Neutraubling
| Wappen | Deutschlandkarte | |
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| Basisdaten | ||
| Koordinaten: | 49° 0′ N, 12° 12′ O | |
| Bundesland: | Bayern | |
| Regierungsbezirk: | Oberpfalz | |
| Landkreis: | Regensburg | |
| Höhe: | 330 m ü. NHN | |
| Fläche: | 9,75 km² | |
| Einwohner: | 14.351 (31. Dez. 2025)[1] | |
| Bevölkerungsdichte: | 1472 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 93073 | |
| Vorwahl: | 09401 | |
| Kfz-Kennzeichen: | R | |
| Gemeindeschlüssel: | 09 3 75 174 | |
| Stadtgliederung: | 4 Gemeindeteile | |
| Adresse der Stadtverwaltung: |
Regensburger Straße 9 93073 Neutraubling | |
| Website: | www.neutraubling.de | |
| Erster Bürgermeister: | Harald Stadler (Freie Wähler) | |
| Lage der Stadt Neutraubling im Landkreis Regensburg | ||
Neutraubling ist die größte Stadt im Oberpfälzer Landkreis Regensburg in Bayern.
Die Industriestadt liegt in der Donauebene, zehn Kilometer östlich von Regensburg, und ist nach Regenstauf zweitgrößte Kommune im Landkreis. Neutraubling ist eine von fünf bayerischen Vertriebenenstädten und entstand erst nach dem Zweiten Weltkrieg.
Gemeindegliederung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Es gibt vier Gemeindeteile:[2][3]
- Birkenfeld (unbebautes Gebiet der späteren Siedlung Birkenfeld bei der Gemeindebildung Neutraublings, am 1. April 1951 von der Gemeinde Barbing abgegeben)
- Lerchenfeld (Weiler; am 1. Mai 1978 von der Gemeinde Rosenhof an Neutraubling abgegeben)[4]
- Neutraubling (Industrieort)
- Oberheising (Weiler; am 1. Mai 1978 von der Gemeinde Barbing an Neutraubling abgegeben)[4]
Die Gärtnersiedlung südwestlich der Kreuzung von A3 und Walhallastraße ist kein amtlich benannter Gemeindeteil.[4] Dieses damals unbebaute Gebiet wurde am 1. Mai 1978 von der Gemeinde Barbing nach Neutraubling umgegliedert.
Neutraubling ist vor Hemau und Wörth an der Donau die größte Stadt im Landkreis Regensburg.
Geschichte
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Lerchenfeld
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die erste gesicherte Erwähnung des Geschlechts der Lerchenfelder stammt aus dem Jahr 1171, es gibt aber frühere Hinweise auf das Geschlecht und auf einen bajuwarischen Edelsitz, der 926 bei einem Ungarneinfall zerstört worden sein soll. Das Gut Lerchenfeld besitzt mit St. Peter eine Kapelle, die 1260 von Bischof Albertus Magnus geweiht wurde. 1910 wurden in der Kapelle spätgotische Fresken entdeckt.
Oberheising
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Oberheising ist seit 1860 ein Gut des Hauses Thurn und Taxis. Die benachbarten Ansiedlungen Unter- und Mitterheising gehören bereits zur Gemeinde Barbing. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Heising 1209, es handelt sich aber wohl um eine wesentlich ältere bajuwarische Siedlung, deren Name auf einen Heizo oder Hesso zurückgeht. Von 1209 bis zur Säkularisation 1809 gehörte Heising zum Stadtamhofer Katharinenkloster. Auf den Namen Heising geht auch der Familienname Heusinger zurück.
Gärtnersiedlung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Gärtnersiedlung ist eine Gründung der Nachkriegszeit. Seit 1948 wurden hier von der Bayerischen Landessiedlung Bauern aus den Ostgebieten angesiedelt. Zahlreiche Gärtnereien prägten das Bild der Siedlung.
