Das heutige Wappen wurde im Wappenbuch von Gerold Edlibach im Jahr 1493 erstmals dargestellt. Der Wildeber oder Keiler stand damals für das Herrengeschlecht der Otelfinger. Das alte Dorfschild, eine goldene Garbe und eine grünbeblätterte Traube auf silbernem Grund, wurde durch den Beschluss der Gemeindeversammlung vom 23. Dezember 1928 durch den Eberkopf ersetzt.
Der Otelfinger Fritz Zollinger hat mit seiner Publikation «Saunettes, borstiges, interessantes, erstaunliches und unbekanntes Wildschwein» ein humorvolles Kompendium über das Wappentier verfasst.[6]
Die Wähleranteile bei der Nationalratswahl 2023 (in Klammern Veränderung zu 2019): SVP 36,92% (−0,20%), glp 19,02% (−2,05%), SP 13,5% (+1,88%), FDP 10,07% (+0,16%), Die Mitte 8,1% (+2,32%), Grüne 5,21% (−3,52%), EVP 3,65% (+1,02%), EDU 1,06% (−0,01%), andere (12) 2,48%.[12]
Otelfingen, historisches Luftbild von 1919, aufgenommen aus 400 Metern Höhe von Walter Mittelholzer
Otelfingen ist in der Beurteilung durch die Zürcher Kantonsarchäologie eines der wichtigsten vorgeschichtlichen Werk- und Siedlungsvorkommen des Kantons Zürich: Einerseits mit den bedeutendsten Silex-Abbaustellen von Lägernhornstein der Nordostschweiz im Pingenbau auf dem Weiherboden am Südhang der Lägern. (Dokumentierte Grabungen 1960er- bis 1980er-Jahre durch Zurbuchen, 1999 durch die Zürcher Kantonsarchäologie.) Andererseits mit zahlreichen Lesefunden von Silexmaterial und Schnurkeramik im grossflächigen Bereich des Golfplatzes im Ried 1999–2000 durch die Zürcher Kantonsarchäologie, die auch auf eine neolithische Besiedlung im Spätpaläolithikum bis zur Schnurkeramik hinweisen, älteste bis in die Horgener Phase 3340 bis 2910 v.Chr. Die Brandgrubenkomplexe der Fundstellen Trocknen und Riedholz wurden nach dendrochronologischen Analysen ins 8.Jahrhundert v.Chr. datiert. Eine Mulde auf der Flur Trocknen wird gemäss ihrem Gehalt an Fundmaterial der Nähe zu einer Siedlung zugeordnet, mit Funden sowohl aus dem Neolithikum als auch aus der Bronzezeit.[13] Zwei Fundschichten auf der Flur Bonenberg brachten bei Rettungsgrabungen schon 1993 und 1994 deutliche Spuren mittel- und spätbronzezeitlicher Besiedlung zutage, neben umfangreichen Keramikrelikten belegt durch zwei stattliche Bronzenadeln. «Bonenberg» ist ein weiterer Hinweis für die zunehmende Bedeutung von Landsiedlungen im Einzugsgebiet des Kantons Zürich in der zu Ende gehenden Bronzezeit.[14] Noch früher angesiedelt sind Otelfinger Fundstellen auf Trocken- oder Mineralböden, die bei Rettungsgrabungen im Jahr 2000 freigelegt wurden: Vorderdorfstrasse/Rötlerweg und Schmittengasse. Erstere aufgrund der Entdeckung durch den ortsansässigen U.Güller in einer Baugrube, beide von der Kantonsarchäologie ins Jungneolithikum datiert. Die Keramikfunde aus Keller- oder Vorratsgruben lassen sich mit Belegen aus Zürich-Mozartstrasse, -Seefeld und -Kleiner Hafner aus der Zeit 3900–3800 v.Chr. vergleichen. Nur vier Fundstellen horgenzeitlicher Gruben auf Mineralböden sind im Kanton Zürich bekannt. Die Dichte der Besiedlung in Otelfingen zu dieser Zeit wird mit den Silex- («Lägernhornstein»-)Abbaustellen an der Lägern in Verbindung gebracht.[15]
Aus markanter Brandeinwirkung entstandene, verziegelte Lehmbrocken wiesen 1995 bei Rettungsgrabungen an der Fundstelle «im Räche» in der Flur Lärenbühl auf einen eisenzeitlichen, quadratischen Lehmkuppelofen hin. In einer 6,5m² grossen Grube stand ein mit Ruten armierter Lehmofen, der dem Keramikbrand gedient hatte. Scherben von Töpfen und Schalen liessen eine Datierung in die späte Hallstatt- bis frühe Latènezeit (450 v.Chr.) zu und lassen die Nähe einer Siedlung vermuten.[16]
Ein 1995 bei einer ungeplanten Notgrabung zutage getretener, 5m breiter Prügelweg aus Erlen- und Eschenstämmen im Industriegebiet Lauet wurde dahin interpretiert, dass eine historische Strasse an dieser Stelle einen sumpfigen Bereich durchquerte. Sowohl die dendrochronologischen Analysen wie die Ausrichtung auf die im Westen in der Flur Libern im gleichen Jahr entdeckten 100m Kiesstrasse mit Unterbau liessen den Schluss zu, die Teilstücke der römischen Furttalstrasse zuzuordnen. Auf der Strasse lag zudem eine gut erhaltene Aucissafibel, welche die Datierung bestätigte.[17]
Otelfingen liegt im Furttal am Fuss der Lägern entlang des Dorfbachs, 15 km (Luftlinie) nordwestlich der Stadt Zürich und an der Grenze zum Kanton Aargau. Von der Gemeindefläche dienen 33,3% der Landwirtschaft, 37,2% sind mit Wald bedeckt, 7,0% sind Verkehrsfläche und 21,6% Siedlungsgebiet. 0,6% sind Gewässer und 0,4% unproduktive Fläche (Stand 2018).[18]
Otelfingen verfügt neben Regensberg als einzige Gemeinde des Bezirks Dielsdorf über einen Dorfkern, der ins kantonale Inventar der schutzwürdigen Ortsbilder aufgenommen ist. Zahlreiche frühneuzeitliche Riegelhäuser zeugen von einer ehemals wohlhabenden Bauernsame. Neben der reformierten Kirche aus dem Jahr 1607 mit dem prägnanten Glockenhelm ist die untere Mühle das auffallendste Gebäude im Dorfkern. Der ehemalige Mahlraum dient heute als Kulturzentrum, wo insbesondere klassische Konzerte dargeboten werden.
