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Pollera

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Panamaische Pollera de Gala
Stickerei an einer panamaischen Pollera de Gala
Panamaische Pollera Congo

Pollera ist die Bezeichnung für einen traditionellen Rock bzw. ein Kleid in Panama, Bolivien und Peru, wobei jede Region im Laufe der Zeit ihren eigenen unverwechselbaren Stil und ihre eigene kulturelle Bedeutung entwickelt hat. Pollera kommt vom spanischen Wort pollo („Huhn“) und der ein Gefäß bezeichnenden Endung -era, also eigentlich ein runder „Hühnerkorb“. Insbesondere in Lateinamerika hat sich Pollera ab der frühen Neuzeit als Benennung eines weit ausladenden, gefalteten Rocks entwickelt.

Die panamaische Pollera hat sich zur nationalen Tracht entwickelt und wird von spezialisierten Kunsthandwerkern mit aufwändigen Stickereien und Spitzenarbeiten handgefertigt. Panamaische Polleras spiegeln eine Mischung aus indigenen, europäischen und afro-antillischen Einflüssen und Identitäten.

Die bolivianischen und peruanischen Polleras sind Faltenröcke, die meist mit indigenen und mestizischen Frauen in Verbindung gebracht werden, insbesondere in städtischen und ländlichen Gebieten. In Bolivien wurde die Pollera zu einem sichtbaren Zeichen für Klasse und ethnische Identität und spielt eine zentrale Rolle sowohl für den sozialen Aktivismus als auch für den kulturellen Widerstand.

Panamaische Pollera

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Die Ursprünge der panamaische Pollera lassen sich auf die Kleidung der spanischen Frauen zurückführen, die im 16. und 17. Jahrhundert als Kolonisten nach Panama kamen.[1] Inzwischen spiegelt sich in ihnen jedoch die umfassendere Geschichte Panamas wider, die von indigenen, europäischen und afro-antillischen Traditionen und Kleidungsstilen geprägt ist. Polleras sind heute traditionelle Kleidungsstücke, die als panamaische Nationaltracht gelten und insbesondere mit den Provinzen im Landesinneren Panamas in Verbindung gebracht werden. Die Produktion ist vor allem auf die Halbinsel Azuero konzentriert. Einmal im Jahr findet in Las Tablas die Desfiles de las Mil Polleras („Schau der tausend Polleras“) statt.[2]

Die panamaische Pollera ist international für ihre handwerkliche Kunstfertigkeit und ihre aufwändigen Designs in einer Vielzahl von leuchtenden Farben, Stickereien, Spitzen, Metallverzierungen bekannt. Sie gilt als eine der schönsten Trachten der Welt und ist zweiteilig, bestehend aus Rock und Bluse. Sie sind handgefertigt, oft aus feinfädigem Stoff, und zeichnen sich durch aufwändige Spitzenarbeiten und Stickereien aus, bei denen Techniken wie Stopfstickerei, Kreuzstich und Schattierungsstickerei zum Einsatz kommen. Polleras werden in der Regel maßgeschneidert und werden über Generationen weitergereicht.[1][2][3]

Jeder Pollera-Typ ist mit besonderen regionalen Bräuchen, Schmuckelementen und Verzierungsmethoden verbunden. Beispiele sind die festliche Pollera de Gala, mit aufwändigen Stickerei typischerweise auf weißem Stoff. Die ursprünglich für Arbeiten auf dem Land getragene Pollera Montuna, oder nach dem verwendeten Stoff auch Pollera Zaraza genannt, variiert je nach Provinz, wobei sich die Modelle in Bezug auf Hemdstil, Schmuck, Kopfschmuck und Hut unterscheiden. Die Pollera Congo ist Teil der afro-panamaischen Tradition, insbesondere in der Provinz Colón. Sie besteht aus einer Vielzahl von bunten Stoffen oder Stoffen mit Blumenmustern, deren Stoffreste auf zufällige, aber dennoch bewusste Weise angeordnet sind. Zur Tracht gehören Kronen oder natürliche oder künstliche Blumen im Haar sowie zahlreiche lange Halsketten.[1]

