Nichel
Nichel Gemeinde Mühlenfließ | ||
|---|---|---|
| Koordinaten: | 52° 7′ N, 12° 49′ O | |
| Höhe: | 56 m ü. NHN | |
| Fläche: | 12,05 km² | |
| Einwohner: | 253 (31. Dez. 2006)[1] | |
| Bevölkerungsdichte: | 21 Einwohner/km² | |
| Eingemeindung: | 1. Juli 2002 | |
| Postleitzahl: | 14822 | |
| Vorwahl: | 033843 | |
Lage von Nichel in Brandenburg
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Denkmalgeschützte Mühle in Nichel | ||
Nichel ist ein Ortsteil der amtsangehörigen Gemeinde Mühlenfließ im Landkreis Potsdam-Mittelmark in Brandenburg. Der Ort gehört dem Amt Niemegk an.
Lage
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nichel liegt im Norden des Hohen Flämings im gleichnamigen Naturpark etwa zehn Kilometer südöstlich von Brück und etwa fünf Kilometer nordwestlich von Treuenbrietzen. Umliegende Ortschaften Schlalach im Norden, die Stadt Treuenbrietzen im Osten und Südosten, der zu Treuenbrietzen gehörende Ortsteil Rietz im Süden, Haseloff im Südwesten, Niederwerbig im Westen sowie dessen Gemeindeteil Jeserig im Nordwesten.
Durch Nichel verläuft die Landesstraße 85. Die Bundesstraße 102 von Bad Belzig nach Jüterbog verläuft durch den südlichen Teil der Gemarkung des Ortes. Die nächstgelegene Autobahnanschlussstelle Brück an der Bundesautobahn 9 ist etwa sieben Kilometer entfernt. Zu Nichel gehört der Wohnplatz Ziegelei.
Geschichte und Etymologie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Etymologie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nichel wurde erstmals im Jahr 1303 als cum aqua Nichele urkundlich erwähnt. Der Ortsname ist slawischen Ursprungs auf den durch den Ort fließenden Schlalacher Mühlengraben zurückzuführen. Ursprünglich bestand der Ort aus den Teilen Obernichel (Nichel superior) und Unter-Nichel (Nichel inferior), wobei Obernichel 1375 bereits wüst lag.[2] Weitere Schreibweisen waren de nichil im Jahr 1331, Nychel inferior, Nichel inferior, Nychil inferior im Landbuch Karls IV. sowie von dem dorffe czur Neder Nichele im Jahr 1441 und Nichell im Jahr 1580.[3]
Besitzgeschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Für Nichel gestalteten sich die Herrschafts- und Besitzverhältnisse im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit vielschichtig. Bis 1371 befand sich der Ort im Besitz der Familie Wedemer, anschließend gehörte er von 1371 bis 1684 der Familie von Oppen. Ab 1684 war Nichel dem Amt Saarmund zugeordnet, bevor es 1826 an das Amt Potsdam gelangte, dem es über Ober- und Untergericht sowie den Wagendienst bis 1872 angehörte. Im Jahr 1375 umfasste der Besitz 6 ½ Hufen, eine halbe Schäferei sowie den alten Weinberg, der 1550 als Leibgedinge erwähnt wurde und vermutlich die Hälfte des Weinbergs ausmachte; 1655 wurden 15 Ritterhufen verzeichnet.
Vor 1375 verfügte der Markgraf über 22 Hufen und eine Mühle. Diese Besitzungen wurden 1375 hinsichtlich Pacht und Zins an die von Lindow zu Treuenbrietzen, die von Brant sowie die Familie Dochow ausgetan. Bis 1439 übten die Brandt von Lindau Hebungen aus einer Hufe, einem Zweieinhalbhufner, vier Zweihufner, drei Einhufner sowie aus dem Fleischzehnten der mittleren Mühle aus und besaßen dort auch das Herrenrecht; hinzu kamen Hebungen aus einem Hof sowie das Herrenrecht über diesen Hof. Im Jahr 1439 gingen diese Rechte an die von Bredow über. Die Brandt von Lindau besaßen noch 1592 zwei freie Hufen in Nichel. Der gesamte Besitzkomplex wurde im Laufe der Zeit schrittweise vereinigt und schließlich mit dem erstgenannten Anteil zusammengeführt.[3]
14. bis 16. Jahrhundert
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Für das Jahr 1375 wurden in Nichel insgesamt 30 Hufen verzeichnet. Davon besaß der Pfarrer eine Hufe, während der Lehnschulze zwei Hufen innehatte. 15 ½ Hufen befanden sich im Besitz der Söhne Brandt. Je zwei Hufen gehörten den von Lindow zu Treuenbrietzen gemeinsam mit den Söhnen Brandt sowie der Familie Dochow. Weitere zweieinhalb Hufen hielten die von Lindow zu Treuenbrietzen gegen Entrichtung von Pacht und Zins vom Markgrafen. Zusätzlich bestanden im Ort 14 Kossätenstellen, ein Krug sowie drei Mühlen, von denen eine dem Schulzen gehörte und eine von den von Lindow vom Markgrafen zu Lehen gehalten wurde. Im Jahr 1450 wurden 29 Hufen gezählt, von denen eine Hufe weiterhin dem Pfarrer zustand.[3]
