Zum Inhalt springen

SIM-Karte

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Nano-SIM)
Mini-SIM-Karte (Format ID-000, 25 × 15 mm²)
Mini-SIM-Karte im Röntgenbild
Nano-SIM-Karte der Telekom Deutschland mit NFC-Secure-Element

Die SIM-Karte (englisch Subscriber Identity Module Card „Teilnehmeridentitätsmodulkarte“) ist eine Chipkarte, die in ein Mobiltelefon eingesteckt wird und zur Identifikation des Nutzers im Netz dient. Mit ihr stellen Mobilfunkanbieter Teilnehmern mobile Telefonanschlüsse und Datenanschlüsse zur Verfügung. Sie wurde im Jahr 1991 maßgeblich vom Münchner Unternehmen Giesecke+Devrient entwickelt.[1]

Auf der SIM-Karte ist ein Kryptoprozessor mit eigenem Speicher und eigener Software basierend auf einem Chipkartenbetriebsystem untergebracht. Durch eine veränderbare PIN kann die Karte vor unbefugter Benutzung geschützt werden. Mit Hilfe der SIM-Karte wird das Mobile Equipment (also üblicherweise das Mobiltelefon) einem Netz zugeordnet und authentifiziert. Für diese Zwecke ist auf der SIM-Karte die IMSI gespeichert, welche bei Netzsuche und Einbuchung in ein Funknetz unverschlüsselt übertragen wird und ein Mithören von Mobilfunkdaten und die Eingrenzung des Standorts des Mobiltelefons innerhalb einer Funkzelle erlaubt (IMSI-Catcher).[2][3] Andere auf der SIM-Karte vorliegende Algorithmen dienen der Verschlüsselung der Sprach- und Signalisierungsdaten (Ciphering). Das SIM dient außerdem zum Speichern von temporären, netzbezogenen Daten sowie bevorzugten und gesperrten Netzen. Darüber hinaus können ein Telefon- und Notizbuch, Speicher für Short-Message-Service-Mitteilungen (SMS) und Speicher der zuletzt gerufenen Telefonnummern integriert sein. SIM und Mobile Equipment bilden zusammen im GSM die Mobilstation.

In Deutschland wurden 2024 nach Erhebungen der Bundesnetzagentur 109,2 Mio. SIM-Karten aktiv genutzt. Statistisch entfallen damit auf jeden Einwohner etwa 1,3 Karten. Bei der Zählung von aktiv genutzten SIM-Karten wurden nur solche Karten erfasst, über die in den letzten drei Monaten kommuniziert oder zu denen eine Rechnung in diesem Zeitraum gestellt wurde.[4] Auf Machine-to-Machine-Kommunikation (M2M) entfielen 73,7 Mio. Karten mit einem Anstieg um knapp 62 Prozent gegenüber 2021, der auf eine steigende Nachfrage nach Smart-Home- und IoT-Anwendungen zurückzuführen ist.[4]

Illustration der SIM-Chip-Struktur und Verpackung

Die SIM-Karte wurde ursprünglich (ab 1996) im großen ID-1-Format (85,6 mm × 54 mm) ausgeliefert. Der kleinere ID-000-Teil (25 mm × 15 mm) konnte herausgebrochen werden. Aufgrund der immer kleineren Mobilgeräte wurde im Lauf der Zeit für D-Netz-Geräte das kleinere ID-000-Format eingeführt. Inzwischen gibt es eine Vielzahl von Geräten, die stattdessen die noch kleinere Micro-SIM verwenden. In vielen modernen Smartphones wird bereits das kleinste und dünnere Format verwendet, die Nano-SIM.

