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Prototaxites

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Prototaxites

Prototaxites milwaukeensis

Zeitliches Auftreten
Mittleres Ordovicium bis Devon
410 bis 370 Mio. Jahre
Systematik
Domäne: Eukaryoten (Eukaryota)
incertae sedis
Gattung: Prototaxites
Wissenschaftlicher Name
Prototaxites
Dawson, 1859
Prototaxites, verzweigt und mit blattähnlichen Organen, Interpretation als Nacktsamer durch Dawson, 1888 -

Prototaxites ist der Gattungsname eines ausgestorbenen Organismus aus dem Devon von ungewöhnlich großen Dimensionen. Bisher wurde Prototaxites als riesige Flechte[1] oder als Pilz[2] interpretiert. Die systematische Zugehörigkeit ist allerdings umstritten.

Prototaxites, unter dem Mikroskop

Das Fossil ist bisher nur in Bruchstücken gefunden worden. Es ähnelt einem Baumstumpf, und auf dieser Ähnlichkeit beruht auch sein Name (Taxus „Eibe“). Im Querschnitt zeigt das Fossil konzentrische Ringe unter gelegentlichem Einschluss von organischen Resten, die auf ein nicht kontinuierliches Wachstum hindeuten. Die Oberfläche ist oft runzelig, auch netzartige Schrumpfungsrisse sind häufig. Die Fragmente enthalten drei Typen von schlauchartigen Filamenten:[3] 1. Sog. Skeletthyphen, dickwandig, sehr lang, gerade oder gewunden, unseptiert, unverzweigt. 2. Generative Hyphen, dünnwandig, lang, septiert mit offenem oder okkludiertem Porus, mehrfach verzweigt, ohne Schnallen. 3. Bindehyphen, dünnwandig, klein septiert mit Porus, stark verzweigt, ohne Schnallen. Der Anteil der verschiedenen Hyphentypen sowie deren Dicke ist ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal der Arten. Bei P. loganii sind die Skeletthyphen 18–50 μm dick, und die Wände 2–6 μm dick. Die generativen Hyphen 12–42 μm dick, die Bindehyphen 5–7 μm. Bei einigen Arten finden sich spindelförmige Cluster aus Bindehyphen und generativen Hyphen, die Markstrahlen genannt werden.

Prototaxites, Skelett- und Bindehyphen

Einige Forscher vertreten die Hypothese, dass sich in diesen Markstrahlen Photosymbionten befunden haben könnten.[1]

Prototaxites wuchs auf dem Land zwischen Pflanzen wie Psilophyton und Aglaophyton. Bisher wurde das Fossil von vielen unterdevonischen Fossilfundstellen auf fast allen Kontinenten gefunden. Es war mit einer rekonstruierten Höhe von 2 bis 9 m und einem „Stammdurchmesser“ bis zu 1 m der höchste und größte Organismus unter den damaligen auf dem Land lebenden Organismen. Die obigen Befunde würden gut zu dem „Pilz-Modell“ (Saprophyten-Modell) passen. Allerdings wäre in diesem Saprophyten-Modell zum Aufbau einer derartig großen Biomasse ein sehr großes Areal nötig, damit der Saprophyt genügend organisches Material gefunden hätte.

Sumpflandschaft des Silurs mit Prototaxites

Diese Beschränkung würde beim „Flechten-Modell“ wegfallen.[4] Die Flechte hätte in direkter Konkurrenz mit den damaligen, noch sehr kleinen Pflanzen gestanden. Das könnte die Größe von Prototaxites gut erklären. In der neuesten Arbeit wird aber darauf hingewiesen, dass sich die Isotopenverhältnisse von Prototaxites und von Pflanzen aus denselben Schichten deutlich unterscheiden. Dieser Befund passt nicht zu der Annahme, dass Prototaxites Photosynthese wie die Pflanzen betrieben hat.

Mehrere Fossiliensammler[5][6] berichten von Belegstücken, auf denen deutlich Verzweigungen oder Reste von blattähnlichen Organen zu erkennen sind. Sie weisen auch darauf hin, dass es wohl mehrere Arten von Prototaxites gegeben hat. Damit erklären sie die widersprüchlichen Ergebnisse der Forscher.

Als John William Dawson 1859 das Fossil erstmals beschrieb, interpretierte er es als eine fossile Gattung der Nacktsamer aus der Verwandtschaft der Eibe.[7] Daher auch der Name Prototaxites. Später wurde es als Codiacee (Grünalge) uminterpretiert.[8] 1979 wurde das Fossil dann als Braunalge interpretiert. 2001 erfolgte eine Deutung als riesiger holobasidiomyceter Pilz durch Hueber[3]. Selosse[1] deutete dann die von Hueber präsentierten Befunde um und kam zum Ergebnis, dass Prototaxites eher eine Flechte war. 2007 brachten Boyce et al.[9] neue Argumente für die Interpretation als Pilz.


  • Kräusel R. und Weyland H. (1930): Algen im deutschen Devon. Palaeographica, Abt. B 79, 131–172
Commons: Prototaxites – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 Marc-André Selosse: Prototaxites: A 400 MYR Old Giant Fossil, A Saprophytic Holobasidiomycete, or A Lichen? In: Mycological Research. Band 106, Nr. 6, Juni 2002, S. 642–644, doi:10.1017/S0953756202226313.
  2. ↑ U. H. J. Heidtke: War der 400 Mill. Jahre alte „Monsterbaum“ ein Pilz? In: Pollichia-Kurier. Band 22, Nr. 1, 2006, S. 16–17.
  3. 1 2 Francis M. Hueber: Rotted wood-alga-fungus: The history and life of Prototaxites (Dawson 1859). In: Review of Palaeobotany and Palynology. 116. Jahrgang, Nr. 1, 2001, S. 123–158, doi:10.1016/S0034-6667(01)00058-6 (englisch, org.uk [PDF]).
  4. ↑ G. J. Retallack, E. Landing: Affinities and architecture of Devonian trunks of Prototaxites loganii. In: Mycologia. Band 106, Nr. 6, 2014, S. 1143–1158, doi:10.3852/13-390.
  5. ↑ H. Altmeyer: Astnarben an Prototaxiten? In: Der Aufschluss. Band 24, Nr. 9, 1973, S. 350–356.
  6. ↑ D. Neubauer: Weitere Hinweise auf blattähnliche Organe an Prototaxiten. In: Der Aufschluss. Band 66, 2015, S. 355–360.
  7. ↑ John William Dawson: On Fossil Plants from the Devonian Rocks of Canada. In: Quarterly Journal of the Geological Society. Bd. 15 (1–2), 1859. S. 477–488. doi:10.1144/GSL.JGS.1859.015.01-02.57 (open access). Prototaxites gen. nov., S. 484.
  8. ↑ D. P. Penhallow: On Nematophyton and allied forms from the Devonian of Gaspé, with introductory notes by Sir William Dawson. In: Transactions of the Royal Society of Canada. Band 6, Nr. 4, 1889, S. 27–47.
  9. ↑ C. Kevin Boyce, Carol L. Hotton, Marilyn L. Fogel, George D. Cody, Robert M. Hazen, Andrew H. Knoll, Francis M. Hueber: Devonian landscape heterogeneity recorded by a giant fungus. In: Geology. Band 35, Nr. 5, 2007, S. 399–402, doi:10.1130/G23384A.1 (uchicago.edu [PDF]).