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Primary Location Code

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Der Primary Location Code (PLC) ist ein alphanumerischer Identifikator zur eindeutigen Kennzeichnung von Eisenbahn-Betriebsstellen im Europäischen Wirtschaftsraum und der Schweiz.

Primary Location Codes können um so genannte Subsidiary Location Codes (SLC) ergänzt werden, um innerhalb einer Betriebsstelle einzelne Objekte wie beispielsweise ein Nebengleis eines Bahnhofs zu identifizieren. Ferner können zu Primary Location Codes auch Retail Location Codes definiert werden, die beispielsweise der detaillierteren Ortsdefinition in der Fahrgastinformation dienen können.

Überwiegend werden die Kennungen zur Referenzierung tatsächlicher Eisenbahninfrastruktur verwendet, vereinzelt aber auch für virtuelle Punkte zur Tarifberechnung.

Die normierte und eindeutige Benennung von Betriebsstellen im Bahnwesen ist in vielen betrieblich-organisatorischen Prozessen von Eisenbahninfrastrukturunternehmen, Eisenbahnverkehrsunternehmen und verbundenen Stellen wie etwa Aufsichtsbehörden eine zwingende Notwendigkeit. Historisch entwickelten sich seit dem 19. Jahrhundert unterschiedliche nationale Systeme, etwa die Betriebsstellenverzeichnisse in Deutschland und Österreich sowie die Dienststellendokumentation in der Schweiz.

Um die europäische Interoperabilität im Schienenverkehr zu erleichtern, werden in der Europäischen Union seit 1999 die Technischen Spezifikationen für die Interoperabilität (TSI) formuliert. In den TSI-Teilsystemen Telematik – Güterverkehr (TAF) und Telematik – Personenverkehr (TAP) wurde dabei auch die Notwendigkeit einer im gesamten TSI-Geltungsbereich einheitlichen Betriebsstellenkennung bestätigt und als eine von mehreren Referenzdateien in der EU-Verordnung 454/2011 definiert. Als Ergebnis veröffentlichte die Europäische Eisenbahnagentur am 5. Mai 2011 die erste Spezifikation des Identifikators Primary Location Code (PLC).[1][2]

Die Einführung des PLC ist zur Erfüllung der TSI-Vorgaben nötig, ersetzt bisherige nationale oder firmeninterne Kennungen jedoch nicht automatisch vollständig. So stellt DB InfraGO zwar Prozesse in Planung (Fahrplan) und Betrieb seit 2022 bis voraussichtlich Ende 2026 schrittweise auf PLC um, nutzt jedoch in anderen Bereichen parallel weiterhin die in ihrem Regelwerk 100 in mehreren Richtlinien („Ril100“) definierten Betriebsstellenkürzel.[3][4][5]

Verwaltung und Vergabe

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Die zentrale Verwaltung der Primary Location Codes (PLC) und Subsidiary Location Codes (SLC) erfolgt in der Central Reference File Database (CRD), einer von RailNetEurope betriebenen Datenbank. Diese Datenbank enthält auch Company Codes, die Eisenbahninfrastruktur- und -verkehrsunternehmen im TSI-Anwendungsgebiet eindeutig benennen. Retail Location Codes werden abweichend davon in einer Retail-Reference-Data-Datenbank des Verbands TAP TSI Services Governance Association verwaltet.[5][6]

Für die eindeutige Vergabe von Location Codes aller drei Typen wurde die Rolle der National Allocation Entity (NAE) definiert, die auf nationaler Ebene sowohl die Zuteilung bzw. Änderung und Löschung von Codes regelt, als auch die tatsächliche Eintragung in der zentralen Datenbank übernimmt. In Deutschland wird diese Funktion seit 2024 von der DB InfraGO wahrgenommen; in Österreich von der ÖBB-Infrastruktur und in der Schweiz von den Schweizerischen Bundesbahnen.[5][7][8]

Zur Abstimmung zwischen Eisenbahnverkehrsunternehmen bei der Vergabe von SLC des Güterverkehrs wurde zudem das Advanced Train Location Administration System (ATLAS) des Internationalen Eisenbahnverbands UIC eingerichtet.[9]

Primary Location Code

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Ein Primary Location Code (PLC; englisch sinngemäß für Primärer Ortsidentifikator) besteht aus einem zweistelligen alphanumerischen Ländercode und einem ein- bis fünfstelligen numerischen Wert.[5][6] So hat Salzburg Hauptbahnhof beispielsweise den PLC AT1114.