Bolivianische und süd-peruanische Pollera

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Aymara-Frauen in Polleras, El Alto, Bolivien
Pollera-Stickerei in Pomabamba
MItglieder der Gewerkschaft der Köchinnen (Sindicato de Culinarias) in traditioneller Kleidung, 1937
Cholas in Polleras, Fiesta del Preste, La Paz, Bolivien

In Bolivien bezeichnet das Wort „Pollera“ einen Faltenrock, der vornehmlich von den Cholas, der städtischen Mestizenbevölkerung und den indigenen Bevölkerungsgruppen auf dem bolivianischen und südperuanischen Altiplano getragen wird.[4] Die Pollera wird aus bis zu 8 Metern Stoff gefaltet und mit mehreren Unterröcken getragen. Der oberste Unterrock wird Fuste genannt. Wenn er nicht als Alltagskleidung getragen wird, kommt er bei Festlichkeiten wie dem Carnaval de Oruro, beim Fest der Virgen de la Candelaría im peruanischen Puno oder beim Tanzen zum Einsatz.

Zwischen den späten 1920er und den späten 1930er Jahren wurde die Pollera in Bolivien zu einem Symbol, das eng mit sozialen, geschlechtsspezifischen und ethnischen Spaltungen verbunden war. Frauen aus den kolonialen und elitären Schichten definierten sich auch in nationalen Kongressen über Mutterschaft und Häuslichkeit. Frauen aus der Arbeiterklasse, mehrheitlich die indigenen Cholas, stellten hingegen Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen. Nach dem Chacokrieg (1932–1935) strebten beide Seiten öffentliche Reformen an. Frauen der Oberschicht, organisiert in Gruppen wie der Legión Femenina de Educación Popular, suchten neue öffentliche Rollen, indem sie den Begriff der „mütterlichen Pflicht“ über den häuslichen Bereich hinaus auf die „soziale Mutterschaft“ ausweiteten. In diesem Bild waren Frauen der Arbeiterklasse „Töchter“, die Schutz benötigten. Für indigene Frauen war die Nachkriegszeit eine Zeit verstärkter Organisation und eines neuen nationalistischen Bewusstseins. Sie begannen, ihre Identität als bolivianische Bürgerinnen geltend zu machen, und forderten über Gewerkschaften und auf Demonstrationen gleiche Rechte. Der Staat verstärkte die Kontrolle und die von den Cholas getragene Pollera war ein äußerliches Identifikationsmerkmal für Repressionen. Im Jahr 1935 begann die Polizei, von indigenen Hausangestellten und Köchinnen, die sie über ihre Polleras identifizierten, den Besitz von Gesundheits- und Ausweiskarten zu verlangen, was mit demütigenden und invasiven medizinischen Untersuchungen verbunden war. Diese Maßnahmen wurden durch medizinische Diskurse gerechtfertigt, die indigene Frauen unabhängig von ihren tatsächlichen Lebensbedingungen als ungesund, schmutzig oder sexuell unmoralisch darstellten. Indigene Frauen widersetzten sich dem Druck, westliche Kleidung anzunehmen. Die Pollera diente als Symbol des Widerstands sowohl gegen kulturelle Assimilation als auch gegen staatliche Kontrolle. Indigene Frauen betrachteten den Zwang zur Abschaffung ihrer traditionellen Kleidung als Angriff auf ihre ethnische Identität und als eine Form sexueller Ausbeutung.[5]

Die Identitätsstiftung setzt sich bis in die aktuelle Zeit fort. ImillaSkate ist eine rein weibliche indigene bolivianische Skateboard-Crew, die 2019 in Cochabamba gegründet wurde. Imilla ist Quechua und bedeutet „junge Frau“. Die Mitglieder der Gruppe wurden von ihren Müttern und Großmüttern dazu inspiriert, traditionelle indigene Kleidung zu tragen, darunter bolivianische Polleras, mit Bändern verzierte Melonenhüte und lange, gedrehte Zöpfe. Die Pollera symbolisiert in diesem Fall den Kampf und die Stärke vergangener Generationen indigener Frauen, repräsentiert das indigene Erbe und hinterfragt gleichzeitig geschlechtsspezifische und kulturelle Barrieren im Skateboarding. Der besondere Auftritt erreichte weltweit Aufmerksamkeit.[4][6]