Ein vorinstalliertes SIM-Toolkit ermöglicht es, kleine Programme auf einer SIM-Karte zu hinterlegen, beispielsweise Info-Services, mit denen aktuelle Informationen über Politik, Sport, Wetter zugestellt werden können.[5] Die Mobilfunk-Betreiber benutzen das, um ihren Homezone-Service anzubieten. Mit Hilfe des SIM-Toolkits wird dort angezeigt, ob sich das Mobiltelefon in der Homezone befindet. Funktionen wie Aufladen oder Abfragen des Guthabens (bei vorbezahlten Prepaid-Karten) sind möglich. Der Vorteil von Anwendungen auf der SIM-Karte besteht darin, dass diese unabhängig vom eingesetzten Gerät benutzt werden können (somit kann ohne ersichtliche Funktionalitätsänderung das Handy gewechselt werden).[5]

SIM-Karten haben 8 KB bis 256 KByte Flash-Speicher[6] und verwalten eindeutige englisch Integrated Circuit Card Identifier (ICCID) Kartenidentifikator für integrierte Schaltkreise, die Länderkennungen (englisch Mobile Country Code) sowie die Mobilfunknetzkennzahl (englisch Mobile Network Code) des Mobilfunkanbieters. Außerdem können sie Kontakte (auf einer 32-KB-Karte z. B. bis zu 250) sowie SMS-Textnachrichten speichern.[6] Darüber hinaus werden SIM-Karten in der Regel nicht für Nutzerdaten verwendet.[6]

Als SIM Access Profile wird eine Technik bezeichnet, mit der z. B. im Auto die SIM-Daten eines mit Bluetooth ausgestatteten Mobilgeräts von einem fest installierten Gerät gelesen werden und dieses selbst die Funkverbindung aufbaut. So lässt sich die Datenübertragung durch die festinstallierte Außenantenne verbessern und der Stromverbrauch des Mobiltelefons reduzieren.

In Dual-SIM-Handys oder mit Hilfe von Dual-SIM-Adaptern können zwei oder mehr SIM-Karten in einem Gerät untergebracht werden, die entweder simultan (gleichzeitig) oder alternativ (wechselweise) aktiv sind.

Auf einer SIM-Karte befinden sich acht Kontaktflächen. Verschiedene Karten variieren in der Anzahl und Aufteilung, spezifiziert wurden jedoch nur diese acht Kontakte mit folgender Belegung:

Vcc – VersorgungsspannungC1C5GND – Masse
Reset – Reset für SIM-CPUC2C6Vpp – Programmierspannung
CLK – TaktC3C7I/O – Daten
reserviertC4C8reserviert

Über Vcc und GND wird der SIM-Karte die Betriebsspannung zugeführt. Es gibt SIM-Karten mit einer Betriebsspannung von 1,8 Volt, 3 Volt und bei der älteren Kartengeneration 5 Volt. Die jeweilige Spannung wird in einigen Fällen (z. B. von Provider Cellway[7]) auf der SIM-Karte aufgedruckt.

Wird eine SIM-Karte mit einer falschen Spannung in einem Mobiltelefon verwendet, kann es zu Fehlermeldungen, Abstürzen oder ungewöhnlich schneller Akku-Entladung kommen.

Sollte eine SIM-Karte nicht mehr auf Anfragen des Mobilgerätes reagieren, kann sie über den Reset-Kontakt neu gestartet werden. Über CLK wird der Takt des Mobilgeräts zur Synchronisation des über den I/O-Kontakt stattfindenden Datentransfers übertragen.

Die optionale Programmierspannung Vpp wird nur bei der Herstellung benötigt, um die interne Software der Karte zu initialisieren oder zu löschen. Die normalen Lese- und Schreibvorgänge auf den Anwenderbereich einer SIM-Karte (z. B. im Rahmen der Nutzung in einem Mobilgerät) kommen ohne diese Spannung aus.

Die beiden zusätzlichen Kontaktpins sind für derzeit noch rare achtpolige SIM-Karten reserviert, wie sie in zukünftigen mobilen Geräten Verwendung finden sollen – derzeit gibt es mehrere konkurrierende Entwürfe, wofür diese Kontakte verwendet werden sollen, u. a. sind SIM-Karten mit sehr hohen Speicherkapazitäten im Gespräch, die über eine Variante des USB-Protokolls angekoppelt werden könnten. Weitere Ideen betreffen spezielle Verschlüsselungsfunktionen oder Nahfeldkommunikation (NFC). Aktuelle europäische Mobilfunktelefone verwenden jedoch nach wie vor nur sechspolige SIM-Karten.

