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Phosphazene

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Phosphazene (auch Iminophosphorane) sind eine Stoffgruppe chemischer Verbindungen, die eine P=N-Doppelbindung aufweisen.

Allgemeine Struktur eines monomeren Phosphazens (links) und Struktur von Hexachlorcyclotriphosphazen (rechts)

Phosphazene kommen als Monomere, cyclische oder lineare Oligomere und als Polymere (Polyphosphazene) vor. Ein wichtiges Oligomer ist das Hexachlorcyclotriphosphazen, das oft als Edukt für die Herstellung der Polymere dient. Oligomere Phosphazene verfügen über ein Phosphoratom mit einer P=N-Doppelbindung und drei einfach gebundenen Substituenten.[1]

Herstellung und Reaktionen

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Monomere Phosphazene (auch Iminophosphorane) entstehen typischerweise durch die Staudinger-Reaktion eines Azids mit einem Phosphin, meist Triphenylphosphin, unter Abspaltung von Stickstoff. Durch Hydrolyse kann so ein Amin erhalten werden. Daneben können die Phosphazen-Intermediate aber auch für andere synthetische Umwandlungen eingesetzt werden, beispielsweise für eine Aza-Wittig-Reaktion.[2]

Durch nucleophile Substitutionen lassen sich die Chloratome z. B. durch Aminogruppen ersetzen.[3] Lineare oligomere ölige Chlorphosphazene sind durch Reaktion von PCl5 mit NH4Cl im Autoklaven nach Entfernung der cyclischen Phosphazene und Destillation zugänglich. Diese weisen eine im Vergleich zu den pseudoaromatischen Tri- oder Tetramer höhere Reaktivität bei nucleophilen Reaktion z. B. mit Alkoholen auf.[4]

Anwendung als Katalysator

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Gemische von Phosphornitrilchloriden mit 3–6 Phosphazeneinheiten werden als Kondensationskatalysatoren für die Herstellung von Polyorganosiloxanen verwendet.[5] Ein kontinuierliches Verfahren für die Kondensation und/oder Equilibrierung von Polyorgansiloxanen wird durch Phosphornitrilchloride katalysiert, die durch Umsetzung von zwei Mol Phosphorpentachlorid mit einem Mol Ammoniumchlorid in 1,1,2,2-Tetrachlorethan erhalten werden. Dieses Oligomer kann durch die Formel Cl3PNPCl2NPCl3+ PCl6- beschrieben werden.[6] Das 1,1,2,2-Tetrachlorethan für die Synthese von katalytisch aktiven Phosphornitrilchlorid kann durch Säurechloride wie Phosphoroxychlorid ersetzt werden.[7]

Der Einsatz der Phosphazen-Katalysatoren hat die Lineartechnologie zur Herstellung von hochmolekularen Polydimethylsiloxanen ermöglicht. Dabei erweisen sich insbesondere Phosphazene mit Sauerstoffgruppen als vorteilhaft[8].

Das Bundesinstitut für Risikobewertung gestattet die Verwendung von Phosphornitrilchlorid zur Herstellung von Siliconen für Bedarfsgegenstände mit Kontakt zu Lebens- oder Futtermitteln, wobei der Gehalt an Umsetzungsprodukte von Phosphornitrilchlorid höchstens 0,001 % betragen darf (XV Silicone)[9].

Einzelnachweise

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  1. H. R. Allcock: Recent advances in phosphazene (phosphonitrilic) chemistry. In: Chemical Reviews. Band 72, Nr. 4, 1. August 1972, S. 315–356, doi:10.1021/cr60278a002.
  2. Jie Jack Li, E. J. Corey: Name Reactions of Functional Group Transformations. John Wiley & Sons, 2007, ISBN 978-0-470-17650-4, S. 129 (google.de [abgerufen am 9. Juli 2024]).
  3. Margot Becke‐Goehring, K. John: Reaktionen des trimeren Phosphornitrilchlorids. In: Angewandte Chemie. Band 70, Nr. 21, 7. November 1958, S. 657–657, doi:10.1002/ange.19580702113.
  4. Margot Becke‐Goehring, Günter Koch: Zur Kenntnis der Phosphornitrilchloride. In: Chemische Berichte. Band 92, Nr. 5, Mai 1959, S. 1188–1195, doi:10.1002/cber.19590920530.
  5. Patent DE930481C: Verfahren zur Polymerisation von im wesentlichen diorganosubstituierten Siloxanen. Angemeldet am 14. Januar 1953, veröffentlicht am 18. Juli 1955, Anmelder: Wacker Chemie GmbH, Erfinder: Siegfried Nitzsche, Manfred Wick.
  6. Patentanmeldung DE2229514A1: Verfahren zur Förderung von Kondensations- und/oder Äquilibrierungsreaktionen von Organosiliciumverbindungen. Angemeldet am 16. Juni 1972, veröffentlicht am 3. Januar 1974, Anmelder: Wacker Chemie GmbH, Erfinder: Siegfried Nitzsche et al.
  7. Patent EP576975B1: Phosphornitridchloride enthaltende Zusammensetzungen und Verfahren zu deren Herstellung. Angemeldet am 23. Juni 1993, veröffentlicht am 12. März 1997, Anmelder: Hüls Silicone Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Erfinder: Holger Rautschek, Harald Rösler.
  8. Rudolf Hager, Johann Weis, Z. Naturforsch. 49b, 1774–1780 (1994)
  9. BfR-Empfehlungen zu Materialien für den Lebensmittelkontakt. Abgerufen am 9. Februar 2026.