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Offshoring

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Der englische Begriff Offshoring[1] – deutsch Auslandsverlagerung[2][3] – bezeichnet eine Form der Verlagerung unternehmerischer Funktionen und Prozesse ins Ausland. Offshoring ist das Gegenteil von Onshoring.[4]

Ein weiterer Begriff nach dem Steuerrecht ist auch die Funktionsverlagerung.

Auslöser für eine Offshoring-Entscheidung sind in der Regel die im Ausland günstigeren politischen oder wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, insbesondere bei den Arbeitskosten, Abgaben oder Energiekosten. Man spricht auch von den sogenannten Standortbedingungen. Der Begriff „Offshoring“ hat in Europa und anderen Teilen der westlichen Welt insbesondere aufgrund der Problematik von Arbeitsplatzverlagerungen in osteuropäische sowie asiatische Länder eine negative Deutung erhalten. Dieses Thema ist auch im Kontext der Deindustrialisierung relevant.[5][6][7]

Aus Sicht der Industrie oder eines Unternehmens gibt es verschiedene Gründe für eine Gründung oder Auslagerung in anderen Ländern, z. B. die Steuerpolitik, die Wirtschaftspolitik bzw. Industriepolitik, oder die Nähe zu Märkten und Kunden. In diesem Kontext spielen die sogenannte Fertigungsdienstleister eine signifikante Rolle, da sie einheimischen Unternehmen die Möglichkeit der Produktion im Ausland anbieten bzw. diese teilweise vollständig ausüben. Der Schutz des geistigen Eigentums (vgl. Patentrecht) ist eine weitere kritische Größe, sowie die Lieferketten und Zulieferindustrie.

Neben multinationalen Konzernen und großen Firmen nutzen auch mittelgroße Unternehmen Offshoring. Der Umfang der ausgelagerten Tätigkeiten oder Funktionen geht von einzelnen Teilen bis hin zu vollständigen Abteilungen und Betriebsstandorten. Man unterscheidet jedoch, (1) ob die Produktion ausgelagert wird (vgl. Fertigungsdienstleister), oder (2) ob das Unternehmen im Ausland eine eigene (als Besitzer oder Anteileigner) Produktion mit günstigen bzw. geeigneten Bedingungen betreibt, oder (3) ob spezielle Aktivitäten oder Tätigkeiten oder Arbeitsumfänge, z. B. die Entwicklung, die Qualitätssicherung, u. dgl. (im Zuge eines Outsourcing) ausgelagert werden. Typischerweise versuchen die Auftraggeber, d. h. Unternehmen die auslagern, ihre sogenannte Kernkompetenz zu behalten und zu stärken, wobei die Bedeutung der Inhalt sich von Fall zu Fall unterscheiden kann.

Die Offshoring-Standorte befinden sich häufig in sogenannten Schwellenländern oder Drittstaaten mit vergleichsweise niedrigem Lohnniveau (auch Niedriglohnländer genannt). Deutsche und andere produzierende Unternehmen verlagern bzw. investieren seit Jahrzehnten hauptsächlich nach Osteuropa und Asien (vgl. auch die Tiger-Staaten); nicht unbeachtlich ist aber auch das Outsourcing in andere Länder, innerhalb oder außerhalb der EU bzw. des EEA.[8]

Ein andere Form des Offshoring ist die Gründungen und Versteuerung in Ländern mit niedrigen oder attraktiven Steuersätzen für Unternehmen (beispielsweise die Staaten oder Länder Delaware, Dubai, Luxemburg oder Schweiz). Siehe dazu auch das OECD-Programm Gewinnverkürzung und Gewinnverlagerung (BEPS) und Briefkastenfirma.

Das Thema Offshoring steht in engem Zusammenhang mit der Globalisierung und expansion der weltweiten Logistik seit den 1990er Jahren (vgl. Ende der Sowjetunion), der neuen Wirtschaft und anderen Entwicklungen, beispielsweise der digitalen Revolution. Eine weitere Rollen spielen übergeordnete Handelsabkommen wie Freihandelsabkommen, Wirtschaftsräume usw.

