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Paper Tiger

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Film
Titel Paper Tiger
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 2026
Länge 115 Minuten
Stab
Regie James Gray
Drehbuch James Gray
Produktion Rodrigo Teixeira, Raffaella Leone, Gary Farkas, Marco Perego, Carlo Salem, Andrea Bucko
Musik Christopher Spelman
Kamera Joaquín Baca-Asay
Schnitt Scott Morris
Besetzung
  • Scarlett Johansson: Hester Pearl
  • Miles Teller: Irwin Pearl
  • Adam Driver: Gary Pearl
  • Cindy Katz: Hesters Mutter
  • Gavin Goudey: Scott Pearl
  • Roman Engel Ben Pearl
  • Patrick Murney: Bob
  • Yavor Vesselinov: Alexei
  • Victor Ptak: Semion Bogoyavich.

Paper Tiger ist ein Thriller von James Gray. Der Film mit Scarlett Johansson, Miles Teller und Adam Driver feierte im Mai 2026 bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes seine Premiere, wo er im Wettbewerb um die Goldene Palme gezeigt wurde.

Im New Yorker Stadtteil Queens im Jahr 1986. Die Brüder Irwin und Gary verfolgen beide den amerikanischen Traum. Irwin ist mit Hester verheiratet. Ihr Sohn Scott wird bald 18 und steht kurz vor dem Beginn seines Studiums. Wie sein jüngerer Bruder Ben verehrt auch Scott ihren Onkel Gary, einen ehemaligen Polizisten, der inzwischen als Sicherheitsberater arbeitete und das genaue Gegenteil ihres technikbegeisterten Vaters ist. Gary fährt einen schicken Mercedes, trägt elegante Anzüge und hat stets eine Pistole bei sich.

Auch wenn Gary gut verdient, braucht er dringend Geld, denn er steckt mitten in einer Scheidung. Er will Irwin, der Ingenieur ist, für seine Geschäftsidee mit ins Boot holen. Der mit Schlamm und Abwasser verschmutzte Gowanuskanal in Brooklyn könnte saniert werden, und die Mafia will das anliegende Gebiet erschließen. Gary will diese gemeinsam mit seinem Bruder bei deren Vorhaben beraten.

Weil Irwin seinen Job besonders gewissenhaft erledigen will, nimmt er eines Nachts seine Jungs zu einer Exkursion an den Kanal mit. Es kommt zu einer Konfrontation mit Giftmüll entsorgenden Gangstern. Die gesamte Familie Pearl gerät fortan in Lebensgefahr. Die Familie wird terrorisiert und die Verbundenheit der Brüder auf die Probe gestellt.[1][2][3]

Regie, Drehbuch und Filmschnitt

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„Im Fall von Zeiten des Umbruchs waren es zu 98 Prozent faktisch-autobiografische Inhalte. Bei diesem Film sind es etwa 90 Prozent. Es ist also keine reine Autobiografie, aber doch sehr nah dran.“

Regisseur James Gray über die autobiografischen Bezüge in seinem Film[4]

Regie führte James Gray, der auch das Drehbuch schrieb. Wie bei Zeiten des Umbruchs finden sich auch in Paper Tiger nach Grays Aussagen zahlreiche autobiografische Elemente. Ein Teil der im Film erzählten Geschichte beruht auf einer Reise des Regisseurs in die Sowjetunion im Jahr 1984. Gray war damals als Student dort, und das Land war am Ende: „Nichts funktionierte mehr, und das Land begann zu begreifen, dass es sich in einem Zustand der Erstarrung befand. Genau in jener Zeit hielten Glasnost, Perestroika und die Einführung von Marktreformen Einzug in Russland, und die Risse im Gefüge der sozialistischen Diktatur begannen aufzubrechen.“ Ausgangspunkt in seinem Film sei ebenfalls der Moment, als der Markt zum Gott erhoben wird und in dem all jene moralischen und ethischen Komponenten unseres Verhaltens hinfällig werden: „Alles wird zur reinen Transaktion. Es gibt keine Vorstellung mehr von Gut oder Böse“, so Gray, und es gehe nur noch darum, so viel Geld wie möglich zu scheffeln. Diese Einstellung ist auch Teil seiner Biografie. Als Gray nach dem Tod der Mutter die Filmschule der USC besuchte, geriet sein Vater in rechtliche Schwierigkeiten, die schließlich dazu führten, dass ihm eine Haftstrafe drohte. Die Probleme seines Vaters seien einzig und allein auf seinen Ehrgeiz zurückzuführen, Unmengen an Geld zu scheffeln.[5]

