Telefónica Deutschland Holding
| Telefónica Deutschland Holding AG
| |
|---|---|
| Rechtsform | AG |
| ISIN | DE000A1J5RX9 |
| Gründung | 1995[1] |
| Sitz | München, |
| Leitung |
|
| Mitarbeiterzahl | 7.894[4] |
| Umsatz | 8,492 Mrd. Euro[5] |
| Branche | Telekommunikation |
| Website | www.telefonica.de |
| Stand: 1. Januar 2026 | |

Die Telefónica Deutschland Holding AG mit Sitz in München ist ein Telekommunikationsunternehmen der Telefónica-Gruppe. Es vertreibt vor allem unter der Kernmarke O2 Mobilfunk- und Festnetzanschlüsse. Die Unternehmensgruppe[6] betreut 38,3 Millionen Mobilfunk-[7] sowie 2,4 Millionen Breitbandanschlüsse[8] und ist, wie auch Telekom Deutschland, Vodafone und 1&1 ein Mobilfunknetzbetreiber in Deutschland.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Gründungsjahre
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Unternehmen ging aus dem 1995 gegründeten Mobilfunkunternehmen VIAG Interkom hervor. Damals hielten VIAG und BT Group jeweils 45 Prozent der Unternehmensanteile, 10 Prozent lagen bei Telenor.[9][10] Die Lizenz zum Aufbau eines GSM-Netzes erhielt das Unternehmen zwei Jahre später.[11] Im August 2000 erwarb die Gesellschaft für 16,52 Mrd. DM eine von insgesamt sechs UMTS-Lizenzen.[12] Im selben Jahr übernahm die BT Group die Anteile von Telenor und kündigte auch die Übernahme der Anteile an, die E.ON hielt, der Rechtsnachfolger von VIAG.[13]
Die BT Group trennte 2001 den Mobilfunk vom übrigen Geschäft und nannte ihn mmO2.[14][15] Daraufhin wurde im Jahr 2002 der Name VIAG Interkom zu O2 Germany angepasst.[16]
Übernahme durch Telefónica, S.A. und Börsengang
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]2006 übernahm die spanische Telefongesellschaft Telefónica im Zuge ihrer Expansionsstrategie in Europa O2 mit deren Töchtern in Deutschland, Großbritannien und Irland für insgesamt 17,7 Mrd. Pfund Sterling.[17] Auf der Internationalen Funkausstellung 2007 stellte O2 Germany seine Discountmarke Fonic vor.[18] Ein Jahr später wurde aus O2 Germany die Telefónica O2 Germany.[16]
2010 schloss das Unternehmen die ein Jahr zuvor bekanntgegebene Übernahme des Festnetz- und Internetanbieters HanseNet ab.[19][20] Im selben Jahr ersteigerte das Unternehmen für 1,38 Mrd. Euro LTE-Frequenzen.[21] Eine weitere Umfirmierung folgte am 1. April 2011. Das Unternehmen hieß nun Telefónica Deutschland.[22]
Am 30. Oktober 2012 erfolgte der Börsengang von Telefónica Deutschland mit einem Ausgabepreis von 5,60 Euro.[23] Der spanische Mutterkonzern veräußerte damit einen Minderheitsanteil (rund 23 Prozent) des Unternehmens.[24] In diesem Zusammenhang entstand im September 2012 durch Rechtsformwechsel die Telefónica Deutschland Holding AG aus der Telefónica Germany Verwaltungs GmbH.[25] Der Börsengang war der größte an der Frankfurter Börse seit 2007.[26] Im März 2013 wurde die Aktie von Telefónica Deutschland Holding AG in den TecDAX aufgenommen, im September 2018 erfolgte erstmals die Aufnahme in den MDAX.[27][28]
Zusammenschluss mit E-Plus und Netzkonsolidierung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Vier Monate nach dem Börsengang berichtete die Presse, dass das Unternehmen seinen Wettbewerber E-Plus übernehmen wolle.[29] Durch den Zusammenschluss der damals viert- und drittgrößten Mobilfunkanbieter entstand der nach Anschlüssen größte Mobilfunkanbieter Deutschlands.[30] Der anfängliche Widerstand von Carlos Slim, einem wichtigen Anteilseigener des niederländischen E-Plus-Mutterunternehmens KPN, war im August 2013 überwunden.[31] Mitte 2014 stimmte die Europäische Kommission dem Verkauf unter Auflagen zu. Dazu zählten die Abtretung von 30 Prozent der Netzkapazitäten, eines Radiowellenspektrums und bestimmte Vermögenswerte. KPN erhielt für den Verkauf 8,6 Mrd. Euro, 5 Mrd. Euro davon in Geldmitteln.[32][33][34] Im Februar 2019 forderte die EU-Kommission die Einhaltung aller Auflagen.[35]
Bis zum Jahr 2014 gehörte das Unternehmen mitsamt seinen Unterorganisationen der Telefónica Europe, welche der Telefónica in Spanien unterstellt war. Durch eine interne Umstrukturierung wurden diese direkt der Telefónica zugehörig.
