Neulobeda
Neulobeda Stadt Jena | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Koordinaten: | 50° 53′ N, 11° 37′ O | ||||||||
| Höhe: | 170 m ü. NN | ||||||||
| Fläche: | 3,6 km²[1] | ||||||||
| Einwohner: | 21.565 (31. Dez. 2024) HW[1] | ||||||||
| Bevölkerungsdichte: | 5.990 Einwohner/km² | ||||||||
| Postleitzahl: | 07747 | ||||||||
| Vorwahl: | 03641 | ||||||||
| Januar 1993 | April 1994 | 1995 | 2000 | 2005 | 2010 | 2015 | 2020 | 2023 | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Lobeda-West | 12.252 | 12.133 | 11.293 | 9.240 | 9.360 | 9.129 | 9.923 | 10.395 | 10.523 |
| Lobeda-Ost bzw. Mitte | 13.765 | 11.107 | 10.629 | 6.592 | 5.777 | 5.769 | 5.859 | 5.517 | 5.545 |
| Lobeda-Ost, Flur Drackendorf | 6.162 | 8.582 | 8.065 | 6.993 | 6.515 | 6.467 | 6.396 | 6.130 | 6.114 |
| Summe | 32.179 | 31.822 | 29.987 | 22.825 | 21.652 | 21.365 | 22.178 | 22.042 | 22.182 |
(Anmerkung: In der Jenaer Stadtplanung hat sich heute, beispielsweise im Integrierten Entwicklungskonzept 2009 – IEK 2009 – für das bisherige Gebiet Lobeda-Ost außerhalb der Drackendorfer Flur, im Wesentlichen das Hochhausgebiet östlich der Stadtrodaer Straße bis zum Klinikum und dieses selbst, die Bezeichnung Lobeda-Mitte durchgesetzt; die Bezeichnung Lobeda-Ost beschränkt sich heute auf das Gebiet auf Drackendorfer Flur.)
Im Zuge der Anwendung des Altschuldenhilfe-Gesetzes wurden nach 1990 zahlreiche Häuser an Erwerber außerhalb des alten Eigentümerkreises verkauft, so an zwei neu gegründete Genossenschaften (WG „Unter der Lobdeburg“ e.G. in der Bonhoefferstraße und WG „Lobeda West“ e.G. in der Theobald-Renner-Straße), das Studierendenwerk Thüringen und zwei private Wohnungsunternehmen (W.O.H.N.E.N. Zwischenerwerber GmbH und BAU CONTROL GmbH). Damit gab es 2009 neun Großvermieter in Neulobeda (Liste im IEK 2009, Druckseite 15). In weiteren Häusern bildeten sich Wohnungseigentümergemeinschaften.
In dieser Zeit bildeten sich auch in Jena soziale Schichten aus, deren Vertreter auf der Basis ihres materiellen Vermögens relativ gut zuzuordnen sind. Damit änderten sich die Ansprüche der so genannten Mittelschicht an ihr Wohnumfeld (von moderner Plattenbauwohnung hin zum Eigenheim mit Garten) und das Wohngebiet durchlief eine eigendynamische Abwärtsspirale aus Imageverlust und sozialer Entmischung.[15]
Auch übergeordnete Nach-Wende-Phänomene wie steigender Sterbeüberschuss, Einwohnerverlust und Massenarbeitslosigkeit sowie die aus solcher folgende individuell erlebte Perspektivlosigkeit vereitelten lange Zeit die Wiederaufwertung Neulobedas und ebneten den Weg für Verfallssymptome[16], konkret für den Wegfall der gegenseitigen sozialen Kontrolle, steigende Kriminalität, offenen Extremismus und Vandalismus[17]. Ab Mitte der 1990er Jahre befand sich Neulobeda auf dem Weg zum Sozialen Brennpunkt, obwohl sich in diesen Jahren die kommerzielle Infrastruktur verbesserte.