Birkenfeld
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Birkenfeld in seiner heutigen Form entstand erst 1953 aus von der Bayerischen Landessiedlung angesiedelten Bauern aus den Ostgebieten. Vorher befand sich der erstmals 1068 urkundlich erwähnte Ort Pirka an dieser Stelle. Der Name leitet sich ebenfalls von hier auf dem ehemals sumpfigen Land um den Moosgraben wachsenden Birken ab. Ab 1264 bis ins 19. Jh. war das Gut Pirka im Besitz des Frauenklosters Heilig Kreuz, woran heute das Kreuz im Wappen Neutraublings erinnert. Im 19. Jh. ließ König Ludwig I. die schnurgerade Walhallastraße zwischen Obertraubling und Barbing anlegen, die in Blickrichtung auf die Walhalla verläuft und später die Haupterschließungsstraße von Neutraubling wurde. 1933 wurden einige aus dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr ausgesiedelte Bauernfamilien im damals zur Gemeinde Rosenhof gehörenden Pirka ansässig. 1936 wurde die Siedlung wegen des Baus des Militärflugplatzes vollständig abgerissen. Auf dem damals (bis auf das zur Gemeinde Rosenhof gehörende Pirka) unbebauten Gelände der heutigen Stadt Neutraubling wurde von 1936 bis 1938 der Militärflugplatz Obertraubling errichtet, der ab 1940 auch Produktionsstätte der Messerschmitt-Werke war. Diese bauten hier u. a. den (später motorisierten) Lastensegler Me 321 Gigant bzw. das große Transportflugzeug Me 323 Gigant sowie die Me 262, das erste in Serie gebaute Düsenflugzeug der Welt.
Messerschmitt-Werke und Zwangsarbeit
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Ende 1940 wurde mit dem Aufbau des Zwangsarbeiterlagers Messerschmitt begonnen. Für den Aufbau dieser Werkstätten wurden anfangs 2200 deutsche Soldaten der Strafkompanie aus Grafenwöhr herangezogen. In der Folge wurde diese durch sogenannte Ostarbeiter und hauptsächlich durch sowjetische Kriegsgefangene (Offiziere) ersetzt. Zu deren Unterbringung errichtete man auf bzw. gleich neben dem Werksgelände zwei so genannte „Russenlager“. Insgesamt mussten dort etwa 2750 Gefangene[5] unter miserablen Bedingungen leben und in der Flugzeugproduktion Zwangsarbeit leisten.[6] Von Januar 1941 bis Ende 1943 wurden auf dem Gelände großräumige Transportflugzeuge (die sogenannten Messerschmitt-Giganten), wie die Me 321 und Me 323, produziert. Nachdem das Werk Anfang 1942 unter die Verwaltung der Regensburger Messerschmitt GmbH gestellt wurde, fertigte man in Obertraubling in großen Stückzahlen u. a. die Kampfflugzeuge Messerschmitt Bf 109 (seit August 1943) und Me 262 (seit Januar 1944), so dass mit den Standorten Regensburg und Obertraubling ein „Schwerpunkt der deutschen Jagdflugzeugproduktion“ entstand.[7]
Mit der anhaltenden systematischen Bombardierung aller Messerschmitt-Werke im Reichsgebiet durch alliierte Verbände wurden die Produktionsstätten systematisch dezentralisiert und in getarnte „Waldwerke“ verlegt. Das Obertraublinger Werk mit seinem ausreichend großen Flugfeld wurde in diesem Zusammenhang stark aufgewertet und „als logistischer Hauptstützpunkt beibehalten“, da man dort die Endmontage und den Einflug der Jagdflugzeuge, d. h. die Tests zur Inbetriebnahme, vornehmen konnte. So wurde z. B. der Düsenjäger Me 262, auf den das Naziregime weitreichende Hoffnungen für den Luftkrieg setzte, in Obertraubling bis zum 23. April 1945 fertigmontiert und geliefert.[8]