Nach Meinung von Experten stellte nach 2014 die physische Netzintegration eine erhebliche Herausforderung dar.[36][37] Ende 2018 war diese abgeschlossen.[38] Nach dem Zusammenschluss mit E-Plus stellte Telefónica Deutschland Mobilfunk-Marken auf den Prüfstand. Während die Discount-Marke Yourphone 2014 an Drillisch veräußert wurde,[39] wurde Simyo als Marke aufgegeben, Blau übernahm bis Ende 2016 deren Kunden.[40] Das Aus von E-Plus als Marke stand bereits seit 2015 fest.[41] Base wurde im Frühjahr 2019 aufgegeben, Bestandskunden wurden ebenfalls zu Blau migriert.[42]
Bei der Frequenzversteigerung von 2015 investierte Telefónica Deutschland 1,2 Mrd. Euro in weitere Mobilfunk-Frequenzen.[43] 2015 verkaufte Telefónica Deutschland 7.700 Funkstandorte an die Telekom Deutschland.[44] Im Jahr darauf veräußerte das Unternehmen weitere 2.350 Sendemasten an eine Holding der Gruppe und mietete sie anschließend.[45]
Delisting
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zwischen Dezember 2023 und Januar 2024 stockte die Telefónica-Gruppe ihren Aktienanteil an Telefónica Deutschland von rund 72 Prozent auf rund 93 Prozent auf.[46] Nach rund zwölf Jahren an der Börse kündigte die Telefónica-Gruppe Anfang 2024 ein Übernahmeangebot über 2,35 Euro je Aktie für die verbleibenden Aktien an und läutete so formell den Prozess für ein Delisting ein. Die Aktien wurden mit Ablauf des 18. April 2024 von der Frankfurter Wertpapierbörse delistet. Seit diesem Zeitpunkt können die Aktien nicht mehr an der Frankfurter Wertpapierbörse gehandelt werden.[47][48]
Die Aktionärsstruktur ist, Stand Januar 2026, folgende:[49]
| Anteil | Anteilseigner |
|---|---|
| 94,35 % | Telefónica Germany Holding Ltd. |
| 3,21 % | BlackRock |
| 2,44 % | Streubesitz |
Gegenwart des Unternehmens
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Organisation
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Telefónica Deutschland Holding gehört mehrheitlich der Telefónica Germany Holdings Limited (94,35 Prozent, Stand: 2026), welche zur Telefónica, S.A. Group zählt.[49][50] Diese gehört, gemessen am Umsatz, zu den zehn größten Telekommunikationsunternehmen weltweit (Stand: 2024).[51]
Die Telefónica Deutschland Holding ihrerseits ist die Muttergesellschaft der Telefónica Germany GmbH & Co. OHG. Unter dieser sind rund 15 Tochtergesellschaften angegliedert, beispielsweise die für die Callcenter.[52]
Geschäftsfelder
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Unternehmen bietet Mobilfunk- und Festnetzdienste für seine Privat- und Geschäftskunden an. Das Unternehmen arbeitet überdies mit Handelspartnern, die Mobilfunk-Leistungen für eigene Kunden über Telefónica Deutschland abwickeln. Zu letzteren zählen beispielsweise Aldi Talk, NettoKom, Media Markt Super Select, Freenet DLS und 1&1.[52]
Den größten Umsatz erwirtschaftet das Unternehmen mit Mobilfunkdiensten. Hierzu zählen Sprach- und Datendienste auf Prepaidbasis oder per Festvertrag (Postpaid). Relevant ist zudem der Verkauf von Mobiltelefonen, Tabletcomputern, Smartwatches, Laptops sowie Gaming-Konsolen und Gaming-Peripherie. Zu den vertriebenen Zusatzprodukten zählen beispielsweise Versicherungen, Virenschutz-Applikationen oder Musik- und Videostreaming.[53]