SIM-Karten haben eine begrenzte Lebensdauer. Mit jedem Lösch-Schreibzyklus des nichtflüchtigen Kartenspeichers, beispielsweise bei einer Authentifizierung im Netz altert der verwendete Speicher. Ursprünglich garantierten die Hersteller der SIM-Chips 100.000 solcher Zyklen.[8] Bei aktuellen Chips beträgt dieser Wert 500.000 bis 1.000.000. Um diesen Prozess zu entschärfen, bauen die SIM-Hersteller im Betriebssystem Schutzmechanismen ein.[9]

Unabhängig davon werden einige ältere SIM-Karten von aktuellen Mobiltelefonen nicht erkannt. Ein Grund kann sein, dass die SIM-Karte mit der vom Gerät zur Verfügung gestellten Spannung nicht mehr funktioniert. Ein anderer Grund kann darin liegen, dass das Gerät eine USIM-Karte benötigt.

Die ICCID (vom englischen Integrated Circuit Card IDentifier) ist eine einmalige Identifikationsnummer der SIM-Karte selbst. Auch bei eSIM werden ICCID-Nummern für die eindeutige Identifikation genutzt. Diese sind auf dem ROM der Karte abgelegt und normalerweise auf der Karte selbst aufgedruckt.

Definiert wird die ICCID durch den Standard E.118 der Internationalen Fernmeldeunion als Primary Account Number.[10] Die Anordnung basiert auf ISO 7812.

Gemäß diesem Standard besteht die Nummer aus drei Teilen. Der Issuer identification number (IIN) (4–7 Zeichen), der SIM-Nummer (typisch 11–13 Zeichen) und der Prüfziffer (1 Zeichen), die Gesamtlänge soll 19 sein, andere Längen (bis 22) kommen vor. Die Prüfziffer wird mittels Luhn-Algorithmus berechnet. Die Bereiche Issuer identification number (IIN) und SIM-Nummer können sich überlappen.

Der ETSI-GSM-Standard sieht auf der SIM-Karte einen Speicher von 10 Bytes für diese Information vor.[11] Die Ziffern werden im BCD-Code abgespeichert, jeweils 2 Ziffern pro Byte. Damit beträgt die logische Maximallänge 20 Zeichen.

Issuer identification number (IIN)SIM-NummerPrüfziffer
Länge 2 Zeichen1–3 Zeichen1–4 Zeichentyp. 11–13 Zeichen1 Zeichen
Erläuterung DienstLändervorwahl definiert durch die ITU-T Empfehlungen E.164MobilfunkproviderDie Länge ist variabel, aber innerhalb der IIN immer gleich lang.Errechnet aufgrund der restlichen Zeichen mittels Luhn-Algorithmus
Beispiel 1
(Länge 20)
für Telekommunikation:
89
für die Schweiz:
41
für Swisscom:
01

0500 744 46 76 81

5
Beispiel 2
(Länge 19)
für Telekommunikation:
89
für Tschechien:
420
für O2 Czech Republic:
20

390 2044 3988

5

Der Standard E.118 verlangt die Publikation der Liste aller aktuell international zugewiesenen IIN-Codes. Dies geschieht zweimal pro Monat auf der Webseite der ITU-T.[12] Der ITU-T publiziert vollständige Listen mit historischen Daten; diese werden jährlich aktualisiert.[13]

In der technischen Fachwelt wird die Hardware der SIM-Karte Universal Integrated Circuit Card oder kurz UICC genannt.

Seit Entwicklung des UMTS-Standards durch das Europäische Institut für Telekommunikationsnormen Ende der 1990er Jahre wurden die SIM-Karten bei gleichbleibender Funktion durch mechanische Abwärtskompatibilität[14] sukzessive verkleinert, weil die mobilen Endgeräte kleiner wurden und weniger Platz im Inneren haben. Die physische Karte wird üblicherweise im Format ID-000 (Mini-SIM) der ISO/IEC 7810 (Norm für Identitätsdokumente) ausgeliefert, wobei die kleineren Größen (Micro-SIM, Nano-SIM) aus der Karte mechanisch herausgebrochen werden können.

