Mountstuart Elphinstone

Mountstuart Elphinstone (* 6. Oktober 1779 in Dumbarton, West Dunbartonshire, Schottland; † 20. November 1859 in Hookward Park, Surrey) war ein britischer Kolonialverwalter in Indien sowie Geschichtsschreiber und Gouverneur von Bombay.
Herkunft und erste Jahre
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Elphinstone war der vierte Sohn des Adligen John Elphinstone, 11. Baron Elphinstone (26. Januar 1737 – 19. August 1794), und dessen Ehefrau Anne (geborene Ruthven; † 28. Oktober 1801), einer Tochter des Lords James Ruthven. Er hatte insgesamt sieben Geschwister. Seine Kindheit verbrachte er zunächst in Cumbernauld. Als sein Vater zum Lieutenant-Governor von Edinburgh Castle ernannt wurde, besuchte er von 1791 bis 1792 die dortige Royal High School. Anschließend wechselte er an eine Privatschule nach Kensington. Durch die Fürsprache seines Onkels William Elphinstone (13. September 1740 – 3. Mai 1834), der Mitglied der Direktion der Ostindien-Kompanie war, konnte Elphinstone in den öffentlichen Dienst in Bengalen eintreten und schiffte sich für eine Reise nach Indien ein.[1]
Wirken in Indien
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 26. Februar 1796 erreichte Elphinstone Kalkutta. Eigentlich wollte er eine militärische Laufbahn einschlagen und wurde von John Shore zu seinem älteren Bruder James Ruthven Elphinstone (1776 – 1. August 1828) nach Benares versetzt. Dort diente er unter Samuel Davis, der sich sehr gut mit dem Sanskrit auskannte, und kam durch diesen erstmals mit der indischen Literatur in Berührung. Er verbrachte den Großteil seiner Zeit damit, intensiv Literatur zu studieren und legte den Grundstein für seine Liebe zu den Klassikern. Wazir Ali Khan, der von Lord Shore im Mai 1798 als Nawab von Oudh abgesetzt und nach Benares verbannt worden war, ermordete am 14. Januar 1799 den dortigen Residenten Cherry und stiftete die Bevölkerung dazu an, alle Engländer des Standorts ebenfalls zu töten. Elphinstone konnte diesem Massaker nur knapp entkommen. Am 1. Januar 1801 kam er an das College von Fort William in Kalkutta, das zur Ausbildung junger Beamter dort eröffnet worden war. Am 6. März 1801 begab er sich als Attaché des Agenten des Generalgouverneurs Josiah Webbe an den Hof des Peshwa Baji Rao II. (1796–1818) in Poona, des Adoptivvaters von Nana Sahib. Gemeinsam mit seinem Freund Edward Strachey, der auf den Posten des Sekretärs berufen wurden war, reiste Elphinstone nach Madras und sie durchquerten von dort aus das Hochland von Dekkan. Elphinstone hielt seine Erlebnisse in Tagebüchern fest.
Als General Arthur Wellesley im Zuge des Zweiten Marathenkriegs gegen den Sindhia ins Feld zog, wurde Elphinstone seinem Stab zugeteilt. Am 23. September 1803 kämpfte er in der Schlacht von Assaye an dessen Seite. Zwei Monate später nahm er an der Schlacht von Argaum und schließlich an der Belagerung von Gáwilgarh teil. Für seine Verdienste in diesen Schlachten wurde Elphinstone auf Empfehlung des Generals auf den Posten des Residenten am Hofe des Bhonsla in Nagpur berufen, wo er die nächsten viereinhalb Jahre verbrachte und sich wieder seinen Studien widmete. Mitte des Jahres 1808 erfolgte seine Ernennung zum Gesandten am afghanischen Hof zu Kabul. 1810 wurde er Resident in Poona und als der Peshwa im Jahr 1815, im Zuge von Verhandlungen mit einem benachbarten Marathenfürsten, die Ermordung des Gesandten des Fürsten duldete schritt Elphinstone ein. Er ließ dem Peshwa mitteilen, dass es Indizien und Beweise gebe, die auf dessen Gefolgsmann Trimbukjee Danglia als Täter hindeuteten und forderte ihn auf diesen zu bestrafen. Trimbukjee wurde zwar unter Arrest gestellt konnte jedoch entkommen. Am 10. Mai 1816 erhielt Elphinstone aus Kalkutta die Weisung sich für einen Konflikt zu rüsten. Am 13. Juni 1816 wurde ein neuer Vertrag mit dem Peshwa unterzeichnet, in dem dieser den Forderungen der britischen Regierung nachkommen sollte. Einen Tag später wurde Elphinstone durch General Thomas Hislop abgesetzt, der den Posten übernahm.