Das Unternehmen bietet außerdem DSL- und Festnetzdienste an, verfügt allerdings über keine eigene flächendeckende Festnetz-Infrastruktur. Die eigene DSL-Infrastruktur hat das Unternehmen bis Ende 2018 sukzessive zurückgebaut. Festnetzleistungen bietet das Unternehmen primär über Kooperationen mit der Deutschen Telekom, Vodafone, Tele Columbus sowie weiteren regionalen Anbietern an.[54][55][56][57] Bereits seit 2013 verkauft das Unternehmen VDSL- und Vectoring-Anschlüsse über das Festnetz der Telekom, seit 2021 wird zudem Glaserfaser über die Telekom bezogen.[54] Im Zuge der Übernahme von Unitymedia musste sich der Kabelnetzbetreiber Vodafone zu einer Öffnung des Kabelfernsehnetzes verpflichten. Von Vodafone erhält Telefónica seit Ende 2020 Zugriff auf das Kabelnetz.[58] In Kooperation mit der Allianz betreibt Telefónica seit 2020 eine eigene Glasfaserinfrastrukturgesellschaft, "Unsere Grüne Glasfaser" (UGG). Der Fokus liegt hier vor allem auf der Anbindung ländlicher Regionen.[59]
Am 9. April 2019 kündigte Telefónica in Kooperation mit waipu.tv O2 TV an.[60] Das Angebot umfasste mehr als 100 Sender, die über eine TV-App auf dem Fernseher und über eine Smartphone App abgerufen werden konnten. Bis zu vier Programme konnten gleichzeitig angeschaut und Sendungen bis zu 100 Stunden online aufgenommen werden.[61] Seit September 2024 bietet Telefónica das Produkt O2 TV ohne den bisherigen Partner waipu.tv an. Zum Einsatz kommt seitdem eine technische Eigenentwicklung, basierend auf der globalen TV-Plattform der Telefónica-Gruppe.[62]
Marken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Logo der Kernmarke
- Logos von Zweitmarken
Kernmarke des Unternehmens ist O2. Seit 2002 werden mit dieser Marke Post- und Prepaid-Mobilfunkprodukte, mobile Datendienste und Internet-Produkte im Mobilfunk und im Festnetz vertrieben. Die Marke richtet sich an Privat- und Geschäftskunden.[63]
Als Zweitmarken werden Blau, Ay Yildiz, Fonic und Ortel Mobile geführt.[64]
Blau Mobilfunk wurde 2005 als eigenständige GmbH gegründet[65] und 2008 vom E-Plus-Mutterkonzern KPN übernommen.[66] Im Sommer 2015 wurde das bis dahin eigenständige Unternehmen auf die Telefónica Germany GmbH & Co. OHG verschmolzen, Blau blieb als Marke erhalten.[67] Anfang August 2016 wurden Kunden der Marke simyo auf Blau übertragen, im Frühjahr 2019 Kunden der Marke Base.[42]
Ay Yildiz ist ein 2005 von E-Plus gestarteter Mobilfunkdiscounter,[68] der sich in Deutschland an Menschen mit türkischem Migrationshintergrund richtet. Seit der Übernahme von E-Plus zählt Ay Yildiz zur Markenfamilie von Telefónica Deutschland.
Ortel Mobile ist als Unternehmen 2005 in den Niederlanden gegründet worden,[69] 2006 folgte die deutsche Tochtergesellschaft Ortel Mobile GmbH.[70] Seither bietet Ortel Mobile Mobilfunkdienste an, insbesondere kostengünstige Auslandstarife. Zielgruppe sind vor allem Mitbürger mit Migrationshintergrund. Die KPN-Gruppe war seit März 2008 Mehrheitseigentümer von Ortel Mobile.[69] Seit der Übernahme von E-Plus zählt Ortel Mobile ebenfalls zur Markenfamilie von Telefónica Deutschland.
Die Fonic GmbH wurde am 7. August 2007 gegründet.[71] Im September 2007 startete O2 Germany mit dieser Tochtergesellschaft die erste eigene Discountmarke.[18] Anfangs wurden die SIM-Karten ausschließlich bei Lidl und im Internet verkauft.[72] Kurz darauf folgten weitere Supermarkt- und Drogerieketten.[73] Die Fonic GmbH wurde im März 2016 mit der Telefónica Germany GmbH & Co. OHG verschmolzen,[71] die Marken Fonic sowie Fonic Mobile weitergeführt.[74]
Ende des Jahres 2021 wurde vom deutschen Ableger der Unternehmensgruppe Lebara ein vollständiger Wechsel von der Telekom Deutschland zur Telefónica bekannt gegeben, welcher im Sommer 2022 abgeschlossen wurde.
