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Paul Muni

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Paul Muni (1935)

Paul Muni (geboren 22. September 1895 in Lemberg, damals Österreich-Ungarn, heute Lwiw, Ukraine, als Frederich Meshilem Meier Weisenfreund; gestorben 25. August 1967 in Montecito, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Schauspieler galizischer Herkunft. Seine größten Erfolge feierte er in den 1930er-Jahren in Filmen wie Scarface und Jagd auf James A., 1937 gewann er den Oscar als bester Hauptdarsteller für die Filmbiografie Louis Pasteur.

Paul Muni alias Frederich Meshilem Meier Weisenfreund wurde in Lemberg im damaligen Österreich-Ungarn als Sohn der beiden jüdischen Schauspieler Salli (1871–1934) und Phillip Weisenfreund (1861–1913) geboren.[1] 1902 wanderte die Familie in die Vereinigten Staaten aus und ließ sich anfangs in Chicago nieder.[2] Später wuchs Muni auch in New York City und Cleveland auf. Schon als Kind trat er, dessen Muttersprache Jiddisch war, gemeinsam mit seinen Eltern in jüdischen Theatern auf. In einer frühen Bühnenrolle verkörperte der zwölfjährige Muni einen 80-jährigen Greis.[2] Er wurde bei Rollen, die es erforderten, seit früher Jugend oft selbst als Maskenbildner tätig. Bis 1926 trat er ausschließlich in jiddischen Theaterstücken auf, darunter am Yiddish Art Theatre von Maurice Schwartz, der früh Munis Talent erkannt hatte.[3]

Muni als Film- und Theaterstar

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Zum ersten Mal auf Englisch spielte er 1926 am Broadway in dem Stück We Americans.[4] Danach wurde er schnell über das jiddische Publikum hinaus als Schauspieler bekannt und gefragt. Er spielte weiter am Broadway, bis er 1928 einen Studiovertrag mit 20th Century Fox in Hollywood unterschrieb. Bereits sein erster Filmauftritt in The Valiant aus dem Jahr 1929 bescherte ihm seine erste Oscar-Nominierung in der Kategorie Bester Hauptdarsteller. Im selben Jahr zeigte er seine Wandlungsfähigkeit im Film Seven Faces, in dem er gleich sieben Figuren darstellte. In Hollywood nahm der Schauspieler statt Wiesenfreund den Künstlernachnamen Muni an, angelehnt an seinen Spitznamen „Moony“ aus Jugendzeiten.[5] Ab 1932 begann Muni für Warner Brothers zu drehen, wo er einige seiner größten Erfolge mit intensiven, charismatisch wirkenden Darbietungen feiern sollte.

Seine heute vielleicht bekannteste Darstellung bot er im Filmklassiker Scarface (1932) von Howard Hawks als vernarbter Gangster Antonio "Tony" Camonte, dessen Aufstieg und Fall im Gangstermilieu dem Zuschauer geschildert wird. Weitere Anerkennung erhielt er im selben Jahr für seine Darstellung der Hauptrolle in dem Gefängnisfilm Jagd auf James A.: Hier spielte Muni einen Mann, der unschuldig ins Gefängnis gerät, und aufgrund der Härte des Justizsystems schließlich selbst zum Verbrecher wird. Für Jagd auf James A. und den zwei Jahre später entstandenen Kriminalfilm In blinder Wut, in dem er unter Regie von Michael Curtiz einen osteuropäischen Einwanderer spielte, erhielt Muni seine zweite und dritte Oscar-Nominierung. Im selben Jahr wie In blinder Wut entstand auch das Arztdrama Dr. Socrates vom deutschen Regisseur William Dieterle, in dem Muni einen Arzt verkörpert, der in Probleme gerät, als er einen Gangster behandelt.

Muni (rechts) mit Victor McLaglen bei der 10. Oscarverleihung (1938)

Mit Regisseur Dieterle arbeitete Muni in der Folge auch bei drei Filmbiografien zusammen. Die erste dieser Filmbiografien, The Story of Louis Pasteur von 1936, zeigt Muni als Louis Pasteur, der zu einem Pionier auf dem neuen Gebiet der Impfung wird und gegen die althergebrachten Methoden seiner Kollegen ankämpft. Muni hatte sein Studio Warner, das ansonsten vor allem zeitgenössische Stoffe produzierte, persönlich für das Louis-Pasteur-Projekt überzeugt.[6] Schlussendlich gewann er im vierten Anlauf für Louis Pasteur den Oscar als Bester Hauptdarsteller, zudem den Darstellerpreis bei den Filmfestspielen von Venedig. Ihren Erfolg wiederholten Dieterle und Muni zwei Jahre später mit der Filmbiografie Das Leben des Emile Zola, in der Muni den Schriftsteller Emile Zola darstellte. Das Werk gewann den Oscar als Bester Film und Muni erhielt eine weitere Oscar-Nominierung. Im selben Jahr spielte er außerdem einen chinesischen Bauern in der Pearl-S.-Buck-Verfilmung Die gute Erde an der Seite seiner deutsch-jüdischen Kollegin Luise Rainer.