Kampf um Selbstbestimmung

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Anlässlich des Weltfrauentages 2026 berichtete die Sportschau über Hindernisse, die Frauen überwinden mussten, um in der Sportwelt Fuß zu fassen.[7] Unter dem Titel Wie indigene Frauen mit Sport für Selbstbestimmung kämpfen wurde ein 14-minütiges Video hinterlegt, das über Cholas informiert, sie bei verschienenen sportlichen Betätigungen begleitet und sie selbst zu Wort kommen lässt. Die Pollera, früher ein Zeichen der Unterdrückung, gilt den indigenen Frauen heute als Zeichen der Stärke. Damit treten sie gegen Vorurteile und Diskriminierung an. Einige Frauen fingen vor 20 Jahren mit dem Wrestling an, um sich gegen häusliche Gewalt wehren zu können, heute sind die mit Pollera ausgetragenen Wettkämpfe ein Touristenmagnet. Bergwandernde Cholas träumen davon, die Pollera auf den Mount Everest zu tragen.[7]

Laut Elisabeth Hackspiel-Mikosch, seit 2009 Professorin für Modetheorie und -geschichte an der AMD Akademie Mode & Design der Hochschule Fresenius,[8] sei es „Ausdruck ihrer Selbstermächtigung“, mit der sich diese Frauen zunehmend mehr Sportarten „erobern“ – Radrennen, Ringkampf, Skaten, Golf, Bergsteigen. „Und sie tragen dabei selbstverständlich die Pollera“.[9]

  • La Verne M. Seales Soley: Culture and Customs of Panama. ABC-CLIO, Santa Barbara, CA 2008, ISBN 978-0-313-05636-9, S. 35–37.
  • Edgardo Abraham León Madariaga: La pollera, traje nacional de Panamá. Everest, 1992, ISBN 978-84-241-9809-1.
Commons: Polleras – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 Yelina Pérez Sánchez: La pollera panameña, el traje típico más ostentoso de América de Panamá. La Estrella, 11. April 2019, archiviert vom Original am 10. Januar 2023; abgerufen am 3. Juni 2026.
  2. 1 2 Culture, Folklore. In: Visit Panama. Embassy of Panama in Washington, D.C., abgerufen am 3. Juni 2026.
  3. Clarissa Castillo: La pollera panameña, una joya de cultura, tradición y lujo. Panama America, 21. November 2019, abgerufen am 3. Juni 2026.
  4. 1 2 Tjerk Brühwiller und Luisa Dörr: Rock und Rollen, Skateboardinnen in Bolivien. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23. November 2024, abgerufen am 3. Juni 2026.
  5. Marcia Stephenson: Faldas y Polleras: Las Ideologías de la Feminidad y la Conquista de Nuevos Espacios Públicos en Bolivia (1920–1950). In: Chasqui. Band 26, Nr. 1. Purdue University, Mai 1997, JSTOR:29741322.
  6. Marc Silver und Tela Kahwit: Indigenous pride. Bowler hats. Meet an all-female Bolivian skateboarding crew. NPR, 6. Juli 2024, abgerufen am 3. Juni 2026.
  7. 1 2 Marie Gogoll: Sport und Feminismus: Zwischen Ausschluss und Selbstermächtigung. In: sportschau.de. 8. März 2026, abgerufen am 3. Juni 2026.
  8. Astrid Krömer: Expertin für nachhaltige Mode. Porträt. In: stadt-kultur-familie.de. 29. Juni 2022, abgerufen am 3. Juni 2026.
  9. Elisabeth Hackspiel-Mikosch: Cholitas. Die vestimentäre Selbstermächtigung indigener Frauen in Bolivien. In: Anna-Brigitte Schlittler, Katharina Tietze (Hrsg.): Mode und Gender. Neue Beiträge zur Debatte (= Fashion studies. Band 11). transcript, Bielefeld 2024, ISBN 978-3-8376-6811-7, S. 131–142, doi:10.14361/9783839468111 (transcript-verlag.de [abgerufen am 3. Juni 2026]).