1998 wurden die Stadtteile Lobeda-West und Lobeda-Ost zur Ortschaft Neulobeda zusammengefasst, womit erstmals die zuvor nur umgangssprachlich bestehende Bezeichnung amtlich verwendet wurde. Die Einwohner wählten am 27. November 1998 Ortschaftsrat und Ortsbürgermeister. Dieses Amt wird seitdem von Volker Blumentritt (SPD) bekleidet.
Um die Wohnsituation im Stadtteil zu verbessern, wurden zahlreiche Wohnungen und Flächen aus dem Bund-Länder-Programm Die Soziale Stadt modernisiert. Die angrenzende Bundesautobahn 4 wurde bis 2010 im Bereich Lobeda abgesenkt und eingehaust. Die Absenkung wurde durch große Natursteinblöcke hangseitig stabilisiert, über der knapp 600 Meter langen Einhausung wurde eine ca. 7 Hektar große Grünfläche angelegt und als Park mit Radwegen gestaltet.
Leerstehende Wohnblöcke wurden abgerissen oder Etagen abgetragen, die verbleibenden Gebäude modernisiert. Seit 2005 ist so der Leerstandsanteil sinkend[18], das Wohnviertel wird wieder beliebter. Auch der Neubau des Universitätsklinikum Jena machte den Stadtteil attraktiver. Im Umfeld des Klinikums, in den frei gewordenen Flächen zwischen den bestehenden Plattenbauten, wurden kleinere moderne Neubauten mit hochwertigen Wohnungen und Gewerbeeinheiten errichtet.[19] Neben den bestehenden Parks wurden neue Freiflächen und Sportanlagen gestaltet.[20]
Ende 2022 war Neulobeda auf 21'753 Einwohner gewachsen.[21]
Religion
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In Lobeda-Ost gibt es eine Außenstelle der Missionarinnen Christi. Von 1981 bis 1983 wurde das evangelisch-lutherische Martin-Niemöller-Haus, ein Gemeindehaus mit Kirchsaal, erbaut[22], das in unmittelbarer Nähe zu Lobeda-Ost im Ortsteil Lobeda-Altstadt liegt.
Bildung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Lobeda-West ist u. a. das Otto-Schott-Gymnasium[23] angesiedelt. Weiterhin existieren die Förderschule Janis-Schule, zwei Regelschulen (Lobeda-Ost, -West), verschiedene Grundschulen und die SBBS für Gesundheit und Soziales.[24] Seit dem Schuljahr 2015/16 ist das zuvor leerstehende Schulgebäude der ehemaligen POS „Emil Wölk“ in Lobeda-West an die Freie Fachschule für Sozialwesen der Thüringer Sozialakademie vermietet.
Verkehr
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Straßenverkehr
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Neulobeda ist über die teilweise kreuzungsfreie Schnellstraße (B 88) gut erschlossen und verbindet die Trabantenstadt mit dem Stadtzentrum Jenas. In südlicher Richtung liegt eine der zwei Autobahnausfahrten Jenas an der A4. Diese früher namenlose Straße führt seit 1991 den Namen Stadtrodaer Straße. Innerhalb von Neulobeda befindet sich ein komplexes Kreuzungsbauwerk (genannt Die Spinne), mit dem die Stadtrodaer Straße mit einer Haupterschließungsachse innerhalb des Stadtteils verbunden ist. Diese Achse, die Neulobeda von Ost nach West komplett durchläuft, nennt sich heute Karl-Marx-Allee und Erlanger Allee. Der Teil in Lobeda-Ost, der heute Erlanger Allee heißt, nannte sich bis 1991 Karl-Marx-Allee. Zahlreiche, aber bei weitem nicht alle Straßen innerhalb des Wohngebiets wurden nach der Wende umbenannt.
