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Nicolas Cop

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Nicolas Cop (* um 1501 in Paris; † 1540; auch Nicolaus Cop, Nicolaus Copus; Kopp; fr.: Nicola) war ein Rektor der Universität Paris und Mediziner.[1] Er war ein wichtiger Weggefährte des späteren Reformators Johannes Calvin.[2]

Er war der jüngste Sohn von Wilhelm Kopp, dem Leibarzt des französischen Königs Franz I. und Freund von Erasmus von Rotterdam. Seine Brüder Jean und Michel[3] wurden Kanoniker und Justitiar in Paris bzw. Pastor in Genf.

Cop studierte in Paris Philosophie und Medizin, lehrte ab 1530 Philosophie am Collège Sainte-Barbe und wurde am 10. Oktober 1533 zum Rektor der Sorbonne, der Universität von Paris, ernannt.[4] Sein Nachfolger am Collège Sainte-Barbe war der portugiesische Humanist und Pädagoge André de Gouveia. Er war befreundet mit des Königs Schwester Margarete von Navarra.[5] Er nutzte seinen Posten, um deren Werk Le Miroir de l'âme pécheresse zu rehabilitieren.

Am 1. November 1533 hielt Cop eine evangelisch gefärbte Antrittsrede, die höchstwahrscheinlich unter Beteiligung seines Freundes Johannes Calvin entstanden war. Darin kritisierte er vor allem die anwesenden Theologen, dass sie nicht die Gottesliebe, seine Gnade, Rechtfertigung und den Glauben gemäß den Evangelien, der Bergpredigt und den Seligpreisungen lehren, sondern diese biblischen Lehren durch ihre Weisheiten und eigene Gesetze verdrehen würden. Diese Häresie und Missbrauch wolle er nicht länger akzeptieren und dulden. Eine Mehrheit in der Artistenfakultät und der Medizinischen Fakultät standen hinter Cops Aussagen, jedoch die Theologische und die Juristische Fakultät war mehrheitlich gegen ihn eingestellt.[6] Die katholische Leitung der Sorbonne erachtete diese Rede als einen Angriff gegen die heilige katholische Kirche, und das Parlament verurteilte ihn zum Tod durch Verbrennung.[7][8]

So war nebst Cop auch der beteiligte Freund Calvin gefährdet worden und tauchte vorerst unter[9], dann flohen sie aus Paris.[10] Calvins kleine Wohnung in Paris wurde durchsucht und seine dort gefundenen Briefe beschlagnahmt.[11] Cop begab sich bis Februar 1534 nach Basel und traf sich dann in Freiburg mit Erasmus und Ludwig Bär. Er hielt Kontakt zu den Reformern in Straßburg und Ludovicus Carinus, den er wohl von Paris her kannte.

Er ging wieder zurück nach Paris, wo er im Mai 1536 das medizinische Lizenziat erwarb. Im folgenden Jahr wurde er nach Schottland abberufen, wo die frisch verheiratete Madeleine von Frankreich erkrankt war. Er lehrte auch Medizin an der Universität Paris, starb aber plötzlich im Winter 1539/40.

  • Karl Gottlieb Bretschneider (Hg.): Calvin’s Opera Omnia (Corpus Reformatorum), Band 9, S. 873–876; Band 10, S. 30–36
  • Eberhard Busch (Hg.): Calvin Studienausgabe, Band 1.1 bis 8, Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn 2011.
  • Jean-Henri Merle d’Aubigné: History of the reformation in Europe in the time of Calvin, Band 2, S. 265–268.[12]
  • Peter Opitz: Leben und Werk Johannes Calvins, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2009, S. 26–29.

Einzelnachweise

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  1. Peter G. Bietenholz, Thomas Brian Deutscher (Hrsg.): Contemporaries of Erasmus: a biographical register of the Renaissance and Reformation. Bände 1–3. University of Toronto Press, Toronto 1995, ISBN 0-8020-2507-2, S. 337 f. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche)
  2. Nicolas Cop. French theologian, Website britannica.com (englisch, abgerufen am 18. Oktober 2025)
  3. H. Da.: Cop, Michel. In: Historisch-biographisches Lexikon der Schweiz, Band 2, Attinger, Neuenburg 1924
  4. John C. Olin (Hrsg.); Desiderius Erasmus: Six Essays on Erasmus and a Translation of Erasmus' Letter to Carondelet, 1523. Fordham University Press, 1979, ISBN 0-8232-1024-3, S. 82
  5. Henri Tollin: Biographische Beiträge zur Geschichte der Toleranz. Gustav Harnecker, Frankfurt (Oder) 1866, S. 53 f. (Volltext in der Google-Buchsuche).
  6. Peter Opitz: Leben und Werk Johannes Calvins, Göttingen 2009, S. 26–29.
  7. Jim West: Calvin’s Speech for Nicolas Cop on All Saints, 1533, Website zwingliusrevidivivus.wordpress.com (1. November 2014, englisch, abgerufen am 18. Oktober 2025)
  8. Jim West: The Anniversary of the Reformatory Speech of Nicholas Cop (Written by John Calvin), Website zwingliusredivivus.wordpress.com (1. November 2023?, englisch, abgerufen am 18. Oktober 2025)
  9. Kathrin Zeilmann: Unerbittlicher Asket oder visionärer Christenmensch? Vor 500 Jahren wurde Johannes Calvin geboren. Sein Glaube trieb ihn ins Exil nach Genf, wo er eine strenge Gemeindeordnung schuf, Website focus.de (10. Juli 2009, abgerufen am 19. Oktober 2025)
  10. Achim Detmers: Warum musste Calvin seine französische Heimat verlassen?, Johannes Calvin 1509−2009, Reformierter Bund in Deutschland, Website calvin09.de (abgerufen am 19. Oktober 2025)
  11. Peter Opitz: Leben und Werk Johannes Calvins, Göttingen 2009, S. 26–29.
  12. https://www.gutenberg.org/ebooks/59352