Percival P.74
| P.74 | |
|---|---|
| Typ | Versuchshubschrauber |
| Entwurfsland | |
| Hersteller | Percival Aircraft Company |
| Stückzahl | 1 |
Der Percival P.74 (später Hunting Percival P.74) war ein britischer Versuchshubschrauber, der in den 1950er Jahren entwickelt wurde und auf dem Einsatz von Rotoren mit kaltem Blattspitzenantrieb basierte.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Jahr 1951 gründete die Percival Aircraft Company eine Hubschrauberabteilung und begann mit den Konstruktionsarbeiten an einem mittelgroßen Hubschrauber mit der Bezeichnung P.74. Der Hubschrauber wurde so konzipiert, dass er die im Mai 1952 vom Air Ministry herausgegebene Spezifikation EH.125D für einen Versuchshubschrauber zur Erprobung von strahlgetriebenen Rotoren erfüllte. Dieser Versuchshubschrauber verfügte über einen tropfenförmigen Rumpf mit einem zweisitzigen Cockpit im Bug und einer großen Kabine, die sich über die gesamte Länge des Rumpfes erstreckte. Unterhalb des Kabinenbodens versorgten zwei Napier-Oryx Gasgeneratoren die Spitzen der drei Rotorblätter über dreifache Auslasskanäle mit Druckluft.[1] Die Rotorblätter waren an den Hinterkanten mit Querrudern ausgestattet, wobei die Blattverstellung über eine Spindel erfolgt. Die ungewöhnliche Anordnung der Triebwerke erforderte, dass die Abgasrohre durch die Kabinenwand zwischen den Sitzreihen verlegt wurden. Dies führte zu übermäßigem Lärm und Hitze für die vorgesehenen Passagiere.[2]
Da kein Getriebe vorhanden war und die Kopplung des Rotors an den Hubschrauber vereinfacht war, konnte bei dieser Konstruktion eine schwenkbare Rotornabe verwendet werden, sodass keine Schwenkgelenke erforderlich waren. Aufgrund der Kupplung mit geringem Drehmoment am Mast, war nur ein sehr geringer seitlicher Steuerungsaufwand erforderlich. Nach Tests mit einem von einem Derwent Triebwerk angetriebenen Rotor wurde erwartet, dass der P.74 im Betrieb leiser sein würde als mit Blattspitzenantrieb. Die Rotoren aus Edelstahl wiesen einen dicken Querschnitt auf, um die erforderlichen Kanäle zu den Rotorspitzen unterzubringen. Da sie zudem nicht verstellbar waren, wurden an den Rotorblättern Querruder angebracht.
Der Prototyp P.74 (der nach der Umfirmierung des Unternehmens im Jahr 1954 als „Hunting Percival P.74“ bezeichnet wurde) wurde im Frühjahr 1956 fertiggestellt und erhielt die militärische Seriennummer XK889.[3] Das Endprodukt wirkte ausgesprochen ungeschickt, mit einem großen, bauchigen Rumpf, der sich zu einem winzigen Heckkonus verjüngte, an dem ein ebenso winziger Heckrotor angebracht war. Dieser wurde als ausreichend für die Steuerung angesehen, da von den Rotoren mit Blattspitzenantrieb kein Drehmoment ausging. Das Fahrwerk bestand aus vier Rädern auf nach außen gespreizten Stützen, wobei die beiden vorderen Räder lenkbar waren. Die große Kapazität der P.74 sollte den möglichen kommerziellen Nutzen aufzeigen.[4]
Die Bodentests auf einem statischen Prüfstand begannen 1956, doch die Napier-Oryx Triebwerke konnten weder die volle Leistung noch den maximalen Gasdurchsatz erreichen. Trotz Modifikationen an den Triebwerken musste der Erstflug abgebrochen werden, da die P.74 nicht fliegen konnte. Dies war möglicherweise ein Glücksfall, da es keine Fluchtmöglichkeiten für die beiden Piloten aus der Maschine gab. Die einzige Einstiegstür befand sich hinten auf der Backbordseite. Der leitende Testpilot wurde mit den Worten zitiert, dass bei der P.74:
„...the cockpit, flying controls and engine controls... designed without any input from a pilot.“
deutsch: „… das Cockpit, die Flugsteuerung und die Triebwerkssteuerung … ohne jegliche Mitwirkung eines Piloten entworfen worden seien.“
Die Konstrukteure planten den Einbau eines leistungsstärkeren Triebwerks des Typs Rolls-Royce RB.108; diese Variante wurde als P.113 bezeichnet. Ebenfalls war eine größere kommerzielle Variante in der Planungsphase, die Percival P.105 für 10 Passagiere, bei der die Triebwerke an kurzen Tragflächen zu beiden Seiten des Rotormasts angebracht waren. Man ging davon aus, dass die P.74 Erkenntnisse über die erforderlichen Luftkanäle liefern würde. Daher wurde das Triebwerk unterhalb des Rumpfs montiert, wobei die Luftkanäle durch die Kabine nach oben führten.