Siehe auch die Entwicklungen weiter unten.

Abgrenzungen und Definitionen

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Der Begriff Offshoring lässt sich in Abgrenzung zu den Begriffen Outsourcing, Nearshoring, Onshoring oder Reshoring unterschiedlich definieren.[9]

Offshoring vs. Insourcing/Outsourcing

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Offshoring bezeichnet die geographische Verlagerung unternehmerischer Funktionen, während Insourcing/Outsourcing eine organisatorische Verlagerung bezeichnet. Die Verlagerung unternehmerischer Funktionen ins Ausland kann innerhalb eines Unternehmens stattfinden (sogenanntes internes oder captive Offshoring, auch Insourcing zu einer ausländischen Einheit genannt[10]) oder die Funktionen können an ein unabhängiges Unternehmen im Ausland ausgelagert werden (sogenanntes Offshore Outsourcing, auch Outsourcing zu einer ausländischen Einheit genannt[10]). Neben diesen beiden reinen Offshoringformen gibt es eine Bandbreite von Zwischenformen wie zum Beispiel Joint Venture (JV) mit einheimischen Partnern im Ausland.

Farshoring vs. Nearshoring

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Oft findet sich auch eine zusätzliche geografische Eingrenzung des Begriffs Offshoring; als Farshoring werden einschränkend nur Verlagerungen in weit entfernte Länder (von Europa aus gesehen hauptsächlich Länder in Amerika oder Asien) verstanden. Davon abzugrenzen ist das Nearshoring, das Verlagern von Aufgaben und Funktionen in nahe gelegene Länder. Nearshoring wird in Europa oftmals als sinnvolle Alternative zum Farshoring betrachtet. Aus Sicht der deutschsprachigen Länder kommen hierfür insbesondere die Länder der EU-Osterweiterung infrage. Geringe kulturelle Abweichungen, die geographische Nähe und die minimale Zeitverschiebung sind nur einige Vorteile dieser Länder.

Offshoring vs. Onshoring

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Unter Onshoring versteht man zwei Fälle,

  1. das Auslagern von Produktion oder Dienstleistungen innerhalb des Herkunftslandes des Auftraggebers. Als Beispiel kann man eine Autofabrik heranziehen, die Türen von einem anderen Unternehmen bezieht, das sich in derselben Stadt befindet. Diesen Fall bezeichnet man jedoch als Nearshoring;
  2. die Anlagerung von nationaler Produktion statt im Ausland, d. h. die teilweise geförderte (vgl. Subventionen) oder erzwungene (vgl. Policy) Maßnahme, internationale Unternehmen im eigenen Land anzusiedeln und produzieren zu lassen.

Offshoring bezieht sich immer auf das Ausland. Onshoring bezieht sich auf das Inland, d. h. das ansiedeln oder zurückholen in das eigene Land.

Motive für Offshoring

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Die Motive für Offshoring lassen sich grob in betriebswirtschaftliche, politisch-rechtliche, technisch-logistische und steuerliche Motive unterteilen (siehe auch: Harte und weiche Standortfaktoren.). Im Einzelnen kommen hier in Betracht:[11]

Branchen und Zielländer

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Im Folgenden wird nur ein Überblick über die Industrien und Länder gegeben, die für eine Auslagerung infrage kommen. Diese Auswahl erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Korrektheit, da das Thema sehr umfangreich ist und sich nicht pauschal erfassen lässt.