Am 18. Oktober 1817 ließ der Peshwa die Residenz einzukesseln und Elphinstone forderte Truppen zur Verstärkung ihrer Verteidigung an. Als am Nachmittag des 5. November der Angriff erfolgte, verließ er die Residenz und zog sich in ein Lager bei Kirkee zurück. Die Marathen brannten alle Gebäude nieder. Er trug bei Ausbruch des Dritten Marathenkrieges dazu bei rechtzeitig mit Vorbereitungen für die Schlacht von Khadki zu beginnen. 1819 erhielt er das Angebot Gouverneur von Bombay zu werden.[1]
Weiteres Engagement
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1820 trat Elphinstone seine Stellung als Gouverneur von Bombay an. Er begann damit ein umfassendes Gesetzeswerk, den sogenannten „Elphinstone Code“, zu erarbeiten, der vierzig Jahre Bestand haben sollte. Damit legte den Grundstein für ein öffentliches Bildungssystem. 1827 kehrte er, nach seinem besonders auf dem Gebiet der Erziehung und Ausbildung der Einheimischen basierenden Engagement, nach Großbritannien zurück. Dort widmen er sich ganz der literarischen Tätigkeit. Zu seinem Abschied aus dem Amt wurde er durch dier Bevölkerung gewürdigt und es wurde beschlossen zu seinen Ehren in Bombay ein College mit seinem Namen zu gründen, an dem insbesondere jene Fächer unterrichtet werden sollten, die ihn selbst interessiert hatten. Auf den Vorschlag soll er mit den Worten “Hoc mille potius signis” (deutsch: „Dies ist besser als tausend andere Ehrungen“) geantwortet haben.
Nach der Rückkehr aus Bombay unternahm er ab November 1827 Reisen durch Griechenland und lernte in Athen die griechischen Anführer Ioannis Kapodistrias und Theodoros Kolokotronis kennen. Er verbrachte einen Winter in Italien und reiste im April nach Paris. Schließlich kehrte er im Mai 1829 nach London zurück. Um ihn zu ehren, sollte ihm der Titel Baronet (Peerswürde) verliehen werde, was er jedoch, ebenso wie einen Sitz im Parlament, das Amt des Generalgouverneurs von Indien, des ständigen Unterstaatssekretärs im Kontrollrat sowie für eine Sondergesandtschaft nach Kanada, ablehnte. Am 5. April 1830 wurde er zum Mitglied der Royal Society of Edinburgh gewählt und seit 1833 war er Mitglied der Highland Society.[2]
Stattdessen verbrachte er die Jahre seines Ruhestands mit Studien und mit Reisen. Er wurde Mitglied der „Society of Dilettanti“ und verfasste informative Abhandlungen. Sein Hauptwerk war die History of India. Seit 1847 wohnte er in einem Haus in Surrey und bekräftigte seine Ablehnung gegenüber der durch George Ramsay forcierten „Annexionspolitik“.
In der Nacht zum 20. November 1859 erlitt er in seinem Haus in Hookwood einen Schlaganfall. Elphinstone wurde auf dem Kirchhof von Limpsfield beigesetzt und in der St. Paul’s Cathedral wurde ihm zu Ehren eine Statue errichtet.[1]
Schriften (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- An account of the Kingdom of Caubul, and its dependencies in Persia, Tartary, and India …. 2 Bände, Richard Bentley, London 1819 (archive.org, archive.org).
- Geschichte der englischen Gesandtschaft an den Hof von Kabul im Jahre 1808: nebst Nachrichten über das Königreich Kabul, den dazu gehörigen Ländern und Völkerschaften. Weimar 1817, Band 1 (archive.org); Band 2 (archive.org).