Vergleich zwischen den verschiedenen SIM-Karten-Größen:
Full-size SIM (Scheckkarten-groß), Mini-SIM, Micro-SIM und Nano-SIM
SIM-Karten-Größen
SIM-Karte Standard Form-
faktor
Abmessungen in mm (Zoll)
Länge Breite Dicke
Standard-SIM
(Full-size)
ISO/IEC 7810:2003, ID-1 (1)FF 85,60
(≈338)
53,98
(≈218)
0,76
(≈132)
Mini-SIM ISO/IEC 7810:2003, ID-000, UICC 2FF 25,00
(≈1)
15,00
(≈35)
0,76
(≈132)
Micro-SIM ETSI TS 102 221 V9.0.0, Mini-UICC 3FF 15,00
(≈35)
12,00
(≈12)
0,76
(≈132)
Nano-SIM ETSI TS 102 221, TS 102 221 V11.0.0[15] 4FF 12,30
(≈12)
8,80
(≈13)
0,67
(≈140)
SIM im Scheckkartenformat neben einem Mobiltelefon

Analoge Mobilfunkgeräte im C-Netz und die ersten GSM-Geräte im D-Netz hatten einen Schlitz, um SIM-Karten im Bankkartenformat (ID-1) einzustecken. Ein Beispiel für ein solches Gerät war das D-Netz-Mobiltelefon Siemens S3com von 1995.[16] Die Bauform der Geräte war entsprechend mindestens so breit wie eine Scheckkarte.

Die Mini-SIM-Karte (Abkürzung 2FF für „Second Form Factor“) ist 25 mm × 15 mm groß und genau so dick wie die Full-Size-SIM. Da der SIM-Chip keine so große Fläche beanspruchte, etablierte sich schon Mitte der 1990er-Jahre das bedeutend kleinere Mini-SIM-Format. In den Anfangszeiten wurde die SIM-Karte aus der bankkartengroßen SIM-Karte ausgestanzt; später waren die Mini-SIM-Karten aus der Full-Size-SIM-Karte an Sollbruchstellen herausbrechbar. Um Material zu sparen, wird die SIM-Karte seit Mitte der 2010er-Jahre oft nur noch im Mini-SIM-Format in einer Karton-Schablone ausgeliefert.

Die Micro-SIM (Abkürzung 3FF für „Third Form Factor“) ist 15 mm × 12 mm groß (52 % kleiner als die der Mini-SIM-Karte) und genauso dick wie die Mini-SIM. Mit einem speziellen Stanzgerät kann aus einer Full-Size-SIM oder Mini-SIM eine Micro-SIM gemacht werden.[17]

Eines der ersten Geräte, das eine Micro-SIM-Karte verwendete, war das iPad von Apple im Jahr 2010, gefolgt vom iPhone 4. Nokia setzte diesen Kartentyp beim Nokia N9 oder dem Nokia Lumia 800 ein, Motorola beim Motorola Droid Razr.

Die Nano-SIM (Abkürzung 4FF für „Fourth Form Factor“) ist mit 12,3 mm × 8,8 mm × 0,67 mm nochmals 40 % kleiner, aber vor allem 12 % dünner als eine Micro-SIM und spart somit Platz in kompakten Geräten ein.

Das ETSI entschied sich im Juni 2012 für den Design-Vorschlag von Apple im Wettbewerb zu Nokia.[17] Dieser ist elektrisch abwärtskompatibel zu den Micro-SIM-Karten, aber dünner.[18] Am Markt eingeführt wurde die Nano-SIM-Karte im September 2012 mit dem iPhone 5. Inzwischen bieten viele moderne Smartphones einen Nano-SIM-Einschub.

Obwohl eine Umstanzung, wie bei der Micro-SIM beschrieben, zur Nano-SIM unter anderem als nicht möglich beschrieben (da dünner)[17] oder wegen Garantieverlust davor gewarnt wird, finden sich zahlreiche Artikel mit Anleitungen[19], Zuschneide-Schablonen,[20] Stanzgeräten[21] und Videos.[22] Von Mobilfunk-Anbietern wird vor einer Umstanzung gewarnt und eine entgeltliche Neubestellung der SIM-Karte angeraten.[23]

SIM-Karten-Adapter

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Micro-SIM-Karte in Mini-SIM-Karten-Adapter

Die Anpassung (Rück-Konvertierung) zum nächstgrößeren Format ist durch spezielle SIM-Adapter möglich.

