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Oliver Bienkowski

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Oliver Bienkowski mit Lichtstangen

Oliver Bienkowski (* 4. März 1982 in Kassel[1][2]) ist ein deutscher Lichtkünstler, Aktionskünstler, Webvideoproduzent und Influencer. Er ist zudem Gründer der PixelHELPER Foundation, kurz oft auch PixelHELPER oder Pixelhelper genannt, einem Künstlerkollektiv, das hauptsächlich als gemeinnütziger Verein auftritt. Die Initiative tritt vor allem durch systemkritische Posts in den sozialen Medien und zu gesellschaftsrelevanten Themen in Erscheinung.

Bekanntheit erlangte Bienkowski unter anderem durch die Errichtung eines Holocaust-Mahnmals in Marokko, seine Kritik an der Queerfeindlichkeit im Islam, seine Aktionen gegen rechtsextreme Politik und seine zeitweilige Teilnahme an der Initiative zur Rettung des Buckelwals Timmy. Des Weiteren führte er diverse Reverse Graffiti und Lichtprojektionen an öffentlichen Gebäuden und Einrichtungen aus, um auf gesellschaftliche Missstände und Probleme aufmerksam zu machen. Über eine die Botschaft der Vereinigten Staaten in Berlin betreffende Aktion, bei der kritisierende Parolen an deren Fassade projizierte, berichtete bereits 2014 das ZDF in seinem Format 37 Grad.

Sowohl seine Kunstprojekte als auch seine system- und gesellschaftskritischen Aktionen und Kunstprojekte sorgen immer wieder zu Kontroversen in Öffentlichkeit und Medien sowie zu polizeilichen Maßnahmen. So wurde unter anderem das von ihm errichtete Holocaust-Mahnmal in Marokko durch die lokalen Behörden zerstört.

Lichtprojektion ans Bundeskanzleramt 2019

Bereits 2008 begann Oliver Bienkowski mit der Kunstform des sogenannten Reverse Graffiti. Bekannt wurde dabei insbesondere seine Installation „Stadtglück“ in Kassel, die als eines der größten Reverse-Graffiti-Projekte Deutschlands gilt.[3] Im selben Jahr gründete Bienkowski das Künstlerkollektiv PixelHELPER Foundation. Dieses tritt in der Öffentlichkeit hauptsächlich als gemeinnütziger Verein auf, der sich für nachhaltige und soziale Projekte sowie gegen Faschismus und Rechtsextremismus einsetzt. Dabei werden besonders in der medialen Berichterstattung oder seinen eigenen Social Media Post auch die Abkürzungen PixelHELPER International, Pixelhelper oder PixelHELPER verwendet. Seit der Gründung war das Kollektiv an diversen kontroversen Kunstprojekten in Deutschland, Europa und Marokko beteiligt. Zudem betreibt Bienkowski zusammen mit seinem Kollektiv diverse Firmen in Deutschland und Marokko, darunter die PixelHELPER Rébellion GmbH und die PixelHELPER Foundation gGmbH, die beide in Sankt Goar registriert sind.[4][5]

2012 unterstützte Bienkowski den Tierlebenshof Nauen des Tier- und Naturschutzbundes Berlin-Brandenburg e. V. mit mehreren Roboterskulpturen seines Künstlerkollektivs PixelHELPER Foundation, deren Verkauf sowohl dem Tierlebenshof als auch der Organisation zugutekommen sollte.[6]

2014 sorgte Bienkowski mit einer eine Anti-NSA-Projektion auf der US-Botschaft in Berlin international für Aufmerksamkeit. Er projizierte mit seinem Verein PixelHELPER International Botschaften gegen Überwachung und Spionage an die Fassade der Botschaft der Vereinigten Staaten nahe dem Brandenburger Tor. Dabei stellte er einen Projektor hinter dem nahen Holocaust-Mahnmal auf und strahlte unter anderem den Schriftzug NSA is in da House an die Fasse des Botschaftsgebäudes. Die Aktion stand dabei im Zusammenhang mit den damaligen Enthüllungen über die NSA und führte sogar zu Reaktionen seitens des US-Außenministeriums. Über die Vorbereitung und Durchführung der Aktion berichtete am 9. Oktober 2015 das ZDF in der Sendung 37 Grad.[7][8]