Energieintensive Unternehmen

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Dazu zählen Energieproduzenten (Strom) sowie die Chemieindustrie oder die Petroindustrie.[12] So hat beispielsweise die BASF in China eine rund 10 Mrd. Euro teure Anlage in Zhanjiang eröffnet.[13][14] Diese Entscheidung wurde umfangreich in den Medien diskutiert und wird sogar in der nationalen Sicherheitsstrategie 2025 der Administration Trump (ohne ein spezielles Unternehmen beim Namen zu nennen[15]) genannt. Dabei spielt der Taiwan-Konflikt eine übergeordnete Rolle. Es wurde in Deutschland ein Stellenabbau angekündigt.[16] Ende 2025 wurden jedoch neue Investitionen für die Anlage bzw. das Stammwerk Ludwigshafen angekündigt.[17]

Pharmaindustrie

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Diese Industrie lagert im Sinne einer Contract Manufacturing Organization (CMO) ihre Tätigkeiten aus. Es findet jedoch auch in Deutschland die Produktion von Arzeimitteln oder anderen biochemisch-pharmazeutischen Produkten einschließlich Endabfertigung statt, z. B. durch Unternehmen wie Vetter Pharma, oder Daiichi Sankyō in Pfaffenhofen oder der neue Produktionsstandort von Eli Lilly in Alzey.[18][19]

Halbleiter, Software und IT

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In der Computerbranche oder IT-Industrie (auch als die ICT-Industrie bekannt, von Informations- und Kommunikationstechnik), einem historisch klassischen Industriezweig für das Auslagern, wird der Begriff „Offshoring“[20][21] oder „Outsourcing“[22] oftmals im Zusammenhang mit den Standorten von Servern (vgl. Rechenzentren oder Serverfarmen) oder Services (z. B. Servicecenter oder die Entwicklung von Produkten im Sinne eines Outsourcing) verwendet. Dabei beruht die Entscheidung für diese Verlagerung meist auf einer bestimmten Rechtslage oder Politik oder Personalfragen eines Staates, die das eigene Vorhaben begünstigt.[23]

Im Bereich der Software-Entwicklung sind die Transportkosten extrem gering, und Ergebnisse können theoretisch in kürzester Zeit über das Internet verschickt werden. In diesem Bereich werden vielfach Tätigkeiten der Programmierung und Wartung, aber auch das Projektmanagement ins Ausland verlagert.[24]

Ein häufig genanntes Beispiel für das Offshoring ist die Auslagerung der IT-Tätigkeiten nach Indien, wo in Metropolen wie Bengaluru u. a. zahlreiche Anbieter von IT- oder Entwicklungsdienstleistungen (z. B. Covansys, Infosys, Wipro Technologies, Tata Consultancy Services (TCS), NIIT Technologies), aber auch Töchter von US-amerikanischen (unter anderem IBM und Microsoft) und europäischen Unternehmen (unter anderem SAP und Siemens) angesiedelt sind.[25]

Die Halbleiterindustrie ist eine weitere klassische Branche, die ihre Produktionskapazitäten seit den 1990er Jahren im asiatischen Wirtschaftsraum (vgl. Tigerstaaten) etabliert hat. Neben dem sogenannten Fabless-Geschäftsmodell spielen auch hier eine Vielzahl von Standortfaktoren eine gewisse Rolle für die Verlagerung. In der Branche kommt es jedoch seit den 2020er Jahren zu verschiedenen Krisen, auch bekannt als Chipkrise, beispielsweise im Zusammenhang mit der Sicherheit im Taiwan-Konflikt.

Forschung und Entwicklung

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Die Situation des Auslagerns verschärft sich, da ab etwa den 2010er und speziell 2020er Jahren (vgl. die wirtschafts-sicherheitspolitischen Konsequenzen der Coronapandemie und des Russisch-Urkainischer Kriegs) nicht nur die Produktion verlagert wird, sondern auch hochqualifizierte oder -bezahlte Positionen, wie sie in der Forschung und Entwicklung (F&E) zu finden sind, in den Bereich des Offshoring fallen.[26] Hier spielen, neben Personalkosten, Argumente wie der vielseitig diskutierte Fachkräftemangel eine gewisse Rolle.