In den letzten Kriegsmonaten des Zweiten Weltkrieges wurde im Rohbau des ehemaligen Casinogebäudes (an der Stelle des heutigen Rathauses) das KZ-Außenlager Obertraubling des Konzentrationslagers Flossenbürg errichtet, in dem vom 20. Februar bis zum 16. April 1945 rund 600 Häftlinge unterschiedlichster Nationen interniert waren. Dies Gefangenen mussten die Flugfelder des Messerschmitt-Werks instand halten. Mindestens 174 von ihnen starben auf Grund der miserablen Bedingungen und wurden nördlich des Casinogebäudes begraben. Am 16. April 1945 wurde das Außenkommando Obertraubling von der SS aufgelöst. Marschunfähige und Kranke brachten sie per Lastwagen ins Konzentrationslager Dachau. Die Anderen mussten sich zu Fuß auf den Weg dorthin begeben. Laut Bericht eines Überlebenden sind nur ca. 25 Personen dieses Todesmarsches lebend in Dachau angekommen.[9]
Der auf Veranlassung der Amerikanischen Militärbehörden angelegte und am 17. Juni 1950 eingeweihte KZ-Friedhof wurde schon sechs Jahre später wegen der zentralen Zusammenlegung von Gräbern von KZ-Häftlingen wieder aufgelöst. Eine französische Spezialeinheit überführte die Toten in die Gedenkstätte Flossenbürg. Das Kreuz aus dem KZ-Friedhof steht heute auf dem Neutraublinger Friedhof. Auf dem ehemaligen Friedhofsgelände wurde später Bauland ausgewiesen.
Nach dem 2. Weltkrieg
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die politische Gemeinde Neutraubling entstand erst am 1. April 1951 aus Gebietsteilen der Gemeinde Barbing[10] auf dem bei Luftangriffen 1944/45 zerstörten Militärflugplatz, der von den Amerikanern als Airfield R.97 bezeichnet worden war. In den Ruinen der Flugplatzgebäude siedelten sich Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten und ganz Osteuropa an. Bei der Gemeindegründung 1951 durch Ausgliederung der Industriesiedlung aus der Gemeinde Barbing betrug die Anzahl der Einwohner bereits 1296, davon 93 % Vertriebene. Zusammen mit Kaufbeuren-Neugablonz, Geretsried, Traunreut und Waldkraiburg ist Neutraubling eine der bayerischen Vertriebenenstädte/-gemeinden mit vergleichbarer Kriegs- und Nachkriegsgeschichte.
Die Infrastruktur der verbliebenen Flugplatzanlagen und das Fachwissen der Vertriebenen ermöglichten eine rasante Entwicklung zum bedeutendsten Industriestandort im Landkreis Regensburg mit Firmen von teils weit überregionaler Bedeutung. Damit einhergehend kam es in den 1960er und 1970er Jahren zum Zuzug zahlreicher Gastarbeiter aus Süd- und Südosteuropa und besonders der Türkei. Seit den 1990er Jahren sind auch Spätaussiedler aus Osteuropa in Neutraubling zugezogen.
Neutraubling entwickelte sich immer mehr zur Industrie-, Schul-, Ärzte- und Einkaufsstadt fort. Der Anteil der Vertriebenen an der Gesamtbevölkerung ging dabei stetig zurück. Ein besonderer Schub kam in den 1980er Jahren durch die Ansiedlung des BMW-Werkes Regensburg in unmittelbarer Nachbarschaft.
Am 13. Juni 1986 erfolgte die Erhebung der Gemeinde Neutraubling zur Stadt.
1998 brach bei dem Aerosolhersteller Czewo der größte Brand der Nachkriegsgeschichte im Landkreis Regensburg aus.
Trivia
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1982 rückte Neutraubling in den Mittelpunkt des Interesses der nationalen und internationalen Presse. In der Praxis eines ansässigen Zahnarztes schien ein Geist umzugehen. Dieser Geist sprach aus dem Spucknapf und beleidigte Patienten, den Arzt und sonstige Anwesende. Wochenlang versuchten Techniker, Kriminalisten und sonstige Spezialisten das Phänomen zu erkunden und erklären, selbst eine von der Staatsanwaltschaft ins Leben gerufene Soko „Geist“ war anfangs erfolglos. Am Ende stellte sich heraus, dass die 16-jährige Zahnarzthelferin zusammen mit dem Zahnarzt und seiner Frau mit dem Geist „Chopper“ die gesamte Nation narrte.
Eingemeindungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 1. Mai 1978 wurden der Gemeinde die Gärtnersiedlung (vorher zu Barbing) sowie die beiden Güter Oberheising (vorher zu Barbing) und Lerchenfeld (vorher zu Rosenhof) zugesprochen.[11]
Einwohnerentwicklung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Stadt von 9.810 auf 13.796 um 3.986 Einwohner bzw. um 40,6 %.
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Politik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Stadtrat
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Der Stadtrat hat 24 Mitglieder und setzt sich seit der Kommunalwahl vom 15. März 2020 wie folgt zusammen:
| Partei | Sitze |
|---|---|
| Freie Wähler | 9 |
| CSU | 8 |
| Grüne/Aktive | 4 |
| SPD | 3 |
Von den 10.011 stimmberechtigten Einwohnern haben 4.873 von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht, womit die Wahlbeteiligung bei 48,68 Prozent lag.
Bürgermeister seit 1951
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Hans Herget (SPD) von 1951 (Gemeindegründung) bis 1965
- Herbert Scholz, geb. 14. Mai 1923, gest. 13. April 2007, von 1965 bis 1988
- Eleonore Mayer (SPD) von 1988 bis 30. Juni 2006
- Heinz Kiechle (CSU) 1. Juli 2006 bis 30. April 2020
- Harald Stadler (Freie Wähler) seit 1. Mai 2020[13]
- Amtierender Bürgermeister
Erster Bürgermeister ist seit 1. Mai 2020 Harald Stadler (Freie Wähler). Am 15. März 2020 wurde er mit 51,89 % der Wählerstimmen als Erster Bürgermeister gewählt.[14]
Wappen und Flagge
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Blasonierung: „Durch eine eingeschweifte rote Spitze, darin ein silberner Leerschild, gespalten von Silber und Gold; vorne ein rotes Patriarchenkreuz, hinten ein aus dem Schildrand wachsendes schwarzes Zahnrad.“[15] | |
| Wappenbegründung: Das Wappen von Neutraubling zeigt in einer eingeschweiften roten Spitze einen leeren silbernen Wappenschild, der symbolisch für die Heimatorte der Vertriebenen steht, die 1951 bei der Gemeindegründung 93 Prozent der Bevölkerung ausmachten. Diese Ansiedlung entstand nach 1945 auf dem zerstörten Flugplatz Obertraubling. Im vorderen Teil des Wappens befindet sich ein rotes Patriarchenkreuz, das an die bedeutenden Regensburger Klöster erinnert, insbesondere an das Kloster Heilig Kreuz, welches vom Mittelalter bis ins frühe 19. Jahrhundert der wichtigste Grundherr im heutigen Stadtgebiet war. Auch andere Klöster wie St. Emmeram, Obermünster und Prüfening besaßen hier Ländereien. Die enge historische Verbindung zur Gemeinde Obertraubling wird durch die Verwendung des roten Dreifachkreuzes in beiden Gemeindewappen betont. Am hinteren Schildrand wächst ein schwarzes Zahnrad hervor, das die große Bedeutung der metallverarbeitenden Industrie für die Stadtentwicklung symbolisiert. Die Farbkombination Schwarz, Rot und Silber erinnert zudem an das Wappen der Haidauer, einem Adelsgeschlecht, dem im 13. Jahrhundert das wittelsbachische Amt Haidau übertragen wurde, zu dem auch das Gebiet um Neutraubling gehörte. Das vom Heimatpfleger Josef Fendl entworfene Stadtwappen und die schwarz-gelb gestreifte Flagge mit dem nach oben versetzt aufgelegten Wappen wurden am 21. August 1969 durch den Innenminister Bayerns genehmigt. |