Seit September 2024 nutzt zudem der virtuelle Mobilfunkanbieter Lyca Mobile Germany das Netz von Telefónica in Deutschland.[75]
Eingestellte Angebote und Marken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Tochtergesellschaft Telefónica Germany Next, die sich primär mit der Analyse großer Datenmengen und dem Internet-of-Things beschäftigte, wurde Ende 2019 nach rund dreijährigem Bestehen geschlossen.[76]
Im Juli 2016 offerierte Telefónica mit dem Partner Fidor Bank ihren Kunden mit O2 Banking das erste vollständig mobile Bankkonto in Deutschland.[77] Später kam eine Online-Banking-Webseite hinzu.[78] Im April 2020 wurde bekannt, dass das Angebot mit einem neuen Partner fortgeführt wird[79][80] – der comdirect.[81] Seit Ende Oktober 2020 boten beide Partner die Finanz-App O2 Money an. Sie kombinierte unter anderem die Funktionen Mobile Banking, Haushaltsbuch und Vertragsübersicht. Im Tausch gegen aggregierte Kontodaten konnte über ein Bonusprogramm das Guthaben eines verknüpften Girokontos verzinst werden. Um O2 Money zu nutzen, musste man kein O2-Kunde sein.[82] Im April 2022 wurde O2 Banking endgültig eingestellt, Bestandskunden wurden von der comdirect übernommen.[83]
Der werbefinanzierte Anbieter Netzclub wurde 2010 als Kooperation zwischen Telefónica Deutschland und der YOC AG gestartet.[84] Kunden konnten ein begrenztes Datenvolumen kostenfrei nutzen und erhielten dafür im Gegenzug per SMS, MMS oder E-Mail Werbung von unterschiedlichen Marken und Herstellern.[85] Die Marke wurde im Jahr 2025 eingestellt, Bestandskunden auf Fonic übertragen.[86]
TürkeiSIM entstand aus dem im August 2011 operativ gestarteten Joint Venture zwischen Telefónica Deutschland und Türk Telekom und hieß Türk Telekom Mobile. Der Anbieter offerierte Prepaid-Tarife, mit denen man günstig zwischen Deutschland und der Türkei telefonieren konnte. Nach dem Ende der Zusammenarbeit wurden die Bestandskunden ab dem 1. Februar 2017 auf TürkeiSIM übertragen,[87][88] die Marke war bis zur Einstellung im Jahr 2025 nur noch für Bestandskunden nutzbar.[89][90]
Leitung und Personal
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Santiago Argelich Hesse ist seit dem 1. Januar 2026 Vorsitzender des Vorstands,[91] der insgesamt aus fünf Männern und zwei Frauen besteht.[92] Vorsitzender des Aufsichtsrats ist Peter Löscher. Diesem Gremium gehören fünf Frauen und zwölf Männer an (Stand: Januar 2026).[93]
Im Geschäftsjahr 2024 waren zum Stichtag 31. Dezember 7.894 Mitarbeiter in den Unternehmen der Telefónica Deutschland Group angestellt.[53] Die Fluktuationsrate lag bei 9,06 %.[53]
Standorte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Zentrale des Unternehmens befindet sich in München im Hochhaus Uptown München am Georg-Brauchle-Ring. Das 2004 fertiggestellte Gebäude des Architekten Christoph Ingenhoven ist das höchste in München.[94][95] Weitere Standorte hat es in Düsseldorf, Hamburg, Bremen, Nürnberg, Potsdam, Rostock und Teltow.[96] Die Standorte Berlin und Essen wurden 2021 an das Unternehmen Transcom verkauft.[97]
Geschäftszahlen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Geschäftsjahr 2024 lag der Umsatz bei 8,492 Mrd. Euro. Der durchschnittliche Kundenumsatz (ARPU) lag 2024 bei 10,5 Euro im Monat. Das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis vor Abschreibungen belief sich auf 2,717 Mrd. Euro. Die Investitionsquote lag bei 13,4 Prozent.[53]
Mobilfunknetz
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Telefónica Deutschland betreibt in Deutschland ein flächendeckendes Mobilfunknetz mit über 29.000 Mobilfunkstandorten.[98] Mit über 6 Milliarden Gigabyte transportierte das Netz 2025 die meisten mobile Daten in Deutschland.[99]
