Multi-Club-Ownership
Multi-Club-Ownership (MCO), auch Mehrfachbesitz von Fußballvereinen genannt, beschreibt die Situation, dass ein Investor oder eine Gruppe von Investoren gleichzeitig Anteile an mehreren Fußballvereinen hält.[1]
In den letzten Jahren hat sich MCO im Profifußball zu einem immer beliebteren Trend entwickelt. Die UEFA zählte im Jahr 2023 beispielsweise 31 neue MCO-Investitionen, davon 11 mit Minderheits- und 20 mit Mehrheitsbeteiligungen.[2] Insgesamt sind laut UEFA aktuell mehr als 180 Vereine in Europa in Mehrfachbesitzstrukturen eingebunden.[3][4] MCOs existieren auch im Frauenfußball.[5]
Motivation
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Motive für MCO sind vielfältig. Investoren erhoffen sich unter anderem größere finanzielle Möglichkeiten. Durch die Bündelung von Ressourcen und Know-how können MCO-Investoren Synergien schaffen und ihre Vereine finanziell stärken. Durch gezielte Transfers und die Nutzung von Spielern und Trainern zwischen den Vereinen erhoffen sich Investoren, die sportliche Leistungsfähigkeit ihrer Teams zu verbessern oder talentierte Spieler weiterzuentwickeln, indem die Partnervereine als Farmteams genutzt werden. Das MCO kann Investoren Zugang zu neuen Märkten und Fanbasen verschaffen. In einigen Ländern können MCO-Strukturen genutzt werden, um Steuern zu sparen.[6]
Regulatorische Situation
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Entwicklung von MCO wird von der UEFA und anderen Fußballverbänden beobachtet. Die UEFA hat bereits einige kleinere Regeln eingeführt, um die negativen Auswirkungen von MCO zu begrenzen. So dürfen beispielsweise zwei Vereine, die vom selben Investor kontrolliert werden, nicht im selben europäischen Wettbewerb antreten. Die regulatorische Situation steht großer Kritik gegenüber.[7][8] In Deutschland verhindert die 50+1-Regel eine Übernahme der Stimmenmehrheit durch einen Investor.
Als sich der Aufstieg von RB Leipzig in die Fußball-Bundesliga anbahnte, zog sich die Red Bull GmbH beim FC Red Bull Salzburg als Eigentümer zurück und fungiert dort seither offiziell nur noch als Sponsor. So sollte sichergestellt werden, dass Leipzig und Salzburg beide an europäischen Wettbewerben teilnehmen können. Allerdings gibt es zahlreiche Berichte, wonach der Standort Salzburg nach wie vor integraler Bestandteil der Red Bull Fußballgruppe ist.[9][10][11] Im Jahr 2018 trafen beide Vereine in der UEFA Europa League erstmals direkt aufeinander.
Die FIFA schloss 2025 den Club León von der Klub-Weltmeisterschaft aus, da dieser denselben Eigentümer hat wie der ebenfalls qualifizierte CF Pachuca.
Beispiele (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- City Football Group: Alleineigentümer von Manchester City, ES Troyes AC (Frankreich), Melbourne City FC, Montevideo City Torque (Uruguay); Mehrheitsanteil an New York City FC, Lommel SK (Belgien), FC Palermo (Italien), EC Bahia (Brasilien) und Mumbai City FC (Indien, bis 2025); Minderheitsanteil an FC Girona (Spanien), Yokohama F. Marinos (Japan), Shenzhen Peng City FC (China); dazu Partnerschaften mit mehreren weiteren Clubs
- Red Bull GmbH: Alleineigentümer von FC Red Bull Salzburg, RB Leipzig, FC Liefering, New York Red Bulls, RB Bragantino (Brasilien), RB Omiya Ardija (Japan), Minderheitsbeteiligungen an Leeds United, Paris FC, dazu Sponsoring beim FC Turin
- Qatar Sports Investment (QSI): Paris St. Germain, KAS Eupen (Belgien), SC Braga (Portugal)
- Blitzer Global Football Holdings: ADO Den Haag, AD Alcorcón (Spanien), SK Beveren (Belgien), G.D. Estoril Praia (Portugal), Brøndby IF (Dänemark), Crystal Palace
- Evangelos Marinakis Football Group: Olympiakos Piräus, Nottingham Forest, Rio Ave FC (Portugal)
- INEOS: Manchester United, OGC Nizza, FC Lausanne-Sport (Schweiz)
- Black Knight Football Group: Bournemouth FC, Auckland FC (Neuseeland), Moreirense (Portugal), FC Lorient (Frankreich)
- BlueCo-Group: FC Chelsea, Racing Straßburg
- Kroencke Sports: FC Arsenal, Colorado Rapids
- Tony Bloom: Brighton & Hove Albion, Heart of Midloathian (Schottland), Royale Union St. Gilloise (Belgien), Melbourne Victory (Australien)
- V Sports: Aston Villa, Vitória Guimarães (Portugal), Real Unión Irún (Spanien)
- A-Cap (ehem. 777 Partners): Hertha BSC, Red Star Paris, Standard Lüttich (bis 2025), CFC Genua (bis 2025), CR Vasco da Gama (Brasilien, bis 2025), FC Sevilla
- Eagle Football Holdings (John Textor): Olympique Lyon, Crystal Palace (bis 2025), Botafogo FR (Brasilien), RWD Molenbeek (Belgien)
- Familie Pozzo: FC Watford, Udinese Calcio (bis 2025), FC Granada (bis 2016)
- ALK Capital: Espanyol Barcelona, FC Burnley
- Amber Capital: RC Lens, Millonarios Bogotá (Kolumbien), Real Saragossa (Spanien)
- Mansour Group: San Diego FC, FC Nordsjælland (Dänemark)
- DSM Football World: SV Lafnitz (Österreich), Haladás Szombathely (Ungarn), TSV Hartberg (Österreich), Viktoria Pilsen (Tschechien)
- Core Sports Capital: Clermont Foot (Frankreich), FC Biel (Schweiz), Austria Lustenau (Österreich)
- Joe Mansueto: Chicago Fire, FC Lugano (Schweiz)
- Atlético Madrid: Atlético Ottawa, Atlético San Luis (Mexico)
- SEH Sports & Entertainment Holding: Austria Klagenfurt, HNK Sibenik, Viktoria Berlin
- Dietmar Hopp / Hobra: TSG Hoffenheim, Académico de Viseu (Portugal), Barra FC (Brasilien)[12]
Kooperationsnetzwerke
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Um den MCOs eigene internationale Strukturen entgegenzusetzen, bauen Fußballclubs wie Bayern München, Ajax Amsterdam oder Benfica Lissabon eigene Kooperations-Netzwerke auf. Ob diese mit MCOs gleichzusetzen sind, ist umstritten. Einerseits behalten viele Clubs innerhalb der Netzwerke ihre Eigenständigkeit bei, andererseits funktionieren die Strukturen der Talente-Entwicklung analog zu MCOs.