Zunehmend profiliert sich auch die Volksrepublik China als Offshoring-Land. Mittlerweile gehen die Anbieter von IT-Dienstleistungen auch dazu über, eigene Niederlassungen in den Hochlohnländern aufzubauen, um Aufträge zu akquirieren, die dann in den Heimatländern ausgeführt werden. In Deutschland haben sich spezialisierte Dienstleister ausgebildet, die das Offshoring für die produzierende Industrie übernehmen.

Bedeutung und Kennzahlen des Offshoring

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Im Vergleich mit den USA und Großbritannien ist das Offshoring in Deutschland bislang relativ schwach ausgeprägt, was nicht zuletzt auf die Sprach- und Kulturbarrieren zurückzuführen ist: da Englisch in Indien eine der Amtssprachen ist, bestehen hier Vorteile für die Akquisition von Aufträgen aus angloamerikanischen Ländern.

Das McKinsey Global Institute schätzt aufgrund von Studien, dass im Jahre 2003 ca. 1,5 Mio. Dienstleistungsjobs von entwickelten Ländern abgewandert sind. Diese Zahl soll sich bis 2008 auf 4,1 Mio. erhöhen. Um diese Zahlen in den richtigen Kontext zu setzen, sei darauf hingewiesen, dass alleine in Amerika pro Monat über 4 Mio. Menschen ihren Arbeitsplatz wechseln. Darüber hinaus zeigen Untersuchungen der OECD, bei denen die Exporte von Dienstleistungen als Schätzungsgrundlage dienen, dass drei Länder der zehn Spitzenreiter zur heutigen EU gehören. Das soll zeigen, dass es in Europa auch starke Tendenzen gibt, Offshoring innerhalb von Europa zu betreiben. Trotzdem könnten nach Schätzungen der OECD bis zu 20 Prozent der Arbeitsplätze in den 15 EU-Ländern vor der Expansion, in USA, Kanada und Australien durch Offshoring verloren gehen.

Die Erfassung der internationalen Verlagerungstätigkeiten aus Deutschland beruht weithin auf Schätzungen. Für das Berichtsjahr 2006 veröffentlichte das Statistische Bundesamt 2008 im Rahmen einer freiwilligen Piloterhebung erstmals eine Bestandsaufnahme zur Auslandsverlagerung, und für das Berichtsjahr 2016 beteiligte es sich an einer von Eurostat koordinierten europaweiten Sondererhebung, deren Ergebnisse 2019 veröffentlicht wurden. Einer Studie zu Unternehmen, die zwischen 2014 und 2016 wirtschaftliche Aktivitäten aus Deutschland in das Ausland verlagert haben, reicherte die Daten der Sondererhebung des Berichtsjahrs 2016 mittels Mikrodatenverknüpfung um zusätzliche Strukturmerkmale an. Als Ergebnis dieser Studie wurde der Beschäftigungsabbau durch Auslandsverlagerungen in diesem Zeitraum für „eher moderat“ befunden. Zugleich wurde ein Ansatz zur Charakterisierung verlagernder Unternehmen vorgestellt, um „mithilfe vorab verfügbarer Einzeldaten unterschiedlicher Unternehmensstatistiken Unternehmen zu identifizieren, die mit einer höheren Wahrscheinlichkeit Verlagerungsaktivitäten aufweisen“, was es ermöglichen sollte, derartige Unternehmen in künftigen Stichprobenerhebungen gezielt zu befragen.[27]

Im März 2024 erklärte die Politikerin Franziska Brantner auf eine Anfrage hin, dass „keine aktuellen Daten aus der amtlichen Statistik zur Abwanderung von Unternehmen ins Ausland“ vorliegen.[28]