SIM-Karte in der Verkaufseinheit. Vorgestanzt sind Mini-SIM, Micro-SIM und Nano-SIM (dünner).

Viele Anbieter liefern inzwischen Kombi-SIM, Hybrid-SIM oder auch Triple-SIM genannte Karten im Format Mini-SIM, aus denen durch Vorstanzung eine Micro- oder auch Nano-SIM-Karte herausgebrochen werden kann. Einige Hersteller liefern Nano-SIM-Karten mit Adapter-Rahmen, die das Nano-Format in Geräten für Micro- oder Mini-SIM-Karten nutzbar machen und damit alle drei Größen kombinieren. Bei den Adapter-Rahmen (nicht SIM-Adaptern) kann die SIM-Karte im Mobiltelefon aus dem Rahmen herausbrechen und im ungünstigsten Fall den SIM-Steckplatz blockieren.

SIM-Karte mit Secure Element

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Verwendung der mobilen Bezahlfunktion ist ein Secure Element notwendig, das auf der SIM-Karte integriert werden kann. Fälschlicherweise wurde sie als „NFC-SIM“ bezeichnet, weil Mobilfunkanbieter dafür den Austausch der SIM-Karte anboten.[24][25] Die SIM-Karte erhielt dabei die Daten für die Bankfunktion aufgespielt, sodass sie beim Wechsel des Gerätes erhalten blieben. Die Karten waren in den Maßen und Kontakten identisch mit den „normalen“ mini-, micro- und nano-SIM-Karten. Inzwischen enthalten die meisten Smartphones ein fest eingebautes Secure Element, zunehmend als eSIM, und benötigen daher keine speziellen SIM-Karten mehr.

Österreich

Das Bezahlsystem „Digitale Bankomatkarte“ wurde in Österreich ab Juni 2015 in einem Feldversuch erprobt und wird seit Anfang 2016 von allen großen Banken und von den drei großen Mobilfunkanbietern, allerdings nur für Androidgeräte, angeboten. Der Umtausch der SIM beim Mobilfunkanbieter ist notwendig; bis jetzt werden Neukunden noch nicht automatisch mit „NFC-SIM“ ausgestattet. Danach kann die digitale Bankomatkarte bei der Hausbank bestellt werden.[26][27]

Gesetzliche Regelung für Notrufe (Deutschland)

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 13. Februar 2009 stimmte der deutsche Bundesrat einer Verordnung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie zu, nach der zukünftig Notrufe (110 und 112) nicht mehr ohne SIM-Karte gewählt werden können.[28][29] Da immer häufiger grundlos Notrufe von Mobiltelefonen ohne Karte gemacht worden waren, sollten nun nur noch durch SIM-Karten identifizierbare Kommunikationsteilnehmer diese Möglichkeit haben.

Neue SIM-Karten besitzen bessere Sicherheitsmerkmale als ältere SIM-Karten. Aus Sicherheitsgründen sollten alle SIM-Karten mit einem Alter über zehn Jahre durch neue SIM-Karten ersetzt werden.

DES-Verschlüsselung

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Black Hat 2013 beziehungsweise der OHM 2013 demonstrierte Karsten Nohl, dass viele Mobiltelefone noch SIM-Karten mit der bereits seit längerem als unsicher geltenden DES-Verschlüsselung nutzen.[30][31][32] In Deutschland reagierten der IT-Branchenverband Bitkom sowie die großen Telekommunikationsanbieter Deutsche Telekom, Telefónica, E-Plus-Gruppe und Vodafone gelassen, da die unsichere DES-Verschlüsselung nicht mehr eingesetzt wird.[33]

Schlüsseldiebstahl

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gestützt auf veröffentlichte Geheimdokumente des Whistleblowers Edward Snowden berichtete The Intercept im Februar 2015, dass die Nachrichtendienste National Security Agency und Government Communications Headquarters im Jahre 2010 Schlüssel von Gemalto, dem größten Hersteller von SIM-Karten, entwendet hatten. Sie seien somit in der Lage, einen Großteil der weltweiten mobilen Kommunikation einschließlich Sprachnachrichten und Daten unerkannt abzuhören.[34] In einem der Dokumente wird die deutsche Firma Giesecke & Devrient als Angriffsziel genannt.[35]

