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Msidi

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Mwenda Msiri Ngelengwa Shitambi, genannt: Msidi. Abbildung aus dem Buch DE ANGOLA Á CONTRA-COSTA von Capello & H. R. Ivens (1886)

Msidi, auch: „M'Siri“, „Mziri“, „Msiri“ oder „Mushidi“, vollständiger Name: Mwenda Msiri Ngelengwa Shitambi[1] (* um 1830 in Tabora, heute: Tansania; † 20. Dezember 1891 im Munema, heute Demokratische Republik Kongo) war ein im Süden des Kongobeckens ansässiger Machthaber, Sklaven- und Elfenbeinjäger. Sein Herrschaftsgebiet wurde nach ihm Msidis Reich oder auch Königreich Yeke, Garanganze oder Garenganze bzw. Katanga genannt und existierte von etwa 1856 bis 1891 im Südosten der heutigen Demokratischen Republik Kongo. Er widersetzte sich dem Machtanspruch des Kongo-Freistaats über sein Herrschaftsgebiet und wurde im Zuge dieser Auseinandersetzung getötet.

Msidis Herkunft und Aufstieg

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Südliches Zentralafrika 1890. Die Karte zeigt die zentrale Lage von Msidis Königreich Yeke, die ungefähren Territorien von Msidis wichtigsten Verbündeten (Namen in Gelb) und den ungefähren Gebiete, die von europäischen Mächten besetzt wurden (Namen in Orange) ohne Einflusssphären oder Grenzen sowie die wichtigsten Handelsrouten. Der Handel an der Ostküste wurde vom Sultan von Sansibar kontrolliert. Einflussgebiete anderer Stämme sowie Frankreichs und des Deutschen Reiches sind nicht dargestellt.

Von Tabora nach Katanga

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Msidi war ein Nyamwezi aus Tabora im heutigen Tansania und wie sein Vater Kalasa im Kupfer-, Elfenbein- sowie im ostafrikanischen Sklavenhandel tätig. Als junger Mann war Msidi als Agent seines Vaters in der Region um den Luapula-Fluss westlich des Mwerusees geblieben. Sein Hauptsitz lag in der Stadt Bunkeya. Grundsätzlich wurde der Handel vom Sultan von Sansibar und seinen arabischen und suahelitischen Agenten kontrolliert. Die klassischen Haupthandelsrouten führten nach Ujiji am Tanganjikasee und dann zum Mwerusee und nach Katanga.[2]

Ausdehnung der Macht

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Msidi erkannte, dass der Zugang zu Waffen der Schlüssel zur Macht war und dass er sie im Austausch gegen Kupfer und Elfenbein aus Katanga erhalten konnte. Er stellte eine Miliz auf und begann, seine Nachbarn anzugreifen und ihre Gebiete zu erobern. Er heiratete außerdem in verschiedene Herrscherfamilien ein, unter anderem in die königliche Familie der Luba, und setzte seine Frauen als Spione ein.[3][4]

Für die Lieferung von Schusswaffen und Schießpulver war Msidi zunächst auf die Handelsverbindungen mit der Ostküste angewiesen, die durch das Gebiet seiner Rivalen transportiert wurden, was die Versorgung teuer und unzuverlässig machte. Um diese Abhängigkeit zu beenden, entschied er sich, sich der Westküste zuzuwenden und schickte seinen Neffen Molenga zu den portugiesischen und Ovimbundu-Händlern rund um Benguela in Angola. Ein Händler namens Coimbra wurde sein Lieferant. Auch im Nordwesten übernahm Msidi den Handel mit der Westküste, den vorher die Luba kontrolliert hatten, und stoppte ihre Expansion nach Süden.[3]

Msidi verfügte nun über die Macht und den Einfluss, um gleichberechtigte Bündnisse mit Kriegsherren wie Tippu Tip zu schließen, der den Osten des Kongo vom Tanganjikasee bis zum heutigen Uganda im Nordosten kontrollierte, und mit Warlords Nyamwezi Mirambo, der die Landroute zwischen dem Tanganjikasee und der Küste kontrollierte. Er versuchte, ihr System zu kopieren und ihm gelang schließlich, was andere Stämme und die Portugiesen ohne großen Erfolg versucht hatten: ein Handelsnetz über den gesamten Kontinent mit beiden Küsten.