Otelfingen verfügt über ein Industriegebiet mit einigen international tätigen Industrie- und Technologiefirmen, darunter die im Jahr 1897 gegründete Maschinenbau-Firma Blumer.[19]
In den sechziger Jahren gab es Pläne, anstelle der Expo 64 in Otelfingen eine «neue Stadt» zu bauen, die 30'000 Menschen beherbergt hätte.[20] Initiant dieser Idee war unter anderem der Schriftsteller Max Frisch. Diese nach den damals neuesten architektonischen und soziologischen Erkenntnissen konzipierte Stadt wäre einerseits kompakt gewesen, hätte aber auch grosszügige Grünflächen und gute Verkehrsverbindungen gehabt. Gebaut wurde die Satellitenstadt jedoch nie, da der Widerstand zu gross war. Das Modell der «Furttalstadt» ist seit Oktober 2008 im Besitz der Hochschule für Technik Rapperswil.[21][22]
Anton Largiadèr: Die Gemeinde Otelfingen im Jahre 1785: nach dem Bericht von Fr. Sal. Nüscheler. In: Zürcher Taschenbuch, Band 73.1953. S. 62–80 (Digitalisat).
Regula Crottet, Anika Kerstan, Philipp Zwyssig: Der Bezirk Dielsdorf (=Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Neue Ausgabe. Band VII). Bern 2023.[23]
↑Heinz Gallmann:Zürichdeutsches Wörterbuch (=Grammatiken und Wörterbücher des Schweizerdeutschen in allg. verständl. Darstellung, begleitet vom Verein Schweizerdeutsch. BandIII). 1. Auflage. Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 2009, ISBN 978-3-03823-555-2, S.669.
↑Fritz Zollinger:Saunettes, borstiges, interessantes, erstaunliches und unbekanntes Wildschwein. Eigenverlag, Otelfingen 1998, ISBN 3-9521634-0-6.
↑Martin Illi:Otelfingen.In:Historisches Lexikon der Schweiz HLS.21.September 2010,abgerufen am 23.August 2026.
↑Patrick Nagy, Chantal Hartmann, Dorothea Spörri:1. Prospektionsprojekt Furttal, Chelenhalden, Otelfingen: Silexbergbau, Pingen; 2. Otelfingen–Rietholz: Bericht über die archäolog. Abklärungen im Rahmen eines Golfplatzes. In: Baudirektion des Kantons Zürich (Hrsg.): Berichte der Kantonsarchäologie. Nr.16. Fotorotar, Zürich/Egg ZH 2002, ISBN 3-905681-00-5, S.29–31,141–200.
↑Daniela Fort-Linksfeiler:Otelfingen-Bonenberg: Reste bronzezeitlicher Landsiedlungen. In: Baudirektion des Kantons Zürich, Kantonsarchäologie (Hrsg.): Berichte der Kantonsarchäologie Zürich. Nr.15. Fotorotar, Zürich/Egg ZH 2000, ISBN 3-905647-28-1, S.85–139.
↑Andreas Mäder:Siedlungsfunde des frühen 4. Jahrtausends v.Chr. aus Otelfingen. In: Baudirektion des Kantons Zürich, Amt für Raumordnung und Vermessung, Kantonsarchäologie (Hrsg.): Archäologie im Kanton Zürich. Nr.1. FO Print & Media, Zürich/Egg ZH 2009, ISBN 978-3-905681-45-1, S.29–64.
↑Markus Graf, Ruedi Hollenstein:Otelfingen–Lärenbühlstrasse: Lehmkuppelofen. In: Baudirektion des Kantons Zürich, Kantonsarchäologie (Hrsg.): Berichte der Kantonsarchäologie Zürich. Nr.14. Fotorotar, Zürich/Egg ZH 1998, ISBN 3-905647-88-5, S.195–200.
↑Bettina Hedinger, Fridolin Mächler, Ruedi Hollenstein:Otelfingen-Lauet und Otelfingen-Mattenstrasse: Römische Strasse. In: Baudirektion des Kantons Zürich, Kantonsarchäologie (Hrsg.): Berichte der Kantonsarchäologie Zürich. Nr.14. Fotorotar, Zürich/Egg ZH 1998, ISBN 3-905647-88-5, S.34–35.
↑Ernst Egli: Bericht zum Studienprojekt einer Neuen Stadt im Raume Otelfingen Kanton Zürich. In: Projekt einer Studienstadt im Raume Otelfingen im Furttal, Kt. Zürich, verfasst von der Fachgruppe B. 1958, S. 25.