Phebe Cramer
Phebe K. Cramer (* 30. Dezember 1935 in San Francisco; † 2. April 2021 in Pittsfield) war eine US-amerikanische klinische Psychologin und emeritierte Professorin an dem Williams College.[1][2]
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Sie wurde als die Tochter von Carl und Edna Winkler Cramer in San Francisco geboren und wuchs in Oakland auf. Sie besuchte die Anna Head School in Berkeley. Danach erwarb sie ihren B.A. 1957 an der University of California, Berkeley und promovierte 1962 zum Ph.D. in klinischer Psychologie an der New York University. An der New York University unterstützte sie Robert R. Holt, George S. Klein und David Rapaport am Research Center for Mental Health bei empirischen Studien zu psychoanalytischen Konzepten. Die Sommerferien während ihres Studiums verbrachte sie als Assistentin von Henry Murray an der Harvard University, wo sie sich intensiv mit dem TAT auseinandersetzte.[3] Der Titel ihrer Doktorarbeit lautete The recovery of a discrete memory (veröffentlicht 1965 im Journal of Personality and Social Psychology). 1961 bis 1962 absolvierte sie ein klinisches Praktikum am Psychiatrischen Institut des Columbia University Medical Center.
Von 1962 bis 1963 war sie als klinische Psychologin am Maimonides Hospital in Brooklyn und von 1962 bis 1965 am Lincoln Center for Psychotherapy tätig. Von 1963 bis 1965 lehrte sie am Barnard College der Columbia University und von 1965 bis 1970 an der University of California, Berkeley. 1970 kam sie an das Williams College und war dabei die fünfte Frau im Lehrkörper. Im Laufe ihrer Karriere wurde sie die erste Frau, die eine ordentliche Professur am Williams College innehatte, die erste, die von 1972 bis 1975 einen Fachbereich leitete, und ab 1973 die erste Professorin mit unbefristeter Anstellung im Fachbereich Psychologie.[4] Am College setzte sich für die Förderung von Frauen (etwa als Mitbegründerin eines Komitees, das sich erfolgreich für gleiche Gehälter und Mutterschaftsurlaub für Frauen einsetzte) ein; neben ihrer Arbeit am College führte sie eine klinische Praxis und war als klinische Psychologin für den Studentengesundheitsdienst des North Adams State College (1972–1980) sowie als leitende klinische Psychologin der Berkshire Mental Health Clinic (1979–1986) tätig. Nach ihrer Emeritierung im Jahr 2009 blieb sie als Wissenschaftlerin aktiv und veröffentlichte im darauffolgenden Jahrzehnt über 20 Artikel und Buchkapitel.
Werk
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ihre Forschungsgebiete betrafen die Entwicklungspsychologie und die Kinderpsychopathologie. Einer ihrer Beiträge bezieht sich auf die Entwicklung und Validierung eines Modells zur Entstehung von Abwehrmechanismen sowie ihre über 30 Jahre experimentelle, longitudinale und querschnittliche Forschung, die dieses Modell empirisch untermauerte. Ihr Defense Mechanism Manual (DMM) ermöglicht die reliable Kodierung entwicklungsbedingter Abwehrmechanismen in den Geschichten des thematischen Apperzeptionstests (TAT) und ihre longitudinalen Publikationen belegen den Einfluss von Abwehrmechanismen auf die Persönlichkeitsentwicklung von der Adoleszenz bis ins Erwachsenenalter. Bei ihrer Forschung zum Narzissmus untersucht sie, wie sowohl Abwehrmechanismen als auch der Erziehungsstil zur Entwicklung von Narzissmus beitragen. Im Zuge ihrer Studien zur Identität erforschte sie, wie die Identifikation mit den Eltern mit der Identität zusammenhängt und wie Abwehrmechanismen und Intelligenzquotient (IQ) die Identitätsentwicklung im Erwachsenenalter beeinflussen.