Aber die Verstaatlichung der Hubschrauberindustrie später im gleichen Jahr dazu führte, dass das P.74-Projekt eingestellt und der Prototyp verschrottet wurde.[5]
Varianten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- P.74 – Experimenteller Hubschrauber mit einem Rotor, der von zwei Napier-Oryx Gasgeneratoren angetrieben wurde; es wurde ein Exemplar gebaut, das jedoch nie flog und verschrottet wurde.
- P.104 – Vorgeschlagene Variante mit Rotorblättern für nicht-laminare Strömung, nicht gebaut.
- P.105 – Vorgeschlagene verbesserte Variante, bei der die Oryx-Generatoren über die Kabine verlegt wurden, nicht gebaut.
- P.113 – Vorgeschlagene verbesserte Variante des P.74 mit einem Rolls-Royce-RB108-Triebwerk und einem überarbeiteten Rotorsystem, die nicht gebaut wurde.
Technische Daten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Kenngröße | Daten |
|---|---|
| Besatzung | 2 |
| Passagiere | 8 |
| Durchmesser Hauptrotor | 16,77 m |
| maximale Startmasse | 3515 kg |
| Triebwerke | 2 × Napier NOr.1 Oryx Gasturbine als Gasgenerator mit je 560 kW Leistung |
| Tankinhalt | 770 l |
Ähnlich Modelle
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- R. John Silvester: Percival’s Porky Chopper. In: Aeroplane Monthly. Band 14, Nr. 7, Juli 1986, S. 346–351.
- Gearing, David. On the Wings of a Gull: Percival and Hunting Aircraft. Air Britain Historians Ltd, 2012. ISBN 978-0851304489.
- Apostolo, Giorgio. The Illustrated Encyclopedia of Helicopters. New York: Bonanza Books, 1984. ISBN 0-517-439352.
- "Hunting Percival P.74: Research Test Vehicle Approaches the Flight Stage: a New Helicopter Philosophy." (PDF) Flight via flightglobal archive, 1955.
- Winchester, Jim. The World's Worst Aircraft: From Pioneering Failures to Multimillion Dollar Disasters. London: Amber Books Ltd., 2005. ISBN 1-904687-34-2.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ samolotypolskie.pl - Hunting Percival P.74. Archiviert vom am 5. Juli 2017; abgerufen am 25. Oktober 2026 (polnisch).
- ↑ Terry: Percival P.74 / Huntington P.74. In: All Aero. 6. März 2025, abgerufen am 25. Oktober 2026 (britisches Englisch).
- ↑ Hunting Percival P.74 helicopter - development history, photos, technical data. Abgerufen am 25. Oktober 2026.
- ↑ Matthieu GALLET: Percival P.74. Abgerufen am 25. Oktober 2026.
- ↑ Craig Bowman: Exploring the Percival P.74 Helicopter Prototype. In: Jets ’n’ Props. 29. Mai 2023, abgerufen am 25. Oktober 2026 (amerikanisches Englisch).