Der französische Rennstall Oreca hatte seit seiner Gründung 1973 unter anderem als Partner mehrerer Automobilkonzerne in verschiedenen Rennklassen Erfolge erzielen können und gehörte zu den erfolgreichsten französischen Teams im internationalen Motorsport. Mitte der 2000er-Jahre nahm der Hersteller nach Übernahme von Courage Compétition auch die Konstruktion eigener Rennwagen auf und fertigte sowohl im Auftrag anderer Unternehmen als auch in Eigenregie selbst entwickelte Le-Mans-Prototypen. So entstanden neben zahlreichen weiteren Mustern mit den Oreca 03 bzw. Oreca 05 auch zwei LMP2, von denen insbesondere der 05 von 2015 als direkter Vorgänger des Oreca 07 angesehen werden kann. Er bildete die technische Grundlage für die Entwicklung des 07, der unter anderem in der Aerodynamik an zahlreichen Stellen überarbeitet sowie für den ab 2017 vorgeschriebenen Einheitsmotor angepasst wurde. Da das Fahrgestell selbst aber praktisch unverändert blieb, konnten Teams ihre 05 anhand von Oreca angebotener Upgradepakete kostengünstig auf den Stand des 07 umrüsten, wodurch Oreca viele Teams auch weiterhin an sich binden konnte.[2] Der neue Wagen wurde im Oktober 2016 erstmals auf einer Strecke getestet und stand pünktlich zum Motorsportjahr 2017 zur Verfügung.
Anfangs nur eines von vier homologierten Modellen für das ab 2017 gültige neue LMP2-Reglement konnte sich der Oreca 07 schnell etablieren und die konkurrierenden Muster Ligier JS P217, Dallara P217 und Riley-Multimatic Mk.30 in den folgenden Saisons aus den Startfeldern der wichtigsten Serien vollständig verdrängen. In der WEC und AsLMS treten die LMP2-Teams seit der Saison 2023 nur noch mit dem 07 an, in der IMSA seit 2022 und in der ELMS sogar schon seit 2020. Bis zum Jahresende 2025 gewannen diverse Teams in den genannten Meisterschaften über 30 Titel sowie zahllose Klassen- und – in Meisterschaften ohne die als Nachfolger der LMP1 übergeordneten Hypercars – auch Gesamtsiege.
Bis Juni 2025 hatte Oreca über 130 Exemplare des 07 ausgeliefert und kündigte im gleichen Jahr mit dem Oreca 09 den offiziellen Nachfolger für das neue, ab 2028 gültige LMP2-Reglement an.[3]
Blick auf das vordere Fahrgestell eines 07, die Verkleidung der Fahrzeugfront wurde entfernt
Das Monocoque des Oreca 07 besteht aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK), Aluminium-Wabenplatten und Seitenverkleidungen aus PBO.[4] Alle Fahrzeuge haben gemäß des Reglements ein geschlossenes Cockpit und der Heckflügel ist mit 1,80 m Breite im Vergleich zum Vorgänger um 0,20 m angewachsen, was zusätzlichen Anpressdruck und damit verbesserte Bodenhaftung am Fahrzeugheck ermöglicht. Standardmotorisierung der Wagen ist der vom Automobile Club de l’Ouest (ACO) vorgeschriebene GK428 von Gibson Technology, ein 4,2-Liter-Achtzylinder-Saugmotor, der durch ein sequenziell und halbautomatisch ohne Kupplungspedal geschaltetes Sechsganggetriebe von Xtrac Limited ergänzt wird.[5] Lag die angegebene Maximalleistung des Antriebs zur Markteinführung 2017 noch bei 600 PS bzw. 441 kW, wurde sie im Zuge von Reglementänderungen zur Saison 2020 zunächst auf 560 PS bzw. 412 kW[6] und schließlich 2023 auf den noch heute (Stand 2026) gültigen Wert von 535 PS bzw. 393 kW gesenkt.[7] Motor und Getriebe sind in der Fahrzeugmitte montiert, alle Oreca 07 sind hinterradgetrieben. Die Fahrzeuge verfügen über eine vom Fahrer am Lenkrad frei einstellbare Traktionskontrolle (TC), ein Antiblockiersystem (ABS) ist dagegen nicht vorhanden.[8]
Weitere Zuliefererteile stammen von Cosworth, die die elektronischen Systeme sowie das Lenkrad der Wagen fertigen,[9] und AP Racing, von denen die Bremsanlagen bezogen werden. Schmierstoffe, Reifen und Benzin werden in der Regel von den Rahmenpartnern der jeweiligen Rennserien bezogen, in denen die Oreca 07 eingesetzt werden, so beispielsweise in der WEC von Motul, Goodyear und TotalEnergies und in der IMSA von Pennzoil, Michelin und VP Racing Fuels.[4]
Aufgrund der grundlegenden technischen Nähe der ACO-LMP2 zu den IMSA-DPi und den späteren Nachfolgeklassen Le Mans Hypercar (LMH) und Le Mans Daytona h (LMDh) beauftragten mehrere Teams und Konstrukteure bei Oreca den Bau eigener Fahrzeuge auf Basis des 07. Das erste dieser Muster war der 2018 von Honda unter dem in Nordamerika verwendeten Markennamen Acura entwickelte Acura ARX-05, der anstelle des Gibson-Motors einen 3,5-Liter-Sechszylindermotor mit zwei Turboladern auf Basis eines Acura-Serienantriebs sowie eine neue Karosserie erhielt.[10]
Der Schweizer Rennstall Rebellion Racing ließ von Oreca ebenfalls 2018 den Rebellion R13 fertigen, ein für die übergeordnete Klasse LMP1 modifizierter 07, der später erneut modifiziert als Alpine A480 noch zwei Saisons als LMH absolvierte.[11][12] Alpine hatte bereits von 2017 bis 2020 einen Oreca 07 als Alpine A470 an den Start gebracht, dieser blieb aber technisch unverändert.[13] Gleiches gilt für den von 2019 bis 2022 von G-Drive Racing eingesetzten Aurus 01, der ebenfalls ohne Modifikationen unter dem Namen der russischen Automobilmarke Aurus gemeldet wurde.[14]