Manche Netzwerke sind auch Mischformen, wie beispielsweise das Joint Venture Red&Gold Football, an dem der FC Bayern München und der Los Angeles FC als eigenständige Clubs beteiligt sind. Red&Gold ist Mehrheitsgesellschafter beim Racing Club Montevideo (Uruguay) und bei der Gambinos Group, die wiederum die von Helmut Hack gegründeten Fußballschulen Gambinos Stars Africa (Gambia), Senegal Elite Stars (Senegal) und Phoenix Sports Association (Kamerun) betreibt. Red&Gold führt außerdem die eigenständigen Clubs S.D. Aucas (Ecuador) und Jeju SK FC in Südkorea als Kooperationspartner.[13] Außerhalb von Red&Gold ist der LAFC Mehrheitseigentümer von Grasshoppers Zürich, mit denen wiederum der FC Bayern eine Leih- und Entwicklungspartnerschaft hat. Der LAFC hält außerdem einen Minderheitsanteil an Wacker Innsbruck.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- "50+1-Regelung" des DFB und Multi-Club Ownership-Beschränkungen Von T. Schmidt, S. Ernst, M. Wagner ISBN 978-3-640-13874-6, Verlag: GRIN Verlag
- The 50 + 1 Rule: What to Consider Before Buying a Football Club, ISBN 978-3-95489-243-3
- The Integrity of the Game and Shareholdings in European Football Clubs Von Marc Peterson, 2009, ISBN 978-3-640-43103-8, Verlag: GRIN Verlag
- Research Handbook on the Law of Professional Football Clubs Von Robby Houben, 2023, ISBN 978-1-80220-697-5, Verlag: Edward Elgar Publishing Limited
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Dokumentation Wie Multi-Club Ownerships den Fußball verändern von Frontal auf Youtube.com, 2024
- Website MCO Insights, 2026
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Piet Kreuzer: Die Gefahr der Multi-Club-Ownerships im Fußball Artikel auf Deutschlandfunk vom 29. Februar 2024
- ↑ Nick Harris: Multi-club ownership in football is on the rise - and it's a financial and ethical minefield (englisch) Kommentar auf sportingintelligence832.substack.com vom 21. Februar 2024
- ↑ Multi-Club Ownerships im Profifußball: Ein Trend – auch in Deutschland Artikel auf spobis.com vom 3. April 2023
- ↑ The Rise of Multi-Club Ownership (englisch) Kommentar bei The Swiss Ramble vom 8. Januar 2024
- ↑ Helene Altgelt: Multi-Club-Ownership: Neue Supergruppe entsteht im Frauenfußball Artikel auf 90min.de vom 19. Dezember 2023
- ↑ David Kulessa: Multi Club Ownerships im Fußball: Geschäft gegen die Fairness Artikel auf taz.de vom 22. Oktober 2023
- ↑ Christian Mixa: Zwei Klubs, ein Besitzer: Vorerst kein Wechselverbot bei Multi-Ownership Artikel im Deutschlandfunk vom 22. November 2023
- ↑ Philip Mussmann: FC Bayern München: Multi-Club-Ownership? Das bedeutet das Engagement in Uruguay Kommentar auf miasanrot.de vom 29. Januar 2024
- ↑ Jürgen Klopp spricht in Salzburg erstmals als Red-Bull-Mitarbeiter: Der Flügelheber ist da. Abgerufen am 25. April 2026 (österreichisches Deutsch).
- ↑ Trainer-Diskussion in Salzburg: Feuert Klopp seinen Ex-Co-Trainer? 4. November 2024, abgerufen am 25. April 2026.
- ↑ Wo ist eigentlich Kloppo? Salzburgs Reiter: "Nicht so viele Berührungspunkte". Abgerufen am 25. April 2026 (österreichisches Deutsch).
- ↑ Alexander Luethi: Global & kommerziell: Das wachsende MCO-Netzwerk im Fußball. In: Sky Sport Austria. 30. Januar 2026, abgerufen am 25. April 2026.
- ↑ Unsere Partner. In: Red&Gold Football. Red&Gold Football GmbH, 2026, abgerufen am 25. April 2026 (deutsch).