Außerdem sorgte Bienkowski 2014 in Hamburg mit einer Protestaktion auf der Außenalster für Aufmerksamkeit. Von einem Tretboot aus plante er, mittels Lichtprojektion politische Botschaften gegen die Überwachung und die NSA auf das nahegelegene US-Generalkonsulat in Hamburg zu projizieren. Die Aktion wurde jedoch von der Polizei beendet und das Boot abgeschleppt.[9]

Darüber hinaus engagierte sich Bienkowski mit der Initiative „Wheels for Europe“ für humanitäre Hilfe und europäische Solidaritätsprojekte.[10]

Seit 2016 thematisierte Bienkowski zusammen mit seiner Initiative PixelHELPER International wiederholt Verbindungen zwischen islamistischem Extremismus und autoritären Strukturen im Nahen Osten. In diesem Zusammenhang verwies Bienkowski auch auf Berichte über eine sicherheitspolitische Zusammenarbeit zwischen Saudi-Arabien und Deutschland bei der Aufklärung islamistischer Anschläge. Solche Entwicklungen nutzt er seither immer wieder als Teil seiner politischen Kunstaktionen gegen Terrorismus, religiösen Extremismus und Antisemitismus. Dabei erstellte durch Reverse Grafitti eine Lichtinstallation, bei der die Botschaft von Saudi-Arabien in Berlin mit einer Regenbogenflagge bestrahlt wurde.[4][11]

Im Jahr 2019 errichte Bienkowski nahe der Stadt Marrakech in Marokko ein Holocaust-Mahnmal. Ziel dieses Projekts war es nach eigenen Angaben, auf antisemitische und faschistische Tendenzen sowohl innerhalb islamistischer Strömungen als auch im politischen Rechtsextremismus Europas, insbesondere bei der AfD, aufmerksam zu machen. Als Standort wählte er bewusst Marokko, da sich dort bis in die 1950er Jahre die größte jüdische Gemeinde der arabischen Welt befand. Im Jahr 2020 wurde das Mahnmal schließlich durch die marokkanischen Behörden abgerissen, da laut Behörden keine offizielle Baugenehmigung vorgelegen habe, obwohl Bienkowski behauptete, die Behörden zuvor ausreichend informiert über sein Vorhaben informiert zu haben. Seine Projekte sorgen immer wieder für Kontroversen. So International sorgte das Projekt für Aufmerksamkeit und Kontroversen. Während einige das Vorhaben als ungewöhnlichen Versuch deutsch-marokkanischer Erinnerungskultur betrachteten, kritisierten andere die fehlende Genehmigung sowie die provokative Aktionsform von PixelHELPER International. Bienkowski kündigte daraufhin an, das Denkmal erneut errichten zu wollen, und sprach von einem politischen Signal gegen das Vergessen des Holocaust.[4][12][13]

Ebenfalls war Bienkowski 2019 an einer Lichtinstallation der Wikimedia Foundation beteiligt, bei der der Schriftzug Keine Uploadfilter! Stehen sie zum Koalitonsvertrag! an das Gebäude des Bundeskanzleramts in Berlin projiziert wurde. Mit dieser Aktion sollte auf die Gefahren und Risiken durch sogenannte Uploadfilter in sozialen Medien aufmerksam gemacht werden.

Seit den 2020er Jahren teilt Bienkowski zunehmend KI-generierte Bilder und Videos, in denen er vor allem Gebäude des islamischen Raumes, insbesondere die Kaaba in Mekka in eine Regenbogenflagge einhüllt oder Muslime und Musliminnen eine Parade zum Christopher Street Day abhalten. Damit soll auf die homophobe Haltung des Islam aufmerksam gemacht werden.[14] Am 27. Dezember 2020 organisierte er einen Gospelchor, der für die Befreiung von Julian Assange sang, das Video darüber ging auf den sozialen Medien viral.[15]

