Prince Jazzbo
Linval Roy Carter, besser bekannt als Prince Jazzbo (* 3. September 1951 in Clarendon Parish, Jamaika; † 11. September 2013 in Homestead, Saint Catherine Parish), war ein jamaikanischer Deejay und Musikproduzent. Prince Jazzbo war bekannt für sein ausgefallenes Toasting, seine Hits waren Crab Walking, Jah Dread, Minstral und Croaking Lizard.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Linval Carter kam im ländlich geprägten Landkreis Clarendon Parish zur Welt und wuchs in großer Armut auf. In seiner Jugend zog er in die ehemalige jamaikanische Hauptstadt Spanish Town, wo er eine musikalische Ausbildung beim Soundsystem The Whip machte.[1]
Sein Können brachte ihn nach Kingston in das Studio One des Reggae-Produzenten Coxsone Dodd. Dort toastete Prince Jazzbo über eine Dub-Version von Horace Andys Reggae-Song Sky Larking; in einem einzigen Take entstand mit Crab Walking eine veritable Hitsingle. Es folgten weitere Singles wie Crime Don’t Pay, Imperial I und School. Typisch für sein Toasting war die Verwendung von Sprüchen, Redewendungen und Rasta-Weisheiten. Das anschließende Debütalbum Choice of Version wurde von Coxsone bis 1992 zurückgehalten.[1][2]
Prince Jazzbo wechselte daraufhin zu dem Musikproduzenten Glen Brown und nahm für dessen Label Pantomine Records die gegen Coxsone gerichteten Disstracks Mr. Harry Skank (1972) und Mr. Want It All (1973) auf. Später sagte er, dass er dem Label Studio One sehr viel verdanke und keinen Groll auf Coxsone hege: „In the ’70s, Glen Brown is the man who give me a lot of encouragement. He get me to be self-reliant, but Coxson is a nice producer and I respect him very much.“[3]
Legendär ist die von Bunny Lee angeregte Fehde zwischen Prince Jazzbo und dem Deejay I-Roy, die an die musikalischen Duelle zwischen Prince Buster und Derrick Morgan in den 1960er Jahren angelehnt war. Auf Prince Jazzbos Straight to I Roy Head antwortete I-Roy mit Straight to Prince Jazzboe Head. In einem anderen Song behauptete Jazzbo: „You’re a boy, I-Roy, that imitate the great U-Roy“.[4] Das UK-Label Live And Love veröffentlichte bereits 1975 eine Zusammenstellung dieser Single-Duelle unter dem Titel Step Forward Youth, dazu auf Seite 2 die Instrumentalversionen der Studioband Tommy McCook & The Agrovators.[5]
Ab 1974 nahm er einige seiner Songs im neu eröffneten Black-Ark-Studio des Produzenten Lee Perry auf. Begleitet wurde er von der Studioband The Upsetters mit Boris Gardiner am E-Bass, Earl „Chinna“ Smith an der Leadgitarre, Bobby Ellis auf der Trompete und Richard „Dirty Harry“ Hall am Saxophon. Eine Zusammenstellung der Singles erschien 1976 unter dem Titel Natty Passing Thru’ (UK) bzw. 1979 als Ital Corner (US). Auf dem Riddim von Chase the Devil von Max Romeo entstand Croaking Lizard. Ad-Rock von den Beastie Boys hatte Croaking Lizard auf seinem Toyota Corolla Mixtape und zählte den Song zu seinen Favoriten: „Just a great space-out jam. One of whose ones that’s magical.“ (Einfach eine großartige, abgefahrene Jam. Eine von denen, die etwas Magisches an sich haben.)[6]
Ab der zweiten Hälfte der 1970er Jahre ist Prince Jazzbo zunehmend als Musikproduzent in Erscheinung getreten. So produzierte er Platten von Frankie Paul wie Rubber Dub Market und Shut Up Bway sowie von Mad Cobra (Goldmine). Prince Jazzbo gründete nacheinander die Plattenlabel Count 1.2.3, Briscoe, Mr. Funny und Ujama. Im Jahr 1993 veröffentlichte er auf dem Ujama-Label seine beiden Alben Step Forward und Wise Shepherd.[7]
Tod
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Prince Jazzbo starb am 11. September 2013 im Alter von 62 Jahren an Lungenkrebs.[8]
Diskografie (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Singles
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1972: Crab Walking (Bongo Man)
- 1972: Jah Dread (Bongo Man)
- 1973: Mr. Harry Skank (Pantomine)
- 1976: Chase the Devil / Croaking Lizard – Max Romeo / The Upsetters feat. Prince Jazzbo (Island Records)
Alben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1972: Choice of Version (Studio One, 1992)
- 1975: Step Forward Youth – Prince Jazbo vs. I-Roy (Live and Love)
- 1976: Natty Passing Thru’ (Black Wax, UK)
- 1976: Kick Boy Face (Third World)
- 1979: Ital Corner (Clocktower Records, US)
- 1993: Step Forward (Ujama)
- 1993: Wise Shepherd (Ujama)
- 2000: Mr. Funny (Pressure Sounds)
- 2003: Pepper Rock (Studio One)
- 2009: Get Tonight Brother – Prince Jazz Bo (Abraham)
- 2025: Black Heart Man – Bushay Collection 1974–1978 (Lantern)
Produktion
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1987: Rubber Dub Market – Frankie Paul (Ujama)
- 1987: Shut Up Bway – Frankie Paul (Ujama)
- 1993: Goldmine – Mad Cobra (Ujama)
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- David Katz: Solid Foundation. An Oral History of Reggae. Foreword by Jacqueline Crooks. White Rabbit, London 2024, ISBN 978-1-3996-0614-1, S. 298–300 (englisch).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Prince Jazzbo bei Discogs
- Ujama bei Discogs
- Prince Jazzbo: Jah Dread auf YouTube
- Prince Jazzbo: Minstral auf YouTube
- Prince Jazzbo: Crab Walking auf YouTube
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 David Katz: Solid Foundation. An Oral History of Reggae. London 2024, S. 298.
- ↑ Prince Jazzbo – Choice of Version bei Discogs
- ↑ David Katz: Solid Foundation. An Oral History of Reggae. London 2024, S. 298–299.
- ↑ Kurioserweise stand auf U-Roys Debütalbum Version Galore von 1971 ganz fett I-Roy auf dem Plattencover, siehe hier: Hugh Roy – Version Galore bei Discogs (zum Vergrößern auf Cover klicken)
- ↑ I Roy vs. Prince Jazbo / Tommy McCook & The Agrovators – Step Forward Youth bei Discogs
- ↑ Michael Diamond, Adam Horovitz: Beastie Boys Book. Spiegel & Grau, New York 2018, S. 322 (englisch)
- ↑ David V. Moskowitz: Caribbean Popular Music. An Encyclopedia of Reggae, Mento, Ska, Rock Steady, and Dancehall. Greenwood Press, Westport 2006, ISBN 0-313-33158-8, S. 241–242
- ↑ Prince Jazzbo dies In: Jamaica Observer vom 12. September 2013 (englisch)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Prince Jazzbo |
| ALTERNATIVNAMEN | Carter, Linval Roy (wirklicher Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | jamaikanischer Deejay |
| GEBURTSDATUM | 3. September 1951 |
| GEBURTSORT | Clarendon Parish, Jamaika |
| STERBEDATUM | 11. September 2013 |
| STERBEORT | Saint Catherine Parish, Jamaika |