Progymnasium
Ein Progymnasium oder ein Untergymnasium ist meist eine Sonderform des Gymnasiums.[1] Der Begriff hat in verschiedenen Ländern unterschiedliche Bedeutungen.
Deutschland
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ein Progymnasium ist in Deutschland ein allgemeinbildendes Gymnasium, meist im ländlichen Raum, das jedoch nicht voll ausgebaut ist, also nicht alle Klassenstufen eingerichtet hat. Es endet meist nach der 10. Klasse[1], wonach die Schüler mit dem Versetzungszeugnis an eine Schule mit einer gymnasialen Oberstufe (Gymnasium, Gesamtschule, berufliches Gymnasium oder Gymnasiale Oberstufenschule) wechseln und dort das Abitur absolvieren können.[1]
Der Vorteil der Progymnasien liegt vor allem für jüngere Schüler in ihrer überschaubaren Größe, was den Übergang an das Gymnasium erleichtert.[2]
Progymnasien findet man meist in kleineren Orten, um den Schulweg der Schüler zu verkürzen und erträglich zu gestalten.[2][3] Ein Ausbau zur Oberstufe wird von einigen Progymnasien angestrebt oder ist bereits umgesetzt,[4] wie zum Beispiel in Haigerloch.[5]
In der Vergangenheit wurde der Begriff auch für neu gegründete Gymnasien verwendet, die erst nach und nach aufgebaut wurden, d. h. es wurde zunächst die erste Klassenstufe (Sexta) eingerichtet und die höheren Klassenstufen erst jeweils durch die weitere Versetzung dieses Schülerjahrgangs gebildet. Erst wenn der erste Jahrgang das Abitur erreicht hatte, waren alle Klassenstufen vorhanden. Ein Beispiel ist das Hartmanni Gymnasium Eppingen, das 1967 vom Progymnasium zum Gymnasium aufgestockt wurde.[6]
Im 19. Jahrhundert gab es auch häufig Progymnasien, die mit sieben – später sechs – Schuljahren den oberen Klassen als eine Art Vorschule vorgeschaltet waren. Diese gymnasialen Proanstalten bestanden immer dort, wo das Schüleraufkommen für ein Fortführen bis zum Abitur zu gering war.[7]
Schweiz
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Progymnasium (Untergymnasium, Leistungszug P) ist in der Schweiz jener Teil der gymnasialen Schulbildung, der noch während der obligatorischen Schulzeit verläuft.[8][9]
Siehe dazu Kantonsschule.
Litauen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Litauen ist das Progymnasium (progimnazija) eine allgemeinbildende Schule der Klassenstufen fünf mit acht, die an die vierjährige Grundschule anschließt.[10]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ludwig Adolf Wiese: Das höhere Schulwesen in Preussen. Historisch-statistische Darstellung. 2. Auflage. Wiegandt & Grieben, Berlin 1869, S. 72–74 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek).
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 Ministerin: Rückkehr zu G9 ändert wenig für die Progymnasien. In: Staatsanzeiger BW. 26. November 2024, abgerufen am 2. März 2026.
- 1 2 PG - eine gute Entscheidung. Progymnasium Altshausen, 2026, abgerufen am 21. März 2026.
- ↑ Schulprofil – Caspar-Mohr-Progymnasium. Caspar-Mohr-Progymnasium, 2026, abgerufen am 21. März 2026.
- ↑ Entwicklung der Progymnasien nach Einführung des gene- rell achtjährigen allgemeinbildenden Gymnasiums. Landtag von Baden-Württemberg, 16. Mai 2002, abgerufen am 21. März 2022.
- ↑ Gymnasium Haigerloch: Zum 70-jährigen Bestehen: Nur her mit allen Ehemaligen! Südwest Presse, 17. September 2023, abgerufen am 21. März 2026.
- ↑ Geschichte - das HGE - HGE. Hartmanni-Gymnasium Eppingen, abgerufen am 31. März 2026.
- ↑ Gisela Teistler: Skizze zur deutschen Schulgeschichte bis 1945. In: Internationale Schulbuchforschung. Band 13, Nr. 4. Hahn, Hannover 1991, S. 409–410, JSTOR:43055872.
- ↑ Sekundarschule P bereitet künftig auch auf die Berufsbildung vor. Kanton Solothurn, 2026, abgerufen am 31. März 2026.
- ↑ Leistungszüge und Durchlässigkeit. Kanton Basel-Stadt, 19. Dezember 2023, abgerufen am 31. März 2026.
- ↑ SCHULWÄRTS! in Litauen - Goethe-Institut. Goethe-Institut, 2026, abgerufen am 31. März 2026.