Bewertung des Offshoring

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In der wirtschaftlichen Betrachtung werden unter anderem Arbeitskostenersparnisse, der Zugriff auf qualifiziertes Fachpersonal und die Ausnutzung der Zeitverschiebung als Vorteile des Offshoring verstanden. Gleichzeitig schafft Offshoring auch neue Kosten und Risiken: erhöhter Administrations- und Kommunikationsaufwand, interkulturelle Missverständnisse, infrastrukturelle Defizite und viele weitere Faktoren können je nach Art der verlagerten Unternehmensfunktion die Vorteile des Offshorings schmälern oder gar überkompensieren. Insbesondere ist auf das Controlling des Zulieferbetriebs zu achten.[29] Wurde die wirtschaftliche Bewertung eines Offshoring Vorhabens in der Vergangenheit oft mit externen Beratern (auch bekannt geworden als „Sourcing Advisors“[30] oder Beschaffungsberater) erarbeitet, gibt es inzwischen online Werkzeuge zur Simulation der Wirtschaftlichkeit.[31]

In der Zusammenarbeit mit indischen IT-Dienstleistern verweisen Kenner der Materie auf folgende häufig anzutreffenden Probleme: erheblich längere Durchlaufzeiten, mangelnde Termintreue und Arbeitsqualität, hoher Erläuterungsbedarf bei der Vergabe von Aufgaben, hohe Personalfluktuation, Mangel an Projektleitern, verspätete Benachrichtigung der Auftraggeber bei Problemen und nicht eingehaltene Zusagen. Umgekehrt kritisieren indische IT-Dienstleister an ihren Auftraggebern in Übersee oft unpräzise oder missverständliche Arbeitsvorgaben.[32]

Durch die direkte Auswirkung auf Arbeitsplätze wird Offshoring auch auf politischer Ebene stark diskutiert. Kritiker, insbesondere Globalisierungskritiker und Gewerkschaften, befürchten, dass durch Offshoring viele Arbeitsplätze in Europa verloren gehen und ein ruinöser Wettbewerb der Staaten untereinander entsteht. In Worstcase-Szenarios prognostizieren sie soziale Zustände, wie sie zur Zeit der ersten Phase der Industrialisierung in Mitteleuropa herrschten. Die Rede ist dann auch von einer Deindustrialisierung.

Naomi Klein setzt sich in ihrem Buch No Logo kritisch mit Outsourcing oder Offshoring auseinander. Sie legt dar, wie große US-Kleidungshersteller oder Marken wie Gap, Nike, Levi’s oder Esprit Produktionsstätten in Niedriglohnländer verlegen, wobei sie dabei auf die für europäische Verhältnisse einfachen Arbeitsbedingungen hinweist. Dabei spielt das Phänomen oder Geschäftsmodell der Fast Fashion eine bedeutende Rolle.

Dieser Kritik wiederum wird entgegengehalten, dass die Auslagerung von Tätigkeiten an günstigere Anbieter die Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Unternehmen stärkt und zugleich inländische Arbeitsplätze sichert. Durch Mischkalkulation soll es möglich sein, Produkte und Dienstleistungen zu international konkurrenzfähigen Preisen anzubieten. Mit dem steigenden Wohlstand einiger der Offshoring-Länder erwartet man, dass diese mehr Waren aus den Industrieländern importieren. Dafür, dass Deutschland nur unterdurchschnittlich vom Offshoring profitiert, wird regelmäßig der stark regulierte Arbeitsmarkt in Deutschland verantwortlich gemacht: Die Abwanderung von manchen Arbeitsplätzen lässt sich nicht verhindern, zum Teil werden ganze Branchen verschwinden.

Beratungsunternehmen und Forschung

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In dem Umfeld sind eine Vielzahl von Wirtschaftsberatungsunternehmen, wie McKinsey, tätig. Die Technische Universität Hamburg (TUHH) hat damals ein eigenes Forschungsprojekt unter dem Namen Global Innovation - Internationalisierung von Forschung & Entwicklung initiiert.[33]

