Privatbrauerei Eichbaum
| Privatbrauerei Eichbaum GmbH & Co. KG | |
|---|---|
| Rechtsform | GmbH & Co. KG |
| Gründung | 3. Oktober 1679 / 1. Januar 2010 |
| Sitz | Mannheim, Deutschland |
| Leitung | Andreas Hiby-Durst, Markus Lopsien |
| Mitarbeiterzahl | 240 (2026) |
| Branche | Brauereiwesen |
| Website | www.eichbaum.de |


Die Privatbrauerei Eichbaum GmbH & Co. KG war ein Getränkeunternehmen mit Sitz in Mannheim, das Ende Oktober 2025 Insolvenz anmeldete und im Juli 2026 den Betrieb einstellte.[1]
Firmengeschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Anfänge
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Geschichte der Brauerei Eichbaum begann am 3. Oktober 1679, als der Mannheimer Stadtrat an Jean du Chaine (Chêne) eine Brauereikonzession verlieh und ihm erlaubte, „einen Schildt zum Aichbaum außzuhenken, ahn seine Behaußung in der Mauritzgaßen“.[2] Zur damaligen Zeit gab es in Mannheim rund 25 Brauereien. Angelehnt an seinen Namen (chêne französisch Eiche) gründete der wallonische Bierbrauer in der Mauritzgasse (heute: Quadrat Q 5) die Schankwirtschaft „Zum Aichbaum“. Die vollständige Zerstörung der Stadt im Pfälzischen Erbfolgekrieg beendete 1689 dieses erste Kapitel der Brauerei.
Nach dem Wiederaufbau der Stadt wurde der Name 1717 von dem Hanauer Johannes Blanckart wiederbelebt. Seine Brauereischenke „Zum grünen Eichbaum“ im Quadrat P 5 wurde zu einer der beliebtesten der Stadt und profitierte vom großen wirtschaftlichen Erfolg Mannheims im 18. Jahrhundert.
Industrialisierung und Expansion
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Der Schriesheimer Heinrich Forschner, der die Brauerei 1827 übernahm, expandierte früh auf die andere Neckarseite und errichtete in zehn Meter Tiefe eine Bierlagerstätte. Forschners Nachfolger, die Brüder Hoffmann, verlegten in den 1870er Jahren die gesamte Brauerei über den Neckar in den heutigen Mannheimer Ortsteil Wohlgelegen, wo sich bis heute das Eichbaum-Firmengelände befindet.
1881 wurde die Eichbaum-Brauerei in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und expandierte weiter, sie war vor dem Ersten Weltkrieg eine der hundert größten Brauereien im Deutschen Reich. Die alliierte Besetzung der linksrheinischen Gebiete nach Ende des Krieges schnitt der Brauerei 1918 jedoch einen wichtigen Absatzmarkt ab. Nur durch eine 1929 geschlossene Kooperation mit der Wormser Werger-Brauerei konnten Kunden auf der linken Rheinseite bedient werden. Diese Zusammenarbeit führte 1929 zu einer Fusion zur „Eichbaum-Werger-Brauereien AG“ mit Sitz in Worms.
Zerstörung und Wiederaufbau
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der aufkommende Nationalsozialismus ließ den Bierabsatz der Eichbaum-Brauereien AG einbrechen, da das Unternehmen sich zu bedeutenden Teilen in der Hand jüdischer Aktionäre befand. Öffentliche Aufträge erhielt das Unternehmen erst nach 1936, als die jüdischen Anteilsinhaber aus dem Unternehmen hinausgedrängt worden waren. Die Brauerei erholte sich wirtschaftlich jedoch nur zeitweilig – der Zweite Weltkrieg brachte die Produktion vollständig zum Erliegen.
Den schnellen Wiederaufbau nach dem Krieg verdankte Eichbaum dem Status als Hauptlieferant der amerikanischen Besatzer. Das bald wieder prosperierende Unternehmen expandierte weiter und ließ die Rekordmarke von 300.000 Hektolitern aus der Zwischenkriegszeit hinter sich. 1966 wurden 440.000 hl Bier abgesetzt.
Eigentümerwechsel und Restrukturierungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1970 wurde das Unternehmen durch die Frankfurter Henninger-Gruppe übernommen. Sparmaßnahmen führten 1978 zur Schließung der Wormser Betriebsstätte, der Hauptsitz der Eichbaum-Brauerei wurde zurück nach Mannheim verlegt.
Ab 1991 gehörte auch das Freiberger Brauhaus zur Eichbaum.
Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten, die zur Insolvenz des Henninger-Eigentümers, der Gebr. März Gruppe führten, brach die Henninger-Gruppe Ende der 1990er Jahre auseinander. Der SAP-Gründer Dietmar Hopp sprang 1998 bei dem Unternehmen ein und führte es mit einigen Zukäufen unter das Dach des Getränkeunternehmens Actris. Eichbaum übernahm 2001/2002 die Marke Karamalz von Henninger.[3] 2005 wurde mit 480 Mitarbeitern ein Umsatz von 130 Mio. Euro erwirtschaftet.
