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Protram

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Protram
Rechtsform Sp. z o.o.
Gründung 1999
Auflösung 2016
Sitz Breslau
Mitarbeiterzahl 120 bei Gründung
Branche Straßenbahn-Fahrzeugbau

RMT Protram Wrocław Sp. z o.o., meist Protram genannt, war ein polnischer Straßenbahn-Fahrzeugbauer, der 1999 durch die Ausgliederung der Hauptwerkstatt aus dem Breslauer Verkehrsbetrieb MPK Wrocław entstand und im November 2016 Insolvenz anmeldete. Das Unternehmen modernisierte hauptsächlich ältere Fahrzeuge, baute aber auch neue Fahrzeuge vor allem für die Straßenbahn Breslau.

Die Hauptwerkstatt entstand 1925 an der Friedrich-Wilhelm-Straße (heute ul. Legnicka), nachdem die Städtische Strassenbahn Breslau zwei private Fahrzeughersteller gekauft hatte. In den 1990er-Jahren begann sie in Kooperation mit Pafawag mit der Modernisierung von Triebwagen des Konstal-Typs 105Na. Bei einer Umstrukturierung des Verkehrsbetriebs im Jahr 1999 wurde politisch entschieden, die Hauptwerkstatt als eigenständiges Unternehmen auszugliedern.[1]

Zu 105NWr modernisierte 105Na in Breslau

In den ersten Jahren seines Bestehens leistete das Unternehmen den Unterhalt und die Modernisierung von Fahrzeugen. 2004 begann der Bau neuer Fahrzeuge, zunächst in Form des vollständig hochflurigen, dem 105Na ähnlichen Typs 204 WrAs. 2005 bis 2010 modernisierte Protram außerdem 110 105Na zum Typ 105NWr, der dem 204 WrAs ähnlich ist. Ab 2006 wurde auch der auf dem 204 WrAs basierende dreiteilige Gelenkwagentyp 205 WrAs gebaut, der einen Niederflurbereich im Mittelteil hat.[1]

Auf Basis dreier 105Na gebauter 405N in Krakau

Die 204 WrAs, 105NWr und 205 WrAs wurden nur für die Straßenbahn Breslau gebaut. Anschließend erhielt Protram aber auch Aufträge aus anderen Städten. 2007 baute das Unternehmen sechs geführte Triebwagen des Typs 105N2k für die Straßenbahn Stettin auf Basis einer Lizenz von Alstom, zu dem Konstal inzwischen gehörte. Über 200 105N bzw. 105Na wurden für die Straßenbahnen Danzig und Warschau modernisiert. 2012 wurde für die Straßenbahn Krakau der fünfteilige, teilniederflurige Gelenkwagenprototyp 405N auf Basis dreier modernisierter 105Na gebaut. Zu einer Serienbeschaffung kam es jedoch nicht, weil MPK Kraków entschied, nur noch Fahrzeuge mit größerem Niederfluranteil zu beschaffen.[1]

2009 entwickelte Protram den zu 70 Prozent niederflurigen Typ 206WrAs, um der Nachfrage nach solchen Fahrzeugen zu entsprechen. Die Gesellschafterversammlung entschied sich jedoch zugunsten einer Dividendenausschüttung gegen den Bau eines Prototyps. Sie bestand hauptsächlich aus den Mitarbeitern des Unternehmens, nachdem die anfangs 120 Mitarbeiter bei Gründung jeweils vier Anteile erhalten hatten. Weil in den Folgejahren bei den meisten Ausschreibungen für Straßenbahnfahrzeuge ein bereits hergestelltes Exemplar als Referenz verlangt wurde, führte der fehlende Prototyp allerdings zu ausbleibenden Aufträgen. Auch in Breslau durfte der Hersteller nicht begünstigt werden. Zugleich hatte sich mit Modertrans Poznań ein starker Konkurrent bei der Modernisierung von Fahrzeugen und dem Bau von Fahrzeugen mit geringem Niederfluranteil etabliert. Dies führte dazu, dass Protram im November Insolvenz anmelden und seine Aktivitäten vollständig einstellen musste.[1]

Neubaufahrzeuge des Typs 204 WrAs in Breslau

Die 204 WrAs (Wr für Wrocław, As für Asynchronantrieb) sind wie die 105Na vierachsige Einrichtungs-Großraumwagen, haben zwischen den Drehgestellen jedoch nur eine statt zwei Türen. Sie sind 13,5 Meter lang, 2,355 Meter breit und haben einen Drehgestellmittenabstand von sechs Metern. Der Drehgestellachsstand beträgt 1,9 Meter und die Leermasse 18,97 Tonnen. Anders als die wagenbauliche Ausführung als Hochflurwagen (Fußbodenhöhe 900 Millimeter ab Schienenoberkante) entspricht die elektrische Ausrüstung dem Stand der Technik zum Bauzeitpunkt. Jeder Radsatz wird von einem Fahrmotor des Typs STDa200L4A mit einer Leistung von 50 kW angetrieben. Je Drehgestell sind die Motoren elektrisch parallel geschaltet und werden über einen IGBT-Wechselrichter versorgt. Beim Bremsen kann die rekuperierte Energie bis zu einer Fahrleitungsspannung von 720 Volt zurückgespeist werden. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 65 km/h.[2]

