Pink Flamingos
| Film | |
| Titel | Pink Flamingos (alternativ: John Waters’ Pink Flamingos) |
|---|---|
| Produktionsland | USA |
| Originalsprache | Englisch |
| Erscheinungsjahr | 1972 |
| Länge | 93 Minuten |
| Stab | |
| Regie | John Waters |
| Drehbuch | John Waters |
| Produktion | John Waters |
| Kamera | John Waters |
| Schnitt | John Waters |
| Besetzung | |
| |
Pink Flamingos ist ein provokanter Spielfilm bzw. Exploitationfilm von John Waters aus dem Jahr 1972, der mittlerweile Kultfilmstatus genießt und Waters die Beinamen „King of Trash“[1] sowie „Pope of Trash“[2] einbrachte.
Er machte die Drag-Queen Divine zum Underground-Star. Mit einem Budget von nur 12.000 US-Dollar wurde der Film an mehreren Wochenenden in Baltimore, Maryland, gedreht. Insbesondere die Sexszenen sorgten für öffentliche Diskussionen; Bemühungen, ihn in den USA zu zensieren oder zu verbieten, liefen jedoch ins Leere.[3]
Handlung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die kriminelle Divine wurde in der amerikanischen Presse zur schmutzigsten Person der Welt („filthiest person alive“) ernannt. Unter dem Pseudonym „Babs Johnson“ ist sie untergetaucht und wohnt nun in einem Wohnwagen, mit ein paar rosaroten Gartenflamingos davor, in Phoenix, einer Vorstadt von Baltimore. Zusammen mit Divine leben ihre nach dem Verzehr von Eiern süchtige, geistig zurückgebliebene Mutter Edie, welche den ganzen Tag in einem Babybett sitzt, der kriminelle Sohn Crackers sowie Cotton, eine gleichgesinnte Begleiterin, die dem Voyeurismus verfallen ist.
Das Ehepaar Connie und Raymond Marble ist eifersüchtig auf Divines Ruhm und möchten ihr den Titel der schmutzigsten Person abjagen. Sie entführen junge Frauen, lassen diese von ihrem Butler Channing schwängern und verkaufen die Babys anschließend an lesbische Paare, um mit dem Geld einen Drogenring an umliegenden Schulen zu finanzieren. Raymond Marble ist zudem ein schamloser Exhibitionist und zeigt ahnungslosen Frauen auf der Straße seinen Penis (was auch mal nach hinten losgeht, als er eine Transperson erwischt).
Edie und ihr Eiermann verlieben derweil sich ineinander und heiraten.
Durch ihre Spionin Cookie, die mit Crackers unter aktiver Teilnahme von Hühnern Sex haben muss, erfahren die Marbles einige Details über Divine und ihren Aufenthaltsort. Sie senden ihr als Geburtstagsgeschenk in der Post eine Schachtel mit Kot. Bei Divines wenig später stattfindeten Geburtstagparty, (bei welcher unter anderem einer der Gäste eine Lip-Sync Performance mit seinem Anus zum Besten gibt) lassen die Marbles die Feier von ein paar Polizisten stören, die jedoch von Divine und ihren Gästen getötet und gegessen werden.
Der Kampf zwischen Divine und den Marbles schaukelt sich hoch. Divine und Crackers brechen in das Haus der Marbles ein, dort lecken sie Gegenstände ab und schließlich gibt Divine ihrem Sohn schließlich einen Blowjob. Sie entdecken zwei von den Marbles gefangen gehaltene Frauen und befreien diese. Die Frauen nehmen Rache an ihrem Peiniger Channing, indem sie ihm den Penis abschneiden. Unterdessen brennen die Marbles den Wohnwagen von Divine ab und sehen sich bereits als Sieger, bis sie in ihr verwüstetes Haus zurückkehren.
