
| Symbole | |||
| Wahlspruch „Wawakunaqa muhucha jinan yachaykunawan Ch'akchuspa allinta phanchirichisun musuq kawsayta taripanankupaq.“ ‚Kinder müssen wir wie Samenkörner behandeln, die wir mit Kenntnissen gießen, damit sie aufgehen und einem guten Leben entgegensehen.‘ | |||
| Basisdaten | |||
| Staat | Peru | ||
| Region | Cusco | ||
| Sitz | Santo Tomás | ||
| Fläche | 5.371,1 km² | ||
| Einwohner | 66.410 (2017) | ||
| Dichte | 12 Einwohner pro km² | ||
| Gründung | 21. Juni 1825 | ||
| ISO 3166-2 | PE-CUS | ||
| Webauftritt | www.munichumbivilcas.gob.pe (spanisch) | ||
| Politik | |||
| Alcalde Provincial | Florentino Layme Mantilla | ||
| Geographische Lage: Breite: 13° 55' 41 bis 14° 52' 58 Länge: 71° 29' 50 bis 72° 30' 00 | |||
| Distrikt | Verwaltungssitz |
|---|---|
| Capacmarca | Ccapacmarca |
| Chamaca | Chamaca |
| Colquemarca | Colquemarca |
| Livitaca | Livitaca |
| Llusco | Llusco |
| Quiñota | Quiñota |
| Santo Tomás | Santo Tomás |
| Velille | Velille |
Offiziell wurde die Provinz Chumbivilcas am 21. Juni 1825 gegründet.
Geschichte
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In präkolumbischer Zeit entwickelte sich in diesem Gebiet die Wari-Kultur. Nach mündlicher Überlieferung wurde das Gebiet während der Herrschaft der Inka von Mayta Cápac (Quechua: Mayta Qhapaq) unterworfen.
Als erwiesen gilt heute, dass in dem Bereich, der heute als Chumbivilcas bezeichnet wird, vor der Eroberung durch die Spanier wenigstens drei Gruppen mit unterschiedlichem sozialen Status lebten. Diese Gruppen unterschieden sich durch ihren Zugang zu wirtschaftlichen Mitteln und politische Macht wie durch ihre Sprache und Zugehörigkeit zu ethnischen Gruppen. So lebte in den Gebieten, die heute von den Distrikten Velille, Chamaca, Santo Tomás, Colquemarca, Livitaca (Provinz Chumbivilcas) und Omacha (Provinz Paruro) geformt werden, eine Ethnie, die chumbivilcano, eine bis heute unbekannte Sprache, und eine andere, die Quechua sprach, die Sprache der Inkas. Erstere lebten in den Hochebenen auf Gehöften in der Nähe von Colquemarca, Livitaca, Velille und Santo Tomás. Diese ortsansässigen chumbivilcanos mussten gegenüber der später auftretenden quechuasprachigen Elite, die mit dem Inkastaat in Cusco verbunden war, Tribut zahlen. Außerdem gab es eine weitere, Aymara sprechende Gruppe, die in der Umgebung von Llusco wohnte, in der prähispanischen Zeit als Cusco bekannt und Sitz einer anderen Gruppe des Inkaadels.
In erster Linie finden wir eine klare Zweiteilung zwischen den Hanan und den Hurin innerhalb der Bevölkerung von Chumbivilcas. Die Daten über diese Einteilungen stammen aus spanischen Quellen und beziehen sich auf die Organisation der Repartimientos und Reduktionen, die für die neue Kolonialregierung eingerichtet wurden. Neben den Hanan und Hurin von Santo Tomás und den Hanan und Hurin von Colquemarca gab es eine dritte Gruppe bestimmten ethnischen Ursprungs. In Colquemarca wohnte diese dritte Gruppe dort, wo heute die Gemeinden Yanque, Laccalacca, Parccobamba und Charamoray ansässig sind. In Santo Tomás wohnten die Ancoyocondes im Südwesten. Die Ancoyocondes und die Yanques standen wahrscheinlich in enger Beziehung zu den Grafen (condes) von Collaguas (Arequipa) und den Grafen von Cusco, die zum Ko-Regiment von Chumbivilcas gehörten. Innerhalb jedes Repartimientos in Chumbivilcas gab es eine feste Dezimaleinteilung. So bestanden Colquemarca, Velille, Chamaca, Livitaca, Capacmarca und Llusco-Quinota jeweils aus zehn Ayllus.