Es wurden zwölf Fahrzeuge für die Straßenbahn Breslau gebaut,[1] die üblicherweise in Doppeltraktion eingesetzt werden. Die führenden Triebwagen haben einen klimatisierten Führerstand, die geführten Triebwagen haben dagegen keinen Führerstand. Dementsprechend unterscheidet sich auch die Kapazität (20 bzw. 19 Sitz- und 75 bzw. 80 Stehplätze bei fünf Stehplätzen pro Quadratmeter).[2]

Die 110 105NWr erhielten bei der Modernisierung ein sehr ähnliches äußeres Erscheiungsbild, allerdings ohne Verkleidung der Drehgestelle. Auch die elektrische Ausrüstung wurde nach Vorbild der 204 WrAs erneuert, eine der mittigen Türen wurde entfernt und sie erhielten Einholm- statt Scherenstromabnehmer.[1]

Neubaufahrzeug des Typs 205 WrAs in Breslau

Die 205 WrAs sind dreiteilige Einrichtungs-Gelenktriebwagen, deren Endteile auf je zwei Drehgestellen laufen und zwischen denen ein Mittelteil ohne Drehgestelle eingehängt ist. Sie sind 26,55 Meter lang, 2,345[2] oder 2,354[1] Meter breit und haben Drehgestellmittenabstände von 5,2 m + 8,6 m + 5,2 m. Die Leermasse beträgt 35 Tonnen. Die Drehgestelle und die elektrische Ausrüstung entsprechen den 204 WrAs und die Höchstgeschwindigkeit beträgt ebenfalls 65 km/h. Die Hochflurbereiche haben eine Fußbodenhöhe von 900 Millimetern. Der Niederflurbereich im Mittelteil mit einer Fußbodenhöhe von 350 Millimetern erstreckt sich über 21 Prozent der gesamten Wagenlänge. An der in diesen Bereich führenden Tür gibt es eine ausklappbare Rollstuhlrampe. Es gibt 40 Sitz-, zwei Rollstuhl- und 135 Stehplätze (bei fünf Stehplätzen pro Quadratmeter).[2]

Zu Moderus Beta MF 17 AC modernisierter 205 WrAs in Breslau

Von 2006 bis 2011 wurden 26 Fahrzeuge für die Straßenbahn Breslau gebaut.[1] 2020 wurde ein infolge eines Unfalls abgebrannter Triebwagen von Modertrans Poznań mit Moderus-Beta-Wagenkästen neu aufgebaut und wird seitdem Feniks (polnisch für Phönix) genannt.[3] 2021 ließ MPK Wrocław auch die anderen 25 Fahrzeuge in gleicher Weise zu modernisieren bzw. neu aufbauen.[4][5]

Der 405N für die Straßenbahn Krakau ist ein fünfteiliger Einrichtungs-Gelenktriebwagen. Drei 105Na bildeten die Basis für den ersten, den dritten und den fünften Wagenteil. Der zweite und der vierte Wagenteil mit Niederflurbereichen sind dazwischen eingehängt. Er ist 40,57 Meter lang und war damit nach seiner Fertigstellung 2012 das längste Straßenbahnfahrzeug Polens, bis 2015 Pesa die Twist-Serie 2014N nach Krakau lieferte.[1] Er ist 2,354 Meter breit und hat eine Masse von 63,5 Tonnen. Die Drehgestellmittenabstände betragen 5,2 m + 8,4 m + 5,6 m + 8,4 m + 5,2 m. Jeder der zwölf Radsätze wird von einem Asynchronmotor mit 50 kW Leistung angetrieben. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 70 km/h. Die Fußbodenhöhe ab Schienenoberkante beträgt 915 Millimeter in den Hoch- und 365 Millimeter in den Niederflurbereichen. Es gibt 57 Sitzplätze.[6] Seit April 2012 wird er in Krakau im Regelbetrieb eingesetzt.[1]

Commons: Protram – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Andrew Thompson: Nur 17 Jahre. Die kurzlebige Firma Protram und ihre Produkte. In: Straßenbahn Magazin. Nr. 342 (4/2018). GeraMond Verlag, München 22. März 2018, S. 42–43.
  2. 1 2 3 4 M. Šrámek: Lokale Produktion von Straßenbahnwagen in Wroclaw (Breslau). In: Stadtverkehr. Nr. 12/2007. EK-Verlag, Freiburg 2007, S. 49.
  3. Wrocław: WrAs wraca na tory po pożarze – jako niebieski Feniks. In: Rynek Kolejowy. 6. November 2020, abgerufen am 4. Juni 2026 (polnisch).
  4. Witold Urbanowicz: Wrocław: WrAs po remoncie jak Moderus. Trzy wariant malowania. In: Rynek Kolejowy. 18. Juli 2020, abgerufen am 4. Juni 2026 (polnisch).
  5. Robert Schwandl: Tram Atlas Mitteleuropa. 2. Auflage. Robert Schwandl Verlag, Berlin 2024, ISBN 978-3-936573-76-3, S. 81 (deutsch, englisch).
  6. Wagon 405N. MPK Kraków, archiviert vom Original; abgerufen am 14. Oktober 2024 (polnisch).