Als David Livingstone 1867 Mwata Kazembe VIII, einen lokalen Herrscher auf dem Gebiet des heutigen Sambia besuchte, hatte Msidi bereits die Kontrolle über den größten Teil seines Territoriums und den Handel am Westufer des Luapula-Flusses übernommen. Als Tippu Tip Rache an Mwata Kazembe nehmen wollte, da dieser sechs seiner Männer getötet hatte, schloss Msidi 1870 ein Bündnis mit ihm, um Mwata Kazembe anzugreifen und zu töten.[5] Anschließend nahm Msidi Einfluss auf die Ernennung seiner Nachfolger und festigte damit auch seine Kontrolle über den Südosten von Katanga und seine Kupfervorkommen entscheidend.[6]

Msidis Strategie

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Msidis Lieblingsfrau, die portugiesisch-angolanische Maria de Fonseca, starb einen grausamen Tod durch Msidis Adoptivsohn und Nachfolger.

In dieser Zeit, in der die gesamte Region von bewaffneten Händlern dominiert wurde, war Msidi mit seinem System überaus erfolgreich. Die Kontrolle über die Handelsrouten zwischen dem Atlantik und dem Indischen Ozean erforderte allerdings ein hohes Maß an Rücksichtslosigkeit und Waffengewalt. Gegenüber seinen unmittelbaren Nachbarn verfügte Msidi über das, was man im Westen als „überlegene Militärtechnologie“ bezeichnen würde. Aber es erforderte weiterhin auch strategisches Vorgehen, List und Überzeugungskraft, um Bündnisse mit der Vielzahl anderer, weiter entfernterer Stämme, Herrscher und Händler zu schließen. Msidi erreichte dies zunächst durch seine über 500 Frauen. Gemäß seines Systems nahm er sich aus jedem Dorf eines untergeordneten Oberhaupts eine Frau, um diesen glauben zu lassen, er habe dadurch eine Fürsprecherin an Msidis Hof. Stattdessen wurde die Frau allerdings eingesetzt, um das Oberhaupt und dessen Familie auszuspionieren und Informationen über seine Machenschaften und seine Loyalität zu erhalten.[4] Die Ehefrau konnte im Falle einer Rebellion des lokalen Herrschers gegen Msidi auch als Geisel eingesetzt werden.

Auch Bündnisse mit mächtigen Handelspartnern wurden durch Heirat geschlossen. Seine Lieblingsfrau soll Maria de Fonseca gewesen sein, die Schwester seines portugiesisch-angolanischen Handelspartners Coimbra.[7] Msidi vermählte außerdem eine seiner eigenen Töchter mit Tippu Tip.[5]

Weiterhin war auch der Umgang mit christlichen Missionaren Teil von Msidis umfassender Strategie zu seinem Machterhalt. 1884 bat er den schottischen Missionar Frederick Stanley Arnot, der sich in Angola aufhielt, in seine Hauptstadt Bunkeya, 180 km westlich des Luapula-Flusses, um Informationen zum Umgang mit den heranrückenden europäischen Kolonialmächten einzuholen. 1886 traf Arnot ein und war der erste Weiße, der sich in Katanga niederließ. Drei Jahre später kehrte er nach Großbritannien zurück, um weitere Missionare anzuwerben, darunter Charles Swan und Dan Crawford.[8]

Die ersten Missionare in Katanga entschieden sich also nicht nur aus eigenem Antrieb für ihre Reise dorthin und Msidis Strategie ging auf: der Rat der Missionare verhinderte, dass er von den ersten britischen und belgischen Expeditionen übervorteilt wurde (siehe unten).[9] Es ist auch möglich, dass Msidi die Idee hatte, die Missionare im Falle eines Krieges mit den Europäern als Geiseln zu nehmen.[10] In Stairs Sicht waren die Missionare eindeutig Geiseln Msidis, die dieser auch als „weiße Sklave“ betitelt haben soll.[11]

Der Kampf um Katanga und die Ermordung Msidis

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Britische Expeditionen (Sharpe und Thomson), 1890