Gray lässt seinen Film mit einem Zitat aus der Tragödie Agamemnon des griechischen Dichters Aischylos beginnen.[6] Nach Gray bringe dieses zum Ausdruck, dass das Streben nach Reichtum um seiner selbst willen ein sinnloses und bankrottes Ziel ist: „Wenn dieses Streben losgelöst ist von dem, was uns auf spiritueller und seelischer Ebene ausmacht, dann treiben wir völlig haltlos dahin.“ Die Grundidee des Films sei gewesen, zu zeigen, was geschieht, wenn man eine Familie nimmt und diese Familie dem Markt aussetzt, eine Sache, die sie letztlich zerreißt.[7]

Mit Filmeditor Scott Morris arbeitete Gray bereits für Zeiten des Umbruchs zusammen.

Besetzung und Dreharbeiten

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Miles Teller und Scarlett Johansson spielen Irwin und Hester Pearl, Alter Egos von James Grays Eltern
Miles Teller und Scarlett Johansson spielen Irwin und Hester Pearl, Alter Egos von James Grays Eltern
Miles Teller und Scarlett Johansson spielen Irwin und Hester Pearl, Alter Egos von James Grays Eltern

Für Adam Driver ist es die erste Zusammenarbeit mit Gray.[8] Er spielt den Ex-Polizisten Gary Pearl. Diese Figur beschreibt der Regisseur als eine Mischung aus zwei verschiedenen Personen, einerseits seines schon lange verstorbenen Onkels, andererseits dem Geschäftspartner seines Vaters.[9] In weiteren Hauptrollen sind Scarlett Johansson und Miles Teller als Garys Schwägerin Hester und sein Bruder Irwin Pearl zu sehen. Ursprünglich waren Anne Hathaway und Jeremy Strong hierfür vorgesehen.[10] Diese Rollen entsprechen Alter Egos von Grays Eltern.[3] In Zeiten des Umbruchs, mit dem der Regisseur eine explizit autobiografische Richtung einschlug, lauteten ihre Namen ganz ähnlich. Esther und Irving Graff waren hier die Eltern des Protagonisten, die von Hathaway und Strong gespielt wurden.[11][1] Gavin Goudey und Roman Engel spielen Hesters und Irwins Söhne Scott und Ben. Patrick Murney spielt den Büroleiter Bob, Yavor Vesselinov den Mafia-Boss Alexei und Victor Ptak den Gangsterboss Semion Bogoyavich.[1][11] Cindy Katz ist in der Rolle von Hesters Mutter zu sehen.[1] Das Casting übernahm Douglas Aibel.

Die Dreharbeiten fanden von Juni bis August 2025 in Denville in New Jersey statt.[12] Als Kameramann fungierte Joaquín Baca-Asay, mit dem Gray bereits für Two Lovers und Helden der Nacht – We Own the Night zusammenarbeitete.[13] Zu der Szene gegen Ende des Films, in der sich Adam Drivers Figur in einem Feld aus hohem Gras vor ein paar Schlägern versteckt, erklärte der Regisseur, als Kind hätte er sich mit seinem Bruder in einem Park in der Nähe von Howard Beach im hohen Gras verlaufen, genauer in Phragmites, einer Art hohem Unkraut. In New York, wo es eigentlich gar keinen Mais gibt, wachse lediglich dieses wuchernde Unkraut auf feuchtem Marschland. Man verliere darin sofort jegliche Orientierung, und daher sei es ein fantastischer Schauplatz für eine Schießerei.[14]

Filmmusik und Veröffentlichung

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Die Filmmusik komponierte Christopher Spelman, mit dem Gray bereits für Die versunkene Stadt Z, The Immigrant und Zeiten des Umbruchs zusammenarbeitete.[15] Er war der Latein-Lehrer des Regisseurs an einer Privatschule.[16]