Im Rahmen der Wirtschaftsdoktrin von US-Präsident Donald Trump kommt es zu einer gewissen Trendwende bzw. Umkehr des Offshoring. Bereits in seiner ersten Amtszeit versucht er, die Produktion in die Vereinigten Staaten zurückzuholen vgl. die Entwicklungen des Onshoring. Dazu wurde unter anderem eine strenge Zollpolitik eingeführt, welche auch die deutsche Wirtschaft stark beeinflusst.[34] Die Auswirkungen dieser Entscheidungen betreffen den gesamten Welthandel, wobei auch Exporte nach China betroffen sind, da es dort ebenfalls zu Handelskonflikten kommt (vgl. seltene Erden uvm.).[35]

Des Weiteren spielt die sich seit der großen Rezession veränderte weltweite Geldpolitik der Zentralbanken eine entscheidende Rolle in Bezug auf Investitionen und das Onshoring bzw. Offshoring.

  • Diana Farrell, McKinsey Global Institute, Harvard Graduate School of Business Administration (Hrsg.): Offshoring. Understanding the Emerging Global Labor Market. Harvard Business School Press, Boston, MA 2007, ISBN 978-1-4221-1007-2 (englisch, archive.org).
  • Catherine L. Mann: Accelerating the Globalization of America: The Role of Information Technology. Peterson Institute for International Economics, Washington 2006, ISBN 0-88132-390-X (englisch, columbia.edu).
  • A. G. Mayer, T. Söbbing: Outsourcing leicht gemacht. Frankfurt 2004, ISBN 3-8323-1019-3.
  • Deutsche Bank Research: Offshoring: Globalisierungswelle erfasst Dienstleistungen. 2004 (PDF; 453 kB)
  • Johannes C. Kerner: Erfolgsfaktoren des internationalen Outsourcing-Projektmanagements. Konzeptionalisierung – Operationalisierung – Messung. Hamburg 2009, ISBN 978-3-8300-4399-7.
  • Markus K. Westner: IT Offshoring: Essays on Project Suitability and Success. Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-8349-2046-1 (englisch).
  • Sachverständigengruppe der Deutschen Bischofskonferenz: Verlagerung von Arbeitsplätzen. Entwicklungschancen und Menschenwürde. Sozialethische Überlegungen. Bonn 2009, ISBN 978-3-940137-10-4.
Wiktionary: offshore – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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  1. „von der Küste bzw. aus dem Land bringen“
  2. Europäische Kommission: Computer sowie elektronische und optische Produkte – Umfassende Sektoranalyse der neuen Kompetenzen und der wirtschaftlichen Aktivitäten innerhalb der Europäischen Union – Zusammenfassung, 2009, S. 8. (PDF; 1,2 MB)
  3. Arbeitsförderungsinstitut AFI-IPL: Beschäftigungskrisen in Südtirol 2000–2006 – Statistische Daten und eine Fallstudie (Memento vom 14. Juli 2014 im Internet Archive), 2008, S. 7, (PDF; 471 kB)
  4. „zurückholen, an oder ins Land ziehen“
  5. Auslandsverlagerungen der Deutschen Industrie. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 14. Juli 2014; abgerufen am 21. Dezember 2025.
  6. BDI-Umfrage: Industrie verlagert Forschung ins Ausland. Tagesschau, 22. Februar 2025, abgerufen am 21. Dezember 2025.
  7. Industriefirmen wollen Produktion verlagern. Tagesschau, 27. November 2025, abgerufen am 21. Dezember 2025.
  8. Statistisches Bundesamt / STATMagazin (Memento vom 15. November 2010 im Internet Archive) Engagement deutscher Unternehmen im Ausland (Memento vom 15. November 2010 im Internet Archive)