Bahnverkehr
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Lobeda-Ost ist mit den Linien 3 und 5 sowie Lobeda-West mit den Linien 1, 3 und 4 der Straßenbahn Jena 24 Stunden am Tag erreichbar. Diese weitestgehend auf eigenen Gleiskörpern verkehrende Straßenbahn gibt es erst seit Dezember 1996, nachdem 1991 konkret mit den Planungen derartiger Schienenverbindungen nach Neulobeda begonnen wurde. Zuvor wurde Neulobeda ausschließlich durch zahlreiche Buslinien mit dem Stadtzentrum verbunden: Zu DDR-Zeiten war immer wieder eine Straßenbahn nach Neulobeda geplant, aber die wirtschaftlichen Verhältnisse der DDR ließen einen Bau nicht zu. In den 60er und frühen 70er Jahren gab es ernstgemeinte Pläne, eine leistungsfähige Alwegbahn als Hochbahn von Neulobeda in das Stadtzentrum zu bauen, deren Planung aber auf Ministerratsbeschluss 1971 verworfen wurde, da der Bau einer solchen Bahn mit „heimischen“ Mitteln nicht umsetzbar war.
Mit dem Zug ist Neulobeda über den Bahnhof Jena-Göschwitz erreichbar. Dort verkehren alle Regionalzüge in Richtung Naumburg, Saalfeld, Erfurt, Gera und Pößneck. Der Bahnhof liegt westlich von Lobeda-West und ist fußläufig und mit der Straßenbahn (Linien 1 und 3) zu erreichen. Die Anbindung an den Fernverkehr erfolgt über den Bahnhof Jena Paradies im Jenaer Stadtzentrum und ist ebenso mit der Straßenbahn erreichbar. Südöstlich der Kernbebauung von Lobeda-Ost liegt der Bahnhof Neue Schenke, an dem nur die Regionalbahn von Weimar nach Gera hält.
Gesundheit und Wirtschaft
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Die seit 1950 erörterte und nach 1970 begonnene Umsiedlung der Universitätskliniken der Friedrich-Schiller-Universität Jena nach Lobeda-Ost (Eröffnung des ersten Bauabschnitts – Klinik für Innere Medizin – am 11. Dezember 1980) wurde abgebrochen und erst nach der Wiedervereinigung 1990 unter dem Titel Klinikum 2000 fortgesetzt.
In unmittelbarer Nähe des Uniklinikums befindet sich das Ambulante Reha-Zentrum Jena der Gräflichen Kliniken Bad Driburg.
Im Bereich Lobeda-Süd befindet sich ein Gewerbe- und Einkaufsgebiet.
Sport und Freizeit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Neulobeda gibt es viele Sport- und Freizeitmöglichkeiten. Hierzu zählen die Schwimmhalle Lobeda-West, mehrere Sportplätze und Sporthallen sowie zahlreiche kleine Spielplätze. Das Fair Resort in Lobeda-Ost bietet auf Indoor-Plätzen Tennis, Badminton, Fitness und Bowling an, in Lobeda-Ost gibt es eine weitere Gaststätte mit Bowlingbahnen. Auf einem Festplatz finden u. a. regelmäßig Konzerte der Jenaer Philharmonie statt.[25]
Der Verein KOMME e. V. bietet neben der Schulsozialarbeit an drei Lobedaer Schulen mehrere Betreuungsmöglichkeiten an:
- Kinder- und Jugendzentrum KLEX
- KuBuS (Kultur-, Begegnungs- und Sportzentrum)
- Stadtteilzentrum LISA (Lobedaer Informations-, Spaß- und Aktionszentrum)[26]
- Jugendzentrum Treffpunkt (einziger städtischer Jugendclub)
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Stadtteilbüro von Neulobeda
- Integriertes Entwicklungskonzept Jena-Lobeda (Autoren: Stadt Jena und WEEBER+PARTNER Institut für Stadtplanung und Sozialforschung, Stand 2009)
- Ansichten aus dem Jahr 1955: Landschaft südlich von Lobeda ohne Bebauung
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 Ortsteil Neulobeda. In: Webauftritt. Stadt Jena, abgerufen im November 2025.