2006 wurde ein Management-Buy-out angekündigt; die Eichbaum-Brauerei samt der Beteiligung an den Pirmasenser Park & Bellheimer Brauereien sowie der Odenwald-Quelle, Heppenheim sollten an Vorstandsmitglieder der Actris übergehen. Nach einem erfolglosen Squeeze-out, das im Dezember 2007 eingeleitet wurde, gab die Geschäftsleitung im Juli 2008 bekannt, umfangreiche Restrukturierungen bei Eichbaum zu planen. Das Management-Buy-out wurde zum Ende des Jahres 2009 umgesetzt. Ab dem 1. Januar 2010 firmierte das Unternehmen als Privatbrauerei Eichbaum GmbH & Co KG.
Während sich viele Unternehmen nach der Ausweitung des Ukraine-Krieges 2022 aus Russland zurückzogen, lieferte Eichbaum weiter Bier dorthin.[4]
Von März 2024 bis September 2024 führte Veltins für Eichbaum den nationalen Vertrieb der Karamalz-Produkte durch.[3] Mit Wirkung zum 20. Oktober 2025 kaufte die Veltins-Brauerei die Marke Karamalz, um die Produktion selbst durchzuführen.[3]
Insolvenz
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Privatbrauerei Eichbaum GmbH & Co KG beantragte Ende Oktober 2025 die Insolvenz in Eigenverwaltung, der das Amtsgericht Mannheim am 29. Oktober 2025 vorläufig entsprach.[5] Eichbaum hatte vorrangig mit Eigenmarken im Exportgeschäft gehandelt,[1] die durch Lieferausfälle nach Russland, China und in den Nahen Osten nicht mehr auskömmlich waren.[5]
Am 17. Juni 2026 wurde der Belegschaft ein Sanierungs- und Personalkonzept vorgestellt, das einen geringeren Stellenabbau als zunächst erwartet vorsah.[6][7] Nach Angaben des Betriebsrats sollten rund 160 der knapp 300 Beschäftigten ihren Arbeitsplatz behalten, und 83 in eine Transfergesellschaft wechseln.[6][7] Der Stellenabbau betraf vor allem die Flaschenabfüllung, Logistik und den Gastronomievertrieb, wobei die Produktion teilweise auf ein eingeschränktes Schichtmodell umgestellt werden sollte.[7] Zudem hat das Universitätsklinikum Mannheim Interesse an einer möglichen Nutzung des Brauereigeländes bekundet.[7]
Am 13. Juli 2026 gab das Unternehmen bekannt, dass alle Bemühungen, die Geschäftstätigkeiten fortzusetzen, endgültig gescheitert seien.[8][9][10] Nach Unternehmensangaben kam die Übernahme des Geschäftsbetriebs durch einen Investor aus wirtschaftlichen und insolvenzrechtlichen Gründen nicht zustande.[8] Die Brauerei kündigte daraufhin die Einstellung des Betriebs an.[9] Nach Angaben des Betriebsrats sollten die zuletzt noch rund 240 verbliebenen Beschäftigten gekündigt werden.[9] Auch die geplante Transfergesellschaft für etwa 30 Beschäftigte kam nicht zustande.[10] Die Marke Eichbaum geht zum 1. Oktober 2026 an Park & Bellheimer.[11]
Eigenwasserversorgung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Auf dem betriebseigenen Gelände der Privatbrauerei Eichbaum gibt es drei Tiefbrunnen (133 m, 118 m, 103 m).[12] Das Brunnenwasser der Eichbaum-Brauereien ist als natürliches Mineralwasser anerkannt.[13]
In Mannheim wird die Biermarke Eichbaum auch mit den Spitznamen „Leichenwasser“, „Urleich“, „Friedhofsbräu“ oder „Leichbaum“ bezeichnet, weil sich die Brauerei direkt neben dem Hauptfriedhof Mannheim befindet und das Brauwasser aus drei Brunnen auf dem Betriebsgelände bezogen wird.[14]
Produkte (Auswahl)
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- Dachmarke Eichbaum
- Eichbaum Ureich Premium Pils[15]
- Eichbaum Leichter Typ[16]
- Eichbaum Kurpfälzer Helles
- Eichbaum Rotes Räuberbier
- Eichbaum Kläänes Pils
- Eichbaum Apostulator (Doppelbock-Bier)[17]

- Eichbaum Braumeisters Limonade (Zitrone Naturtrüb, Orange-Malz, Wilder Holunder, Milde Grapefruit)[18]
- Eichbaum Braumeisters Brand (Mirabelle-Malz, Williams-Malz, Apfel-Malz, Zwetschge-Malz)
- andere Marken
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Frieder Beylich (Red.): Eichbaum seit 1679. Über 300 Jahre Brau-Tradition. Eine Firmen-Chronik. Eichbaum-Brauereien AG, Mannheim 1992, ISBN 3-927455-01-6.
