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Orpheus Chamber Orchestra

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Das Orpheus Chamber Orchestra ist ein US-amerikanisches Kammerorchester aus New York, das ohne Dirigenten arbeitet.

Das Ensemble wurde 1972 von dem Cellisten Julian Fifer und weiteren Musikern gegründet.[1] In den ersten Jahren nach der Gründung war die Riverside Church ein wichtiger räumlicher und organisatorischer Bezugspunkt für die Arbeit des Orchesters.[1] 1978 trat das Orpheus Chamber Orchestra erstmals in der Carnegie Hall auf.[1] Bereits in den 1970er Jahren trat das Ensemble mit renommierten Solisten auf.[1] 1984 wurde das Ensemble von Deutsche Grammophon unter Vertrag genommen. Der Vertrag umfasste die Aufnahme eines breiten kammerorchestralen Repertoires.[1] Seitdem gilt das Orpheus Chamber Orchestra als international etabliertes Ensemble.[1] 1990 wechselte Julian Fifer aus der Rolle des mitwirkenden Cellisten in die Leitung als Executive Director des Orchesters.[1]

Arbeitsweise und Organisationsmodell

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Das Orpheus Chamber Orchestra musiziert ohne feste dirigierende Instanz. Stattdessen übernehmen die Musiker je nach Werk wechselnde Führungsrollen, darunter Konzertmeister- und Stimmführerfunktionen, und treffen interpretatorische wie organisatorische Entscheidungen innerhalb des Ensembles. In der Frühphase folgte die Arbeit einem stark basisdemokratischen Modell, bei dem Repertoire-, Personal- und Interpretationsfragen kollektiv entschieden wurden. In den 1980er Jahren entwickelte das Orchester schrittweise eine strukturiertere Organisationsform. Zentral war dabei die Einführung eines kleineren Leitungskreises („core“), der interpretatorische Fragen vorbereitet und konzeptionelle Entscheidungen vor Beginn der Gesamtproben bündelt. Die musikalische Führungsverantwortung bleibt dabei werkbezogen und wechselt innerhalb des Ensembles. Die besondere Arbeitsweise des Orchesters fand auch außerhalb des musikalischen Kontexts Beachtung. Sie wurde unter anderem in der Organisationsforschung, etwa durch den Organisationspsychologen Richard Hackman, als Fallbeispiel kollektiver Entscheidungsfindung untersucht und diskutiert.[1]

Die Stammbesetzung besteht aus folgenden Instrumenten

  • 10 Geigen
  • 3 Bratschen
  • 4 Celli
  • 1 Bass
  • 2 Flöten
  • 2 Oboen
  • 2 Klarinetten
  • 2 Fagotte
  • 2 Hörner

Einen Schwerpunkt der Tonträgerproduktion bildet das Repertoire für kammerorchestrale Besetzungen vom Barock bis zur Moderne. Einen großen Teil der Einspielungen veröffentlichte das Orpheus Chamber Orchestra bei Deutsche Grammophon; 2021 erschien dort eine Box mit den vollständigen DGG-Aufnahmen des Ensembles. Weitere Veröffentlichungen entstanden u. a. bei Nonesuch, Decca und Sony Classical, häufig in Zusammenarbeit mit Solisten.

Exemplarische Veröffentlichungen sind:

  • Complete Recordings on Deutsche Grammophon (Box, 2021). Am 20. August 2021 veröffentlichte Deutsche Grammophon die Box Complete Recordings on Deutsche Grammophon, eine Edition mit 55 CDs. Die Edition dokumentiert Aufnahmen vom Barock bis zur Moderne, darunter Werke von Haydn, Mozart, Beethoven sowie Strawinsky, Bartók und Copland.
  • Igor Stravinsky: Shadow Dances – Stravinsky Miniatures (Werke für Kammerorchester), Orpheus Chamber Orchestra, Deutsche Grammophon, 2000.
  • Wolfgang Amadeus Mozart: Klavierkonzerte KV 595 und KV 459, mit Richard Goode, Nonesuch, 2000
  • Antonio Vivaldi: The Four Seasons, mit Gil Shaham, Deutsche Grammophon, 1995
  • Creation, mit Branford Marsalis, Sony Classical, 2001
Commons: Orpheus Chamber Orchestra – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. a b c d e f g h James Traub: Passing the Baton. In: The New Yorker. 19. August 1996, ISSN 0028-792X (newyorker.com [abgerufen am 21. Januar 2026]).