Die USIM-Anwendung ermöglicht der Mobilstation eine bessere Verschlüsselung der über das Mobilfunknetz übertragenen Gespräche, Mitteilungen und Daten. Die Mobilstation kann ihre Authentisierung gegenüber dem Mobilfunkanbieter dank der USIM-Anwendung besser schützen. Aus Sicherheitsgründen sollte in allen Mobilstationen SIM-Karten mit der USIM-Anwendung betrieben werden. Mobilstationen, welche nicht die USIM-Anwendung unterstützen, sollten aus Sicherheitsgründen durch neuere Geräte ersetzt werden.

Varianten der SIM-Karten

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

embedded SIM (eSIM)

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die eSIM ist eine der SIM-Karte gleichwertige UICC für den Mobilfunk, die in der Regel zur Platzersparnis fest auf der Leiterplatte des Geräts (z. B. Smartphone oder Smartwatch) eingelötet wird und erst bei der Inbetriebnahme durch eine Internetverbindung per Over-the-Air-Update konfiguriert und freigeschaltet wird. Es sind auch eSIM-Karten z. B. im Format der Nano-SIM-Karte verfügbar, die als eSIM vor der Verwendung initialisiert werden müssen und dann wie klassische SIM-Karten im SIM-Steckplatz des Geräts verwendet werden können.

Die eSIM unterstützt das Laden und die Auswahl mehrerer Identifikationsprofile für das Mobilfunknetz, von denen aber nur eines aktiv genutzt werden kann. Die Bereitstellung der auf der eSIM gespeicherten Informationen wird über die von der GSM Association standardisierten Verfahren durchgeführt.[36] Um Missbrauch bei der Initialisierung wie Verwendung auf mehreren Geräten parallel auszuschließen, erfolgt die Bereitstellung der Teilnehmerinformationen online und benötigt eine vom Mobilnetz getrennte Internetverbindung als Over-the-Air-Update. Als Hauptvorteil gilt neben der Platz- und Kostenreduzierung die Tatsache, dass dem Kunden keine individuelle SIM-Karte mehr zur Verfügung gestellt werden muss und wie bei einem Dual-SIM-Handy zwei Mobilfunknetze gleichzeitig genutzt werden können (z. B. bei Reisen im Ausland, privat und beruflich), falls das Mobiltelefon diese Funktion durch zwei unabhängige Transceiver unterstützt.[37]

integrated SIM (iSIM)

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2021 werden die Funktionen der SIM-Karte auch als integrierte SIM (iSIM) bzw. als englisch „integrated Universal Integrated Circuit Card“ (iUICC) mit dem Basisband-Chipsatz zu einem einzigen Konnektivitätsmodul kombiniert. Die Handhabung und die Funktionen sind dabei identisch wie bei einer eSIM: es können mehrere Profile auf die iSIM geladen und verwaltet werden. Durch die direkte Integration in den Basisband-Chipsatz und Wegfall eines diskreten eSIM-Chips auf der Leiterplatte lassen sich Mobilgeräte, insbesondere IoT-Geräte, noch kleiner aufbauen.[38]

  • SIM-Lock
  • eSIM embedded-SIM
  • iSIM integrierte SIM
  • Alternate Line Service
  • IMEI Seriennummer zur eindeutigen Identifizierung von Mobilfunk-Endgeräten
  • IMSI zur eindeutigen Identifizierung von Netzteilnehmern in GSM- und UMTS-Mobilfunknetzen
  • IMSI-Catcher zum Abhören von Mobilfunk-Kunden
  • Stealth Ping – auch Silent SMS oder Stille SMS zur Ortung von Mobilgeräten oder zur Erstellung von Bewegungsprofilen
  • Cell-ID ist ein Verfahren der mobilen Positionsbestimmung im GSM-Mobilfunknetz.
Wiktionary: SIM-Karte – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Commons: SIM-Karten – Sammlung von Bildern und Videos