Die dritte Filmbiografie von Dieterle und Muni, Juarez, in dem er neben Bette Davis den Revolutionär Benito Juárez verkörperte, geriet hingegen 1939 zu einem finanziellen und nach vielerlei Ansicht auch künstlerischen Reinfall. Im selben Jahr verlängerte Muni seinen Vertrag mit Warner nicht, weil er vom Filmgeschäft müde war und Rollen ablehnte, die er für künstlerisch oder gesellschaftlich belanglos hielt.[2][5]

Spätere Karriere

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Munis spätere Filmauftritte beschränken sich aus diesem Grund auf wenige, ausgewählte Projekte. Unter anderem spielte er den Komponisten Joseph Elsner in dem Liebesdrama Polonaise (1945), einen von den Toten auferstandenen Gangster in der Schwarzen Komödie Angel On My Shoulder (1946) und einen versehentlichen Mörder in dem italienischen Drama Imbarco a mezzanotte (1951) unter Regie von Andrea Forzano. Seine letzte Filmrolle hatte Muni im Jahr 1959 in Der Zorn des Gerechten als alter jüdischer Arzt mit Prinzipien, der von einem Fernsehteam bei seiner Arbeit begleitet wird und so mit einer modernen, oberflächlichen Welt aufeinandertrifft. Hierfür erhielt Muni seine sechste und letzte Oscar-Nominierung. Im Laufe seiner Karriere war er in nur 22 Filmen aufgetreten, wobei er in all seinen Filmen stets die Hauptrolle spielte.

Ab den 1940er-Jahren war jedoch das Theater wieder das eigentliche Metier von Muni geworden und er spielte auf vielen prestigeträchtigen Bühnen. 1946 trat er am Broadway in Ben Hechts Theaterstück A Flag Is Born zusammen mit dem jungen, noch unbekannten Marlon Brando auf. Drei Jahre später war er, ebenfalls am Broadway, als alternder Winzerin dem Stück They Knew What They Wanted von Sidney Howard zu sehen. Seine letzte Broadway-Rolle hatte er ab 1955 in dem erfolgreichen Theaterstück Inherit the Wind, in dem er den Politiker und Anwalt Henry Drummond darstellte.[7] Hierfür wurde er 1956 mit dem Tony Award als Bester Hauptdarsteller ausgezeichnet. In der Verfilmung von Inherit the Wind, Wer den Wind sät, übernahm Spencer Tracy Munis Rolle. Zwischen 1948 und 1962 stand Muni auch vereinzelt für Fernsehproduktionen vor der Kamera und erntete 1959 eine Emmy-Nominierung. Aufgrund von gesundheitlichen Problemen, darunter einer lebenslangen rheumatischen Herzschwäche sowie einer zunehmenden Erblindung, zog er sich nach einem Gastauftritt in der Serie Saints and Sinners 1962 in den Ruhestand zurück.[5]

Paul Muni war von 1921 bis zu seinem Tod mit Bella Finkel (1898–1971) verheiratet.[8] Er starb 1967 im Alter von 71 Jahren an seiner Herzschwäche zurückgezogen im kalifornischen Montecito. Er und seine Frau sind auf dem Hollywood Forever Cemetery beigesetzt. Ein Stern auf dem Hollywood Walk of Fame erinnert an den Schauspieler.

Paul Muni (um 1920)

Oscars

  • 1930: Oscar-Nominierung in der Kategorie Bester Hauptdarsteller für The Valiant
  • 1934: Oscar-Nominierung in der Kategorie Bester Hauptdarsteller für Jagd auf James A.
  • 1936: Oscar-Nominierung in der Kategorie Bester Hauptdarsteller für In blinder Wut
  • 1937: Oscar in der Kategorie Bester Hauptdarsteller für Louis Pasteur
  • 1938: Oscar-Nominierung in der Kategorie Bester Hauptdarsteller für Das Leben des Emile Zola
  • 1960: Oscar-Nominierung in der Kategorie Bester Hauptdarsteller für Der Zorn des Gerechten

Weitere Auszeichnungen und Ehrungen

Commons: Paul Muni – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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  1. Philip Weisenfreund (1861-1913) – Find a Grave. Abgerufen am 22. Januar 2026.
  2. a b c Jüdische Rundschau :: 9 (73) September 2020 :: Eine jüdische Theater- und Filmkarriere: Paul Muni zum 125. Geburtstag. Abgerufen am 22. Januar 2026.
  3. Mount Hebron Cemetery. Abgerufen am 22. Januar 2026.
  4. Paul Muni – Broadway Cast & Staff | IBDB. Abgerufen am 22. Januar 2026.
  5. a b c Paul Muni | Research Starters | EBSCO Research. Abgerufen am 22. Januar 2026 (englisch).
  6. Frank Miller, Robert Osborne (2006): Leading Men: The 50 Most Unforgettable Actors of the Studio Era. Chronicle Books. S. 153–155. ISBN 978-0811854672
  7. Paul Muni – Broadway Cast & Staff | IBDB. Abgerufen am 22. Januar 2026.
  8. Paul Muni's Widow Dies. Abgerufen am 22. Januar 2025 (englisch).