Die Premiere des Films war am 16. Mai 2026 bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes.[17][18] Hier wurde einige Jahre zuvor auch Grays letzter Film Zeiten des Umbruchs vorgestellt.[19] Im Vorfeld sicherte sich das Independent-Filmstudio Neon die Rechte.[19] Mitte Juni 2026 wird er als Abschlussfilm des Sydney Film Festivals gezeigt.[20] Die internationalen Vertriebsrechte liegen bei The Veterans. Für Nordamerika liegen sie bei CAA Media Finance.[12] In den USA erhielt der Film ein R-Rating, was einer Freigabe ab 17 Jahren entspricht.[21]

Bei Metacritic erhielt der Film einen Metascore von 77 von 100 möglichen Punkten.[22] Von den bei Rotten Tomatoes aufgeführten Kritiken sind 83 Prozent positiv bei einer durchschnittlichen Bewertung mit 6,7 von 10 möglichen Punkten.[23]

Adam Driver spielt Gary Pearl

David Rooney beschreibt Paper Tiger in seiner Kritik für The Hollywood Reporter im Kern als einen Krimi-Thriller, gleichzeitig aber auch ein Familiendrama. Adam Driver sei im Film in seiner besten Rolle seit Langem zu sehen, und auch Scarlett Johansson sei noch nie so gut gewesen, insbesondere als sie gleichzeitig von Wut und markerschütternder Angst ergriffen wird, als sie von der Gefahr erfährt, der Irwin ihre Söhne ausgesetzt hat. Mike Teller erweitere sein schauspielerisches Spektrum ebenfalls in einer bewegenden Darstellung, in der Irwin mit Reue, Selbstvorwürfen, Desillusionierung über den Bruder, den er immer bewundert hat, und eiskalter Angst vor dem Schicksal seiner Familie zu kämpfen hat. Der Film sei packend und mit untrüglichem Gespür für den richtigen Ton inszeniert und von Christopher Spelmans grandios-unheimlichem, raumgreifendem Soundtrack untermalt. Es mangele nicht an dramatischen Höhepunkten, darunter eine finale Schießerei in einem Maisfeld, die ein Paradebeispiel für stetig steigende Spannung sei. Und das Ende treffe genau den richtigen Ton – tragisch und erlösend zugleich. Paper Tiger sei ein visuell beeindruckender Film, und Kameramann Joaquin Baca-Asay setze gekonnt auf eine düstere, raue Bildsprache, ohne dabei in zu sehr noir-artige Stilisierungen abzudriften. Filmeditor Scott Morris liefere eine kompakte Fassung von knapp zwei Stunden, die dennoch die Wirkung eines Epos entfaltet. Rooney musste beim Ansehen immer wieder an die frühen Kriminalfilme von Akira Kurosawa denken. James Gray und sein hervorragendes Ensemble präsentierten sich in Höchstform und beherrschten die Bühne in einem erschütternden Film.[1]

Auch Björn Becher bemerkt in seiner Kritik für Filmstarts, Paper Tiger sei ein im besten Sinne altmodischer Film. Nicht nur mit seiner detailgetreuen Ausstattung und den langsamen, kontrollierten Kamerabewegungen fessele das Geschehen, sondern auch dank eines grandiosen Adam Driver in einer charismatisch einnehmenden Performance und einer der besten Leistungen seiner Karriere. Gerade in diesem Thriller-Umfeld, das immer wieder mit seinen geschliffenen Dialogen Spannung erzeugt, sei es eine Wonne, die von ihm gespielte Figur zu beobachten. Dass James Gray das emotionale Schicksal der Mutter am Ende dann zugunsten der Thriller-Mechanik streckenweise opfert, verwehre Paper Tiger vielleicht den Sprung zum absoluten Meisterwerk, das sonst in so vielen Momenten durchscheint. Dennoch gelinge dem Regisseur ein packender, atmosphärisch dichter Brückenschlag zwischen seinen intimen Dramen und seinen frühen New-York-Thrillern.[3]