Ehrungen/Positionen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 2014: Bruno-Klopfer-Gedächtnispreis der Society for Personality Assessment
- 2018: Henry-A.-Murray-Preis der Association for Research in Personality
- Mitherausgeberin des Journal of Personality, des Journal of Research in Personality, des Journal of Personality Assessment und des European Journal of Personality
Privates
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In ihrer Jugend war sie eine herausragende Sportlerin: Laut dem Berkshire Eagle stellte sie 10 amerikanische Rekorde und einen Weltrekord im 100-Yard-Schmetterling auf und nahm 1952 an den Olympia-Ausscheidungswettkämpfen teil. Ebenso war sie eine US-amerikanische Preisrichterin im Eiskunstlauf. Nach ihrer Emeritierung ging sie ihrer Leidenschaft für das Reisen nach, hielt aber weiterhin Kontakt zu ehemaligen Kollegen und Studenten. Sie verstarb im Alter von 85 Jahren. Zum Zeitpunkt ihres Todes lebten noch ihre beiden Töchter Julia Savacool sowie ihre Tochter Mara Savacool Zimmerman.[5]
Publikationen (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Monografien
- Protecting the Self: Defense Mechanisms in Action. The Guilford Press, Manhattan 2006, ISBN 978-1-60918-845-0.
- Storytelling, Narrative, and the Thematic Apperception Test. Guilford Press, Manhattan 1996, ISBN 978-1-57230-094-1.
- The development of defense mechanisms: theory, research, and assessment. Springer Verlag, New York 1991, ISBN 978-3-540-97298-3.
- Mit William D. Rohwer; Paul R. Ammon: Understanding intellectual development: Three approaches to theory and practice. Dryden Press, Chicago 1974, ISBN 978-0-03-089028-4.
- Word Association. Academic Press, Cambridge 1968, ISBN 978-0-12-196450-4.
- Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge
- A Long Life: Twists and Turns. In: Christopher J. Hopwood (Hrsg.): The Evolution of Personality Assessment in the 21st Century: Understanding the People who Understand People (S. 236–240). Routledge, Abingdon 2022, ISBN 978-0-367-47742-4.
- What Has Happened to Hysteria? In: Journal of Nervous and Mental Disease, 2019, 207 (9), S. 705–706.
- Change in Children's Self Confidence and the Use of Defense Mechanisms. In: Journal of Nervous and Mental Disease, 2018, 206 (8), S. 593–597.4
- The Development of Defense Mechanisms during the Latency Period. In: Journal of Nervous and Mental Disease, 2018, 206 (4), S. 286–289.
- Identity change between late adolescence and adulthood. In: Personality and Individual Differences, 2017, 104, S. 538–543.
- IQ and Defense Mechanisms Assessed with the TAT. In: Rorschachiana, 2015, 36 (1), S. 40–57.
- Adolescent Parenting, Identification, and Maladaptive Narcissism. In: Psychoanalytic Psychology, 2015 32 (4), S. 559–579.
- Defense Mechanisms: 40 Years of Empirical Research. In: Journal of Personality Assessment, 2014, 97 (2), S. 1–9.
- Identification and the Development of Competence: A 44-Year Longitudinal Study From Late Adolescence to Late Middle Age. In: Psychology and Aging, 2008, 23 (2), S. 410–421.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von und über Phebe Cramer im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Phebe Cramer auf Research Gate, abgerufen am 9. Mai 2026.
- Phebe Cramer auf Science Direct, abgerufen am 9. Mai 2026.
- An Interview with 2019 Murray Award Winner, Phebe Cramer abgerufen am 10. Mai 2026.
- Phebe Cramer auf Social Psychology Network, abgerufen am 10. Mai 2026.
- 2014 Bruno Klopfer Award Presentation auf YouTube, abgerufen am 10. Mai 2026.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Nigel Jaffe: Phebe Cramer (1935–2021). In: Journal of Intellectual & Developmental Disability auf Williams College, abgerufen am 9. Mai 2026.
- ↑ Cramer, Phebe. In: V. Zeigler-Hill; T. K. Shackelford (Hrsg.): Encyclopedia of Personality and Individual Differences. Springer, Cham 2020, ISBN 978-3-319-24610-9. abgerufen am 9. Mai 2026.
- ↑ Sharon Rae Jenkins; John Porcerelli: Phebe K. Cramer in Memoriam auf Society for Personality Assessment vom 7. October 2025, abgerufen am 10. Mai 2025.
- ↑ Maud S. Mandel: The Passing of Phebe Cramer auf Williams College vom 5. April 2021, abgerufen am 10. Mai 2026.
- ↑ Phebe K. Cramer. 1935–2021 auf legacy.com, abgerufen am 10. Mai 2026.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Cramer, Phebe |
| ALTERNATIVNAMEN | Cramer, Phebe K. |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanische klinische Psychologin und Entwicklungspsychologin |
| GEBURTSDATUM | 30. Dezember 1935 |
| GEBURTSORT | San Francisco |
| STERBEDATUM | 2. April 2021 |
| STERBEORT | Pittsfield |