Bevölkerung
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66.410 Einwohner (Zensus 2017) leben auf einer Fläche von 5371 km².[1]
Bis Anfang der 2000er Jahre stieg die Einwohnerzahl der Provinz Chumbivilcas leicht an (durchschnittlich um 0,7 % jährlich im Zehnjahreszeitraum von 1995 bis 2005), wenn auch nicht so sehr wie in Peru insgesamt. Seither geht sie infolge der Abwanderung aus den Dörfern und Weilern der Anden in die Städte, insbesondere in die Großstädte der Küste, sowie ins Amazonasbecken stark zurück. Von 2005 bis 2017 verlor die Provinz Chumbivilcas ein Siebtel ihrer Bevölkerung.
| Provinz Chumbivilcas | 1995 (geschätzt) | Zensus 2005 | Zensus 2017 |
|---|---|---|---|
| Einwohner | 72.491 | 77.721 | 66.410 |
Chumbivilcas gilt als eines der ärmsten Gebiete des Landes. Das jährliche Pro-Kopf-Einkommen beträgt 115 US$. Die Kindersterblichkeit (0–2 Jahre) liegt bei 107,2 von 1000. Die Hälfte der Bevölkerung ist jünger als 16 Jahre. Familien mit acht und mehr Kindern sind auf dem Land nicht ungewöhnlich. Der größte Teil der Einheimischen lebt in kleinen Bauergehöften, was durch die weiten Wege und die schwierige Typologie zu einer Alphabetisierung von unter 50 % führt (Analphabetentum bei Frauen 84 %, bei Männern 48,11 %). Extreme klimatische und geographische Bedingungen machen es den Kleinbauern schwer, aus eigener Kraft der Armut zu entrinnen. Nationale und internationale Hilfsprojekte zielen darauf ab, durch nachhaltige Maßnahmen in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Lebensumfeld einen dauerhaften Weg aus der Armut zu ermöglichen, nicht zuletzt, um der mit ihr verbundenen Landflucht entgegenzuwirken.
| Bevölkerungsdaten Chumbivilcas 1999/2005 | |
|---|---|
| ohne Wasser | 45 % |
| ohne Abwassersystem/Latrine | 55 % |
| ohne Strom | 86 % |
| Analphabetisierungsgrad Frauen | 43 % |
| Anteil der Kinder von 0–12 Jahren | 37 % |
| unterernährt | 52 % |
Quelle: Censo de Población y Vivienda del 2005 – INEI, Censo de Talla Escolar de 1999 – MINEDU/FONCODES/UPR, S. 56[2]
Sprache
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Chumbivilcanos sprechen Cusco-Quechua. Aufgrund der Migration einer hohen Anzahl von Dorfbewohnern in die Städte gewinnt die spanische Sprache (castellano) Einzug. Schulkinder werden per Gesetz bilingual unterrichtet.
Religion
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Christentum beherrscht das religiöse Leben, aber gleichzeitig werden traditionelle Riten aus alten religiösen Weltanschauungen eingeflochten, die mit dem Land, dem Vieh und den Apus (Göttern) verbunden sind.
Wirtschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Landwirtschaft
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Natürliche Weideflächen bedecken 70 % der Gesamtfläche der Provinz. Für den Ackerbau ist dieser Boden kaum geeignet. Innerhalb von 4.200 bis 4.800 m Höhe können ohne großes Risiko ausschließlich die südamerikanischen Kamelarten gehalten werden. Zwischen 3.000 und 4.100 m Höhe widmen sich die Familien vornehmlich der Aufzucht von Schafen und sehr wenigen Rindern. In den tieferen Lagen gibt es kultiviertes Weideland und bessere Viehbestände. Hier werden Milch und Viehprodukte auf den lokalen und zunehmend auch auf den regionalen Märkten verkauft. Das wichtigste Problem der Viehzucht ist der Futtermangel durch überweidete Flächen, permanente Bodenerosion, Mangel an Bewässerungssystemen und die hohe Verseuchung der Weiden mit dem Großen Leberegel, der Schafe und Rinder befällt.
Bergbau
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Chumbivilcas verfügt über sehr große Metallvorkommen. Gemäß der peruanischen Gesetzgebung sind Landbesitzer Eigentümer ihres Landes bis zu einem Meter Tiefe. Die Besitzrechte für den darunter liegenden Boden hat der Staat. Somit kann das Bergbauministerium die Schürfrechte an Konzerne vergeben, ohne die Landbesitzer zu informieren. In den Anden haben die Dörfer Gemeinschaftseigentum. Die Dorfgemeinschaften verfügen über die Besitztitel und die einzelnen Familien erhalten das Nutzungsrecht. Wie bereits 2005 in Quiñota geschehen, haben Ingenieure einzelne Familien besucht, ihnen gut bezahlte Arbeit versprochen und dafür das Einverständnis der Familien zur Nutzung des Ländereien durch den Konzern erhalten. Das Dorf bleibt weiterhin Eigentümer, aber das Nutzungsrecht haben die Familien abgegeben. Konflikte sind somit vorgegeben.
Kultur
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Tourismus
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Chumbivilcas, Land des Qorilazo (Quechua, wörtlich: Goldlasso), bietet dem Besucher alternative touristische Attraktionen: Pferderennen, Stierkampf, Hahnenkämpfe, Aufführung urtümlicher Tänze der Gegend, typische Trachten, Bauernmärkte und Kunsthandwerk. Jährlich findet in Santo Tomás das traditionelle Pferderennen statt, dass zeitlich mit den Feierlichkeiten zum Jahrestag der Gründung der Provinz zusammenfällt. Ein einzigartiges rituelles Fest ist Takanakuy (auch Takanacuy). Es handelt sich um öffentlich ausgetragene Kämpfe zwischen zwei Gegnern, die sich in der Mitte eines Kreises aus Zuschauern gegenüberstehen. Der rituelle Kampf mit reinem Körpereinsatz soll den Kontrahenten ermöglichen, ein für alle Mal alle Zwistigkeiten zu bereinigen. Der Sieger darf sich als Qorilaso bezeichnen. In Santo Tomás, dem bekanntesten Austragungsort, findet das Festival am Weihnachtstag statt.
