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Niningerit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Niningerit
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1966-036[1]

IMA-Symbol

Nng[2]

Chemische Formel
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfide und Sulfosalze
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

II/B.11
II/C.15-010[4]

2.CD.10
02.08.01.06
Kristallographische Daten
Kristallsystem kubisch
Kristallklasse; Symbol hexakisoktaedrisch; 4/m32/m[5]
Raumgruppe Fm3m (Nr. 225)Vorlage:Raumgruppe/225[3]
Gitterparameter a = 5,17 Å[3]
Formeleinheiten Z = 4[3]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 3,5 bis 4[6]
Dichte (g/cm3) berechnet: 3,21 bis 3,59[7]
Spaltbarkeit nicht definiert
Bruch; Tenazität nicht definiert
Farbe im Auflicht grau[7]
Strichfarbe nicht definiert
Transparenz undurchsichtig (opak)[7]
Glanz Metallglanz[7]

Niningerit ist ein sehr seltenes und bisher ausschließlich in Meteoriten gefundenes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ mit der idealisierten chemischen Zusammensetzung MgS[1] und damit chemisch gesehen Magnesiumsulfid. Natürlich vorkommender Niningerit enthält allerdings in der Regel geringe Anteile an Eisen und Mangan, daher ist in verschiedenen Quellen auch die Mischformel (Mg,Fe,Mn)S[3] beziehungsweise (Mg,Fe2+,Mn)S[7] zu finden. Die in den runden Klammern angegebenen Elemente können sich in der Formel jeweils gegenseitig vertreten (Substitution, Diadochie), stehen jedoch zusammen im selben Molverhältnis zu den anderen Bestandteilen des Minerals.

Niningerit kristallisiert im kubischen Kristallsystem, konnte jedoch bisher nur in Form undurchsichtiger, mikrokristalliner Aggregate von grauer, metallisch glänzender Farbe gefunden werden.

Etymologie und Geschichte

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Für die Analyse wurden Mikroproben aus sechs Enstatit-Chondriten ausgewertet: Abee aus Kanada, Saint-Sauveur aus der gleichnamigen französischen Gemeinde, Adhi Kot aus Pakistan, Indarch aus dem aserbaidschanischen Bezirk Ağcabədi, Saint Mark’s (Meteorit) aus dem gleichnamigen Ort im südafrikanischen Distrikt Chris Hani und Kota-Kota aus dem malawischen Distrikt Nkhotakota.

Die deutlichste Dominanz von Magnesium wiesen dabei die Proben von Indarch, Saint Mark’s und Kota-Kota auf. Daneben wurden aber auch geringe Anteile von Eisen und Mangan gemessen.[8] Diese drei Meteoriten gelten daher als Typlokalität für Niningerit.[7]

Die Analyse und Erstbeschreibung des Minerals erfolgte durch Klaus Keil und Kenneth G. Snetsinger, die es nach dem Meteoritenforscher Harvey Harlow Nininger (1887–1986) benannten, um dessen Beiträge zur Erforschung der Meteoriten zu ehren. Keil und Snetsinger sandten ihre Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 1966 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangsnummer der IMA: 1966-036[1]), die den Niningerit als eigenständige Mineralart anerkannte. Die Erstbeschreibung wurde 1967 im Fachmagazin Science veröffentlicht.

Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals ist nicht definiert oder nicht bekannt.[7][9]

Bereist in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Niningerit zur Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort zur Abteilung „Sulfide mit M : S = 1 : 1“, wo er gemeinsam mit Alabandin, Altait, Clausthalit, Galenit und Oldhamit in der „Galenit-Reihe“ mit der Systemnummer II/B.11 steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer II/C.15-010. Dies entspricht der Abteilung „Sulfide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : S,Se,Te ≈ 1 : 1“, wo Niningerit zusammen mit Alabandin, Altait, Clausthalit, Crerarit, Galenit, Keilit und Oldhamit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer II/C.15 bildet.[4]

Auch die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Niningerit in die Abteilung „Metallsulfide, M : S = 1 : 1 (und ähnliche)“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metallen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „mit Zinn (Sn), Blei (Pb), Quecksilber (Hg) usw.“ zu finden, wo es zusammen mit Alabandin, Altait, Clausthalit, Galenit, Keilit und Oldhamit die „Galenitgruppe“ mit der Systemnummer 2.CD.10 bildet.[10]

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen und zuletzt 1997 herausgegebenen Systematik der Minerale nach Dana hat Niningerit die System- und Mineralnummer 02.08.01.06. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfidminerale“. Hier findet er sich in der „Galenitgruppe“, in der auch Galenit, Clausthalit, Altait, Alabandin, Oldhamit, Borovskit und Crerarit eingeordnet sind.[11]

Kristallstruktur

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Niningerit kristallisiert in der kubischen Raumgruppe Fm3m (Raumgruppen-Nr. 225)Vorlage:Raumgruppe/225 mit dem Gitterparameter a = 5,17 Å sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[3]

Bildung und Fundorte

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Niningerit bildet sich metamorph in Steinmeteoriten, den sogenannten Enstatit-Chondriten, wo er meist mit Kamacit und Troilit vergesellschaftet vorkommt.