Divine und Crackers nehmen die Marbles gefangen, unter Anwesenheit der sensationsgierigen Presse wird über die beiden ein Kurzer Prozess gehalten. Anschließend werden die Marbles von Divine, Crackers und Cotton geteert und gefedert, bevor Divine sie vor laufenden Kameras erschießt.
Divine, Crackers und Cotton flüchten anschließend nach Boise.
Bevor sie jedoch aufbrechen, sieht Divine wie ein Hund auf die Straße kotet, woraufhin Divine den Hundekot genüsslich aufisst und somit ihren Status als schmutzigste Person der Welt zementiert.
Kontroverse und Zensur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Film enthält eine Menge grenzwertiger Szenen, doch laut Interviews war das genau das, was Waters beim Drehen im Sinn hatte. Durch den lockeren Umgang mit Gewalt und Sexualität habe er sich über die allgegenwärtige political correctness lustig machen wollen, bevor dieser Begriff in Mode kam, so Waters in einem Interview. Durch das spielerische Ausloten von Grauzonen, wo der Spaß für die meisten aufhört, wollte er seinem Publikum die Grenzen der individuellen Toleranz aufzeigen.[3]
Waters sagte in einem Interview, die Zensurbehörde in Baltimore habe nur zwei Schnitte verlangt: die Szene mit dem Butler der Marbles, der sein Ejakulat in einer Spritze aufzieht und damit eine Geisel schwängert, von der auch der Regisseur selbst sagt, es sei die ekelhafteste im ganzen Film und eine Szene, in der Divine beim Oralsex zu sehen ist.[3]
Die Grenzwertigkeit äußert sich jedoch auch in einer Vergewaltigungsszene, an der ein Huhn beteiligt ist, das anschließend verzehrt wird sowie einer Musikszene mit einem „singenden“ Anus in Großaufnahme und in der berüchtigten Schlussszene, in der Divine „live“ und ohne Schnitt warmen Hundekot in den Mund nimmt. Da es gegen Koprophagie in Film kein Gesetz gab, gab es keine Argumente für ihre Entfernung.[3]
Im Kanton Zürich ist der Film seit 1974 verboten geblieben. Die Polizei beschrieb ihn damals mit folgenden Worten:
„Der als Meilenstein in der Filmgeschichte angepriesene Film muss als ekelerregend und abstoßend eingestuft werden.“
Der Regisseur hingegen war rückblickend dankbar für die Beschlagnahmung seines Films, da sie ihm viel zusätzliche Aufmerksamkeit einbrachte, u. a. von This Brunner, der mittlerweile zu den Sammlern von Waters Werken zählt.[2]
1997 wurde der Film zum 25-jährigen Jubiläum mit verbessertem Ton nochmals in die US-Kinos gebracht (anders als bei der Erstveröffentlichung wurde auch ein Soundtrack auf den Markt gebracht). Nach dem Ende des Originalfilms enthielt die neue Version einen kurzen Kommentar von Waters, mehrere einstmals geschnittene Szenen und den originalen Kinotrailer von 1972, der ausschließlich die Reaktionen des Publikums auf den Film zeigt, aber keinen einzigen richtigen Ausschnitt außer ein paar Tonschnipseln. 2021 wurde der als „Meilenstein des Shock Cinema“ bezeichnete Film in das National Film Registry aufgenommen.[4]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Pink Flamingos bei IMDb
- Detaillierte Produktionsnotizen über die Entstehung des Films ( vom 18. Dezember 2008 im Internet Archive)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ John Waters im Kunsthaus Zürich. An der Grenze des Geschmacks Deutschlandfunk, aufgerufen am 7. Januar 2022
- 1 2 3 Künstler und Regisseur John Waters „Ich bin ein alternder Schmutzfink“ Deutschlandfunk, aufgerufen am 7. Januar 2022
- 1 2 3 4 Immer schön an der Grenze Die Tageszeitung, aufgerufen am 7. Januar 2022
- ↑ ‘Pink Flamingos,’ a landmark of shock cinema, is honored by the National Film Registry The Washington Post, aufgerufen am 7. Januar 2022