Für das Jahr 1541 ist überliefert, dass der Pfarrer von den insgesamt 29 Hufen in Nichel aus jeder Hufe Abgaben in Höhe von drei Scheffeln Roggen, zwei Scheffeln Hafer und einem Scheffel Gerste erhielt. Darüber hinaus bezog er elf Wispel und zwei Scheffel Scheffelkorn, vermutlich als Gesamtzehnt, sowie ein Drittel des Fleischzehnten. Dem Pfarrer standen zudem zwei Pfarrhufen zu. Aus der einen Pfarrhufe erhielt er einen Scheffel Weizen, aus der anderen neun Scheffel, je zur Hälfte Roggen und Hafer. Weiterhin besaß er eine Wiese mit einem Ertrag von zwei Fuder Heu sowie einen Kohlgarten. Am Schulzenhof hatte der Pfarrer zwei Teile der Einkünfte, während der dritte Teil der Familie von Oppen zustand. Der Küster verfügte über ein Küsterhäuslein, ein Hoflein, eine Wiese mit ebenfalls zwei Fuder Heu Ertrag sowie freies Holz. Zusätzlich erhielt er 32 Scheffel Scheffelkorn sowie aus jedem Haus zwei Brote und Ostereier. Die Kirche besaß drei Morgen Wiese und ein Endichen Land.[4] Im Jahr 1550 bestand in Nichel ein Rittersitz mit sechseinhalb Hufen, einer halben Schäferei sowie einem alten Weinberg, der als Leibgedinge ausgesetzt war. 1580 wurde vermerkt, dass die Einwohner keinen Schäferknecht hatten.[3]
17. Jahrhundert
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Jahr 1608 bestanden in Nichel zwei Rittersitze im Besitz der Familie von Oppen. 1624 wurden sieben Hufner, 14 Kossäten, von denen fünf nur halbe Abgaben leisteten, ein Müller mit einem Rad, ein Pachtschäfer, ein Hirte, ein Schmied, ein Hausmann sowie ein Hirtenknecht gezählt; insgesamt umfasste der Ort 34 Hufen. 1628 wurden erneut zwei Rittersitze verzeichnet. 1652 bestanden in Nichel drei ganze und zwei halbe Kossätenstellen, darunter ein Schneider; die Bevölkerungszahl betrug fünf Personen. In den Jahren 1682 und 1683 wurden 30 Mittelhufen erfasst, von denen 19 wüst lagen und zur adeligen Kollekte gerechnet wurden. Zudem bestanden achteinhalb Kossätenhöfe, von denen sechs wüst waren.[3]
18. Jahrhundert
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1745 wurden in Nichel acht Bauern, 15 Kossäten sowie eine Wassermühle mit zwei Gängen verzeichnet; im Ort bestand außerdem ein Vorwerk. 1757 bestanden acht Bauernstellen, darunter sechs Dreihufner, von denen einer der Schulze war, sowie zwei Zweihufner. Daneben gab es sieben Ganzkossätenstellen, wobei der Müller über zwei Hufen verfügte und vier weitere je eine Hufe hatten. Hinzu kamen zehn Halbkossäten, darunter der Schmied und der Küster sowie zwei Halbkossäten mit jeweils einer Hufe, ferner neun Büdner und ein einzelner Einlieger. Das Amtsvorwerk umfasste 1344 Morgen und 123 Quadratruten, davon 1147 Morgen und 86 Quadratruten Ackerland mit Erträgen von 21 Scheffeln Weizen, zehn Wispeln und 15 Scheffeln Roggen sowie zweieinhalb Wispeln,[3] kleine Gerste und fünf Wispel Hafer Aussaat. Hinzu kamen 185 Morgen 164 Quadratruten Wiesenwachs, 11 Morgen 53 Quadratruten Garten. Im Vorwerk wurden 20 Stück Kühe, 10 Stück Güstevieh sowie 600 Schafe gehalten; die Bauern betrieben Schweine- und Federviehzucht. In den Jahren 1763 und 1764 wurden in Nichel elf Kolonisten angesetzt, die das Vorwerk mit insgesamt 21 Hufen, davon 19 Hufen sowie weitere zwei Hufen, übernahmen. Aus diesem Besitz wurden zehn Zweihufnerstellen und eine Einhufnerstelle geschaffen. 1772 bestanden im Ort 18 Bauernstellen, 16 Kossätenstellen sowie ein Müller.[4]
19. Jahrhundert
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1801 bestand Nichel aus 16 Ganzbauern, zwei Halbbauern, acht Ganzkossäten, acht Halbkossäten, fünf Büdnern und fünf Einliegern. Zudem gab es eine Wassermühle sowie einen Krug. Der Waldbestand umfasste 412 Morgen. Ferner wurden ein Bauerhufen und zwei Lehenhufen verzeichnet. Insgesamt bestanden 50 Feuerstellen. 1807 wurde Nichel als Dorf bezeichnet; es bestanden 55 Wohnhäuser. 1858 war Nichel ein Dorf mit fünf öffentlichen Gebäuden, 65 Wohngebäuden und 177 Wirtschaftsgebäuden, darunter eine Wassergetreidemühle, eine Getreidemühle sowie eine Ziegelei.[4] Die Gemarkung von Nichel umfasste insgesamt 3674 Morgen. Davon entfielen 65 Morgen auf Gehöfte, 46 Morgen auf Gartenland, 2174 Morgen auf Ackerland, 364 Morgen auf Wiesen sowie 1025 Morgen auf Waldflächen. Nichel bestand in den Jahren 1871, 1881 und 1895 mit den Wohnplätzen Chausseehaus und Ziegelei.[5] Die Nicheler Dorfkirche wurde im Jahr 1868 als Feldsteinkirche auf den Grundmauern des alten Kirchengebäudes errichtet.