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Schließlich wurde allerdings die Konfrontation mit den Kolonialmächten, die sich das rohstoffreiche Gebite sichern wollten, unvermeidlich. Cecil RhodesBritish South Africa Company (BSAC) und der Kongo-Freistaat (CFS) des belgischen Königs Leopold II. wollten beide Verträge mit Msidi unterzeichnen, um ihre kolonialen Ambitionen in Katanga zu verwirklichen, und konkurrierten darum. Einige von Msidis untergeordneten lokalen Oberhäuptern und Handelskonkurrenten nutzten die Ankunft neuer Mächte in der Region, um Aufstände gegen seine Autorität anzuzetteln. Im November 1890 traf Alfred Sharpe im Auftrag der BSAC und des britischen Kommissars für Zentralafrika/Njassaland, Sir Harry Johnston, aus Njassaland in Bunkeya ein. Er brachte eine Mineralkonzession und einen britischen Protektoratsvertrag zur Unterzeichnung mit. Auch der Entdecker Joseph Thomson wurde von der BSAC entsandt, um Sharpes Mission in Bunkeya zu treffen und zu unterstützen. Doch ihre Route wurde durch eine Pockenepidemie blockiert, sodass die Mission nicht fortgesetzt werden konnte.[12]

Arnot befand sich noch in Großbritannien, doch die Missionare Charles Swan und Dan Crawford waren bereits vor Ort. Msidi und seine Beamten konnten kein Englisch lesen, und Sharpe schilderte das Abkommen positiv. Arnot hatte Msidi jedoch geraten, alle Verträge übersetzen zu lassen, und Swan gab ihm nun denselben Rat. Die Ratschläge der Missionare waren später Gegenstand von Ressentiments und Ärger von Seiten der BSAC,[9] denn als Msidi der Inhalt des Vertrags offenbart wurde, schickte er Sharpe wütend und mit leeren Händen fort.[6] Sharpe war sich danach sicher, dass Msidi seine Souveränität nicht an eine andere Macht abtreten würde, und riet Johnston, zu warten, bis er „aus dem Weg“ sei.

Belgische Expeditionen (Le Marinel und Delcommune), 1891

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Leopold II. entsandte seinerseits am 18. April 1891 eine Expedition von etwa 350 Mann unter der Führung von Paul Le Marinel. Als Ergebnis erhielt er einen kurzen Brief, unterzeichnet von Msidi und beglaubigt von Swan (und wahrscheinlich auch von ihm verfasst), in dem er erklärte, Msidi würde CFS-Agenten in seinem Gebiet akzeptieren.[13] Darin wurde allerdings weder die Zustimmung zum Hissen der CFS-Flagge noch die Anerkennung von Leopolds Souveränität erwähnt, und diese Ungenauigkeit des Briefes sollte Leopold vermutlich in Schach halten. Daher setzte der belgische König einige Monate später die Delcommune-Expedition nach, um diese Ziele zu erreichen, doch Msidi lehnte erneut ab. Da Leopold erwartete, dass die BSAC es mit Thomson erneut versuchen würde, beschloss er, bei seiner dritten Expedition im Jahr 1891 energischer vorzugehen.[14]

Die Stairs-Expedition und die Ermordung Msidis

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Am 14. Dezember 1891 traf die bewaffnete Stairs-Expedition der CFS mit 400 Soldaten und Trägern in Bunkeya ein. Angeführt wurde sie vom kanadischen Söldner Captain W. G. Stairs. Leopold hatte ihm befohlen, die Flagge der CFS zu hissen und die Souveränität über Katanga notfalls mit Gewalt zu beanspruchen.[15] Die Verhandlungen begannen, und Msidi deutete an, dass er einem Vertrag zustimmen würde, wenn er mit Schießpulver versorgt würde.[6]