Auf der 15. documenta in Kassel im Jahr 2022 trat Bienkowski mit einer öffentlichkeitswirksamen Installation in Erscheinung, in der er Kritik an der Ausstellung und ihren Verantwortlichen äußerte. Die Installation umfasste eine Lichtprojektion auf dem Gelände sowie den Nachbau der Kaaba mit Regenbogenflagge auf dem Friedrichsplatz in Kassel. Dabei warf er der documenta unter anderem vor, antisemitische und homophobe Inhalte nicht ausreichend zu adressieren und zu kritisieren. Es wurden projizierte Parolen gezeigt, in denen dem indonesischen Kuratorenkollektiv ruangrupa Antisemitismus und Homophobie vorgeworfen wurden. Die documenta bezeichnete die Aktion als „geschmacklos“ und „diffamierend“. Seine Initiative PixelHELPER behauptete hingegen, man sei bewusst provokativ, weil man sonst nicht ausreichend Aufmerksamkeit auf die Thematik und die geäußerte Kritik lenken könne.[14][16][17]

Im April 2026 schloss sich Bienkowski der Rettungstaktion um den Buckelwal Timmy an, die von Mediamarktgründer Walter Gunz initiiert wurde. Dabei initiierte er in Anlehnung an den Hashtag Je suis Charlie den Hashtag Je suis Timmy. Anschließend reichte er zusammen mit seinem Verein PixelHELPER Foundation und der Bürgerinitiative Stoppt die A 1 den ersten erfolgreichen Eilantrag beim Landgericht Schwerin ein, mit dem Kritik am Vorgehen im Umgang mit dem Buckelwal geäußert wurde. Parallel wurden bereits Geräte zur Walrettung organisiert. Dadurch standen bereits während der Prüfung des Antrags ein Amphibienfahrzeug und Bagger in unmittelbarer Nähe zum gestrandeten Wal bei Poel. Weitere Fahrzeuge trafen abends ein und wurdern von der Insel verwiesen. Als Hinweise aufkamen, dass sich AfD-nahe Personen der Initiative anschlossen, und Gunz sich weigerte, in Vorkasse zu gehen, zogen Bienkowski und seine Organisation allerdings seinen Eilantrag zurück und beteiligten sich nicht an der weiteren Rettung. Dieser Rückzug wurde insbesondere in den Sozialen Medien mit gemischten Gefühlen aufgenommen, wobei besonders die Formulierung, man wolle „den Wal für die Demokratie sterben lassen“ besonders negativ aufstieß. Vor allem seine nachfolgende Kritik an Fleisch- und Fischindustrie sowie an der Ausschlachtung der Thematik in Kreisen der AfD sorgte für zahlreiche Kontroversen. Inzwischen verwendet er die Kontroverse rundum den Buckelwal, um auf die Instrumentalisierung von gesellschaftlich relevanten Themen durch rechtsextreme Politiker und Gruppierungen aufmerksam zu machen.[2][18][19]

Bienkowski ist Mitglied bei der den Freimaurern angehörenden Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland in Meerbusch bei Düsseldorf.[20] Er lebt in Düsseldorf, Nordrhein-Westfalen.[1] Sein Verein PixelHELPER ist in Köln registriert.

Die Kunstprojekte und medienwirksamen Aktionen von Oliver Bienkowski werden in Medien regelmäßig kontrovers diskutiert und rezipiert. Insbesondere die Tätigkeiten des von ihm gegründeten Kollektivs PixelHELPER bewegen sich nach Einschätzung verschiedener Beobachter häufig an der Schnittstelle von Aktionskunst, politischem Aktivismus und öffentlicher Provokation. Wiederholt lösten Aktionen Debatten über die Grenzen politischer Kunst, Erinnerungskultur sowie die Legitimität öffentlichkeitswirksamer Protestformen aus. Besondere Aufmerksamkeit erhielt PixelHELPER durch Lichtprojektionen mit politischen Botschaften an öffentlichen Gebäuden und symbolträchtigen Orten.[21]

Auch andere Projekte wurden kontrovers diskutiert. So kritisierte der Journalist Alan Posener in Die Welt mehrere von PixelHELPER initiierte Protestaktionen als Form der Selbstinszenierung und stellte deren politischen Nutzen infrage.[22] Diese Debatte wurde insbesondere auch im Zusammenhang mit den Aktionen rundum Buckelwal Timmy geführt, wobei Bienkowski und PixelHELPER unterstellt wurde, den Leidensweg des Tieres nur für die eigene PR zu missbrauchen. Dabei wurde besonders negativ aufgenommen, als sich die Initiative nach einer groß angelegte Kampagene mit der Begründung zurückzog, man wollte den Wal nun für die Demokratie sterben lassen, da Personen aus dem rechtsextremen Spektrum an der gemeinsamen Rettungsaktion beteiligt waren.[2][18][19]