- ↑ Joachim H. Schultze: Jena. Werden, Wachstum und Entwicklungsmöglichkeiten der Universitäts- und Industriestadt. VEB Gustav-Fischer-Verlag, Jena, 1955, S. 215 ff., 259.
- ↑ Stadtarchiv Jena: Chronik der Stadt Jena. Abgerufen am 8. November 2024.
- ↑ WG Carl Zeiss eG: Chronik der Wohnungsgenossenschaft Carl Zeiss eG. (PDF) November 2016, abgerufen am 13. November 2024. Druckseite 42.
- ↑ Foto vom August 1963 (Bildmitte hinten): Roland Handrick: Saaletal. Blick vom Johannis-Berg in Richtung SSW. Im Vordergrund Jena-Lobeda. Abgerufen am 13. November 2024.
- ↑ 100 Jahre Jena im Foto. Bilder aus dem neuen Jena. jena-information 1986, Bild 79.
- ↑ Beschreibung: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR): Wohnungsbauserie IW 65 Magdeburg. (PDF) Abgerufen am 5. Januar 2025.
- ↑ Daten nach: KOMME e. V.: Stadtteilchronik Neulobeda. Abgerufen am 25. Oktober 2024.
- ↑ Stadtarchiv Jena: Chronik der Stadt Jena. Abgerufen am 4. November 2024.
- ↑ Matthias Eichardt, Konrad Spath: Als Jena modern werden sollte. In: Stadtmagazin07. Ausgaben 14 (März 2010), Seiten 10 bis 13, und 15 (April 2010), Seiten 6 bis 9; Florian Görmar Verlag, Lindenhöhe 16, 07749 Jena
- ↑ sichtbar in: 100 Jahre Jena im Foto. Bilder aus dem neuen Jena. jena-information 1986, Bild 81.
- ↑ Neulobeda – ÖWG Jena eG. Abgerufen am 10. November 2024.
- ↑ Wohnhäuser. Abgerufen am 10. November 2024.
- ↑ KOMME e. V.: Stadtteilchronik Neulobeda. Abgerufen am 18. November 2024.
- ↑ Carsten Keller: Leben im Plattenbau: Zur Dynamik sozialer Ausgrenzung. Campus Verlag. Frankfurt am Main 2005.
- ↑ Peter Franz: Soziale Ungleichheit und Stadtentwicklung in ostdeutschen Städten. (PDF) Januar 2020, abgerufen am 20. November 2024.
- ↑ Maßnahmen zur Nachbesserung der Großsiedlungen: Das Fallbeispiel Jena-Lobeda. in: https://www.grin.com/document/106867
- ↑ Lobeda | Jena 1989 – Das Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e. V. Abgerufen am 9. April 2024.
- ↑ K1 in Jena Lobeda – Luxus-Wohnungen, Gastronomie, Arztpraxen & Dienstleistungseinrichtungen. Abgerufen am 9. April 2024 (deutsch).
- ↑ Neulobeda – Lobeda. Abgerufen am 9. April 2024.
- ↑ Neulobeda | Jena Ortsteile. Abgerufen am 9. April 2024.
- ↑ Michael Groß: Vor 30 Jahren wurde das Martin-Niemöller-Haus in Jena-Lobeda gebaut. In: Ostthüringer Zeitung. 1. Februar 2013, abgerufen am 2. März 2024.
- ↑ www.osg.de ( des vom 20. April 2016 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
- ↑ www.mefa.jena.de
- ↑ Michael Groß: Mozart und Ravel in Lobeda. In: Ostthüringer Zeitung. 9. Oktober 2010, abgerufen am 10. März 2024 (Bezahlschranke, archiviert 2013 von Archive.today).
- ↑ Homepage von LISA JenaKultur, Stadtteilzentrum LISA.


