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Paulette Capliez

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Vier junge Frauen in Sommerkleidern, alle mit Handtaschen, schlendern fröhlich nebeneiander durch eine Straße. Schwarz-Weiß-Bild
Vertreterinnen der Union des jeunes filles de France: Madeleine Vincent, Élise Fraysse, Paulette Bouchoux, Colette Jobard

Paulette Bouchoux (geboren am 6. Juni 1922 in Paris; gestorben am 20. April 2019 ebenda), verheiratete Paulette Capliez, war eine französische Résistante.

Paulette Bouchoux’ Eltern stammten aus dem Morvan. Ihr Vater, Jean Bouchoux (1887–1945), arbeitete in Paris als Eisenbahner; er war ein Kriegsveteran des Ersten Weltkriegs, von dem er körperlich und seelisch gezeichnet zurückkehrte. Ihre Mutter, Berthe Louise Guyot (1864–), war Putzfrau. Sie hatte eine ein Jahr ältere Schwester, Georgette Bouchoux-Goujon (1921–2006).[1] Nach Erhalt des Grundschulabschlusszeugnisses arbeitete sie ab dem Alter von vierzehn Jahren als Näherin bei einem Arbeitgeber im Quartier de la Madeleine.[2] Die beiden Schwestern traten der Fédération sportive et gymnique du travail[3] bei, die der Front populaire nahestand.[1] Sie engagierten sich für die Unterstützung der spanischen Republikaner und sammelten ab 1936 zunächst Geld und später Lebensmittel für sie.[4] Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde der Vater als Eisenbahner eingezogen und nach Bordeaux versetzt.[1] Nach dem Waffenstillstand im Jahr 1940 hielt sich die Familie eine Zeit lang bei den Großeltern im Morvan auf und kehrte dann nach Paris zurück.[1]

Gedenktafel mit der aufschrift; „Vom Aufruf General de Gaulles am 18. Juni 1940 bis zur Befreiung von Paris am 25. August 1944 wurden an diesen Orten 4000 Widerstandskämpferinnen inhaftiert, weil sie gegen die Besatzer gekämpft hatten. Sie haben zur Befreiung Frankreichs beigetragen.“
Gedenktafel in der Rue de la Roquette, Paris

Paulette und Georgette Bouchoux begannen, Flugblätter zu verteilen und Plakate mit kommunistischen Parolen aufzuhängen. Sie nahmen an der Demonstration vom 11. November 1940[A 1] teil.[2] Am 28. Dezember 1940 wurden sie aufgrund einer Denunziation verhaftet und in die Arrestzelle des Justizpalasts gebracht. Ihr Vater besuchte sie. Er beging nach der Befreiung Selbstmord, noch bevor Paulette ihn wiedersehen konnte.[1]

Sie wurden in das Gefängnis Petite Roquette überführt und vor einem Strafgericht angeklagt. Ihre Verteidigung übernahm der Anwalt Michel Rolnikas[5], der im Juni 1941 verhaftet und am 20. September 1941 auf dem Mont Valérien erschossen wurde. Für diese beiden von vornherein aussichtslosen Prozesse zahlt ihre Mutter die Summe von fast 5000 Francs, was dem viermonatigen Lohn eines Arbeiters entsprach. Georgette Bouchoux wurde zu drei Monaten Haft und Paulette Bouchoux zu sechs Monaten verurteilt.[1]

Nach Ablauf ihrer Haftstrafe, als ihre Mutter und ihre Freundinnen vor dem Gefängnis auf sie warteten, wurde Paulette Bouchoux zur Präfektur gebracht und sofort als eine der ersten als Verwaltungsinternierte nach La Roquette zurückgeschickt.[1] Sie gehörte zu einem Konvoi von 48 Frauen, die am 16. September 1941 nach Châteaubriant, ins Lager Choisel[6] im Département Loire-Atlantique, verlegt wurden.[2] Sie freundete sich mit Marguerite Fabre[7], Odette Nilès-Lecland[8], Jeanine Bernardon – einer Verbindungsfrau von Gabriel Péri –, Marie Bréchet[9], Andrée Vermeersch, Yvette Semard[10] und Hélène Mabille[11] an.[1] Sie bildeten eine unzertrennliche Gruppe, die von den Männern im Lager „Bistouillardes“[A 2] genannt wurde, und blieben während ihrer gesamten Haftzeit zusammen.[2] Mehrfach holten die Deutschen Geiseln aus dem Lager Choisel ab, von denen die meisten erschossen wurden, darunter Guy Môquet, der 1941 ermordet wurde. Paulette Bouchoux berichtet von den neun Geiseln aus La Blisière, die im Dezember desselben Jahres erschossen wurden.[12]

Am 11. Mai 1942 verließen 60 Frauen, darunter die Bistouillardes, das Lager Choisel und wurden in das Lager Aincourt verlegt. Von dort wurde sie noch in weitere Lager verschafft: Gaillon, La Lande und Poitiers, bis sie nach 48 Monaten am 28. August 1944 befreit wurde. Während ihrer Haft versuchte sie gemeinsam mit Jeannine Bernardon zu fliehen, doch ihr Versuch schlug fehl.[1]