  9. Christoph Lüder, Hannes Fuchs: Outsourcing, Offshoring und Managed Services – Wo liegen die Unterschiede? Lexta Consultants Group, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 24. April 2018; abgerufen am 21. Dezember 2025.
  10. a b Verflechtung deutscher Unternehmen mit dem Ausland 2009. (PDF) In: Begleitmaterial zur Pressekonferenz am 17. Februar 2009 in Berlin. Statistisches Bundesamt, 2009, abgerufen am 27. Dezember 2024. Tabelle „Übersicht über Verlagerungsformen“, S. 34.
  11. Ch. Jahns, E. Hartmann, L. Bals: Offshoring: Analyse der Hintergründe und Potenziale. In: D. Specht (Hrsg.): Insourcing, Outsourcing, Offshoring: Tagungsband der Herbsttagung 2005 der wissenschaftlichen Kommission Produktionswirtschaft im VHB. DUV, Wiesbaden, 2007, S. 85–106.
  12. Konkjunktur: Deutsche Wirtschaft zwischen Stillstand und Hoffnung. zdfheute, 22. Dezember 2025, abgerufen am 23. Dezember 2025: „Für die Chemiebranche ist der Standort Deutschland das Kernproblem - die US-Zölle haben den Rückgang beschleunigt, aber nicht verursacht.“
  13. BASF startet Betrieb im umstrittenen Milliardenwerk in China. In: WirtschaftsWoche. 5. November 2025, abgerufen am 21. Dezember 2025.
  14. BASF starts various petrochemical plants at Zhanjiang Verbund site in China. (hydrocarbonprocessing.com [abgerufen am 21. Dezember 2025]).
  15. „Today, German chemical companies are building some of the world’s largest processing plants in China, using Russian gas that they cannot obtain at home.“
  16. BASF-Chef äußert sich zum Stellenabbau am Stammsitz – „wir haben ja gerade erst angefangen“. Merkur, 26. Juni 2025, abgerufen am 21. Dezember 2025.
  17. SWR: Rheinland-Pfalz Baden-Württemberg: BASF Ludwigshafen: Arbeitsplätze und Standort gesichert. Tagesschau, 15. Dezember 2025, abgerufen am 21. Dezember 2025.
  18. Daiichi-Sankyo stärkt Standort Pfaffenhofen. 21. Dezember 2009, abgerufen am 21. Dezember 2025.
  19. S. W. R. Aktuell: So weit sind die Bauarbeiten bei Eli Lilly in Alzey. 8. April 2025, abgerufen am 21. Dezember 2025.
  20. Rudy Hirschheim, Jens Dibbern: Information Technology Outsourcing in the New Economy – An Introduction to the Outsourcing and Offshoring Landscape. In: Information Systems Outsourcing. Springer Berlin Heidelberg, Berlin, Heidelberg 2006, ISBN 3-540-34875-1, S. 3–23, doi:10.1007/978-3-540-34877-1_1 (englisch, springer.com [abgerufen am 21. Dezember 2025]).
  21. Erran Carmel, Paul Tjia: Offshoring Information Technology: Sourcing and Outsourcing to a Global Workforce. 1. Auflage. Cambridge University Press, 2005, ISBN 0-521-84355-3, doi:10.1017/cbo9780511541193 (englisch, cambridge.org [abgerufen am 21. Dezember 2025]).
  22. Georg Erber*, Aida Sayed-Ahmed**: Offshore Outsourcing: A Global Shift in the Present IT Industry. In: Intereconomics. Band 40, Nr. 2, März 2005, ISSN 0020-5346, S. 100–112, doi:10.1007/s10272-005-0141-8 (englisch, springer.com [abgerufen am 21. Dezember 2025]).
  23. William Lazonick: Globalization of the ICT labour force. In: The Oxford Handbook of Information and Communication Technologies. 1. Auflage. Oxford University Press, 2009, ISBN 978-0-19-954879-8, S. 75–99, doi:10.1093/oxfordhb/9780199548798.003.0004 (englisch, oup.com [abgerufen am 21. Dezember 2025]).
