Philipp Aronstein
Philipp Aronstein (* 4. Dezember 1862 in Halver[1], Preußen; † 24. September 1942 im Ghetto Theresienstadt) war ein deutscher Anglist, Fachdidaktiker und Pädagoge.[2]


Leben und Wirken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Philipp Aronstein war ein Sohn des Arztes Philipp Aronstein und der Bertha Lewin. Nach seiner Reifeprüfung 1880 am Archigymnasium in Soest studierte der aus einer jüdischen Familie stammende Philipp Aronstein Romanistik und Germanistik, zunächst an den Universitäten Berlin und Bonn, dann an der Universität Münster. 1885 legte er in Münster das Staatsexamen für den Höheren Schuldienst ab. 1886 unternahm er Auslandsreisen nach Belgien, in die Schweiz und nach England, um seine Fremdsprachenkenntnisse zu erweitern, außerdem arbeitete er in England als Lehrer. Seit 1888 unterrichtete er als angestellter Lehrer an der Goetheschule und an der kaufmännischen Fortbildungsschule in Offenbach und wurde 1891 bei Gustav Körting an der Universität Münster zum Dr. phil. mit einer Dissertation über die Dichtungen Benjamin Disraelis promoviert. anschließend unterrichtete er an verschiedenen Schulen, u. a. wiederum in England und an einer jüdischen Schule in Berlin. 1900/01 übernahm er eine Lehrerstelle am Progymnasium in Myslowitz. Von 1904 bis 1924 hatte er eine feste Stelle als Studienrat (mit Professorentitel) in Berlin. Nach seiner Frühpensionierung unterrichtete er bis 1935 englische Sprache an der Israelitischen Synagogen-Gemeinde in Berlin. Philipp Aronstein wirkte in mehreren wissenschaftlichen Fachgesellschaften mit und veröffentlichte zahlreiche Schriften. Während seinen Kindern aus dem Deutschen Reich die Auswanderung gelang, zögerte der mit Publikationsverbot belegte Vater sehr lange; zuletzt war es ihm nicht mehr möglich, ins Ausland zu gelangen. Im September 1942 wurde er zusammen mit seiner Frau in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo er am 24. September 1942 starb. Vor seinem letzten Wohnsitz in Berlin-Moabit (Solinger Straße 7) wurde zu seinem Gedenken ein Stolperstein[3] gelegt.
Veröffentlichungen (Auswahl)
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- Benjamin Disraeli's Dichtungen. Disraeli's Leben und Jugendschriften. Steinmetz, Offenbach a. M. 1891 (= Dissertation Universität Münster) (Digitalisat).
- Die Entwicklung der höheren Knabenschulen in England. Elwert, Marburg 1897.
- Ben Jonson (= Literarhistorische Forschungen, Bd. 6). Felber, Berlin 1906.
- (Hrsg.): Ausgewählte Essays hervorragender englischer Schriftsteller der Neuzeit. Mit Anmerkungen zum Schul- und Privatgebrauch. Velhagen & Klasing, Bielefeld 1909.
- (Hrsg.): Readings from Ruskin. Hauptband sowie Wörterbuch u. Anmerkungen. Velhagen & Klasing, Bielefeld 1909.
- (Neubearb.): Heinrich Breitinger / Grundzüge der englischen Sprach- und Literaturgeschichte. 4. Aufl. Schulthess, Zürich 1911.
- (Hrsg.): English prose selections / Auswahl englischer Prosastücke. Haupt- u. Ergänzungsband. Velhagen & Klasing, Bielefeld 1911/1921.
- Die Hexen im englischen Renaissancedrama. In: Germanisch-romanische Monatsschrift, Bd. 4 (1912), S. 536–549 u. S. 582–597.
- Das Englische als Gegenstand "nationaler Auslandsbildung" an unseren höheren Schulen. In: Monatsschrift für höheren Schulen, Bd. 17 (1918), S. 208–221.
- John Donne als Dichter. Ein Beitrag zur Kenntnis der englischen Renaissance. Niemeyer, Halle/S. 1920.
- Methodik des neusprachlichen Unterrichts. Zwei Bände. Teubner, Leipzig 1921/1922 (2. verb. Aufl. 1926).
- Oskar Wilde. Sein Leben und Lebenswerk. Deutsche Bibliothek, Berlin 1922.
- Englische Stilistik. Teubner, Leipzig 1924 (2. Aufl. 1926).
- Englische Wortkunde. Teubner, Leipzig 1925.
- Englische Schulstilistik. Teubner, Leipzig 1926.
- Das englische Renaissancedrama. Teubner, Leipzig 1929.
- (Hrsg.): Selections from English poetry / Auswahl englischer Dichtungen. Haupt- u. Ergänzungsband. Velhagen & Klasing, Bielefeld 1930.
- Engländertum und englische Sprache (= Hefte zur Englandkunde, Bd. 6). Tauchnitz, Leipzig 1931.
- (Hrsg.): Pictures of Jewish life. From Israel Zangwill, Children of the Ghetto. Edited with glossary and notes by Philipp Aronstein. Jüdische Lesehefte 7. Schocken, Berlin 1935 (= Digitalisat).
- (Hrsg.): The Jews in English poetry and fiction. Jüdische Lesehefte 29. Schocken, Berlin 1938.
- (Hrsg.): The Jews in England and America in the 17th and 18th centuries. Jüdische Lesehefte 28. Schocken, Berlin 1938.
Außerdem weitere Lesehefte für den Englischunterricht und Aufsätze in Fachzeitschriften.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Till Kinzel: Zwei deutsch-jüdische Philologen über William Shakespeare und seine Zeit. Philipp Aronstein und Max J. Wolff. In: Germanisch-romanische Monatsschrift, Bd. 59 (2009), H. 1, S. 169–186.
- Reiner Lehberger: "Hoch geachtet und vergessen". Philipp Aronstein (1862–1942). Zur Lebensgeschichte eines deutsch-jüdischen Neuphilologen. In: Karl-Walter Beise (Red.): Lebensgeschichten - Bildungsgeschichten. LIT-Verlag, Münster 2003, S. 43–51.
- Reiner Lehberger: Philipp Aronstein (1862–1942). Ein großer Berliner Neuphilologe und ein deutsch-jüdisches Schicksal. Katalog zur Ausstellung. Bibliothek für bildungsgeschichtliche Forschung, Berlin 2003.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Dr. Philipp Aronstein. Anglist und Didaktiker. In: Stadt Halvern / Halverner Persönlichkeiten (abgerufen am 1. Juli 2026)
- ↑ Aronstein, Philipp. In: Utz Maas: Verfolgung und Auswanderung deutschsprachiger Sprachforscher 1933–1945. Bd. 1: Dokumentation. Stauffenburg Verlag, Tübingen 2010, S. 35–38, ISBN 978-3-86057-016-6.
- ↑ https://www.stolpersteine-berlin.de/de/solinger-str/7/philipp-aronstein (mit biografischen Daten u. Foto, abgerufen am 1. Juli 2026).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Aronstein, Philipp |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Anglist, Fachdidaktiker und Pädagoge |
| GEBURTSDATUM | 4. Dezember 1862 |
| GEBURTSORT | Halver |
| STERBEDATUM | 24. September 1942 |
| STERBEORT | Ghetto Theresienstadt |