Nach der Befreiung engagierte sich Paulette Bouchoux aktiver in der politischen Bewegung der Kommunistischen Partei Frankreichs. Sie wurde neben Odette Roux[13] zur Propagandistin des Mouvement Jeunes Communistes de France. Ende Oktober 1944 besucht sie zwei Monate lang die Parteischule in Rennes; anschließend kehrt sie nach Paris zurück und tritt der Union des jeunes filles de France[A 3] bei, an deren Wiederaufbau sie sich aktiv beteiligt, unter anderem zusammen mit Josette Cothias[14], Odile Arrighi[15] und Madeleine Vincent. Im September 1945 wurde sie dem Pariser Komitee der Union de la jeunesse républicaine de France (UJRF) zugewiesen, wo sie die einzige Frau war.[1]

Im April 1947 heiratete Paulette Bouchoux Robert Capliez (1917–1984), einen kommunistischen Aktivisten der RATP. Das Paar ließ sich im 18. Arrondissement nieder und hatte zwei Töchter, Claudine und Françoise Capliez, die 1948 und 1952 geboren wurden.[1]

Aufgrund persönlicher gesundheitlicher Probleme und später auch der Alzheimer-Erkrankung ihres Mannes reduzierte Paulette Capliez ihr politisches Engagement. Auch Meinungsverschiedenheiten mit der Parteilinie, insbesondere hinsichtlich der sowjetischen Intervention in Ungarn und der Niederschlagung des Prager Frühlings, trugen zu ihrer Distanzierung bei.[1]

Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1984 widmete sie sich vor allem den Vereinigungen ehemaliger Internierter und Deportierter. Sie war Mitglied der Fédération nationale des déportés et internés résistants et patriotes[16] (Nationaler Verband der Deportierten und Internierten, Widerstandskämpfer und Patrioten) und Vorstandsmitglied der Amicale Châteaubriant-Voves-Rouillé-Aincourt (Freundeskreis Châteaubriant-Voves-Rouillé-Aincourt).[2][4]

Nach einem Oberschenkelhalsbruch verstarb sie am 20. April 2019. Am 30. April wurde sie im Krematorium des Père-Lachaise eingeäschert. Am 5. Mai wurde ihr am Fuße der Gedenkstele des Lagers Choisel die letzte Ehre erwiesen. Sie war neben Odette Nilès die letzte Überlebende dieses Lagers.[17]

Paulette Capliez wurde 2002 zum Ritter der Ehrenlegion ernannt.[18]

  1. ↑ Die Manifestation du 11 novembre 1940 (so in der frankophonen Wikipédia zu finden) war eine der ersten großen Aktionen gegen die deutsche Besetzung in Frankreich und wurde brutal niedergeschlagen.
  2. ↑ Unübersetzbarer Begriff; auch die Quelle schreibt: „Frag mich bloß nicht, was „Bistouillarde“ bedeutet – so haben die Männer im Lager sie genannt, weil sie immer zusammen waren.“
  3. ↑ Eine kommunistische Organisation, die von 1936 bis 1974 bestand. Siehe weiterführend Union des jeunes filles de France in der französischsprachigen Wikipédia.

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 Marc Giovaninetti: BOUCHOUX Paulette, Marie, Lucienne, épouse CAPLIEZ. In: Maitron patrimonial. 2011 (maitron.fr).
  2. 1 2 3 4 5 Siehe Weblink Résistance 44
  3. ↑ FSGT. Abgerufen am 10. September 2026 (französisch).
  4. 1 2 Sie war glücklich! Paulette Capliez ist gestern verstorben! In: Freunde des Widerstandsmuseums von Châteaubriant. Abgerufen am 10. September 2026 (französisch).
  5. ↑ Jean Maitron, Claude Pennetier: ROLNIKAS Michelis. In: Le Maitron. Abgerufen am 10. September 2026 (französisch).
  6. ↑ CAMP DE CHATEAUBRIANT. In: APRA. Abgerufen am 10. September 2026 (französisch).
  7. ↑ Claude Pennetier: FABRE Marguerite. In: Le Maitron. Abgerufen am 10. September 2026 (französisch).
  8. ↑ Renaud Poulain-Argiolas: NILÈS Odette. In: Le Maitron. Abgerufen am 10. September 2026 (französisch).
  9. ↑ BRÉCHET Marie-Jeanne. In: Le Maitron. Abgerufen am 10. September 2026 (französisch).
  10. ↑ Angaben zu Yvette Semard in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
  11. ↑ Jocelyne George: Hélène Mabille. In: Le Maitron. Abgerufen am 10. September 2026 (französisch).
  12. ↑ Les fusillés. In: Amicale de Châteaubriant. Abgerufen am 10. September 2026 (französisch).
  13. ↑ Jacques Girault, Florence Regourd: ROUX Odette. In: Le Maitron. Abgerufen am 10. September 2026 (französisch).
  14. ↑ Jean Maitron, Claude Pennetier, Claude Willard: COTHIAS Josette. In: Le Maitron. Abgerufen am 10. September 2026 (französisch).
  15. ↑ La mémoire de... Odile ARRIGHI-ROGER. In: Mémoire et Patrimoine Vivant. Abgerufen am 10. September 2026 (französisch).
  16. ↑ Fédération Nationale des Déportés et Internés, Résistants et Patriotes. Abgerufen am 10. September 2026 (französisch).
  17. ↑ Philippe RIDOU: Châteaubriant. L’hommage à la résistante Paulette Capliez. 2019, abgerufen am 10. September 2026 (französisch).
  18. ↑ Décret du 31 décembre 2001 portant promotion et nomination. In: Légifrance. Abgerufen am 11. September 2026 (französisch).