20. und 21. Jahrhundert
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1900 bestanden in Nichel 73 Häuser. 1931 gab es 77 Wohnhäuser mit insgesamt 90 Haushaltungen. 1939 wurden 21 land- und forstwirtschaftliche Betriebe mit einer Größe von 20 bis 100 Hektar, 14 Betriebe mit 10 bis 20 Hektar, 31 Betriebe mit 5 bis 10 Hektar sowie vier Betriebe mit 0,5 bis 5 Hektar verzeichnet.[4]
Nichel lag seit jeher im Königreich Preußen und dort im Regierungsbezirk Potsdam. Am 23. April 1945 wurden 127 italienische Zwangsarbeiter in einer Sandgrube bei Nichel durch deutsche Soldaten erschossen.[6] Ein Gedenkstein erinnert heute an das Massaker.[7] Am 25. Juli 1952 wurde die Gemeinde dem damals neu gebildeten Kreis Belzig im Bezirk Potsdam zugeordnet. 1959 bestanden in Nichel zwei Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften. Die erste war eine LPG Typ III mit sechs Mitgliedern und 166 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche, die zweite eine LPG Typ I mit 14 Mitgliedern und 214 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche. 1960 bestanden eine LPG Typ III mit 47 Mitgliedern und 450 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche sowie zwei LPG Typ I mit insgesamt 98 Mitgliedern und 588 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche. 1962 wurden die LPG zusammengeschlossen und 1974 der LPG Typ III angeschlossen. 1973 bestanden in Nichel zwei Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften.[4]
Nach der Wende lag Nichel im Landkreis Belzig in Brandenburg und schloss sich am 11. Februar 1992 dem Amt Niemegk an. Nach der Kreisreform in Brandenburg am 6. Dezember 1993 kam die Gemeinde schließlich zum neu gebildeten Landkreis Potsdam-Mittelmark. Zum 1. Juli 2002 wurde Nichel zusammen mit den bis dahin ebenfalls eigenständigen Gemeinden Haseloff-Grabow, Niederwerbig und Schlalach zu der neuen Gemeinde Mühlenfließ zusammengelegt.[8]
Bevölkerungsentwicklung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Jahr | 1875 | 1890 | 1910 | 1925 | 1933 | 1939 | 1946 | 1950 | 1964 | 1971 | 1981 | 1985 | 1989 | 1995 | 2001 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Einwohner | 392 | 434 | 374 | 397 | 375 | 352 | 416 | 413 | 353 | 332 | 300 | 310 | 294 | 254 | 253 |
Kultur und Sehenswürdigkeiten
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- Die Dorfkirche Nichel ist eine Saalkirche aus dem Jahr 1868, die auf einen Entwurf von F. A. Stüler zurückgeht.
- An der Straße nach Schlalach erinnert ein Gedenkstein an italienische Zwangsarbeiter
- Die Wassermühle mit Gehöft steht unter Denkmalschutz.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Nichel auf der Seite des Amtes Niemegk
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Erstauflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992. (Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 294 bis 296)
Nachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Gemeinde- und Ortsteilverzeichnis. In: geobasis-bb.de. Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 16. August 2017; abgerufen am 25. Juni 2017. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
- ↑ Nichel. In: amt-niemegk.de. Abgerufen am 25. Juni 2017.
- 1 2 3 4 5 6 Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Erstauflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992. (Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 295)
- 1 2 3 4 5 Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Erstauflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992. (Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 296)
- ↑ Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Erstauflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992. (Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 294)
- ↑ Webdoku – Im Märkischen Sand. Abgerufen am 23. April 2024.
- ↑ Das dunkle Geheimnis von Treuenbrietzen. Abgerufen am 23. April 2024.
- ↑ Nichel im Geschichtlichen Ortsverzeichnis des Vereins für Computergenealogie, abgerufen am 30. Oktober 2025.
- ↑ Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. (PDF; 331 kB) Landkreis Potsdam-Mittelmark. Landesbetrieb für Datenverarbeitung und Statistik Land Brandenburg, Dezember 2006, abgerufen am 25. Juni 2017.