Die Vorgängergesellschaft VIAG Interkom ging mit dem vierten deutschen Mobilfunknetz erstmals am 1. Oktober 1998 in acht Städten, darunter München, Berlin und Hannover, an den Start.[100] Bis Ende 1999 konnten Kunden des Unternehmens über ein Abkommen mit der Swisscom in Gebieten, in denen das eigene Netz nur unzureichend ausgebaut war, die anderen drei deutschen Netze nutzen. VIAG Interkom nutzte hierfür das bereits bestehende Roaming-Abkommen zwischen der Swisscom und den drei anderen deutschen Netzbetreibern.[100] Durch einen direkten Vertrag zwischen den beiden Unternehmen, konnten zwischen 1999 und 2009 Kunden von Telefónica Deutschland das Netz von T-Mobil (Deutsche Telekom) für National Roaming nutzen.[101] Bei der UMTS-Frequenzversteigerung im August 2000 erwarb die Gesellschaft für 16,52 Mrd. DM eine von insgesamt sechs UMTS-Lizenzen.[12] 2010 ersteigerte das Unternehmen für 1,38 Mrd. Euro LTE-Frequenzen, 2015 investierte es weitere 1,2 Mrd. Euro für zusätzliche Mobilfunk-Frequenzen.[21][43] Zuletzt erwarb das Unternehmen bei der 5G-Frequenzauktion Mitte 2019 für einen Betrag von 1,42 Mrd. Euro neue Frequenzen.[102]
Netzintegration mit E-Plus
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Zusammenschluss von Telefónica Deutschland mit E-Plus erfolgte formell am 1. Oktober 2014. Nach Experten-Meinungen stellte die physische Netzintegration nach 2014 eine erhebliche Herausforderung dar.[36][37] Zwischen 2015 und 2017 konnten Kunden beider Unternehmen mit Hilfe von National Roaming sowohl die UMTS- und GSM-Netze von Telefónica Deutschland als auch E-Plus nutzen.[103] Im Rahmen der Netzzusammenführung 2015 verkaufte Telefónica Deutschland 7.700 Funkstandorte an die Deutsche Telekom, um doppelt vorhandene Mobilfunkstandorte zu reduzieren.[44] Im Januar 2016 startete offiziell die Zusammenführung der beiden UMTS- und GSM-Netze, Ende 2018 war die vollständige Integration abgeschlossen. Zu diesem Zeitpunkt handelte es sich um die größte vollständige Netzintegration in Europa mit rund 25.000 Standorten.[104][38][105]
Mobilfunknetz-Qualität
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Insbesondere in der Phase der Übernahme von E-Plus kritisierten unabhängige Tests mehrfach Mängel der Netzqualität.[106][107] Chip Online bewertete das O2-Netz im Test 2018 mit der Note 2,2 (gut) und lobte den Fortschritt des Netzausbaus. Das Unternehmen blieb jedoch deutschlandweit auf dem dritten von drei Plätzen, da die Abdeckung schwächer als bei den Wettbewerbern sei.[108] 2019 konnte O2 sein Urteil im Test von Connect verbessern, von „ausreichend“ auf „gut“.[109] Computer Bild attestierte 2019 im Test die bundesweit beste Netzabdeckung innerhalb von Gebäuden. Im Gegensatz zum Land bietet in vielen deutschen Großstädten das Netz auch eine gute LTE-Abdeckung.[110] Im Mobilfunk-Netztest 2020 des Fachmagazins connect bekam das O2-Netz erstmals die Note „sehr gut“. Das Netz punktet im Test durch zuverlässige, leistungsstarke mobile Datenverbindungen, einer guten Gesprächsqualität und einer deutlich verbesserten Netzabdeckung. Demnach schließe der Anbieter zu Vodafone auf und rückt ebenso der Deutschen Telekom, die Gesamtsieger war, näher.[111] In den Folgejahren wurde das Netz im Connect Mobilfunknetztest weiterhin mit der Note „sehr gut“ bewertet, zuletzt im November 2025.[112] Dabei erreicht das O2-Netz in der Gesamtwertung zudem erstmals den geteilten zweiten Platz, punktgleich mit Vodafone.[112] Im Mobilfunknetztest des CHIP Magazins erreicht das O2-Netz im Jahr 2025 erstmals die Note „sehr gut“.[113]
Tabelle der Mobilfunkfrequenzen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Frequenzband | Technologie | Generation | Status[114] | Bandbreite[114] | Anmerkung | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 900 MHz | GSM | 2G | In Betrieb | 2x10 MHz | Basis-GSM-Netz; Bei LTE900 (Band 8) 3,6 MHz | |
| 1800 MHz | DCS | 2G | In Betrieb | 2x10 MHz | ein modifizierter GSM-Mobilfunkstandard für das 1800-MHz-Frequenzband (E-Netz); Abbau durch Umwidmung auf LTE Band 3; 5 MHz Restbandbreite | |