- Opinions upon some of the leading questions, co nected with the government of British India. 1831 (Hauptwerk, umfassende, auf orientalische und persische Quellen gestützte Geschichte Indiens).
- A history of India: the Hindoo and Muhammedan periods. 1841 (5. Auflage, mit Anmerkungen von Cowell, 1866), deren Einleitung sogar in das Marathische (Puna 1855) übersetzt wurde.
- Edward Colebrooke (Hrsg.): The rise of the British power in the east. John Murray, London 1887 (Postum aus seinem Nachlass erschienen, archive.org).
Dedikationsnamen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Nilgiritaube trägt zu seinen Ehren das Artepitheton elphanstonii.[3]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- J. W. Kaye: Mountstuart Elphinstone: In memoriam. In: Once a Week. Band 1: July to December 1859. Nr. 24, Bradbury and Evans, London 10. Dezember 1859, S. 582–584 (englisch, Volltext [Wikisource]).
- John Francis Davis: Vizier Ali Khan; or, The massacre of Benares: a chapter in British Indian history. Spottiswoode & Co., London 1871 (englisch, Textarchiv – Internet Archive).
- William Browning Smith: The Honourable Mountstuart Elphinstone. In: Encyclopædia Britannica. 9. Auflage. Band 8: Eleanor–Fakir. 1878, S. 153–154 (englisch, Volltext [Wikisource]).
- G. W. Forrest: Selection from the minutes and other official writings of the Mountstuart Elphinstone. London 1884.
- Henry Thomas Colebrooke: Life of the Honourable Mountstuart Elphinstone. London 1884, 2 Bände (archive.org, archive.org).
- Elphinstone, (spr. éllfinston), Mountstuart. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 5, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig/Wien 1885–1892, S. 570–571.
- Henry George Keene: Elphinstone, Mountstuart. In: Leslie Stephen (Hrsg.): Dictionary of National Biography. Band 17: Edward – Erskine. MacMillan & Co., Smith, Elder & Co., New York City / London 1889, S. 326–328 (englisch, Volltext [Wikisource]).
- James Sutherland Cotton: Mountstuart Elphinstone. (= Rulers of India.) The Cleardon Press, Oxford 1892 (archive.org).
- Elphinstone, Lord Elphinstone. In: James Balfour Paul (Hrsg.): The Scots Peerage. Band 3: Crawford–Falkland. David Douglas, Edinburgh 1906, S. 525–554 (englisch, Textarchiv – Internet Archive – Familienartikel, hier S. 550–551).
- Elphinstone, Mountstuart. In: Encyclopædia Britannica. 11. Auflage. Band 9: Edwardes – Evangelical Association. London 1910, S. 298–299 (englisch, Volltext [Wikisource]).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Montstuart Elphinstone theory.tifr.res.in (GFDL site)
- Mountstuart Elphinstone British colonial official. In: Encyclopædia Britannica. (englisch).
Einzelbelege
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 Henry George Keene: Elphinstone, Mountstuart. In: Leslie Stephen (Hrsg.): Dictionary of National Biography. Band 17: Edward – Erskine. MacMillan & Co., Smith, Elder & Co., New York City / London 1889, S. 326–328 (englisch, Volltext [Wikisource]).
- ↑ Elphinstone, Mountstuart. 06/10/1779–20/11/1859. Ref: 495. Male. In: Royal Society of Edinburgh (Hrsg.): Former Fellows of The Royal Society of Edinburgh 1783–2002. Band 1: Biographical Index Part One, S. 293 (englisch, rse.org.uk [PDF]).
- ↑ Bo Beolens, Michael Watkins: Whose Bird? Men and Women Commemorated in the Common Names of Birds. Christopher Helm, London 2003, S. 205.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Elphinstone, Mountstuart |
| KURZBESCHREIBUNG | schottischer Chronist |
| GEBURTSDATUM | 6. Oktober 1779 |
| GEBURTSORT | Dumbarton, West Dunbartonshire |
| STERBEDATUM | 20. November 1859 |
| STERBEORT | Surrey |