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. Die SIM-Karte hat ausgedient. Mobilfunk. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ). 2. Juli 2023, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 2. Juli 2023]).
  2. Leitfaden zum Datenzugriff insbesondere für den Bereich der Telekommunikation. (PDF; 429 kB) Generalstaatsanwaltschaft München, Juni 2011, abgerufen am 5. Dezember 2011.
  3. Stefan Krempl: 26C3: GSM-Hacken leicht gemacht. In: Heise News. Abgerufen am 10. Juli 2013.
  4. 1 2 Jahresbericht 2024. (PDF; 8,0 MB) In: bundesnetzagentur.de. Bundesnetzagentur – BNetzA, abgerufen am 30. Oktober 2025.
  5. 1 2 Tim Aschermann, Cindy Schulz: SIM-Toolkit: Was ist das und kann man es löschen? Chip, 27. Juni 2025, abgerufen am 4. Juni 2026.
  6. 1 2 3 Tracy Lopez: Wie viel Speicherplatz ist auf einer SIM-Karte und was können wir darauf speichern? In: crast.net. 27. Juli 2022, abgerufen am 26. Mai 2023.
  7. Auch SIM-Karten altern. SIM-Karte. In: verivox.de. Verivox, abgerufen am 2. Juli 2023 (deutsch).
  8. Patent US6727802B2: Anti-tear protection for smart card transactions. Angemeldet am 5. November 2002, veröffentlicht am 27. April 2004, Erfinder: Guy M. Kelly et al.
  9. ITU-T, ITU-T Recommendation E.118, The international telecommunication charge card, Versionsgeschichte, Revision „05/2006“
  10. Europäisches Institut für Telekommunikationsnormen – ETSI – European Telecommunications Standards Institute (Hrsg.): Digital cellular telecommunications system (Phase 2+); Specification of the Subscriber Identity Module – Mobile Equipment (SIM – ME) interface. GSM Technical Specification – GSM 11.11, Version 5.3.0. Valbonne 1996, ISBN 2-7437-0833-6, 10.1.1 EF ICCID (ICC Identification), S. 51 (englisch, etsi.org [PDF; 426 kB]).
  11. Operational Bulletin No. 1163 (1.I.2019). In: itu.int. International Telecommunication Union (ITU), 1. Januar 2019, abgerufen am 3. Juli 2023 (amerikanisches Englisch).
  12. List of issuer identifier numbers for the international telecommunication charge card (In accordance with Recommendation ITU-T E.118 (05/2006)). In: itu.int. International Telecommunication Union (ITU), 5. Januar 2015, abgerufen am 3. Juli 2023 (amerikanisches Englisch).
  13. New SIM card format for slimmer, smaller phones. In: etsi.org. Europäisches Institut für Telekommunikationsnormen – ETSI – European Telecommunications Standards Institute, 1. Juni 2012, abgerufen am 3. Juni 2012 (englisch).
  14. New SIM card format for slimmer, smaller phones. In: etsi.org. Europäisches Institut für Telekommunikationsnormen – ETSI – European Telecommunications Standards Institute, 1. Juni 2012, abgerufen am 3. Juni 2012 (englisch).
  15. Siemens Mobiltelefon S3 com. Schwaben Technologie Park, 18. August 2020, abgerufen am 4. Juni 2026.
  16. 1 2 3 Steffen Herget mit Material von dpa: Nano-SIM: Apple will eigenes Format für Nano-SIM gratis anbieten. Nokia, Motorola und Co. sind skeptisch. In: teltarif.de. Teltarif, 26. März 2012, abgerufen am 3. Juli 2023 (deutsch).
  17. iPad Modelle vergleichen. In: apple.com. Abgerufen am 23. Oktober 2012.
  18. Thomas Streitberger: SIM Karte zuschneiden – Anleitung und Vorlage zum Download. In: sim-vorlage.download. Thomas Streitberger e.U., 2016, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 2. Mai 2017; abgerufen am 2. Juli 2023 (deutsch).