Befürworter sehen in den Aktionen hingegen eine zeitgenössische Form politischer Interventionskunst, die gezielt mediale Aufmerksamkeit erzeugen und gesellschaftliche Debatten anstoßen soll. Die Lichtprojektionen und öffentlichkeitswirksamen Kampagnen gelten als charakteristisches Merkmal der Arbeit von PixelHELPER und Oliver Bienkowski.[21]

Quellen und Einzelnachweise

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  1. 1 2 Oliver Bienkowski. In: EverybodyWiki. Abgerufen am 11. Mai 2026.
  2. 1 2 3 Multimillionär will Wal vor Bio-Diesel-Schicksal bewahren. In: Blick. Abgerufen am 5. Mai 2026.
  3. Reverse Graffiti. In: Graffiti Blog. Abgerufen am 11. Mai 2026.
  4. 1 2 3 Erfolge. In: PixelHELPER Foundation. Abgerufen am 12. Mai 2026.
  5. PixelHELPER Rébellion GmbH, St. Goar. In: Webvalid. Abgerufen am 2. Juni 2026.
  6. Lichtkünstler Oliver Bienkowski unterstützt den Tierlebenshof Nauen. In: Tier- und Naturschutzbund Berlin-Brandenburg e. V. Abgerufen am 12. Mai 2026.
  7. Anti-NSA Message Projected on US Embassy in Berlin Draws State Dept. Comment. In: ABC News. Abgerufen am 10. Mai 2026.
  8. 37 Grad Jung radikal PixelHELPER NSA in da House. In: YouTube. Abgerufen am 10. Mai 2026.
  9. Polizei schleppt Lichtkünstler im Tretboot von der Alster ab. In: Hamburger Abendblatt. 11. April 2014, abgerufen am 10. Mai 2026.
  10. Oliver Bienkowski mit Lichtstangen. In: freimaurerei.de. Abgerufen am 11. Mai 2026.
  11. Saudi Arabia 'offers to help Germany in terror investigations'. In: The New Arab. Abgerufen am 7. Mai 2026.
  12. Kurioser Streit um zerstörtes Holocaust-Mahnmal in Marokko. In: Deutsche Welle. Abgerufen am 7. Mai 2026.
  13. PixelHELPER will das Holocaust-Mahnmal in Marokko wieder aufbauen. In: Israelnetz. Abgerufen am 7. Mai 2026.
  14. 1 2 Eine Regenbogen-Kaaba für den Kasseler Friedrichsplatz. In: queer.de. Abgerufen am 7. Mai 2026.
  15. Tweet von WikiLeaks vom 27. Dezember 2020. In: X (ehemals Twitter). Abgerufen am 30. Mai 2026.
  16. Kunstattacke auf documenta. In: Hessische/Niedersächsische Allgemeine (HNA). Abgerufen am 5. Mai 2026.
  17. PixelHELPER-Lichtaktion contra documenta. In: Kunstforum International. Abgerufen am 30. Mai 2026.
  18. 1 2 Buckelwal vor Poel gestrandet: Das Wal-Drama wird immer grotesker. In: Focus Online. Abgerufen am 5. Mai 2026.
  19. 1 2 Irrer Streit: Verein will Ostsee-Wal „für die Demokratie sterben lassen“. In: Merkur.de. Abgerufen am 7. Mai 2026.
  20. Oliver Bienkowski mit Lichtstangen. In: freimaurerei.de. Abgerufen am 10. Mai 2026.
  21. 1 2 PixelHELPER-Lichtaktion contra documenta. In: Kunstforum International. Abgerufen am 30. Mai 2026.
  22. Alan Posener: Früher exportierten wir Antisemitismus, heute Holocaust-Denkmäler. In: Die Welt. Abgerufen am 30. Mai 2026.