| 2100 MHz | UMTS | 3G | nicht genutzt | – | Abbau durch Umwidmung auf LTE Band 1, endgültige Abschaltung erfolgte am 30.12.2021.[115] | |
| 700 MHz | LTE | 4G | In Betrieb | 2x10 MHz | Ehemalige DVB-T-Frequenz, bis zu 75 Mbit/s, wird vorrangig nun für 5G n28 eingesetzt[116] | Band 28 |
| 800 MHz | In Betrieb | 2x10 MHz | Bis zu 75 MBit/s | Band 20 | ||
| 900 MHz | In Betrieb | 2x10 MHz | Bis zu 75 MBit/s | Band 8 | ||
| 1800 MHz | In Betrieb | 2x20 MHz | Mit 4x4 MIMO und 256 QAM bis zu 400 MBit/s möglich | Band 3 | ||
| 2100 MHz | In Betrieb | 2x10 MHz | Durch Umwidmung von UMTS, bis zu 200 Mbit/s. Zum 31.12.2025 wurden 2x10 MHz aus dem ursprünglich verfügbaren Spektrum an 1&1 übergeben.[114][117] | Band 1 | ||
| 2600 MHz | In Betrieb | 2x20 MHz | Mit 4x4 MIMO und 256 QAM bis zu 400 MBit/s möglich | Band 7 | ||
| 700 MHz | NR | 5G Standalone; | style="background-color: var(--dewiki-hintergrundfarbe9); color: #000000; vertical-align: middle; text-align:center; {{{style}}}" class="hintergrundfarbe9" | In Betrieb | 2x10 MHz | Ehemalige DVB-T-Frequenz | Band n28 |
| 1800 MHz | In Betrieb | 2x20 MHz | DSS LTE / 5G | Band n3 | ||
| 3,6 GHz | In Betrieb | 1x70 MHz TDD | 1 GBit/s theoretisch, tariflich gedeckelt auf max. 500 Mbit/s | Band n78 | ||
Klagen und Kritik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kündigungen von Kunden mit unlimitierten Datenverträgen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Mai 2023 hat Telefónica Deutschland zahlreichen Kunden mit Flatrate-Tarifen per Brief die ordentliche Kündigung ausgesprochen. Die Kündigungen erfolgten ohne Nennung von Gründen und ohne Unterbreitung von Alternativangeboten. Das Fachportal teltarif.de berichtete, dass die betroffenen Kunden eine lebenslange Sperre bekamen und keine Flatrate-Tarife mehr bei Telefónica Deutschland abschließen dürfen.[120]
Streit um die Marke O2
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]O2 mahnte im März 2005 den Medizingeräte-Hersteller Weinmann ab, der ein Sauerstoffgerät zur Behandlung von Heimbeatmungspatienten mit dem Namen Venti-O2 bezeichnen wollte. Weinmann wehrte sich und machte geltend, dass die Nutzung des chemischen Zeichens für Sauerstoff nicht exklusiv gewerblich von einem Mobilfunkanbieter beansprucht werden kann. Es kam kurz darauf zu einer Einigung.[121][122]
Streit um Produktmarke „Loop“
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ein selbständiger Start-Up-Unternehmer hatte unter der von ihm beim Deutschen Patent- und Markenamt eingetragenen Marke „Loop Sessions“ im Januar 2005 begonnen, CD-ROMs und ein PDF-Magazin für Sound-Samples und Drum Loops zu vertreiben. O2 ließ ihn am 8. März 2005 unter Verweis auf die von ihr für Prepaid-Verträge verwendete Marke „Loop“ mit einem Streitwert von € 100.000 abmahnen und forderte ihn auf, die Marke zu übertragen und € 1.900 Abmahnkosten zu zahlen, € 400 davon würden ihm dann erlassen. Nachdem der Unternehmer in allen Punkten nachgegeben hatte, dadurch auch sein Geschäft aufgeben musste, verzichtete O2 auf die Zahlung der Kosten.[123]
Preiserhöhung für Sonderrufnummern
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ende 2006 änderte O2 den Gesprächspreis zu einigen Rufnummern. Durch diese Änderungen erhöhten sich zum Beispiel die Verbindungspreise zu Service-Diensten zeitweise um fast das Dreifache, ohne dass darüber vorab informiert wurde. O2 lehnte unter Berufung auf seine AGB außerordentliche Kündigungen ab. Verbraucherzentralen vertraten die Auffassung, dass es sich hier nicht um eine Nebenleistung handele, die Bezugnahme auf die AGB sei nicht relevant, das Telefonieren gehöre zu den Hauptleistungen eines Kommunikationsanbieters.[124] Gerichte beurteilen den Fall unterschiedlich. Das Amtsgericht München bestätigte die Auffassung von O2 (AZ: 281 C 6003/07),[125] das Amtsgericht Charlottenburg gab dem Kunden recht (AZ: 237 C 58/07).[126]