Laut dem Arzt Joseph Moloney und dem Dritten Offizier der Stairs-Expedition Christian de Bonchamps gerieten die Verhandlungen dann allerdings ins Stocken und Stairs stellte Msidi ein Ultimatum, die Flagge der CFS auch ohne seine Zustimmung zu hissen. Msidi war in der Nacht in ein befestigtes Dorf in Munema am Rande von Bunkeya aufgebrochen. Am nächsten Tag, dem 20. Dezember 1891, schickte Stairs seinen Stellvertreter, den belgischen Leutnant Omer Bodson, mit Bonchamps und 100 Askaris los, um Msidi zu verhaften. Trotz de Bonchamps' Bedenken hinsichtlich der Gefahr marschierte Bodson mit einem Dutzend Männern nach Munema ein und stellte Msidi vor etwa 300 seiner Krieger zur Rede. Msidi sagte nichts, zog aber wütend das Schwert, das Stairs ihm zuvor geschenkt hatte. Bodson zog seinen Revolver und schoss dreimal auf Msidi. Es kam zu einem Handgemenge, bei dem Bodson von einem von Msidis Männern angeschossen und verwundet wurde. Bonchamps konnte Bodson zwar bergen, dieser starb aber kurze Zeit später.[16][17]

In einem 1892 in Paris veröffentlichten Artikel enthüllte Bonchamps, dass die Expedition, nachdem sie Msidis Leiche zurück in ihr Lager gebracht hatte, ihm den Kopf abschlug und ihn auf eine Stange steckte, um den Garanganze eine „barbarische Lektion“ zu erteilen.[17] Moloneys Buch schweigt zu diesem Thema.

Die Vorgänge in lokalen Überlieferungen

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Die mündlichen Überlieferungen der Garanganze enthalten einige widersprüchliche Angaben über den Vorfall. Diesen zufolge tötete Msidi Bodson mit einem Speer und wurde dann von anderen Expeditionsmitgliedern erschossen.[18]

Eine weitere mündliche Überlieferung der Garanganze besagt, dass der Leichnam, der ihnen von Stairs zur Bestattung zurückgebracht wurde, kopflos war und dass die Expedition den Kopf behielt. Gestützt auf einen Bericht der Garanganze schrieb Dan Crawford, der sich in einem 40 km entfernten belgischen Außenposten befand, dass Bodson nach der Erschießung Msidis Kopf abschlug und gerufen haben soll: „Ich habe einen Tiger getötet! Vive le Roi!“[19] Bodson war allerdings nachweißlich nicht derjenige, der Msidi enthauptet hatte. Die mündlichen Überlieferungen der Garanganze vermischen zuweilen die europäischen Offiziere – so verwechselt sie beispielsweise bisweilen Stairs und Bodson.

Einem Bericht zufolge war der Kopf nunmehr verflucht und tötete es jeden, der ihn trug.[18] Schließlich schloss dies auch Stairs selbst ein, der sechs Monate später auf der Rückreise an Malaria starb. Angeblich hatte er Msidis Kopf in einem Behälter Paraffin bei sich.[6] In der Geschichte von Msidis Nachfolgern heißt es, der Kopf sei unter einem Steinhaufen in Sambia begraben worden. Es heißt aber auch, Msidis Nachfolger habe „alle Europäer der Expedition gefangen und getötet“.[1]

1998 sagte der kongolesische Künstler Tshibumba Kanda-Matulu:

„Ehrlich gesagt wissen wir nicht, wohin dieser Kopf gelangt ist. Ist er in Europa, in einem Museum, im Haus Leopolds II. oder bei wem? Bis heute wissen wir es nicht.“[18]

Katanga nach Msidi

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Am Tag der Tötung Msidis kam es vor Ort zu Kämpfen und die Askari der Expedition verübten in der Folge in Munema ein Massaker, in dem viele von Msidis Leuten getötet wurden. Die Bevölkerung zerstreute sich und floh in den Busch. Msidis Hauptstadt Bunkeya und die umliegenden Dörfer hatten 1891 eine geschätzte Bevölkerung von 60.000–80.000.[4] Ein Jahr nach Msidis Tod waren es 10.000–20.000.