  19. Robert Schanze: SIM-Karte zuschneiden: Von Micro- auf Nano-SIM. 3. April 2023, abgerufen am 4. Juni 2026.
  20. SIM-Karte zuschneiden: So geht's mit Schere und Schablone. 24. Dezember 2018, abgerufen am 4. Juni 2026.
  21. Frederik Niemeyer: Video: Nano SIM zuschneiden – DIY – Tutorial. In: Chip.de. 19. Januar 2015, abgerufen am 2. Juni 2018.
  22. Constantin Flemming: SIM-Karte zu groß? So funktioniert die Anpassung. Vodafone, 19. Dezember 2017, abgerufen am 4. Juni 2026.
  23. NFC: So machen Sie Ihr Smartphone zur Bankomatkarte – 4 Dinge, die Sie für die mobile Bankomatkarte brauchen. In: magenta.at. 16. Oktober 2015, abgerufen am 10. Juli 2023.
  24. Die neuen NFC SIM-Karten von Vodafone – Wie funktioniert NFC? In: logitel.de. 2017, abgerufen am 10. Juli 2023.
  25. Martin Jan Stepanek: Zögerlicher Start der Bankomatkarte am Handy. NFC-Zahlung. In: futurezone.at. Futurezone GmbH, 100 % k-digital Medien GmbH & Co KG, 9. Dezember 2015, abgerufen am 3. Juli 2023 (österreichisches Deutsch).
  26. FAQ – Fragen rund um das Android Smartphone und die NFC SIM-Karte. Bankomatkarte mobil. In: bankomatkarte-mobil.at. Bankomatkarte mobil, PSA Payment Services Austria GmbH, 2015, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 28. August 2015; abgerufen am 3. Juli 2023 (österreichisches Deutsch).
  27. Bundesrat Drucksache 967/08. Abgerufen am 25. Dezember 2016: „Diese Rechtsverordnung dient in Verbindung mit § 108 des TKG diesem Ziel und stellt klar, wer von den Beteiligten für welche Bereiche verantwortlich ist. Ferner dient sie der Umsetzung von Artikel 6 Absatz 3 und Artikel 26 der Richtlinie 2002/22/EG des Europäischen Parlamentes und des Rates vom 7. März 2002 über den Universaldienst und Nutzerrechte bei elektronischen Kommunikationsnetzen und -diensten (Universaldienstrichtlinie, ABl. EG L 108 vom 24. April 2002 S. 51) und der Empfehlung der Kommission vom 25. Juli 2003 zur Übermittlung von Angaben zum Anruferstandort in elektronischen Kommunikationsnetzen an um Standortangaben erweiterte Notrufdienste (ABl. EG L 189 vom 29. Juli 2003 S. 49).“
  28. Volker Briegleb: Kein Notruf ohne SIM-Karte. In: heise online. 13. Februar 2009, abgerufen am 3. Juni 2012.
  29. Christian Kirsch: ITU warnt vor Gefahr durch SIM-Karten-Hack. heise Security, 21. Juli 2013, abgerufen am 8. Juli 2014.
  30. Jürgen Schmidt: DES-Hack exponiert Millionen SIM-Karten. heise Security, 21. Juli 2013, abgerufen am 8. Juli 2014.
  31. Rooting SIM cards | Security Research Labs. In: srlabs.de. Security Research Labs GmbH, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 31. Januar 2018; abgerufen am 2. Juli 2023 (englisch).
  32. Ist Ihre Mobilfunk-SIM-Karte sicher? Unternehmer-Magazin Creditreform, 24. Juli 2014, abgerufen am 10. Oktober 2014.
  33. The Great SIM Heist. In: firstlook.org. The Intercept, 19. Februar 2015, abgerufen am 20. Februar 2015 (englisch).
  34. DAPINO GAMMA CNE Presence and IPT keys. In: firstlook.org. The Intercept, 19. Februar 2015, abgerufen am 28. Februar 2015 (englisch).
  35. eSIM Whitepaper – Abschnitt „How it Works“. (PDF; 1,2 MB) In: gsma.com. GSM Association, März 2018, S. 4, abgerufen am 25. Dezember 2018 (englisch).
  36. Dual-SIM-Funktion mit einer eSIM verwenden. Apple, abgerufen am 4. Juni 2026.
  37. iSIM – die integrierte SIM ist die Zukunft der Konnektivität. In: Giesecke+Devrient. Abgerufen am 15. Mai 2023.