Limitierung von Calling-Cards und Sprach-Chats
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im März 2008 wurde bekannt, dass O2 – wie E-Plus[127] und Vodafone[128] auch – die Erreichbarkeit von Sprach-Chat-Lines sowie von Calling-Card-Anbietern (nur bei O2) erheblich einschränkte. Bei diesen Rufnummern handelte es sich um normale Festnetzrufnummern, die im Rahmen von Festnetz-Pauschaltarifen gratis angerufen werden konnten, auch bei hohem Gesprächsaufkommen. Die Limitierung erschwerte Kunden das Umgehen hoher Verbindungspreise für Sonderrufnummern oder Auslandstelefonate.[129] Im September 2008 hob O2 die Limitierung zum Teil wieder auf.[130]
National Roaming
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Zuge des eigenen Netzausbaus wurde das National Roaming im T-Mobile-Netz bis Ende 2009 abgeschaltet. In Einzelfällen geschah dies bereits, bevor O2 die Versorgung über das eigene Netz sicherstellen konnte. An bestimmten Standorten klagten Kunden über schlechteren Netzempfang, abbrechende Gespräche, undeutliche Sprachqualität und Funklöcher. O2 drängte dennoch auf die kundenseitige Vertragserfüllung bis zum Ende der Laufzeit, obwohl die Mobilfunknutzung am Kundenstandort nicht mehr befriedigend möglich war. Das Amtsgericht München verurteilte Telefónica im September 2007 dazu, einen betroffenen Kunden aus dem Vertrag zu entlassen.[131]
Intransparente Preispolitik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen mahnte O2 und Fonic sowie einige Mitbewerber ab, da die Mobilfunkanbieter bei ihrer Werbung für Mobilfunkverträge inklusive Handy dem letztendlich für das Endgerät fälligen Betrag verschleiern würden. Die Firma warb mit einer niedrigen Anzahlung und versteckte die monatlich zu zahlende Raten über die Vertragslaufzeit im Kleingedruckten. Telefónica gab daraufhin 2012 eine Unterlassungserklärung ab.[132]
Kunden, die den Alice/O2 Flatrate-Tarif talk4free europa & more gebucht haben, konnte durch eine Klausel in den AGB die Flatrate gekündigt werden, so dass innerhalb der Mindestlaufzeit Auslandsgespräche auf Basis einer Einzelabrechnung erfolgen. Die Verbraucherzentrale Hamburg verklagte Telefònica Germany. Das Landgericht Hamburg gab Verbrauchern und Verbraucherschützern Recht. Die Kündigung der Tarifoption störe das vertraglich festgelegte Gleichgewicht von Leistung und Gegenleistung.[133]
Kundenservice
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 6. Dezember 2016 berichtete Marktcheck von Problemen bei der Erreichbarkeit des Kundenservices von Telefónica Germany wegen des Arbeitspensums nach dem Zusammenschluss mit E-Plus.[134] Diese Probleme hatten sich nach Ansicht von Experten bis 2017 nicht gelegt.[135] Connect testete die Hotline 2018 und bewertete sie dagegen mit „gut“.[136] Seit dem Jahr 2023 bewertet Connect den Kundenservice des Unternehmens mit der Note „sehr gut“[137], zuletzt bestätigte sie dieses Ergebnis im April 2025.[138]
EU-Roaming
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach dem Wegfall der Roaminggebühren in der Europäischen Union zum 15. Juni 2017 wurden nicht alle O2-Kunden automatisch auf diese Tarifierung umgestellt; jene mit einer alternativen Roamingoption mussten eine SMS an O2 schicken, um von der Roaming-Regulierung zu profitieren.[139] Dies kritisierte der VZBV Anfang August 2017 als Verstoß gegen das Irreführungsverbot des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb und leitete gerichtliche Schritte ein.[140] Der Fall war seit 2019 vor dem Europäischen Gerichtshof anhängig[141] und wurde am 3. September 2020 zugunsten des klagenden Verbraucherschutzverbandes entschieden.[142]
Ausfälle im Internet
