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Native Instruments

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Native Instruments

Logo
Rechtsform GmbH
Gründung 3. Mai 1996
Sitz Berlin (Hauptsitz),

Los Angeles, Tokyo, London, Paris, Shenzhen[1]

Leitung Thomas Kurth
Mitarbeiterzahl 400
Branche Computerhardware und Software
Website www.native-instruments.com/de

Native Instruments (Kurzbezeichnung: „NI“) ist ein 1996 in Berlin gegründetes mittelständisches Unternehmen, das Produkte für die rechnerbasierte Musikproduktion herstellt, vor allem Software-Instrumente. NI bedient dabei schwerpunktmäßig den Bereich Elektronische Musik und DJing. Einige Produkte, wie zum Beispiel die naturgetreue Software-Modellierung der Hammond-Orgel, setzten Maßstäbe in der internationalen Musikproduktion.

Im Januar 2026 beantragte Native Instruments die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Torsten Martini wurde als vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt.[2][3]

Geschichte und Bedeutung

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Native instruments Logo bis 2023

Das Unternehmen geht auf die Idee des Ingenieurs und Musikers Stephan Schmitt zurück. Schmitt fühlte sich 1994 einerseits vom Gewicht und den Möglichkeiten von Synthesizern eingeschränkt, andererseits sah er Personal Computer so leistungsfähig werden, dass sie die Rechenarbeit eines fest verdrahteten Synthesizers übernehmen und dabei viel flexibler sein könnten. Zusammen mit seinem Freund, dem Programmierer Volker Hinz, entwickelte Schmitt in seiner Wohnung in Kreuzberg den ersten modularen Synthesizer auf Softwarebasis und nannte ihn Generator. Diese Software lief auf damals üblichen Pentium-Computern unter dem Betriebssystem Windows. Auf der internationalen Musikmesse Frankfurt 1996 war Generator, wegen seiner Fähigkeit, Klänge in Echtzeit, also ohne merkliche Verzögerung zu berechnen und wiederzugeben, eine technische Neuheit. Aufgrund der Resonanz der Messebesucher entstand Native Instruments aus einem Team von vier Personen.

Schmitt entwickelte später aus dem Generator-Konzept Reaktor, ein komplexes und vielseitiges Software-Instrument. Reaktor vereint Funktionen von Synthesizer, Sampler, Sequenzer und Effektgeräten.

Im Jahr 2001 nahm sich der Native-Instruments-Ingenieur Michael Kurz die Hammond-Orgel B3 mit einem rotierenden Leslie-Lautsprecherset vor. Er analysierte die Elektromechanik des Instruments, setzte Mikrofonie und Messtechnik ein und modellierte im Computer das zentnerschwere Instrument nach. Die 2002 unter dem Namen B4 erschienene Software-Version nutzt keinerlei Klang-Samples, sondern basiert ausschließlich auf mathematischen Algorithmen. Kurz setzte damit ein Zeichen für die Industrie, dass man ohne Samples und mit sehr schlanker Programmierung ein komplexes elektrisches Instrument in Software emulieren kann. Zu Kurz’ ähnlichen Verdiensten gehören die mathematischen Varianten von Synthesizern (Yamaha DX7) und Effektgeräten (Gitarrenracks und -verstärker wie z. B. Marshall).[4]

Zur gleichen Zeit konzipierte der seit 2000 bei NI angestellte Physiker Friedemann Becker eine Software, die die taktsynchrone Überblendung von zwei verschieden schnellen Musiktiteln ermöglichte. Daraus entstand Traktor,[5] ein Software-Werkzeug für DJs, die damit in die Lage kamen, Musik direkt am Notebook-Computer live zu mischen, als würden sie mit Schallplattendecks arbeiten.[6] Diese Technik hat die Firma inzwischen auch auf Smartphones und Tablet-Computer als Apps portiert.

Der in Frankreich lebende US-amerikanische Musiker Brian Clevinger programmierte Ende der 1990er Jahre einen Software-Synthesizer mit drei Oszillatoren und nannte ihn Absynth. Seit 2001 vermarktet Native Instruments diese Software.

Inzwischen bietet die Firma eine große Palette an Werkzeugen für die digitale Audio-Produktion an, die sowohl Software- als auch Hardware-Produkte umfasst. Dazu gehören Synthesizer (z. B. FM8, Massive, Pro-53, Absynth), Sampler (Kontakt, Battery) und Effektprozessoren (Vokator, Spektral Delay). Darüber hinaus wird seit 2001 ein professionelles DJ-Programm (Traktor) angeboten, sowie eine Gitarrenverstärker-Emulation auf Software-Basis (Guitar Rig). Mit Kore hat Native Instruments auch ein Host-System entwickelt, in dem sich Software-Instrumente und -Effekte verwalten lassen. Seit 2006 gibt es von Native Instruments auch ein Audio-Interface als erstes reines Hardware-Produkt (Audio Kontrol 1) sowie seit 2009 einen Groove-Controller (Maschine). Des Weiteren hat Native Instruments verschiedene MIDI-Controller zum Steuern von DJ-Software im Programm. 2014 ergänzte Native Instruments letztendlich auch seine Software-Library durch die Einführung passender Hardware in Form von MIDI-Keyboards (Kontrol S##). Zudem benutzen viele moderne Sample-Librarys NI-Produkte, wie KOMPAKT, INTAKT oder den Kontakt Player, um teilweise sehr komplexe Programmierungen der Sounds für Benutzer direkt zugänglich zu machen.