Unter der Bedingung, dass er die Verträge des Kongo-Freistaats unterzeichnete, setzte Stairs Msidis Adoptivsohn als Oberhaupt ein, allerdings in einem stark verkleinerten Gebiet, und stellte die Häuptlingsherrschaften der Wasanga wieder her, die Msidi 30 Jahre zuvor gestürzt hatte. Die Stairs-Expedition brach nach sieben Wochen auf, als eine weitere Expedition des Kongo-Freistaats unter der Führung von Lucien Bia aus dem Norden eintraf. Sie war zu klein, um die Kontrolle effektiv aufrechtzuerhalten, und zog nach Ost-Katanga. Da keine Truppen des Kongo-Freistaats zur Aufrechterhaltung des Friedens zur Verfügung standen, herrschten für einige Zeit Unordnung und Instabilität in dem von Msidi hinterlassenen Machtvakuum, während lokale Oberhäupter untereinander kämpften. Dan Crawford zog zum Mwerusee und gründete eine Mission, zu der viele Garanganze zogen, um den Konflikten zu entkommen.[6]

Die Briten akzeptierten nunmehr den Besitz von Katanga durch den Kongo-Freistaat, dessen Verwaltung Leopold II. in die Hände der 1891 gegründeten Compagnie du Katanga legte. 1894 wurde ein britisch-belgisches Abkommen unterzeichnet. Der Sklavenhandel von Südost-Katanga bis zum Tanganjikasee ging zurück, doch im Freistaat Kongo endete die Sklaverei, wie sie von den Agenten König Leopolds II. praktiziert wurde, erst nach der Übernahme des Landes durch den belgischen Staat im Jahr 1908. Nachdem die Ordnung nach und nach wieder hergestellt war, kehrten einige Garanganze nach Bunkeya zurück und führten die Garanganze-Häuptlingsherrschaft fort, die trotz jahrelanger innerer Verbannung bis heute besteht. Bis heute tragen die Herrscher den Namen „Mwami Mwenda“ nach Msidis Vornamen[1] und herrschen über eine Bevölkerung von etwa 20.000 Menschen.

Einordnung und Bewertung

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Msidis Boma in Bunkeya. Die Gegenstände auf den vier Pfählen, unter denen einige von Msidis Kriegern versammelt sind, sind Köpfe seiner Feinde. Weitere Schädel befinden sich auf den Pfählen, die die Palisade bilden.[17]

Verschiedenen zeitgenössischen Berichten zufolge kann es kaum Zweifel daran geben, dass seine Herrschaft willkürlich, rachsüchtig, grausam und despotisch war. Msidi war ein Kriegsherr, der seine Nachbarn versklavte und dessen Hauptstadt von Palisaden umgeben war, an denen die Schädel seiner Feinde hingen.[9]

Msidi soll seine Feinde und andere Übeltäter durch Verstümmelung (Abschneiden von Ohren), Vergraben bis zum Hals und Verhungernlassen oder Einsperren in einer Hütte, wo sie von einem Rudel ausgehungerter Hunde gefressen wurden, bestraft haben.[20] Hinrichtungen durch Enthauptung wurden mit Sicherheit durchgeführt, wie die auf Pfählen platzierten Köpfe bezeugen. Ironischerweise behandelte die Stairs-Expedition Msidi selbst auf dieselbe Weise[17] (und Leopolds Regime im Kongo-Freistaat hängte Köpfe und Leichen von Dorfbewohnern als Warnung an Zäune, etwa wenn die Einwohner ihre Kautschukquote nicht erfüllten).[21]

Arnots Beschreibung von Msidi

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Die zeitgenössischen schriftlichen Berichte über Msidi stammen alle von Personen, die entweder von Leopold II. oder der BSAC bezahlt wurden, oder basieren auf deren Berichten. Einzige Ausnahme waren Arnot und seine Missionarskollegen, die neutralen Beobachtern am nächsten kamen. Arnot bezeichnete Msidi als „einen durch und durch Gentleman“ und baute eine Arbeitsbeziehung zu ihm auf, die von gegenseitigem Respekt geprägt war. Msidi stellte Arnot Land zur Verfügung, um seine eigene Hütte, eine kleine Klinik, eine Kirche und eine Schule zu bauen. Nach seiner Rückkehr nach London rekrutierte Arnot drei weitere Missionare für Msidi in Bunkeya.[9]

In Arnots Tagebüchern heißt es über sein Leben in Bunkeya:

“…the quietness and peace that reigns is remarkable. The fear of Msiri is great. He is sharp and severe in his government, though I see or hear of nothing in the way of torture or cruelty ... executions are common, but death is inflicted at once ... [the cases] have been those of actual crime…”

„… die Ruhe und der Frieden, die dort herrschen, sind bemerkenswert. Die Angst vor Msidi ist groß. Er ist scharfsinnig und streng in seiner Regierung, obwohl ich weder Folter noch Grausamkeit sehe noch höre … Hinrichtungen sind üblich, aber der Tod wird sofort vollstreckt … [Die Fälle] waren tatsächliche Verbrechen …“

Frederick Stanley Arnot[4]

Die Berichte der Stairs-Expedition

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Moloney, der Arzt der Stairs-Expedition, verfasste seinen Bericht nach seiner Rückkehr nach London im Jahr 1892.