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 21. Mai 2024 kam es bei mehreren Providern, darunter O2, zu massiven mehrstündigen Störungen bei der Interneteinwahl[143]. Betroffen waren hauptsächlich Großstädte wie Berlin, München, Hamburg und Frankfurt (Main).[144] Die technischen Ursachen hierfür lagen im Netz der Telekom, das für Dienste wie VDSL auch von Mitbewerbern wie O2 genutzt wird.[145]
Weiteres
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Clearingstelle Urheberrecht im Internet
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Seit Februar 2021 ist Telefónica Germany GmbH & Co. OHG freiwillig Mitglied bei der Clearingstelle Urheberrecht im Internet, welche durch DNS-Sperren Websites im Internet blockiert, die Urheberrechtsverletzungen enthalten.[146] Die Sperrungen erfolgen ohne behördliche oder richterliche Anordnung, was für weitreichende Kritik sorgt.[147]
Corporate Responsibility
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Seit der Jahrtausendwende erstellt das Unternehmen einen jährlichen Corporate-Responsibility-Bericht.[148] Für den Zeitraum 2016 bis 2020 gelten drei Handlungsschwerpunkte: „Verantwortlich wirtschaften“, „Leben in der digitalen Welt stärken“ und „Umwelt und Klima schützen“. Das Unternehmen arbeitet hier auch mit Nichtregierungsorganisationen zusammen, zum Beispiel mit der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, dem Naturschutzbund Deutschland, dem Bundesdeutschen Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management, der Deutschen Umwelthilfe, Germanwatch oder dem Deutschen Kinderhilfswerk.[149]
Sponsoring
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]O2 sponserte 2006 das Formel-1-Team BMW Sauber F1 Team.[150][151] Von 2004 bis 2007 unterstützte das Unternehmen den Mobile Movie Award finanziell.[152] 2004 war O2 Sponsor des deutschen Kajak-Zweiers Tim Wieskötter/Ronald Rauhe.[153] Von 2004 bis 2005 sponserte das Unternehmen ebenfalls die Schwimmerin Hannah Stockbauer.[154][155] O2 war von 2005 bis 2009 offizieller Partner des Deutschen Ski-Verbands.[156]
Am 10. September 2008 wurde die O2 World Berlin mit einem Fassungsvermögen von bis zu 17.000 Besuchern eröffnet. Sie ist Austragungsort zahlreicher Sport-, Musik- und Entertainment-Veranstaltungen. Sie entstand auf einer Fläche am Ostbahnhof Berlin.[157] Im Sommer 2010 wurde aus der Hamburger Color Line Arena die O2 World Hamburg. Das Sponsoring der O2 World Berlin und der O2 World Hamburg endete am 30. Juni 2015, danach wurde die Berliner Halle in Mercedes-Benz Arena,[158] das Hamburger Pendant in Barclaycard Arena umbenannt.[159]
Bundesliga Pur – Lunchtime von Sport1 sendet aus dem 35. Stock der Münchner Zentrale von Telefónica Deutschland, O2 agiert hier seit 2019 als Sponsor für die Location, einen Nachrichtenticker und eine Sendungsrubrik.[160] Bei dem Podcast Alle Wege führen nach Ruhm von Joko Winterscheidt und Paul Ripke trat O2 zwischen 2019 und 2022 bis zum Ausstieg von Winterscheidts als Sponsor auf.[161][162]
In den Jahren 2024 und 2025 war die Marke O2 namensgebender Partner der O2 Surftown MUC, Europas größtem Surfpark. Die Anlage eröffnete im August 2024 in der Gemeinde Hallbergmoos, in direkter Nähe zum Flughafen München Franz Josef Strauß.[163]
Auszeichnungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Für seinen Geschäftsbericht 2018 gewann das Unternehmen den Red Dot Design Award.[164]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Telefónica Germany GmbH & Co. OHG: Die Geschichte von Telefónica Deutschland. In: www.telefonica.de. Abgerufen am 8. November 2019.
- ↑ Angaben zum Vorstand nach Telefónica Germany GmbH & Co. OHG: Vorstand der Telefónica Deutschland Holding AG. In: www.telefonica.de. Abgerufen am 3. Januar 2026.
- ↑ Telefónica Germany GmbH & Co. OHG: Aufsichtsrat. In: www.telefonica.de. Abgerufen am 17. Oktober 2020.
- ↑ [1], PDF-Datei, abgerufen am 5. Januar 2026
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