  24. Bottel, Matthias, Gajewski, Eltje, Potempa, Christoph, Şahinol, Melike, Schulz-Schaeffer, Ingo: Offshoring und Outsourcing von Arbeitstätigkeiten, insbesondere von Telearbeit und Tätigkeiten der Softwareentwicklung: ein Literaturbericht. Band 1-2016, 2016 (ssoar.info [abgerufen am 21. Dezember 2025]).
  25. Matthias Reicheneder, Markus Westner, Markus Matschi: IT-Near- und Offshoring in deutschen Großunternehmen: Aktueller Stand, Motive und Auswahlkriterien. In: HMD Praxis der Wirtschaftsinformatik. Band 62, Nr. 2, April 2025, ISSN 1436-3011, S. 383–401, doi:10.1365/s40702-025-01150-2 (springer.com [abgerufen am 21. Dezember 2025]).
  26. Manning Stephan, Massini Silvia, Lewin Arie Y.: A Dynamic Perspective on Next-Generation Offshoring: The Global Sourcing of Science and Engineering Talent. In: Academy of Management Perspectives. Band 22, Nr. 3, August 2008, ISSN 1558-9080, S. 35–54, doi:10.5465/amp.2008.34587994 (englisch, aom.org [abgerufen am 21. Dezember 2025]).
  27. Wolfhard Kaus: Auslandsverlagerung wirtschaftlicher Aktivitäten: Unternehmenscharakteristika und Beschäftigungswirkung. In: Statistisches Bundesamt (Hrsg.): WISTA. Nr. 3, 2019, S. 11–24 (destatis.de [PDF; abgerufen am 27. Dezember 2024]).
  28. Frage 45, Plenarprotokoll, Deutscher Bundestag – 20. Wahlperiode – 159. Sitzung. Berlin, 20. März 2024. (PDF) In: bundestag.de. Abgerufen am 27. Dezember 2024.
  29. Johannes C. Kerner: Erfolgsfaktoren des internationalen Outsourcing-Projektmanagements: Konzeptionalisierung, Operationalisierung, Messung (= Schriftenreihe Innovative Betriebswirtschaftliche Forschung und Praxis. Bd. 239). Kovač, Hamburg 2009, ISBN 978-3-8300-4399-7.
  30. Sourcing Advisory - Unternehmen - Handelsblatt. In: Handelsblatt. 29. November 2023, abgerufen am 21. Dezember 2025.
  31. R. Martignoni, J. Stimmer: Wirtschaftlichkeitsanalyse einer ausgelagerten Anwendungsentwicklung. In: GI Jahrestagung. 2010 (archive.org [PDF]).
  32. FOCUS Online: Das Märchen vom Wunder-Inder. In: FOCUS Online. (focus.de [abgerufen am 21. Dezember 2025]).
  33. Global Innovation: Forschungsprojekt des TIM @ TUHH. Abgerufen am 21. Dezember 2025.
  34. Folgen von Trumps Zollpolitik: Deutsche US-Exporte rückläufig. zdfheute, 22. Dezember 2025, abgerufen am 23. Dezember 2025: „Als Folge der deutlich angehobenen Zölle sind die deutschen Exporte in die USA in den ersten drei Quartalen 2025 stark zurückgegangen. Nach einer Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) sind davon besonders die Branchen Automobil, Chemie und Maschinenbau betroffen. Der Wert der Ausfuhren in die USA sank um 8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. In den Jahren 2016 bis 2024 waren die Ausfuhren über den Atlantik noch um durchschnittlich fünf Prozent pro Jahr gestiegen.“
  35. Deutsche Ausfuhren: Exporte nach China eingebrochen. zdfheute, 23. Dezember 2025, abgerufen am 23. Dezember 2025: „Die deutschen Warenexporte nach China sind einer Untersuchung zufolge deutlich zurückgegangen. Die Ausfuhren sanken in den ersten drei Quartalen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als zwölf Prozent auf 61,4 Milliarden Euro, wie das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) berichtet. Seit 2022 sind die Exporte damit um ein Viertel eingebrochen. In der Rangliste der größten deutschen Exportpartner rutschte China vom zweiten auf den sechsten Platz ab. Auch die Warenexporte in die USA sanken zuletzt deutlich.“