Sehenswürdigkeiten
- Kirche von Santo Tomás
- Grotten von Warari (auch Huarari) bei Livitaca
- Thermalquelle von Qoñiuno
- Unterirdischer Tunnelkomplex aus präkolumbischer Zeit (vermutlich aus der Wari-Kultur) – Der Komplex liegt unter dem Ort Lliqui in der Nähe des Berges Aya-Ayapata. Der archäologische Fund im August 2002, der auch Keramikstücke und Gebeine zu Tage brachte, wurde zufällig bei der Verfolgung von Viehräubern gemacht.
- Mawk'a Livitaca bei Livitaca – präinkaische Stadt gelegen an einem Ort namens Qiwincha Urqu mit Überresten von Plätzen, Stadtmauern, Sarkophagen und Aquädukten aus der Wari-Kultur
- Chullpas de Ch'iñisiri bei Livitaca – schöne archäologische Stätte gelegen an einem Ort namens T'uqra mit Sarkophagen aus Lehm und Stroh, an den Fassaden weiß, rot und ockerfarben bemalter Quaderstein
Tänze
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- De mis Trenzas (dt.: Von meinen Zöpfen) – Tanz des Distrikts Santo Tomás. Mit Musik, Gesang und Tanz machen die Verehrer ihren Angebeteten den Hof. Die Damen von Chumbivilcas, bezirzt von diesem Liebeswerben, nehmen die Einladung kokett an und folgen ihnen.
- Waynachura – Tanz des Distrikts Santo Tomás. Sehnsucht und Liebesleid werden in seinen Liedern ausgedrückt. Die Paare schelten sich gegenseitig für den erlittenen Verdruss. Aber am Ende siegt die Liebe.
- Takanakuy – Dieser Tanz (auch ein Brauch) wird zu verschiedenen Gelegenheiten in Chumbivilcas getanzt und nimmt eine sehr alte Tradition auf. Er geht auf die Widerstandsbewegung Taky Unquy um 1560 gegen die spanische Invasion zurück und ruft vorspanische Rituale ins Gedächtnis.
- Wifala – ein Tanz mit karnevalesken Zügen. Er hat seinen Ursprung in der Freude der Tierhalter und man hält es für ein gutes Vorzeichen für Ackerbau und Viehzucht, wenn das Fest fröhlich und pompös ist.
- Ayarachi – ein Tanz für 12 Personen, der mit urtümlichen Instrumenten, ähnlich großen Hirtenflöten, und Trommeln begleitet wird. Es ist ein Rundtanz mit Beerdigungscharakter. Die Besonderheit dieses Tanzes ist die Verwendung vorspanischer Kleidung.
- Llamerada – ein Tanz für 12 Personen. Er ist zugleich religiös und Vorzeichen für ein gutes Jahr. Die Besonderheit ist, dass er von einer Geige begleitet wird.
Feste
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kunsthandwerk
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Textilien – Ponchos, im Allgemeinen rot mit dekorativer Franse
- Wehrgehänge
- Hüte aus Schafwolle
Küche
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Typische Mahlzeiten sind gekochte Kartoffeln, Chuños, Mais, Gerste und Fisch. Quinoa wird als Zutat zu Brot und Backwaren sowie Teigwaren gebacken, als Beilage gekocht und in Suppen, Eintöpfen, Aufläufen, Klößen, Pfannkuchen und Süßspeisen verwendet. Eine weitere schon zu Zeiten der Inka verwendete Pflanze ist die schnell wachsende Kiwicha, deren Blätter und Samen genießbar sind. Die Samen werden geröstet oder wie auch bei der Quinoa zu Mehl für Brot und Pfannkuchen verarbeitet.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Victor Laime: Der Autor des Buches Takanakuy: Cuando la Sangre Hierbe ist in Santo Tomás geboren. Sein Einsatz gilt der Ermutigung der ländlichen Bevölkerung zur Erhaltung und Entwicklung der indigenen Quechua-Identität der Dörfer. Gegenwärtig ist Laime Berater der Direccíon Nacional de Educación Bilingüe Intercultural (DINEBI) des peruanischen Ministeriums für Erziehung.
Kunst
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Florentino Laime Mantilla Maler (geb. 1960 in Wakuya)
Verkehr
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Santo Tomás ist über die folgenden Straßenverbindungen zugänglich:
Grafiken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Fußnoten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Instituto Nacional de Estadística e Informática (INEI): Directorio Nacional de Centros Poblados – Censos Nacionales 2017. Lima 2018, Bd. 2, S. 701 (online).
- ↑ Censo de Población y Vivienda del 2005. regionarequipa.gob.pe, archiviert vom am 25. Juli 2007; abgerufen am 22. September 2019 (spanisch).