- Guido Walz (für die Red.): Der Brockhaus Mannheim. 400 Jahre Quadratestadt – Das Lexikon. Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus, Mannheim 2006, ISBN 978-3-7653-0181-0, S. 77–78.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 Michael Bosch: Brauerei aus Mannheim: Traditionsbrauerei Eichbaum offenbar insolvent. In: stuttgarter-zeitung.de. Stuttgarter Zeitung, 30. Oktober 2025, archiviert vom am 14. Juli 2026.
- ↑ Ratsprotokoll der Stadt Mannheim vom 3. Oktober 1669, Marchivum.
- 1 2 3 Sarah Hennings: Mannheimer Brauerei Eichbaum verkauft "Karamalz" an Veltins. In: swr.de. Südwestrundfunk Stuttgart, 23. Oktober 2025, abgerufen am 2. November 2025.
- ↑ Eichbaum aus Mannheim liefert weiter nach Russland. 13. April 2024, abgerufen am 15. April 2024.
- 1 2 Sarah Hennings, Esther Uhrig, Christian Scharff: Baden-Württemberg: Eichbaum-Brauerei: Sachwalter sieht Chance zur Rettung. In: tagesschau.de. 30. Oktober 2025, archiviert vom am 29. Oktober 2025.
- 1 2 Julian Baumann: Deutsche Traditionsbrauerei vor Rettung – Stellenabbau weniger drastisch als befürchtet. In: merkur.de. 18. Juni 2026, archiviert vom am 19. Juni 2026.
- 1 2 3 4 Sarah Hennings: Uniklinikum bekundet Interesse an Brauerei-Gelände - Insolvente Mannheimer Brauerei Eichbaum baut etwa 80 Stellen ab. In: swr.de. 11. Juni 2026, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 17. Juni 2026.
- 1 2 Tatjana Junker: Rettung der Mannheimer Eichbaum-Brauerei ist geplatzt. In: mannheimer-morgen.de. 13. Juli 2026, archiviert vom am 14. Juli 2026.
- 1 2 3 Wolfgang Kessel: Baden-Württemberg: Insolvente Mannheimer Eichbaum-Brauerei endgültig am Ende. In: tagesschau.de. 14. Juli 2026, archiviert vom am 14. Juli 2026.
- 1 2 Brauerei in der Krise - Rettung der insolventen Eichbaum-Brauerei gescheitert. In: sueddeutsche.de. 13. Juli 2026, archiviert vom am 14. Juli 2026.
- ↑ https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/mannheim/pfaelzische-brauerei-uebernimmt-marke-eichbaum-100.html
- ↑ In doppelter Hinsicht ein reines Vergnügen. In: eichbaum.de. Abgerufen am 17. Mai 2020.
- ↑ Eichbaum-Braukunst: Alles vom Reinsten und Feinsten. In: mannheim.de. Stadt Mannheim, abgerufen am 17. Mai 2020.
- ↑ Wilfried Eckl-Dorna u. a.: Dietmar Hopps Eichbaum-Intermezzo: Per Zufall zum Brauereiretter, Manager Magazin, 16. August 2013.
- ↑ Auskunft zur Marke Ureich im Register des Deutschen Patent- und Markenamtes (DPMA)
- ↑ Auskunft zur Marke Eichbaum Leichter Typ im Register des Deutschen Patent- und Markenamtes (DPMA)
- ↑ Auskunft zur Marke Apostulator im Register des Deutschen Patent- und Markenamtes (DPMA)
- ↑ Auskunft zur Unionsmarkennummer 010888212 für Braumeisters Limonade im Register des Deutschen Patent- und Markenamtes (DPMA)
- ↑ Auskunft zur Marke Feuerio-Tropfen im Register des Deutschen Patent- und Markenamtes (DPMA)
- ↑ Auskunft zur Marke Apostelbräu im Register des Deutschen Patent- und Markenamtes (DPMA)
- ↑ Auskunft zur Marke Gerstel Bräu im Register des Deutschen Patent- und Markenamtes (DPMA)
- ↑ Auskunft zur Marke Germania Export im Register des Deutschen Patent- und Markenamtes (DPMA)
- ↑ Privatbrauerei Eichbaum GmbH & Co KG: Home. Abgerufen am 23. Mai 2026.
- ↑ Privatbrauerei Eichbaum GmbH & Co KG: Home. Abgerufen am 3. März 2026.
Koordinaten: 49° 29′ 44,9″ N, 8° 29′ 23,3″ O