Owen Gleiberman erklärt in seiner Kritik für Variety, Paper Tiger sei eine spirituelle Fortsetzung von Zeiten des Umbruchs. Der Unterschied liege darin, dass Paper Tiger die beklemmende Kraft eines modernen New-Hollywood-Thrillers besitze. Während Zeiten des Umbruchs zwar in seinen Nebensächlichkeiten handwerklich brillant inszeniert, aber zu anekdotisch gewesen sei, sei Grays Regie inzwischen geschmeidiger und souveräner geworden. Er sei ein Meister darin, unterschwellige Familientraumata darzustellen. Trotz einiger Glaubwürdigkeitsprobleme gelinge es dem Regisseur, einen bei diesem amerikanischen Traum mitfiebern zu lassen, und man spüre, wie Gray versucht, der Geschichte dieser beiden Brüder und Irwins blinder Loyalität gegenüber Garys skrupellosen Machenschaften eine Art Lumet-Version einer griechischen Tragödie zu verleihen. Doch selbst Grays gekonnte Regiearbeit könne nicht verhindern, dass der Film in eine Mischung aus Grandiosität und Unglaubwürdigkeit abgleitet.[11]

Internationale Filmfestspiele von Cannes 2026

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 4 5 David Rooney: 'Paper Tiger' Review: Adam Driver, Scarlett Johansson and Miles Teller Deliver Big Time in James Gray’s Operatically Intense Crime Drama. In: The Hollywood Reporter, 16. Mai 2026.
  2. Stephanie Zacharek: Scarlett Johansson, Adam Driver, and Miles Teller Deliver a Tender Thriller in 'Paper Tiger'. In: time.com, 16. Mai 2026.
  3. 1 2 3 Björn Becher: Paper Tiger. In: filmstarts.de. Abgerufen am 18. Mai 2026.
  4. rollingstone.com
  5. rollingstone.com
  6. Pete Hammond: 'Paper Tiger' Review: Adam Driver, Miles Teller & Scarlett Johansson Find The Dark Side Of The American Dream In James Gray’s Riveting Crime Drama. In: deadline.com, 16. Mai 2026.
  7. rollingstone.com
  8. worldofreel.com
  9. rollingstone.com
  10. Scarlett Johansson, Miles Teller to join Adam Driver in 'Paper Tiger'. In: abcaudio.com. Abgerufen am 22. April 2026.
  11. 1 2 3 Owen Gleiberman: 'Paper Tiger’ Review: Miles Teller and Adam Driver Get Ensnared by the Russian Mob in a James Gray Film With More Atmosphere Than Plausibility. In: Variety, 16. Mai 2026.
  12. 1 2 Sophie Williams: Scarlett Johansson, Adam Driver & Miles Teller Spotted on Set of James Gray’s Paper Tiger in New Jersey. In: maxblizz.com, 4. Juni 2025.
  13. worldofreel.com
  14. rollingstone.com
  15. Christopher Spelman Scoring James Gray’s 'Paper Tiger'. In: filmmusicreporter.com, 15. Mai 2026.
  16. Stéphanie Chayet: James Gray's New York of underdogs and dreamers. In: Le Monde, 19. Mai 2022.
  17. 1 2 Cody Dericks: Additions To The 2026 Cannes Film Festival Official Selections. In: nextbestpicture.com, 22. April 2026.
  18. Rebecca Ford: Exclusive First Look: Adam Driver, Miles Teller, and Scarlett Johansson in Paper Tiger, One of Only Two American Films in the Cannes Competition. In: Vanity Fair, 11. Mai 2026.
  19. 1 2 Zac Ntim: Neon Acquires James Gray’s 'Paper Tiger'. In: deadline.com, 22. April 2026.
  20. https://www.filmfestivals.com/blog/editor/sydney_film_festival_announces_australian_premiere_of_paper_tiger_as_closing_night_film
  21. Paper Tiger. In: movieinsider.com. Abgerufen am 24. April 2026.
  22. Paper Tiger. In: Metacritic. Abgerufen am 26. Mai 2026.
  23. Paper Tiger. In: Rotten Tomatoes. Abgerufen am 26. Mai 2026.