In den ersten Fassungen der Spezifikation war der Ländercode noch ein numerischer UIC-Ländercode; seit einer Revision 2013 wird stattdessen eine alphanumerische Kennung gemäß ISO-3166-1 Alpha-2 verwendet. Der auf das Länderkürzel folgende nationale numerische Code wird nach Ermessen der NAE vergeben.[2][6] In der Schweiz entspricht er überwiegend der bestehenden Dienststellen-Nummer (DIDOK) der Dienststellendokumentation.

Subsidiary Location Code

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Ein Subsidiary Location Code (SLC; englisch sinngemäß für Untergeordneter Ortsidentifikator) ist immer einem PLC zugewiesen und entsprechend nur in Kombination mit diesem eindeutig. Der SLC besteht aus je einem:[5][6]

  • zweistelligen, numerischen Location Subsidiary Type Code, der die Art des untergeordneten Betriebsstellenteils definiert
  • ein- bis zehnstelligen alphanumerischen Location Subsidiary Code, der das eigentliche Objekt definiert
  • einem vierstelligen Company Code des zuständigen Betreibers

BE01747 37 24963OIL1 3011 bezeichnet beispielsweise eine subsidiary location für den PLC BE01747, in diesem Fall ein Anschlussgleis eines Tanklagers im Hafen Antwerpen.

Im Eisenbahngüterverkehr werden mit Stand Sommer 2025 hauptsächlich vier Typen von SLC verwendet: Eisenbahngrenzübergänge (Type Code 03), Güterbahnhöfe im Fahrplan (Type Code 36), Verladepunkte (Type Code 37) und tarifliche DIUM-Kennungen (Type Code 42).[9]

Einzelnachweise

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  1. Verordnung (EU) Nr. 454/2011 der Kommission vom 5. Mai 2011 über die Technische Spezifikation für die Interoperabilität (TSI) zum Teilsystem Telematikanwendungen für den Personenverkehr des transeuropäischen Eisenbahnsystems. In: data.europa.eu. Europäische Union, 26. Mai 2016, abgerufen am 6. Januar 2026.
  2. a b TAP TSI: Annex B.9 Standard Numerical Coding of Locations. In: era.europa.eu. Eisenbahnagentur der Europäischen Union, 15. Dezember 2020, abgerufen am 6. Januar 2026 (englisch).
  3. TAF/TAP TSI im Betrieb. | Vertiefungsveranstaltung DB Netz. (PDF; 3,95 MB) In: dbinfrago.com. DB InfraGo, April 2024, abgerufen am 6. Januar 2026.
  4. Glossar mit den wesentlichen Begriffen aus TAF/TAP TSI. (PDF; 182 kB) In: dbinfrago.com. DB InfraGO, Dezember 2023, abgerufen am 6. Januar 2026.
  5. a b c d e DB InfraGO: Umstellung auf Primary und Subsidiary Locations; Location Coding gemäß TAF/TAP TSI. (PDF; 202 kB) In: dbinfrago.com. DB InfraGO, 10. Juli 2025, abgerufen am 6. Januar 2026.
  6. a b c d TAP TSI Annex B.56 RU/IM Communication Application Guide. (PDF; 1,75 MB) In: era.europa.eu. Eisenbahnagentur der Europäischen Union, 6. Dezember 2013, S. 32–36, abgerufen am 6. Januar 2026 (englisch).
  7. Einführung einer nationalen Zuweisungsstelle für Betriebsstellencodes (National Allocation Entity - NAE). In: dbinfrago.com. DB InfraGO, 24. November 2024, abgerufen am 6. Januar 2026.
  8. List of the appointed National Allocation Entities (NAE) according to the ch. (6) of Appendix VI of Annex of TAP TSI. (PDF; 70,7 kB) In: era.europa.eu. Eisenbahnagentur der Europäischen Union, Januar 2025, abgerufen am 6. Januar 2026 (englisch).
  9. a b Master location Management in Rail Freight. (PDF; 2,71 MB) In: uic.org. Internationaler Eisenbahnverband UIC, 29. Juli 2025, abgerufen am 6. Januar 2026 (englisch).