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Nancy Burson

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Nancy Burson (* 1948 in St. Louis, Missouri) ist eine US-amerikanische Fotografin und Medienkünstlerin, die zu den Vorreiterinnen rechnergestützter Kompositporträts und digitaler Gesichtsmanipulation zählt.[1][2] Ihr Werk befasst sich mit der Frage, wie technische Bilder Vorstellungen von Alter, Schönheit, Geschlecht, Ethnie, Macht und Identität erzeugen oder destabilisieren.[3]

Burson studierte von 1966 bis 1968 Malerei am Colorado Women’s College und zog anschließend nach New York, wo sie sich interaktiver Kunst zuwandte.[1] Ende der 1970er-Jahre arbeitete sie mit Informatikern am Massachusetts Institute of Technology an Verfahren zur digitalen Veränderung menschlicher Gesichter; 1981 wurde ein Patent für eine Methode zur rechnergestützten Altersprogression erteilt.[2] Die daraus hervorgegangene Technik wurde in den 1980er-Jahren auch in der Suche nach vermissten Kindern eingesetzt; Bursons Altersbild des 1979 verschwundenen Etan Patz erschien 1985 auf der Titelseite der New York Post.[4]

Im Jahr 1999 erhielt Burson den Anonymous Was A Woman Award.[5] 2002 zeigte die Grey Art Gallery der New York University die Retrospektive Seeing and Believing: The Art of Nancy Burson mit rund 100 Fotografien, Kompositbildern, rechnerbearbeiteten Fotografien und Zeichnungen.[6][3]

Burson gehörte zu den ersten Künstlerinnen, die digitale Technik systematisch auf das fotografische Porträt übertrugen und Gesichter rechnergestützt altern oder zu neuen Kompositporträts verschmelzen ließen.[7]

In Warhead I (1982) verschmolz sie die Gesichter von Ronald Reagan, Leonid Breschnew, Margaret Thatcher, François Mitterrand und Deng Xiaoping in Anteilen, welche der damaligen Verteilung der einsatzfähigen Nuklearwaffen ihrer Staaten entsprachen.[7] Andere Kompositbilder verbanden die Gesichter weiblicher Filmstars oder von Männern und Frauen und hinterfragten damit Schönheitsnormen und Geschlechterzuschreibungen.[3] In späteren Arbeiten fotografierte Burson Kinder mit kraniofazialen Fehlbildungen ohne digitale Manipulation und bearbeitete eigene Familienfotografien zu einer fiktiven Biografie.[3]

Die 2000 für den Londoner Millennium Dome entwickelte Human Race Machine ließ Besucher ihr Gesicht in verschiedene rassifizierte Erscheinungsformen transformieren und sollte die Gemeinsamkeiten zwischen Menschen gegenüber solchen Kategorien hervorheben.[8] Zugleich wurde das Verfahren kritisch mit der typologisierenden Kompositfotografie Francis Galtons verglichen, weil auch Bursons Software zunächst visuelle Merkmale zu vermeintlich repräsentativen Gruppenbildern bündeln musste.[3]

In der deutschsprachigen Kunstkritik wurde Bursons Beschäftigung mit dem menschlichen Gesicht zudem als Auseinandersetzung mit dessen Prägung durch visuelle Massenmedien eingeordnet.[9] 2018 gestaltete Burson für das Time-Magazin ein Titelbild, in dem sie die Gesichter von Donald Trump und Wladimir Putin zu einem einzigen Porträt verschmolz.[4]

Einzelnachweise

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  1. 1 2 Nancy Burson. In: Smithsonian American Art Museum. Abgerufen am 17. August 2026 (englisch).
  2. 1 2 Season 1 Episode 7: Women and Technology. In: Archives of American Art, Smithsonian Institution. Abgerufen am 17. August 2026 (englisch).
  3. 1 2 3 4 5 Sarah Boxer: A Brew of Faces for Mixing and Aging. In: The New York Times. 15. März 2002, abgerufen am 17. August 2026 (englisch).
  4. 1 2 The Story Behind TIME's Trump and Putin 'Summit Crisis' Cover. In: Time. 19. Juli 2018, abgerufen am 17. August 2026 (englisch).
  5. ↑ Recipients to Date. In: Anonymous Was A Woman. Abgerufen am 17. August 2026 (englisch).
  6. ↑ Seeing and Believing: The Art of Nancy Burson. In: Grey Art Museum, New York University. Abgerufen am 17. August 2026 (englisch).
  7. 1 2 Nancy Burson – Warhead I. In: The Metropolitan Museum of Art. Abgerufen am 17. August 2026 (englisch).
  8. ↑ Eileen Rivers: The Human Mirror. In: The Washington Post. 2. Dezember 2005, abgerufen am 17. August 2026 (englisch).
  9. ↑ Lydia Haustein: Fotografie und Videokunst. In: KUNSTFORUM International. 2012, abgerufen am 17. August 2026.