Er zitiert die letzten Worte Omer Bodsons:

“I don't mind dying now that I've killed Msiri. Thank God my death will not be in vain. I've delivered Africa from one of her most detestable tyrants.”

„Nachdem ich Msidi getötet habe, macht mir der Tod nichts aus. Gott sei Dank wird mein Tod nicht umsonst gewesen sein. Ich habe Afrika von einem seiner abscheulichsten Tyrannen befreit.“

Omer Bodson (zitiert nach Joseph Moloney)[22]

Weiterhin bemerkte Moloney allerdings auch, dass Msidi in London seine „Apologeten“ hatte.[23] Beeinflusst von den Schriften von Männern wie Livingstone begann die öffentliche Meinung in Großbritannien lautstark Reformen zu fordern, die den indigenen Untertanen des Britischen Empire zugutekamen.[24] König Leopold II. musste den Anspruch seines Freistaats Kongo auf Katanga allerdings weiterhin gemäß dem Effektivitätsprinzip der Berliner Kongokonferenz legitimieren, daher war eine Rechtfertigung für die Tötung Msidis erforderlich. Die Berichte der Stairs-Expedition wurden somit auch verwendet, um Selbstverteidigung als Todesgrund hervorzuheben, verbunden mit der Behauptung, Msidi sei ein blutrünstiger Tyrann gewesen.[25] Moloneys Zitat von Bodsons dramatischen Sterbeworten trug in dieser Hinsicht dazu bei.

Abschließend bleibt die Frage, ob Msidi bereits vor seiner Ermordung in gleichem Maße als blutrünstiger Tyrann bezeichnet wurde, als die imperialistischen Mächte noch eifrig um seine Unterschrift unter einen Souveränitätsvertrag warben.

  • Stichwort: Msiri. Encyclopædia Britannica. 2007. Link. Abgerufen am 25. Mai 2026.
  • Mwami Msiri Ngelengwa Shitambi (msiri veut dire “la terre, le sol”) Roi du Garaganza 1850-20 Décembre 1891. Auf der privaten Website: www.kingmsiri.com Archivierter Link. Abgerufen am 17. Mai 2026 (in französischer Sprache).