Als sehr selten vorkommende Mineralbildung ist Niningerit bisher nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 30 Vorkommen dokumentiert sind (Stand 2026).[12] Seine Typlokalität Indarch-Meteorit ist dabei der bisher einzige Fundort in Aserbaidschan.

Daneben fand man das Mineral noch im Mars-Meteorit ALH 84001 in der Antarktis, im „Qingzhen-Meteorit“ in der chinesischen Provinz Guizhou, im Kaidun-Meteorit im Jemen, im Abee-Meteoriten in der kanadischen Provinz Alberta, im Kota-Kota-Meteorit in Malawi, im „Adhi-Kot-Meteorit“ in Punjab (Pakistan), im „St.-Mark's-Meteorit“ im Distrikt Chris Hani in Südafrika, im Itqiy-Meteorit in der Westsahara und im „Shallowater-Meteorit“ im Lubbock County des US-Bundesstaates Texas.[13]

Im Meteoritengestein vom Mond, genauer aus der Hadley-Rille, das die Apollo-15-Mission zur Erde brachte, wurde ebenfalls Niningerit entdeckt.[13]

  • Klaus Keil, K. G. Snetsinger: Niningerite: a new meteoritic sulfide. In: Science. Band 155, Nr. 3761, 1967, S. 451–453, doi:10.1126/science.155.3761.451.
  • Michael Fleischer: New Mineral Names. In: American Mineralogist. Band 52, 1967, S. 925–929 (minsocam.org [PDF; 329 kB; abgerufen am 2. November 2026]).
  • Caroline Avril, Valérie Malavergne, Razvan Caracas, Brigitte Zanda, Bruno Reynard, Emeline Charon, Ema Bobocioiu, Fabrice Brunet, Stephan Borensztajn, Sylvain Pont, Martine Tarrida, François Guyot: Raman spectroscopic properties and Raman identification of CaS-MgS-MnS-FeS-Cr2FeS4 sulfides in meteorites and reduced sulfur-rich systems. In: Meteoritics and Planetary Science. Band 48, Nr. 8, 2013, S. 1415–1426, doi:10.1111/maps.12145 (englisch).

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 4 Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: September 2026. (PDF; 3,1 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, September 2026, abgerufen am 2. November 2026 (englisch).
  2. ↑ Laurence N. Warr: IMA–CNMNC approved mineral symbols. In: Mineralogical Magazine. Band 85, 2021, S. 291–320, doi:10.1180/mgm.2021.43 (englisch, cambridge.org [PDF; 351 kB; abgerufen am 2. November 2026]).
  3. 1 2 3 4 5 6 Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 90 (englisch).
  4. 1 2 3 Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
  5. ↑ David Barthelmy: Niningerite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 2. November 2026 (englisch).
  6. ↑ Niningerite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 2. November 2026 (englisch).
  7. 1 2 3 4 5 6 7 Niningerite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org [PDF; 50 kB; abgerufen am 2. November 2026]).
  8. ↑ Michael Fleischer: New Mineral Names. In: American Mineralogist. Band 52, 1967, S. 925–929 (minsocam.org [PDF; 329 kB; abgerufen am 2. November 2026]).
  9. ↑ Catalogue of Type Mineral Specimens – N. (PDF 160 kB) Commission on Museums (IMA), 10. Februar 2021, abgerufen am 2. November 2026 (Gesamtkatalog der IMA).
  10. ↑ Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Original am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (englisch).
  11. ↑ Richard V. Gaines, H. Catherine W. Skinner, Eugene E. Foord, Brian Mason, Abraham Rosenzweig: Dana’s New Mineralogy. 8. Auflage. John Wiley & Sons, New York u. a. 1997, ISBN 0-471-19310-0, S. 66 (englisch).
  12. ↑ Localities for Niningerite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 2. November 2026 (englisch).
  13. 1 2 Fundortliste für Niningerite beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 2. November 2026.