2018 startete Native Instruments die Online-Plattform namens „Sounds.com“ auf der Native Instruments Musikschaffenden Loops, Samples und Sound-Packs jeder Stilrichtung anbot. Diese wurde Mitte 2023 von jetzt auf gleich eingestellt.[3]

Zwischen 2019 und 2020 kam es bei NI zu Entlassungen und einer Umstrukturierung. Im Jahr 2020 traten der Mitbegründer und CEO des Unternehmens Daniel Haver sowie der damalige Chief Innovation Officer und Präsident Mate Galić von ihren Führungspositionen zurück. Galić trat 2009 dem Unternehmen als Chief Technical Officer bei. 2021 übernahm dann die Private-Equity-Firma Francisco Partners die Mehrheitsbeteiligung an Native Instruments.[3]

Um sich neu aufzustellen, übernahm NI in der Folge weitere Softwaremarken aus dem Musikbereich – iZotope (bekannt für Produkte wie Ozone und RX), Brainworx und Plugin Alliance. Es trat nun unter der Marke „Soundwide“ auf. Mitte 2023 gestand das Unternehmen in einer Mitteilung ein, dass der neue Name keine große Bekanntheit erlangt hatte und man wechselte auf „Native Instruments“ als gemeinsamen Markennamen.[3]

Das Unternehmen hat den Hauptsitz in Berlin und Niederlassungen in Los Angeles, Paris, London, Shenzhen, Montreal und Tokyo.[7]

Produkte (Auswahl)

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Der MIDI-Controller von Native Instruments – ein mit den Fingern spielbarer Musikcomputer

Software-Instrumente und Effekte:

  • Absynth 6, Software-Synthesizer (Verkauf von Version 5 zeitweise ausgesetzt)[8][9]
  • Battery 4, ein Schlagzeug-Sampling-Werkzeug
  • FM8, ein an den Klassiker Yamaha DX7 angelehnter Software-Synthesizer mit Frequenzmodulation
  • Kontakt 7, ein Sampler. Dazu gehören u. a. Alicia's Keys (der Software-Nachbau von Alicia Keys’ Yamaha-Flügel), diverse Bläser und Streicher, wie Session Strings, Schlagzeuge, wie die Abbey Road Drums und Studio Drummer, Orgeln, wie die Hammond-Emulation B4 und David Klavins vertikalem Riesenklavier The Giant
  • Massive, ein universeller Software-Synthesizer
  • Reaktor, mit darin enthaltenen oder zukaufbaren Instrumenten, wie dem monophonen Synthesizer Monark oder der Steam Pipe zur Simulation von Zupf- und Blasinstrumenten
  • Effekte, wie die vom Bristoler DJ Tim Exile entwickelten The Mouth, The Finger und Flesh
  • Emulationen von Gitarrenverstärkern, wie Guitar Rig 5
  • Traktor, ein Klassiker der DJ-Software, auch für iPad und iPhone
  • Audio-Hardware:

Neben extern ans Notebook anschließbaren Soundkarten wie der Komplete Audio 6, gibt es DJ-Controller, wie die Reihe Traktor Kontrol, oder Pad-Controller, wie Maschine, in Kombination mit einem softwarebasierten Sampler/Sequenzer zum Erstellen und Live-Spielen von Beats und Grooves (auch als App für iPhone).

Ehemalige Produkte:

  • Unter anderem Bandstand, die in die Vintage Organs integrierten Tasteninstrumente wie Elektrik Piano, sowie Kompakt und Intakt. Zu den nicht mehr vertriebenen Effekten gehört der Vokator.
Commons: Native Instruments – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Über uns auf der Website von Native Instruments
  2. Native Instruments Insolvenz erschüttert die Musikbranche. In: delamar. Abgerufen am 27. Januar 2026.
  3. a b c d Nico Jurran: Native Instruments meldet Insolvenz an. In: Heise online. 28. Januar 2026. Abgerufen am 28. Januar 2026.
  4. Harro Albrecht: Orchester aus der Dose, Die Zeit 10. Januar 2002
  5. „Traktor“ war die Wortschöpfung von Michael Kurz während einer Brainstorming-Sitzung im Jahr 2000.
  6. Die erste Version der Software hieß Traktor DJ Studio 1.0 und erschien Anfang 2001.
  7. Eröffnung der japanischen Niederlassung im Mai 2013
  8. End of Sale for Absynth 5 - Official statement & FAQ. In: Native Instruments Community. 9. September 2022, abgerufen am 20. Februar 2023 (englisch).
  9. Nico Jurran: Native Instruments meldet Insolvenz an. In: heise.de. Heise Medien GmbH & Co. KG, 28. Januar 2026, abgerufen am 30. Januar 2026.