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 Mwami Msiri, King of Garanganze (Memento vom 18. Juli 2019 im Internet Archive) Abgerufen am 25. Mai 2026.
  2. Joseph A. Moloney: With Captain Stairs to Katanga: Slavery and Subjugation in the Congo 1891–92. Sampson Low, Marston & Company. London. 1893. S. 172–173. (Reprint: Jeppestown Press, ISBN 978-0-955393-655)
  3. 1 2 The Story of Africa: The East African Slave Trade. British Broadcasting Corporation (World Service). Abgerufen am 8. Februar 2007.
  4. 1 2 3 4 R. S. Arnot: "F S Arnot and Msidi", Northern Rhodesia Journal, III (5) (1958). S. 428–434. Abgerufen am 8. Februar 2007.
  5. 1 2 David Livingstone und Horace Waller (Hrsg.): The Last Journals of David Livingstone in Central Africa from 1865 to his Death. 2 Bände. John Murray. London.
  6. 1 2 3 4 5 David Gordon: Decentralized Despots or Contingent Chiefs: Comparing Colonial Chiefs in Northern Rhodesia and the Belgian Congo. In: KwaZulu-Natal History and African Studies Seminar. University of Natal. Durban. 2000.
  7. Joseph A. Moloney: With Captain Stairs to Katanga: Slavery and Subjugation in the Congo 1891–92. Sampson Low, Marston & Company. London. 1893. S. 174–175. (Reprint: Jeppestown Press, ISBN 978-0-955393-655)
  8. J. Keir Howard: Arnot, Frederick Stanley. (Memento vom 27. September 2007 im Internet Archive) In: Dictionary of African Christian Biography. Abgerufen am 9. Februar 2007.
  9. 1 2 3 4 J. Keir Howard: Arnot, Frederick Stanley 1858 to 1914. Open Brethren (Christian Missions in Many Lands), Central Africa. (Memento vom 27. September 2007 im Internet Archive) Abgerufen am 18. Mai 2026.
  10. Joseph A. Moloney: With Captain Stairs to Katanga: Slavery and Subjugation in the Congo 1891–92. Sampson Low, Marston & Company. London. 1893. S. 180. (Reprint: Jeppestown Press, ISBN 978-0-955393-655)
  11. Brief von Stairs an Frederick Arnot vom 29. Dezember 1891, wiedergegeben in: R. S. Arnot: F S Arnot and Msidi. Veröffentlicht in: Northern Rhodesia Journal. III (5). 1958. S. 428–434. Link abgerufen am 8. Februar 2007.
  12. Joseph A. Moloney: With Captain Stairs to Katanga: Slavery and Subjugation in the Congo 1891–92. Sampson Low, Marston & Company. London. 1893. Kapitel I. (Reprint: Jeppestown Press, ISBN 978-0-955393-655)
  13. Le Capitaine Paul le Marinel & Alexandre Delcomune. In: Les Expatries Lubumbashi. Exzerpt aus der Geschichte des belgischen Bergbauunternehmens Union Minière du Haut Katanga, 1906−1956.
  14. Joseph A. Moloney: With Captain Stairs to Katanga: Slavery and Subjugation in the Congo 1891–92. Sampson Low, Marston & Company. London. 1893. S. 6–9. (Reprint: Jeppestown Press, ISBN 978-0-955393-655)
  15. Joseph A. Moloney: With Captain Stairs to Katanga: Slavery and Subjugation in the Congo 1891–92. Sampson Low, Marston & Company. London. 1893. S. 9–12. (Reprint: Jeppestown Press, ISBN 978-0-955393-655)
  16. Joseph A. Moloney: With Captain Stairs to Katanga: Slavery and Subjugation in the Congo 1891–92. Sampson Low, Marston & Company. London. 1893. Kapitel XI, S. 182–194. (Reprint: Jeppestown Press, ISBN 978-0-955393-655)
  17. 1 2 3 4 René De Pont-Jest: L'Expédition du Katanga, d'après les notes de voyage du marquis Christian de Bonchamps. In: Édouard Charton (Hrsg.): Le Tour du Monde. 1892.
  18. 1 2 3 Johannes Fabian: The history of Zaire as told and painted by Tshibumba Kanda Matulu in conversation with Johannes Fabian. In: Archives of Popular Swahili. University of California Press. Volume 2, Issue 1. 1998. ISSN 1570-0178.
  19. G. E. Tilsley: Dan Crawford: Missionary and Pioneer in Central Africa. Oliphants. London. 1929.
  20. Joseph A. Moloney: With Captain Stairs to Katanga: Slavery and Subjugation in the Congo 1891–92. Sampson Low, Marston & Company. London. 1893. Kapitel X. (Reprint: Jeppestown Press, ISBN 978-0-955393-655)
  21. Joseph A. Moloney: With Captain Stairs to Katanga: Slavery and Subjugation in the Congo 1891–92. Sampson Low, Marston & Company. London. 1893. Kapitel X. (Reprint: Jeppestown Press, ISBN 978-0-955393-655)
  22. Joseph A. Moloney: With Captain Stairs to Katanga: Slavery and Subjugation in the Congo 1891–92. Sampson Low, Marston & Company. London. 1893. (Reprint: Jeppestown Press, ISBN 978-0-955393-655)
  23. Joseph A. Moloney: With Captain Stairs to Katanga: Slavery and Subjugation in the Congo 1891–92. Sampson Low, Marston & Company. London. 1893. S. 178. (Reprint: Jeppestown Press, ISBN 978-0-955393-655)
  24. Corelli Barnett: The Audit of War: The Illusion and Reality of Britain as a Great Nation. Macmillan. London. 1986.
  25. E. G. Ravenstein: Recent Explorations in the South-Eastern Congo Basin. In: The Geographical Journal. Band 1. Nr. 3 (März 1893).